| Günter Ederer, Peer Ederer:
Das Erbe der Egoisten. Wie unsere Generation die Zukunft Deutschlands verspielt. München: Goldmann, 1997. 479 Seiten |
| Eigentlich wollte ich beginnen mit:
"Pflichtlektüre für jeden Politiker", doch das ist floskelhaft und
hilft eh nicht. Vater und Sohn Ederer geben in dem 1995 erschienenen Buch eine
"schonungslose Analyse" (Capital laut Covertext) der wirtschaftlichen
und sozialen Situation Deutschlands und der Welt allgemein. Das Schonungslose
ist cum grano salis zu verstehen; dies kündigen die Autoren auch
an. Sie dürfen nicht jeden Namen konkret nennen: leider darf man trotz
angeblicher Pressefreiheit vieles eben nicht. Vielleicht fallen aber auch die
Autoren in die von ihnen angeschwärzte Amigo-Falle: wer sich noch Vorteile
erwartet, hackt kein Auge aus. Sieben Jahre nach dem ersten Erscheinen des detailreichen Werkes ist es leichter über richtige und weniger richtige Beurteilungen und Voraussagen der Autoren Ederer zu befinden. Dieser Vergleich fällt zugunsten der Autoren aus: vieles wurde inzwischen auch dem vorletzten Hinterhofpolitiker klar.
Wenn die Diagnose: Jeder Staatseingriff ist systembedingt ungerecht, richtig ist, leben wir in einem zutiefst ungerechten Staat. Das ist für mich ein Hauptergebnis der Lektüre. Die auf fast 500 Seiten geschilderten Beispiele, manchmal zu wiederholend, belegen, dass Leistung oft nicht lohnt, da die (Steuer)Gesetzgebung auswuchert und nur noch der durchblickt, der sich einige Steuerberater leisten kann. Diese Gesetzgebung verstößt gegen das Willkürverbot, die Gleichbehandlung und die Verfassung (S.108-109). Die Ungerechtigkeit gipfelt im Fazit: "Nachdem die Klientel der Schmarotzer bedient wurde, bleibt für die wirklich Bedürftigen dann nicht mehr genügend übrig" (S.114). Dies gilt nicht nur für die einzelnen Bürger, sondern auch für die Haushalte der Kommunen, Bezirke und Länder. Nach Bezahlung der Politikerreisen zur Fussballweltmeisterschaft ist halt für die Bibliotheken nichts mehr übrig: sie haben kaum Geld für Anschaffungen und schliessen am Freitagmittag. Und die Politiker jammern über die Studenten, die solange zum Studieren brauchen. Augenöffnend ist der Vergleich Sozialismus und sogenannter Marktwirtschaft (das Buch weist nach, dass dies nur eine Chimäre ist; siehe auch: Die freie Marktwirtschaft wird durch zuviele behindernde Regularien eingeschränkt; das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb mag zwar im Ansatz gut gemeint gewesen sein, ließ aber "Abmahnvereine entstehen, die zweitklassigen Anwälte [!] die Chance eröffnen, die Händler mittels Abmahnvordrucken ... mit Bußgeldern zu überziehen" (S.187). (Siehe: Das Buch ist eine harte Abrechnung mit der Regierung Kohl, als der Trottel der Nation jedes Jahr weniger in der Lohntüte hatte (S. 67), nicht weil er weniger verdiente, sondern weil der Staat, trotz schwarzer Konten in der Schweiz, tiefer zulangte. Doch vieles an der Kritik trifft unverändert heute zu. Zuletzt eine konstruktive Vision: ohne verzerrende Subventionen, ohne behindernde Regeln, wird sich im Wettbewerb um die Kunden das servicefreundliche Unternehmen durchsetzen. Trotz Schilderung zahlreicher ähnlicher Praxisfälle stecken in jedem Kapitel von Das Erbe der Egoisten viele Anregungen zur strukturellen Verbesserung in Deutschland. Lesenswert. |
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| Günter Ederer: Die
Sehnsucht nach einer verlogenen Welt: Unsere Angst vor Freiheit, Markt und
Eigenverantwortung. Über Gutmenschen und andere Scheinheilige.
München: Goldmann, 2003. Taschenbuch, 477 Seiten
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