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Dieter E. Zimmer zu selbst ernannt
Dieter E. Zimmer zu "selbst ernannt"
Zeitspiegel, Die Zeit 23. September 1999
Das Attribut selbst ernannt ist kein Kompliment an den Selfmademan. Es ist ein Schimpfwort, und zwar eins der tückischen, durch nichts widerlegbaren, gegen die der Beschimpfte wehrlos ist. Was es ihm an den Kopf wirft, ist eine Art Amtsanmaßung: dass er sich als etwas ausgibt, wozu er nur von anderen gemacht werden könnte. Manchmal trifft solche Schimpfe, öfter trifft sie daneben. Das Sektenoberhaupt als der „selbst ernannte »Sohn Gottes«”: Okay, zum Sohn Gottes kann man sich nicht selbst ernennen, obwohl es da ein berühmtes Beispiel geben soll. Die „selbst ernannten Märtyrer”, der „selbst ernannte arktische Superheld”: Es ist zwar nicht unerlaubt, aber immerhin unanständig, sich selber so zu bezeichnen, und wenn die Betreffenden das wirklich getan haben, verdienen sie Schimpfe.
Selbst ernannte »Patrioten«”, „die selbst ernannten Demokraten um Jelzin”: Solche Titel darf sich nun aber jeder selbst zulegen, und jeder darf sie ihm streitig machen – inhaltlich, nicht per Rüge der Bezeichnungsprozedur. Die „selbst ernannten Macher von Rot-Grün”: Hier lautet der implizierte Tadel, die „Macher” hätten förmlich ernannt werden müssen, und der ist töricht.
© Dieter E. Zimmer. Zeitspiegel, Die Zeit 23. September 1999.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Dieter E. Zimmer: * 1934 in Berlin; studierte Literatur- und Sprachwissenschaft in Berlin, den USA und der französischen Schweiz; lebt seit 1959 in Hamburg; lange Redakteur der Wochenzeitung "Die Zeit"; heute freier Schriftsteller und Übersetzer; seit 1989 Herausgeber der deutschen Gesamtausgabe von Vladimir Nabokov; engagierter Lobbyist der Bibliotheken und der Literatur.

Dieter E. Zimmer zu selbst ernannt
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