| Wolfgang J. Schaupensteiner, Britta Bannenberg: Korruption
in Deutschland. Portrait einer Wachstumsbranche. München: Beck, 2004. Broschiert, 227 Seiten |
| Die Bielefelder Kriminologin Britta Bannenberg und der Frankfurter
Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner
wollen mit diesem Buch jedem klar machen, daß es auch in Deutschland
keine korruptionsfreie Zone gibt. Wie so oft wird dieser Fakt im Alltag und den
Medien durch Wörter verschleiert: "Korruptionssumpf" suggeriert
(Sümpfe gibt es bei uns kaum), daß von Weißrußland die
Rede ist und bei "Bananenrepublik" ( Nach der Einleitung wird in "Was ist Korruption?" die Schwierigkeit aufgezeigt, den Begriff zu definieren. Das Strafrecht kennt den Begriff "Korruption" überhaupt nicht (S. 25), dafür Ersatzbegriffe, wie "Bestechlichkeit". Viele Vorgänge, die nach dem Alltagsverständnis als korrupt bezeichnet werden, sind strafrechtlich nicht erfasst. Deshalb gibt es in diesem Bereich (wie so oft in der Politik: Lehrreich ist die Beschreibung wie man planvoll mit kleinen Präsenten geködert wird und allmählich abhängig, ja sogar erpressbar wird. Eine weitere Schwierigkeit im Umgang mit der Korruption liegt darin, daß meist keine Einzelpersonen geschädigt wird. Der Schaden ("Wie schädlich ist Korruption?") geht in die Milliarden und betrifft die Gemeinschaft oder konkurrierende Unternehmen. Letzendlich wird die Autorität des Staates selbst in Frage gestellt (S. 41). Einen grossen Teil des Buches macht die Beschreibung konkreter Korruptionsfälle aus. Da Mitautor Schaupensteiner aus Frankfurt stammt sind auch diese Fälle aus dem Frankfurter Raum. Sie sind weitgehend anonymisiert dargestellt und zeigen die vielfältigen Wege der Vorteilnahme, Bestechung und Korruption. Insgesamt scheint mir das empfehlenswerte Buch zu wenig zwischen Vorteilgeber und Empfänger zu unterscheiden. Mit erscheint es nicht so verwerflich, wenn man im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf den Mitbewerber aussticht, als wenn man seinen Arbeitgeber hintergeht oder gar als Beamter Vorteile auf Kosten der Allgemeinheit entgegennimmt. So wird auch in diesem Buch ein Korruptionsregister derjenigen Unternehmen gefordert, die schon mal auffällig wurden (S. 208), nicht jedoch ein Register derjenigen Behörden, Amtsstellen, Bürgermeister, Abgeordneten oder öffentlichen Bediensteten ( Ein aufschlussreiches Buch, das, so fürchte ich, bei den Betroffenen nicht gelesen wird und wenn doch, nur um neue Wege der Korruption kennen zu lernen. |
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| Dem Buch ist ein
Aussage Roman Herzogs vorausgestellt, siehe unter |
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