| Tschetschenienkrieg
2000 |
Grosny geschleift, ohne dass ein Finger sich rührt |
| Keine klare und hörbare Verurteilung, kein diplomatischer
Druck, keine wirtschaftlichen Sanktionen, keine Strafverfolgung, nichts. Europa
verneint sich selbst, indem es in freiwilliger Ohnmacht verharrt. Gestern, inder Zeit nach 1945, hat sich Europa konstituiert, indem es sich gegen drei Übel verbündet hat. Das Übel Hitler hatte es hinter sich. Neben sich Stalin. Vor sich die "Kolonialkriege", die es sich zu untersagen lernt. Heute glaubt Herr Putin, dass er sich alles erlauben kann. Die Qualen, die der russischen Oberbefehlshaber Tschetschenien auferlegt, machen die brutalsten Methoden der Kriegsführung international wieder salonfähig. Morgen werden unsere heute blinden politischen Meinungsführer, unser ach so "realistischen" paralysierten Politiker ihre Reue zeigen. Zu spät für die Tschetschenen. Sehr spät für unsere Kinder und für das russische Volk. Als Unterzeichner dieses Aufrufs fordere ich, die antifaschistischen, antikolonialen, antitotalitären Grundlagen des Europa-Vertrages zu respektieren. Ohne sie wäre Europa nur eine Union von Kleingeistern, eine Gemeinschaft der Schande. |
| Aufruf des französischen Philosophen
André Glucksmann; unterschrieben von zahlreichen Schriftstellern,
Schauspielern, Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern, z.B. Noam
Chomsky, John le Carré, Umberto Eco, Timothy Garton Ash, Günter
Grass, H.C.Artmann, Elfriede Jelinek, Hans Joachim Schädlich, Peter
Turrini. Süddeutsche Zeitung, 23.3.2000, Seite 18 |
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 11.7.2004