| Erich Später: Kein Frieden mit
Tschechien. Die Sudetendeutschen und ihre
Landsmannschaft Hamburg: Konkret, 2005. Broschiert, 168 Seiten |
| Ob der Autor Erich
Später in Kein Frieden mit Tschechien die ganze Geschichte von
allen Seiten erzählt, mag man bezweifeln. Man wird es kaum erwarten. Sein
Verdienst ist es allerdings, dass er nicht 1945 anfängt, sondern 1918 (S.
12). Bei der Beurteilung dieses Werks kommt es nicht auf die gesellschaftliche oder weltanschauliche Position des Autors an (wie ein anonymer Kritiker auf amazon meinte), sondern allein auf die geschichtlichen Vorgänge: sind sie korrekt und umfassend geschildert? Ich meine: ja. |
| Nach dem von Deutschland mitentfachten
1. Weltkrieg zerfiel Österreich-Ungarn und 1918 wurde die CSR
gegründet mit erheblichen deutschsprachigen Anteilen. Von den 15,2
Millionen Einwohnern waren die Bürger deustcher Herkunft (neben Ukrainiern
und Ungarn) mit 3,2 Millionen die größte Minderheit.
Schon 1919 garantierte die CSR Zweisprachigkeit, wenn er jeweilige Anteil 20
Prozent überschritt. Die CSR bot nach 1933 vielen Deutschen, die vor den
eigenen NS-Schergen fliehen mussten, Zuflucht. Prag war von 1933 bis 1938 eine
Zentrum der deutschen Emigration. Mir fällt spontan Oskar Maria Graf ein, doch Hunderte anderer
wären hier zu nennen. Das Münchner Abkommen das ohne Beteiligung der hauptbetroffenen CSR zustande kam zerschlug die CSR: das Sudetenland wurde dem Deutschen Reich zugeschlagen. Es folgte die deutsche Annexion von Rest-Tschechien und eine siebenjährige Terrorherrschaft. Es wurden 260.000 tschechoslowakische Bürger jüdischer Herkunft ermordet und nach dem deutschen Endsieg plante man die Auslöschung der tschechischen Nation. Dabei spielte die sudentendeutsche Bevölkerung eine enorm wichtige Rolle (NS-Mustergau Sudetenland, S. 11-40). "Zurecht musste man bei einer Niederlage der Besatzungsmacht Deutschland erwarten, dass sich der jahrelang aufgestaute Hass entlädt" (S. 37). Erst vor diesem gerafften Hintergrund kann man die Benes-Dekrete ( |
| Das alles im
vorliegenden Buch lasen die heutigen Sudetendeutschen und ihre Sympathisanten
nicht gerne, wie eine Dokumentation der Leserbriefauslese von Konkret belegt (
( |
| In den weiteren Kapitel schildert der
Autor wie sich die Landsmannschaften nach dem Krieg bildeten. Die
Entnazifizierung schlug fehl, viele NS-Täter gelangten wieder an wichtige
politische und wirtschaftliche Positionen. Auch in der Bundesversammlung der
Sudetendeutschen Landsmannschaft tummelten sich die alten NS-Größen
und die neuen Nazi-Revisionisten. In einem Exkurs geht der Autor auf die Charta der Deutschen Heimatvertriebenen von 1950 ein. Er thematisert dabei nicht einmal, dass schon der erste Satz der Charta den Geist, in dem sie geschrieben wurde, verrät. Er lautet: 1. Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung. Das unterstellt, dass es etwa zu vergelten gibt. Man kann nur auf etwas verzichten, von dem man meint, es steht einem zu. |
| Interessant ist auch die Kontinuität der NS-Bonzen in der frühen BRD und in den Landsmannschaften und ihren Unter- und Beigliederungen. |
| Erich Später, * 1959, Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung im Saarland |
| Die Opfermythologie
der Vertriebenen wird gründlich befragt, ich meine sogar: zerstört.
Kein Frieden mit Tschechien unbedingt lesen, wenn man über das Thema Vertreibung aus den Sudeten und die Benes-Dekrete seriös mitreden will. |
| Links |
| Literatur |
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| Beppo Beyerl: Die
Bene-Dekrete. Promedia, 2002. Broschiert
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