| Vereinnahmung von Franz Jägerstätter durch die
katholische Kirche In der Zeit der Entscheidung von der katholischen Kirche allein gelassen, anschliessend verfemt, wird er nun durch eben diese Kirche vereinnahmt |
| Franz Jägerstätter weigerte sich in den 40-er Jahren des 20. Jhdts. gegen den ausdrücklichen Rats des Klerus (bis hinauf zum Kardinal von Wien) zum Dienst an der Waffe. Verwandtschaft (ausgenommen: seine Frau Franziska), Nachbarn und der Klerus wandten sich daraufhin von Jägerstätter ab. Er wurde verhaftet und ins Gefängnis Berlin-Tegel überführt und am 6. Juli 1943 vom Reichskriegsgericht für »wehrunwürdig« und ehrlos und wegen »Wehrkraftzersetzung« zum Tode verurteilt. Am 9. August 1943 wurde Franz Jägerstätter für seine Gewissensentscheidung, den Kriegsdienst zu verweigern, im Zuchthaus Brandenburg auf dem Schafott hingerichtet. Das Landgericht Berlin hob am 7. 5. 1997 das Todesurteil auf Antrag der Angehörigen Jägerstätters auf. |
| Mit Abschluß des Konkordats von 1933 (heute noch gültig!
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| Der Linzer Bischof Joseph Calasanctius Fließer
erinnerte Jägerstätter an seine Verantwortlichkeit gegenüber der
Orbigkeit und seiner Familie. Der ehemalige Heimatpfarrer
Jägerstätters, Franz Karobath,
wollte 1946 in der Linzer Kirchenzeitung einen Artikel über den "Fall
Jägerstätter" veröffentlichen. Jener Bischof Joseph
Fließer verbot diese Veröffentlichung. Bischof Fließer, 1946: "Ich kenne Jägerstätter persönlich, da er vor seinem Einrücken über eine Stunde bei mir war. Ich habe umsonst ihm die Grundsätze der Moral über den Grad der Verantwortlichkeit des Bürgers und Privatmannes für die Taten der Obrigkeit auseinandergesetzt und ihn an seine viel höhere Verantwortung für seinen privaten Lebenskreis, besonders für seine Familie erinnert. ... Darum ist Jägerstätter ein ganz besonderer Fall, der mehr zu bewundern als nachzuahmen und darum nur in der entspechenden eindeutigen Darstellung dem Volk bekannt zu machen ist. ... Ich halte jene idealen katholischen Jungen und Theologen und Priester und Väter für die größeren Helden, die in heroischer Pflichterfüllung und in der tiefgläubigen Auffassung, den Willen Gottes auf ihrem Platz zu erfüllen, wie einst christliche Soldaten im Herr des heidnischen Imperators, gekämpft haben und gefallen sind." |
| Franz Jägerstätter hatte klar
erkannt: man kann nicht gleichzeitig Katholik und Nazi sein. Diese Einstellung
hat er im Gegensatz zu Millionen Katholiken, besonders aber zum
Topmanagement der katholischen Kirche durchgehalten. Jägerstätter wurde in der Zeit der Entscheidung von der katholischen Kirche allein gelassen (um es milde auszudrücken): er handelte gegen die Empfehlung des Linzer Bichofs. Er wurde jahrezehntelang nach 1945 ignoriert (um es milde auszudrücken: er wurde als Deserteur gebrandmarkt und verabscheut) Seine Witwe kämpfte vergeblich um eine Rente das Überlebende eines Naziverfolgten. Nach Jahrzehnten setzte bei der katholischen Kirche ein Umdenkungsprozess ein oder war es wieder nur eine Anbiederung an den Zeitgeist der derzeit politisch Mächtigen? |
Es war Joseph Ratzinger, der wenige Jahre zuvor noch den Idealismus und Gehorsam der deutschen Soldaten zum Naziregime lobte: "... wir gedenken der vielen jungen Menschen aus unserer Heimat, deren Zukunft und Hoffnung in den blutigen Schlachten des Kríeges zerstört wurde. Es muß uns als Deutsche schmerzlich berühren, daß ihr Idealismus und ihr Gehorsam dem Staat gegenüber von einem ungerechten Regime mißbraucht wurde", am 5. Juni 2004 auf dem deutschen Soldatenfriedhof La Cambe bei Caen. Zitiert nach Läpple 2008, S. 159. Christian Feldmann: "Sympathischer Dickschädel. Der österreichische Bauer und Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter wird seliggesprochen". Münchner Kirchenzeitung, 28.Oktober 2007, S. 3 |
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| Literatur |
| Läpple, Alfred: "Franz Jägerstätter. Märtyrer der Gewissensentscheidung". Klerusblatt. Zeitschrift der katholischen Geistlichen in Bayern und der Pfalz 88:7 (2008), S. 154-160 |