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Menschenfeindlichkeit
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
„... der Reflex, auf die Fremden einzuhauen, ist leider in Europa weit verbreitet. Besonders, wenn Wahlen bevorstehen. Und irgendwo findet immer gerade eine Wahl statt.“
Barbara Lochbihler, EU Abgeordnete der Grünen, in: Amnesty Journal 6/7 (2012). S. 32
Vorurteil LinksVorurteil Literatur
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist eine generalisierte Abwertung von Fremdgruppen, die im Kern von einer Ideologie der Ungleichwertigkeit bestimmt ist (nach Zick 2011, S. 43) oder auch "nur" eine Betonung von Ungleichwertigkeit. Die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wurde in Heitmeyer 2002 konzipiert.
Das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit stellt die gruppenspezifischen Vorurteile in einen Gesamtzusammenhang antidemokratischer Mentalitäten. Damit werden unter dem Dach dieses Begriffs ganz unterschiedliche Vorurteile (die oft gemeinsam auftreten) wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Sexismus zusammengefasst.
Das Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit
  • Abwertung von Langzeitarbeitslosen
  • Abwertung von Asylbewerbern
  • Abwertung von Sinti und Roma
  • Abwertung von Obdachlosen (*)
  • Abwertung von Behinderten (*)
  • Antisemitismus – feindselige Mentalität auf die jüdische Gruppe und ihre Symbole
  • Fremdenfeindlichkeit – bedrohlich wahrgenommene kulturelle Differenz und materielle Konkurrenz um knappe Ressourcen
  • Islamfeindlichkeit – Bedrohungsgefühle und ablehnende Einstellungen gegenüber der Gruppe der Muslime, ihrer Kultur und ihren öffentlich-politischen wie religiösen Aktivitäten
  • Rassismus – Abwertungen auf der Grundlage einer konstruierten „natürlichen“ Höherwertigkeit der Eigengruppe
  • Etabliertenvorrechte – die von Alteingesessenen, gleich welcher Herkunft, beanspruchten raum-zeitlichen Vorrangstellungen, die auf eine Unterminierung gleicher Rechte
    hinauslaufen und somit die Gleichwertigkeit unterschiedlicher Gruppen verletzen
  • Homophobie (*)
  • Sexismus – betont die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Sinne einer Demonstration der Überlegenheit des Mannes und fixierter Rollenzuweisungen an Frauen.
(*) Heterophobie: Abwertung und Abwehr von Gruppenangehörigen, die wie Homosexuelle, Obdachlose und Behinderte, von der Normalität „abweichende“ Verhaltensweisen und Lebensstile aufweisen. – Nach Heitmeyer 2005 & Heitmeyer 2012, S. 17
Das Konzept ist offen, das heißt es können weitere Vorurteile oder Gruppen aufgenommen werden oder nicht mehr relevante gestrichen werden.
Fundierung
Die Basis für die Aufnahme in die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist die folgende Ausgangsthese:
Die Gleichwertigkeit aller Menschen und die Sicherung ihrer physischen und psychischen Unversehrtheit gehört zu den zentralen Werte einer modernen und humanen Gesellschaft. (Heitmeyer 2012, S. 15)
Brisanz
Die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit 
• spiegelt ein breites, kollektiv weithin geteiltes Meinungsmuster in der Bevölkerung wider (Zick & Hövermann & Krause 2012, S. 65)
• ist in Europa weit verbreitet. Dieser brisante, aber nicht überraschende Befund ist ein Ergebnis von Zick & Küpper & Hövermann (2011).
„Sind Christen gefeit gegen die „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“?”
Wilhelm Heitmeyer: „Im Gegenteil. Wir haben das untersucht: Wer einer christlichen Kirche angehört, wertet andere noch mehr ab. Sie fühlen sich mit ihrer Religion den anderen überlegen, und dann können sie auch deren Lebensstile abwerten.”
HeitmeyerHallo, Mister Nazi! Der Hiphopper und der Jugendforscher über rassistische Normalos und nützliche Japaner, Chrismon Juni 2012
Links
IntoleranzGruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF), Universität Bielefeld
IntoleranzGraduiertenkolleg Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit der Philipps-Universität Marburg und der Universität Bielefeld
IntoleranzGruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (Wikipedia)
IntoleranzDeutsche Zustände
IntoleranzWilhelm Heitmeyer: Ein Land, zwei Gesellschaften, Die Zeit 6.12.2008
HeitmeyerWilhelm Heitmeyer (Wikipedia)
IKGIKG Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung

IntoleranzAmadeu Antonio Stiftung: Menschenfeindlichkeit entgegentreten
IntoleranzThorsten Arndt: Entsolidarisierung - Die neue Heitmeyer-Studie über deutsche Zustände, 24. März 2010
Vorurteil Asylsuchende und Anerkennung
Vorurteil Ausländer & Minderheiten in Deutschland, Schwerpunkt Bayern
Vorurteil Ausreiselager – Ausreisezentrum – Abschiebelager
BehinderteBehindertenfeindlichkeit
Vorurteil Diskriminierung von Minderheiten
Vorurteil Festung Europa
IslamGleichstellung des Islam – Spiegel online
IntoleranzGruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Christliche Sozialethik, Universität Bamberg
Populismus Lewandowsky, Marcel, Jasmin Siri: Warnschüsse aus der Mitte
Vorurteil Überblick zur Literatur zu Antisemitismus & Christentum, ... Terror und Religion
Vorurteil Literatur zu Rassismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
PopulismusNeue Rechte
Vorurteil Art.16a Politisch Verfolgte genießen Asylrecht
Vorurteil Rassismus und Ausländerphobie in deutscher Politik, in den Medien ...
PopulismusRechtsextremismus in Deutschland
Vorurteil Ralf Stoecker, Christian Neuhäuser, Marie-Luise Raters, Hg.: Handbuch Angewandte Ethik
Vorurteil Vertreibung, Abschiebung, Duldung
Literatur
Dalbert, C., A. Zick, & Daniela Krause (2010): “Die Leute bekommen, was ihnen zusteht. Der Glaube an die gerechte Welt und die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit”. In: Wilhelm Heitmeyer, Hg.: Deutsche Zustände, Folge 8. Berlin: Suhrkamp. S. 87-106.
Heitmeyer, Wilhelm (2002): “Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit - die theoretische Konzeption und erste empirische Ergebnisse”. In: Wilhelm Heitmeyer, Hg.: Deutsche Zustände. Folge 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 15-34.
Heitmeyer, Wilhelm (2005): “Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit - Die theoretische Konzeption und empirische Ergebnisse aus 2002, 2003 und 2004”. In: Wilhelm Heitmeyer, Hg.: Deutsche Zustände, Folge 3. Frankfurt: Suhrkamp, S. 13-34.
Heitmeyer, Wilhelm, Hg. (2012): Deutsche Zustände: Folge 10. Berlin: Suhrkamp. Broschiert, 335 Seiten – Menschenfeindlichkeit Rezension
Heyder, Aribert (2002): “Deutscher Stolz - Patriotismus wäre besser”. In: Wilhelm Heitmeyer, Hg.: Deutsche Zustände: Folge 1. Frankfurt: Suhrkamp Verlag. 71-82.
Mansel, Jürgen, Viktoria Spaiser (2010): “Ängste und Kontrollverluste. Zusammenhänge mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit”. In: Wilhelm Heitmeyer, Hg.: Deutsche Zustände. Folge 8. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 49-71.
Marth, Julia, Andreas Grau (2010): “Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im lokalen Raum: zur Rolle der politischen Kultur”. Forum Wohnen und Stadtentwicklung 3. S. 153 - 156.
Zick, Andreas, Andreas Hövermann, Daniela Krause (2012):  “Die Abwertung von Ungleichwertigen. Erklärung und Prüfung eines erweiterten Syndroms der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit”. In: Heitmeyer 2012, S. 64-86
Zick, Andreas, Beate Küpper, Andreas Hövermann (2011): Die Abwertung der Anderen: eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung. Berlin: Friedrich Ebert Stifung. 222 Seiten – Menschenfeindlichkeit Rezension
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