| Forderungen nach Selbstzensur und
Verurteilung von Selbstzensur Je nach Religion und Herkunft propagieren Politiker dieses oder jenes |
| Stimmen zur Selbstzensur |
| Günther Beckstein, Vorsitzender der Innenministerkonferenz, CSU: Es ist unerträglich, dass die Angst vor islamistischem Terror die Absetzung der Oper bewirkt hat. Das ist ein gefährliches Signal für die Kunst- und Meinungsfreiheit. Die Welt 27.09.2006 |
| Der kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen: Mit der Berliner Opernentscheidung, die einem Kniefall vor Terroristen gleichkommt, wird die Szene der Radikalen geradezu ermutigt, weiter vermehrt Druck und Drohung auf die abendländische Kultur und das Christentum auszuüben. Die Welt 26.09.2006 |
| Wolfgang Bosbach, CDU, warnte vor Selbstzensur. Die Welt 26.09.2006 |
| Joachim Herrmann,
Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag: Es war sicher ein
Fehler eine Oper aus Angst vor islamischer Gewalt abzusetzen. Besser wäre
es aber gewesen, die Berliner Neuenfels-Inszenierung der Mozartoper Idomeneo
schon früher zu hinterfragen. 27.9.2006 An Herrmanns Haltung ist zu begrüßen, dass er als einer der wenigen Politiker, konsequent gegen die Meinungsfreiheit eingestellt ist: er verurteilt "Popetown" ( |
| Eher verhalten und ausgewogen, wohl im Hinblick auf Zensurforderungen seitens der Katholischen Kirche (Madonna, Popetown) und Freiheit der Rede andrerseits (Islam-Zitat von Joseph Ratzinger in Regensburg September 2006) äußerte sich Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (katholisch): "Es gibt eine zerbrechliche Balance zwischen dem Recht der Kunst und der freien Meinungsäußerung auf der einen sowie dem Recht auf Achtung und Respekt vor der religiösen Überzeugung auf der anderen Seite." OVB, 30.9.2006, S. 4 |
| Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU: Wir müssen aufpassen, dass
wir nicht aus Angst vor gewaltbereiten Radikalen immer mehr zurückweichen.
Selbstzensur aus Angst ist nicht erträglich. Die Welt 27.09.2006 |
| Kulturstaatsminister Bernd Neumann, CDU, warnte ebenfalls vor Selbstzensur in
der Kunst. Die Welt 26.09.2006 |
| Peter Ramsauer, CSU: Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang, den hat es so in dieser Form in Deutschland überhaupt noch nicht gegeben. ... das ist die nackte Angst vor Gewalt. Das ist nichts als pure Feigheit. Die Welt 26.09.2006 |
| Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, CDU, reagierte empört: Das ist verrückt. Die Welt 25.09.2006 |
| Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse, SPD: Soweit ist es gekommen, dass die Freiheit der Kunst eingeschränkt wird. ... Was wird das nächste sein? Werden wir die Freiheit der Rede oder der Predigt einschränken, nur weil wir Angst haben vor möglichen Anschlägen?. Die Welt 26.09.2006 |
| Madonna am Kreuz |
| Madonna führte in ihrer aktuellen Bühnenshow eine umstrittene Kreuzigungs-Szene auf. Nach Protesten christlicher Gruppen schlug sich die gewagte christliche Symbolik für Madonna in barer Münze aus. Die "Confessions"-Tournee ist laut geschätzten Angaben der Veranstalter mit knapp 200 Millionen Dollar Gewinn aus 60 Auftritten die Tour mit den höchsten Einspielzahlen einer weiblichen Künstlerin. Spiegel Online 22. September 2006 |
| Zu ihrem Konzert in Rom hatte Madonna den Papst Joseph Ratzinger eingeladen, um auf die Kritik der katholischen Kirche zu reagieren. Dieser kam nicht zur umstrittenen Bühnenshow "Confessions On A Dancefloor". Madonna begeistert Römer mit Kreuz und Krone |
| Stimmen mit Forderung nach Zensur oder Selbstzensur |
| Katholische, muslimische und jüdische Geistliche bezeichneten die Sängerin Madonna wegen der umstrittenen Szene bei ihrer "Confessions"-Tour als "Gotteslästerin". |
| Die Landesbischöfin Margot Käßmann, Hannover, rief zu einem Boykott auf. Beim Konzert in der Düsseldorfer LTU-Arena blieb kein Klappsitz frei. Die Welt 21.08.2006 |
| Pater Manfredo Leone von der Santa Maria Liberatrice Kirche in Rom: "Es ist respektlos, geschmacklos und eine Provokation. Wie ein moderner Christus mit einer Dornenkrone am Kreuz aufzutreten ist absurd. Dies in der Wiege des Christentums zu tun kommt der Gotteslästerung nahe." |
| Madonna: "Mein Auftritt ist weder anti-christlich, frevlerisch, noch blasphemisch. Vielmehr ist es mein Appell an das Publikum, die Menschheit dazu zu ermutigen, einander zu helfen und die Welt als einheitliches Ganzes zu betrachten." Spiegel Online 22. September 2006 |
| Kardinal Ersilio Tonini zur Zeitung «La Stampa»:
«Sich in der Stadt des Papstes und der Märtyrer selbst zu kreuzigen,
ist ein Akt offener Feindseligkeit. Es ist ein Skandal, der von listigen
Geschäftsleuten ersonnen wurde, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu
erregen.»
|
| Britische Zeichentrick-Serie "Popetown" im Musikkanal MTV, Start am 3. Mai 2006 |
| In der TV-Serie geht es um den Helden Pater Nicolas, einen "durchgeknallten Papst", einen "kriminellen Kardinal" (MTV-Werbung): Gezeigt wird der satirisch überspitzte Alltag im Vatikan. Dabei ist ein leeres Kreuz zu sehen, vor dem Christus mit Dornenkrone vor einem Fernsehgerät sitzt und lacht. Es handelt sich um einen "durchgeknallten Papst" und einen "kriminellen Kardinal", die unter anderem Waisenkinder in die Sklaverei verkaufen (MTV Werbetext). |
| Entgegen der vielfachen Aufrufe zur Selbstzensur will MTV wird alle zehn Folgen der umstrittenen Cartoonserie "Popetown" zeigen. MTV wollte über eine mögliche Absetzung der BBC-Serie diskutieren. Vertreter der katholischen Kirche, die gegen die Serie protestierte, waren der Studiodiskussion allerdings ferngeblieben. Die Welt 10.05.2006 |
| "Erfolg" der Zensur-Aufrufe: MTV verdreifacht mit "Popetown" den Marktanteil. Die Welt 5.05.2006 |
| Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) haben im Kampf gegen die Zeichentrickserie "Popetown" einen Teilerfolg erreicht: Die Kirchen legten beim Deutschen Werberat Beschwerde gegen eine Zeitschriftenanzeige von MTV für die umstrittene Vatikan-Satire ein. Der Deutsche Werberat sprach eine Rüge wegen der Verletzung religiöser Empfindungen aus. MTV zog die Werbung zurück. Die Welt 12.04.2006 |
| Stimmen mit Forderung nach Zensur oder Selbstzensur |
| Petra Bahr, Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, blieb kühl: "Popetown infantilisiert den Papst, kriminalisiert die Kardinäle und sexualisiert Nonnen". ... "Aber weder Gott noch Jesus Christus, noch gläubige Menschen werden verspottet." Die Welt 27.04.2006 |
| Joachim Herrmann, CSU-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen
Landtag forderte schärfere Gesetze der Zensur, "um religiöse Inhalte
und Symbole stärker als bisher strafrechtlich zu schützen". Er
hält es für "nicht hinnehmbar, daß der christliche Glaube
besonders in den Schmutz gezogen wird, nur weil das bequemer und weniger
gefährlich ist". Die Welt
12.04.2006 Joachim Herrmann, CSU, reichte bei der Berliner Staatsanwaltschaft gar eine Klage gegen eine "Popetown"-Werbeanzeige ein: Blasphemie-Verdacht. Die Welt 11. Juni 2006 |
| Auf "Stoppt Popetown" ( |
| Justizministerin Beate Merk, CSU: "Auch die Kunstfreiheit darf nicht als Vorwand dafür genommen werden, den Glauben anderer zu verhöhnen und zu verspotten". Sie sieht gute Chancen, die Verschärfung des § 166 des Strafgesetzbuchs durchzusetzen. Die Welt am Sonntag 23. April 2006 |
| ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer, Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) protestiert gegen die geplante Ausstrahlung der Serie "Popetown" im Musikkanal MTV und will rechtliche Schritte wegen "schwerwiegender Störung des öffentlichen Friedens" prüfen. Die Welt 10.04.2006 |
| Kulturstaatsminister Bernd Neumann, CDU, forderte die Programmverantwortlichen bei MTV zur Selbstzensur auf. Die Welt 24.04.2006 |
| Der Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM)
der Landesmedienanstalten Wolf-Dieter Ring
forderte den Sender MTV zur Selbstzensur auf. Aus einem offenen Brief an
MTV-Geschäftsführerin Catherine Mühlemann: "Sicherlich ist Ihnen
nicht entgangen, daß es hinsichtlich der geplanten Ausstrahlung der
Zeichentrickserie "Popetown' fundamentale Kritik aus verschiedenen Teilen der
Gesellschaft gibt, ohne daß derzeit tatsächlich Details der Serie
bekannt sind." Die Welt 13.04.2006 |
| Ministerpräsident Edmund Stoiber, CSU: "Der Staat muß die religiösen Gefühle seiner Bürger besser schützen". Er beauftragte seine Justizministerin Beate Merk, CSU, eine entsprechende Verschärfung der zensorischen Gesetze vorzubereiten. Die Welt am Sonntag 23. April 2006 |
| Kardinal Friedrich Wetter sieht in der TV-Serie, die er anscheinend schon vor der Ausstrahlung gesehen hat, "nicht nur für gläubige Menschen eine schwerwiegende Provokation". Die Welt 12.04.2006 |
| Der Bundesvorsitzende der Senioren-Union, Otto Wulff, forderte die zuständigen Medienanstalten der Länder auf, dem Jugendsender MTV die Sendelizenz zu entziehen, falls er an der Ausstrahlung festhalte. Die Welt 24.04.2006 |
| Ingeborg Zahrnt, Justiziarin der Berliner Landesmedienanstalt MABB, für die Lizenzaufsicht von MTV zuständig: "Es gibt hierzulande keine Vorzensur". Die Welt 12.04.2006 |