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Festung Europa
“Damit verbietet sich die Festung Europa!” Angela Merkel, CDU, merkel siehe festung ZitateFestung LinksFestung Literatur
"Niemand hat die Absicht eine Festung Europa zu errichten" festung
Die Grenzen der Staaten des Schengener Abkommens werden immer stärker abgeschottet. Flüchtlingen und Asylsuchenden soll der Zugang unmöglich gemacht werden. Vor der Festung wird der Tod zahlreicher Flüchtlinge in Kauf genommen, innerhalb der Festung werden die Menschenrechte oft ignoriert.
Die Festung Europa mit mehrfachen Mauern an den Aussengrenzen verletzt Rechte der Flüchtlinge.
Dabei wäre es recht einfach
  1. das Massengrab vor den Grenzen der EU zu vermeiden,
  2. den Schleusern die Berufsgrundlage zu entziehen,
  3. den Flüchtlingen human entgegen zu kommen:
Legale Einwanderung ermöglichen! Den Schleusern könnte man die Berufsgrundlage wirkungsvoll mit einer Luftbrücke entziehen.
Doch Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU, hat wenig Interesse die oben genannten Punkte zu erfüllen. Forderungen nach zusätzlicher Aufnahme von Flüchtlingen, z.B. aus dem Kriegsgebiet Syrien lehnte Friedrich ab.  Deutschland hat ja schon ein paar Flüchtlinge aufgenommen, das genügt für das "C" im Parteinamen.
Friedrich will über Flüchtlinge beraten, SZ, 8.10.2013, S. 9
Europäischen Union = Abschottungsgemeinschaft

Die Flüchtlingsvereinbarung zwischen der EU und Ankara vom 18. März 2016 baut die Festung Europa weiter aus. Die Türkei und die EU vereinbarten die Rückführung irregulärer Migranten in die Türkei. In die EU sollen noch jährlich maximal 72.000 Flüchtlinge einreisen dürfen. Dabei sind derzeit 2,5 Millionen Flüchtlinge allein in der Türkei. In Jordanien und im Libanon vegetieren weitere zig-Millionen Menschen.
Die (vermeintlichen) europäischen Werte (Freizügigkeit, Brüderlichkeit, Pressefreiheit, Schutz des Lebens, ...) wurde endgültig ad acta gelegt. Indirket wurde beschlossen:
  1. Die Massengräber vor den Grenzen der EU erhalten neuen Leichenzugang
  2. Die Schleuser jubeln: das Geschäft wird angeheizt:die Preise steigen
  3. Die Flüchtlinge haben wieder einmal die Arschkarte
Festung EuropaNach dem Türkei-Deal bleiben viele Fragen offen, Die Welt, 19.3.2016
– Europas Flüchtlingspakt steht, OVB, 19.3.2016, S. 1

EU bleibt unsolidarisch gegenüber Flüchtlingen und untereinander

Die Saat der Hetze vieler Politiker (auch und besonders in Bayern) und Demagogen geht auf: Solidarität ja, aber nur sonntags und nicht gegenüber Flüchtlingen oder den EU-Staaten am Mittelmeer. Nach heftigem Streit konnten sich die EU-Staaten nicht auf eine solidarische und humane Position zur freiwilligen Verteilung der insgesamt nur 60.000 Flüchtlingen einigen.
Matteo Renzi, Italiens Premier, warf den Europäern mangelnde Solidarität vor. Er sagte: „Wenn ihr mit der Zahl von 40.000 nicht einverstanden seid, verdient ihr es nicht, Europa genannt zu werden. (...) Wenn das eure Vorstellung von Europa ist, dann könnt ihr es lassen.” In anderen Medien wurden Teilsätze mit „verdient ihr es nicht, euch Europäer zu nennen” und
„Wenn das eure Idee von Europa ist, dann könnt ihr sie behalten”.
Die EU–Gipfelteilnehmer waren die Regierungschefs. Diese waren sich aber einig die EU noch stärker gegenüber Flüchtlingen abzuschotten: sie sollen konsequenter und rascher aus der EU vertrieben werden.
Deutschland als einer der wirtschaftlich stärksten EU-Staaten will nur rund 8000 Menschen  aufnehmen, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Bundesinnenminister Thomas de Maizière, CDU, erklärte, derzeit sei die EU noch weit von einer fairen Verteilung der Flüchtlingsströme entfernt. Er vergaß zu erwähnen, dass er sich an vorderster Linie gegen eine fairen Verteilung des Flüchtlingsrinnsals wendet.
Festung EuropaAsylbewerber: EU-Länder einigen sich auf freiwillige Quote in der Flüchtlingsfrage, Mitteldeutsche Zeitung, 26.06.2015 – Flüchtlingspolitik "Unwürdiges Spektakel" SZ, 27.6.2015, S. 6
Festung Thomas Kreuzer, CSU, forderte die Selektion der Fluchtsuchenden in Nordafrika
Kampf vor der Festung Europa eskaliert: EU will UN Mandat zum Kriegseinsatz gegen Flüchtlinge

Am 11. Mai 2015 fragte die EU um ein Mandat des UN-Sicherheitsrates nach, um auch mit Waffengewalt gegen Fluchthelfer und Flüchtlinge an der Küste in Libyen vorgehen zu dürfen. So will die EU weit vor den Toren Europas die Flüchtlinge im Mittelmeer am Weiterkommen hindern. Um in libyschen Hoheitsgewässern Kriegsschiffe und Hubschrauber gegen Menschen einsetzen zu dürfen, ohne das Völkerrecht zu brechen, benötigt die EU ein Mandat der UN.
Festung EuropaFlüchtlinge im Mittelmeer - EU will notfalls mit Waffengewalt gegen Schmuggler vorgehen, SZ, 11. Mai 2015, S. 1
Die Festung Europa – Geschäftsgrundlage der Schleusser – wird beibehalten

"Wir schämen uns. Die Europäische Union trägt die Mitverantwortung am Tod von tausenden von Flüchtlingen im Mittelmeer"
Motto des Münchner Stadtprojekts Bellevue di Monaco & Bayerischer Flüchtlingsrat

Dass der Brüsseler Sondergipfel zur Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer (Ende April 2015) kaum etwas bringen würde, war vielen klar. Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, nannte folgende Prioritäten:
  1. Kampf gegen Schlepper,
  2. Kampf gegen die Fluchtursachen,
  3. Rettung von Menschenleben.
Dabei sind die Punkte 2 und 3 kaum ernsthaft gemeint: Deutschland müßte seine Waffenlieferungen drastisch reduzieren, die EU müßte die massive wirtschaftliche Benachteiligung und Ausbeutung Afrikas sofort einstellen. Der auf dem Sondergipfel von den in Brüssel versammelten Staats- und Regierungschefs beschlossene Zehn-Punkte-Plan sieht deshalb weitere Abschottungsmaßnahmen vor. Eine großzügigere Asyl- und Rettungspolitik würde (so die Politiker) mehr Flüchtlinge nach Europa locken.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière, CDU, formulierte es drastisch, doch einem C-Politiker gemäß. Er hielt ein Seenotrettungsprogramm, wie es Menschenrechtspolitiker fordern, für falsch, weil das Kriminellen in die Hände spiele. Er sagte zum ZDF: „Würden wir jetzt jeden, der im Mittelmeer ankommt, einfach aufnehmen nach Europa, dann wäre das das beste Geschäft für die Schlepper, was man sich denken könnte. Das wäre Beihilfe für das Schlepper-Unwesen.”
Simone Peter, Die Grünen, konterte: „Wenn die Rettung von Menschen aus dem Mittelmeer Beihilfe für Schlepper ist, dann macht sich die Feuerwehr der Beihilfe für Brandstifter schuldig”.
Die gegenteilige Stellung bezog bemerkenswerterweise die bayerische Europaministerin Dr. Beate Merk, CSU. Sie forderte im Vorfeld der Sitzung der EU-Außen- und Innenminister in Brüssel: "Es ist eine Schande für Europa, wenn immer und immer wieder Hunderte von Flüchtlingen im Mittelmeer ertrinken. Entscheidend ist jetzt erst mal, dass die Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen auf dem Mittelmeer verbessert wird. Ich fordere eine Seenotoperation nach dem Vorbild von Mare Nostrum unter starker Beteiligung der Europäischen Union. Europa muss jetzt hier erst mal schnell handeln, statt lange zu debattieren."
Die Forderung Beate Merks wurde von den EU-Außen- und Innenministern ignoriert.
Festung EuropaChristoph Schult, Brüssel: EU-Beschlüsse zur Flüchtlingshilfe: Worte ohne Taten, SPIEGEL, 24.04.2015
Festung EuropaAsyl: De Maizière fordert schnellere Abschiebung, Die Zeit, 17.4.2015 – Festung EuropaDe Maizière: "Wir müssen uns keine Vorwürfe machen", heute.de 15.04.2015 – Festung EuropaGedenkminute für tausende tote Flüchtlinge, az, 20.04.2015 – PM Nr. 98 der Bayerischen Staatskanzlei: Europaministerin Merk fordert bessere Seenotrettung im Mittelmeer, 20.4.2015

Die Verbrecher in der EU opfern aus bloßer Profitgier massenhaft Menschenleben

Am Sonntagmorgen, 19. April 2015, kenterte (wieder einmal; wie nahezu täglich) ein Boot mit 800 Menschen an Bord etwa 100 km vor der libyschen Küste. Nur 28 Menschen konnten gerettet werden.
Diese Tragödie hat viele Ursachen, eine davon ist der konsequente Ausbau der Festung Europa, andere sind: Ausbeutung der Länder, Waffenlieferung in die Krisengebiete, Verseuchung der Umwelt, Klimawandel.
Tausende Männer, Frauen und Kinder verlassen ihre Heimat um vor Krieg, kriegerischen Konflikten, Verfolgung, Diskriminierung und Armut zu fliehen. Von skrupellosen Politikern gezwungen müssen sie sich in die Hände von Schlepperbanden geben. Die EU verweigerte dem italienischen Seenotrettungsporgramm Mare Nostrum die Unterstützung. Der Tod von Tausenden Bootsflüchtlingen wurde in Kauf genommen. Abschreckungspolitik hat seit Jahrzehnten Vorrang vor der Beseitigung der Ursachen in den Herkunftsländern und vor humaner Behandlung der Vertriebenen. Profit  vor Humanität. Lieber wurde das Mittelmeer zum Massengrab gemacht als die Flüchtlinge bereitwillig aufzunehmen.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière, CDU: «Solch grausame Verbrechen erfordern eine europäische Antwort» Wir sind gespannt, ob die verantwortlichen Politiker die nötige Antwort erhalten. Wir befürchten, dass Thomas de Maizière damit meint: auf nationaler Ebene lassen wir alles so, der Schwarze Peter wird nach Brüssel abgeschoben.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière, CDU: „Wir dürfen und werden es nicht dulden, dass diese Verbrecher aus bloßer Profitgier massenhaft Menschenleben opfern.“ Es fragt sich, wen  de Maizière als Verbrecher bezeichnete.
SPD fordert Soforthilfeprogramm der EU gegen die Flüchtlingskatastrophe, BayernSPD Landtagsfraktion PM 22.4.2015 – Verbrecher700 Tote nach Flüchtlingsdrama befürchtet, Die Welt 19.4.15
Festung Europa wird ausgebaut: Eurosur startete am 2. Dezember 2013
Am Montag 2. Dezember 2013 startete das neue Grenzüberwachungssystem Eurosur. Die Flüchtlinge im Mittelmeer sollen schneller aufgespürt und besser überwacht werden, so dass sie rechtzeitig zurückgeschlagen werden können. Eurosur wurde zuerst in 18 EU-Staaten mit Außengrenzen umgesetzt - den Mittelmeerländern und osteuropäischen Staaten sowie
Norwegen. Ab Dezember 2014 beteiligen sich weitere acht EU-Länder - darunter Deutschland - sowie Island, Liechtenstein und die Schweiz. Großbritannien und Irland halten sich heraus.
Eurosur hat 2 Ziele:
  1. „Aufdeckung, Prävention und Bekämpfung von illegaler Einwanderung und grenzüberschreitender Kriminalität“.
  2. „Gewährleistung des Schutzes und der Rettung des Lebens von Migranten“. Das soll durch bessere Ortung der seeuntüchtigen Boote und eine schnellere Reaktionsfähigkeit (Abweisung und Zurückschickung) behoben werden.
EurosurEurosur startet - So funktioniert das neue High-Tech-Überwachungssystem der EU, Focus 2.12.2013
EU und Hans-Peter Friedrich, CSU, (»Hassprediger«) wollen weiter Menschen krepieren lassen
Nach einer erneuten Flüchtlingskatastrophe mit mehreren Hunderten Toten (Von den mehr als 500 afrikanischen Flüchtlingen an Bord eines Schiffes hatten nur 155 das Unglück überlebt.) forderte Cecilia Malmström, EU-Innenkommissarin den Grosseinsatz der Grenzabwehr Frontex im Mittelmeer. Der deutsche Innenminster Hans-Peter Friedrich, CSU, zeigte sich zufrieden mit dem Absaufen der Flüchtlinge: der gegenwärtige Mechanismus bleibe "selbstverständlich unverändert". Wie wirksam die Todesmaschinierie ist sieht man am Erfolg der schwimmenden Leichen im Mittelmeer. Hans-Peter Friedrich ist es "völlig unbegreiflich", dass von Deutschland größere Solidarität verlangt werde. "Friedrich versucht, die AfD rechts zu überholen. So wird ein Klima erzeugt, das braune Banden ermutigt. Ein Innenminister, der sich als Hassprediger betätigt, ist eine Gefahr für die innere Sicherheit", sagte Bernd Riexinger, Vorsitzender der Linkspartei der Mitteldeutschen Zeitung.
HasspredigerUnglück vor Lampedusa: Friedrich sieht keinen Änderungsbedarf bei Asylpolitik, SZ 9.10.2013 – Lampedusa – und nichts ändert sich, SZ, 9.10.2013, S. 1

Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU, will die Festung Europa noch weiter ausbauen
Hans-Peter Friedrich, CSU, will die extrem restriktive Einreise in die EU weiter verschärfen. Fluggäste aus dem Ausland sollen sich künftig vor ihrer Einreise in die EU im Internet mit persönlichen Daten anmelden. Dafür ist nach Informationen der "Welt am Sonntag" eine zusätzliche Abgabe von zehn € in der Diskussion. Hardliner Hans-Peter Uhl, CSU, und der in die EU-Verwaltung abgeschobene EU-Kommissar Günther Oettinger, CDU, stimmten der neuen Abgabe sofort zu: der Bürger soll geschröpft werden. Uhl sprach sich zugleich für die Speicherung der Fluggastdaten aus. Von jedem Bürger soll die politische Verwaltung wissen, wo und wann er sich wie lange aufgehalten hat.
FestungFriedrich will Hürden für EU-Einreise erhöhen, Die Welt, 16.6.2013
Die Festung Europa wird weiter ausgebaut
Über mehr als zehn Kilometer zieht sich entlang der türkisch-griechischen Grenze ein drei Meter hoher Zaun aus Stahlpfosten, Maschendraht, dahinter Stacheldrahtrollen aus so genanntem Nato-Draht, in den messerscharfe Klingen eingestanzt sind, dann wieder ein Stahlgerüst und Maschendraht. Die Mauer in Berlin war dagegen ein Pappenstiel. Der Zaun kostete Griechenland rund 5,5 Millionen Euro. Die Grenze am Fluss Evros wird zusätzlich mit Geländewagen, Spürhunden, Wärmebildkameras und Booten überwacht. Das Tor nach Europa zwischen Griechenland und der Türkei wurde dicht gemacht. Flüchtlinge, die es z.B. über den Fluss Evros trotzdem schaffen, werden in Griechenland bis zu einem Jahr ins Gefängnis gesteckt.
LagerGerd Höhler: Europa: Verschlossene Gesellschaft, Der Tagesspiegel 3.1.2013
Nach Deutschland wird auch Griechenland zum Lagerland
Westlich der griechischen Hauptstadt Athen wurde im April 2012 ein neues Containerhaftlager eröffnet. Über tausend Menschen sollen bis Mitte Mai in Amygdaleza inhaftiert werden. Landesweit sind rund 30 ähnliche Einrichtungen geplant. Wenn Griechenland so weiter Lager errichtet, wird es bald Deutschland eingeholt haben.
Die Europäische Union finanziert die griechischen Haftlager bezahlt: Stacheldrahtzaun, Knüppel der Wärter, Munition, alles zahlen die EU-Bürger. Statt dass sich Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU, für Menschenrechte und Humanität einsetzte, stimmte er am 8. März in Brüssel und am 26./27. April 2012 in Luxemburg beim Treffen der Justiz- und Innenminister für den weiteren Festungsausbau und die Inhaftierung von Flüchtlingen in der EU. Beim Treffen im April schlug Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU, zudem die Wiedereinführung von Binnengrenzkontrollen innerhalb der EU vor. Zusammengefasst:
  • Flüchtlinge und Migranten werden weiter kriminalisiert
  • Stärkung der Schengen-Festung: Ausbau FRONTEX
  • Wiedereinführung von Binnengrenzkontrollen
  • Datenschutz für Fluggastdaten soll aufgehoben werden
LagerEU-finanziertes griechisches Haftlager für Flüchtlinge und Migranten eröffnet, pro Asyl, 30.4.2012 –
 Festung Ausreiselager – Ausreisezentrum – Abschiebelager – Internierungslager
LagerRat der Justiz- und Innenminister in Brüssel: Illegale Migration im Fokus der Innenpolitiker, 13.03.2012
LagerJI-Rat in Luxemburg: Strategie gegen Migrationsdruck verabschiedet, 2.05.2012

Europa lässt einsperren
In den libyschen Gefangenenlagern, in die Migranten und Flüchtlinge nach ihrer Festnahme auf dem Mittelmeer abgeschoben werden, herrschen unmenschliche Zustände. Das zeigt die Reportage von Gabriele Del Grande, der sich in Libyen auf Spurensuche gemacht hat.
grenzeGabriele Del Grande: " Europa lässt einsperren", Amnesty Journal 02/03 2010, S. 56-58 –
Festung Gabriele del Grande: Mamadous Fahrt in den Tod: Die Tragödie der irregulären Migranten im Mittelmeer
Der Ex-Chef von Cap Anamur Elias Bierdel und der Cap Anamur Kapitän Stefan Schmidt retteten im Juni 2004 irgendwo zwischen Libyien und Italien 37 Afrikaner aus einem überfüllten Schlauchboot. Sie brachten die Flüchtlinge nach Italien. Bierdel und Schmidt wurden wegen Beihilfe zur illegalen Einreise angeklagt. Der Staatsanwalt forderte vier Jahre Haft und jeweils 40.000 Euro Geldstrafe.
Realität der Festung Europa:
  • Flüchtlinge werden auf hoher See abgefangen und die Einreise wird strikt verweigert
  • Das gesetzliche Recht auf Asyl wird nicht gewährt und nicht einmal geprüft.
  • Gelingt die Flucht in die EU werden sie möglichst schnell wieder abgeschoben
"Retter in Not. Ex-Chef von Cap Anamur half Flüchtlingen, jetzt droht ihm Haft", SZ 7.10.2009, S. 1
Pino Brignone, Bewohner von Lampedusa über die afrikanischen Flüchtlinge, die in Booten waghalsig die Festung Europa erreichen: "Das sind Menschenkinder wie wir. Sie wollen leben. In ihren Ländern haben sie nichts zu essen, keine Hoffnung. Da ist es klar, dass sie fliehen".
"Hinter der Hölle liegt der Strand", SZ, 19.8.2008, S. 3
Die Festungsgrenze um die EU ist eine »politische Bankrotterklärung«
Politiker und Vertreter von Opferverbänden gedachten am 13.8.2008 in Berlin des 47. Jahrestages des Mauerbaus Berlin. Bundestagspräsident Norbert Lammert, CDU, sagte, die Berliner Mauer sei ein Symbol «entsetzlicher politischer Verirrung und damit verbunden mit vielen menschlichen Tragödien». Beides dürfe nicht vergessen werden. Lammert betonte, die deutsche Geschichte und die Berliner Mauer im Besonderen seien ein aktuelles (!) Beispiel dafür, «dass die Abschottung der eigenen Bevölkerung gegen unerwünschte Informationen, Kontakte oder Veränderungen immer eine politische Bankrotterklärung ist und dem Bedürfnis der Menschen nach Freiheit und Selbstbestimmung auf Dauer nicht widerstehen kann». Lammert kritisierte zudem den anhaltenden Streit um die Zahl der Toten an der innerdeutschen Grenze (siehe die nachfolgende Tabelle). Dieser sei «unnötig und unwürdig».
  Länge Mauertote
Berliner Mauer 160 km 136 – 222
deutsch-deutsche Grenze ca. 1380 km 270 – 600
Festungsgrenze um Europa mehrere Tausend Kilometer > 100.000
Süddeutsche Zeitung, 14.8.2008, S. 6; grenzeBerlin Online
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, CSU, kündigte an, auch eine linde Lockerung der EU-Festung nicht zu dulden. Die Einigung der EU Innenminister auf ein EU-Asylbüro ab dem Jahre 2009 und ein gemeinsames Asylverfahren bis 2012 im Juli 2008 kommentierte er mit: "Das kommt für Bayern nicht in Frage. Wir haben es mit großer Kraftanstrengung geschafft, die Zahl der Asylbewerber deutlich nach unten zu bringen. Wir dürfen uns diesen Erfolg nicht kaputtmachen lassen, indem sich Eurokraten dieses Themas bemächtigen". OVB, 8.7.2008, S. 1
Abschottung, Ausgrenzung und Inhumanität als Leitmotiv
Koloniales Erbe, Krieg, Klimaveränderung, verschlechterte Versorgungslage infolge explodierender Lebensmittelpreise und Verarmung durch die Globalisierung treiben Millionen Menschen zur Flucht. Doch die EU schottet sich ab. Militärische Abwehrmaßnahmen auf hohem technischen Niveau halten unerwünschte Migranten fern, selbst wenn es den Tod der Flüchtenden und Vertriebenen bedeutet.
Evo Morales Ayma, Präsident Boliviens, wandte sich am 10. Juni 2008 mit einem öffentlichen Brief gegen die geplante Abschieberichtlinie der EU. Das Dokument wurde in Bolivien im Internet veröffentlicht, von den Botschaften verbreitet und von der "jungen Welt", 12. Juni 2008, dokumentiert.
Er beginnt mit:
“Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Europa ein Kontinent der Emigranten. Dutzende Millionen Europäer gingen nach Amerika, als Kolonisten, vertrieben von Hunger, Finanzkrisen, Kriegen oder auf der Flucht vor totalitären Regimen und der Verfolgung ethnischer Minderheiten.”
Eingehend begründet Morales, warum diese menschenfeindliche Abschieberichtlinie nicht verabschiedet werden darf.
Evo Morales: "Negation der Freiheit – Die Abschieberichtlinie der Europäischen Union bedroht die Menschenrechte und die internationale Zusammenarbeit". moralesAG Friedensforschungmoralesjunge Welt, 12.6.2008 – moralesAbschieberichtlinie der EU (pdf) – Hetze Hetze von CDU, CSU und NPD gegen Ausländer
Europas Binnengrenzen wurden scheinbar gelockert und durch besondere Fahndungsmethoden ersetzt (Festung Links). Europas Außengrenzen werden rigoros und inhuman verstärkt. Was einst die innerdeutsche Mauer darstellte, ist nun – mehrfach potenziert und bedeutend wirksamer – die EU-Außengrenze.
Das Asylrecht wurde in Deutschland quasi abgeschafft (Festung Links). Die Bürger werden vom Staat weitgehend überwacht (Festung Links).
Die EU betreibt eine gnadenlose Politik der Abschottung insbesondere durch ein verschärftes Asyl- und Einwanderungsrecht. Die Staaten der Dritten Welt werden durch die gemeinsame Agrarpolitik ausgeblutet; damit werden neue Ursachen für die Flucht geschaffen.
Weltweit sind derzeit über 20 Millionen Menschen auf der Flucht. Hauptursachen sind Hunger, Wasssermangel, Klimaverschlechterung, Konflikte, Kriege, Gewalt, Naturkatastrophen sowie die wirtschaftlichen Folgen des jahrhundertelangen europäischen Kolonialregimes.
Links
FestungAusländer in Deutschland, Schwerpunkt Bayern
FestungDie Behandlung von Ausländern ist eine Schande für Deutschland
borderlineborderline-europe - Menschenrechte ohne Grenzen e.V.
auslandBrinkbäumer, Klaus: Der Traum vom Leben. Eine afrikanische Odyssee
festungEhrentafel für die Schleuser
festungFestung Europa, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.de
festungFestung Europa von Tom Lanoye, Uraufführung der Autorenfassung im Theater Trier
festungFestung Europa Stück von Tom Lanoye, ZDF Theaterkanal
festungFestung Europa, Cem Özdemir, MdEP, Bündnis 90/Die Grünen
festungFestung Europa: Texte zum Thema, Ilka Schroeder Ex-MdEP
festungFestung Europa, ein Standpunkt von Elisabeth Schroedter, MdEP, Bündnis 90/Die Grünen
festung"Festung Europa" nicht widerspruchslos hinnehmen, Hans-Christian Ströbele, MdB, Bündnis90/Die Grünen
festungFestung Europa. Das neue Asylrecht, Marco Carini, Freitag 7.5.2004
festungFestung Europa: Der Fall Cap Anamur
festungFestung Europa oder Weltrepublik? Sybille Tönnies, Die Zeit, 31 1995
festungFestung Europa? Zur Ethnisierung der (Arbeits-) Migrationspolitik in Europa an den Beispielen Frankreich und Deutschland, Birgit Wehrhöfer
VorurteilGruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF)
FestungPolitisch Verfolgten wird das Asylrecht verweigert
festungProtest gegen die Mauer der Festung Europa, antifa 7. November 2005
SchengenSchengener Abkommen
festungÜberleben in der Festung Europa, DLF 25.06.2007
FestungÜberwachung des Bürgers durch den Staat
FestungÜberwachung durch Schleier- und Rasterfahndung und Ähnlichem in Bayern
flüchtling weitere Festung externe und Festung interne Links
Literatur
Schwerpunkt: Europäisches Grenzregime. Kritische Justiz 3 (2011) – GrenzregimeInhaltsverzeichnis online
Hans-Böckler-Stiftung, Hg.: Die Mitbestimmung. Schwerpunktthema: Festung Europa? 6, 1995.
Weitere Literatur zum Thema
unter ausländer Ausländer & Minderheiten in Deutschland, Schwerpunkt Bayern
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bade festungKlaus J. Bade, Peter C. Emmer, Leo Lucassen: Enzyklopädie Migration in Europa. München: Wilhelm Fink , 2007. Gebunden, 1156 Seiten Brandscheidt
Jennifer Brandscheidt: Menschenrechtsverletzungen im Rahmen europäischer Flüchtlingspolitik am Beispiel Frontex. Grin, 2013. Taschenbuch, 24 Seiten festung
goldsetin festungLeona Goldstein: Displaced- Flüchtlinge an Europas Grenzen. Karlsruhe: Loeper, 2007. DVD mit 2 Dokumentarfilmen: „Au clair de la lune“, 40 Min.; „Le Heim“, 16 Min. Hardcover, 128 Seiten Gottschlich
Jürgen Gottschlich, Sabine am Orde: Europa macht dicht. Wer zahlt den Preis für unseren Wohlstand? Westend, 2011. Broschiert, 220 Seiten festung
eu festung Gabriele del Grande: Mamadous Fahrt in den Tod: Die Tragödie der irregulären Migranten im Mittelmeer. Karlsruhe: Loeper, 2008. Broschiert, 221 Seiten –
festung Gabriele del Grande: Mamadous Fahrt in den Tod Die Tragödie der irregulären Migranten im Mittelmeer
Loehr
Rainer Hofmann, Tillmann Löhr: Europäisches Flüchtlings- und Einwanderungsrecht: Eine kritische Zwischenbilanz. Nomos 2008. Broschiert, 250 Seiten festung
holz HolzSteffi Holz: Alltägliche Ungewissheit: Erfahrungen von Frauen in Abschiebehaft. Münster: Unrast, 2007 Broschiert, 166 Seiten Klement
Robert Klement: 70 Meilen zum Paradies. Jungbrunnen 2006. Gebunden, 143 Seitenfestung
Klepp Klepp Silja Klepp: Europa zwischen Grenzkontrolle und Flüchtlingsschutz: Eine Ethnographie der Seegrenze auf dem Mittelmeer . Transcript 2011. Broschiert, 423 Seiten

Ladurner Klepp Ulrich Ladurner: Lampedusa: Große Geschichte einer kleinen Insel. Wien: Residenz, 2014. Gebunden, 144 Seiten Loehr
Tillmann Löhr: Schutz statt Abwehr – Für ein Europa des Asyls. Berlin: Wagenbach, 2010. Taschenbuch, 96 Seiten Loehr
milborn festung Corinna Milborn, Reiner Riedler: Gestürmte Festung Europa. Mauern.Ghettos.Terror. Das Schwarzbuch. Styria 2006. Gebunden, 280 Seiten schwarz
Tobias Schwarz, Barbara Pietzcker, Karolin Steinke, Ulrike Hemmerling, Steffi Holz, Stephan Haufe, Sandra Starke: 'Sind Sie mit der Abschiebung einverstanden?' Berlin: Kramer, 2002. Broschiert, 95 Seiten schwarz
Siegloff festung Roland Siegloff: Reise zu den letzten Grenzen. 100 Tage freie Fahrt durch die Festung Europa. Grenz-Echo, 2010. Broschiert, 416 Seiten
LongerichMelanie Longerich: "Das Ende der Reisefreiheit", DLF 28.3.2011
 
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