| Bellum Justum Der Gerechte
Krieg |
| Cicero (106 43 v.Chr.): "Ex quo intellegi potest nullum bellum esse iustum, nisi quod
aut rebus repetitis geratur aut denuntiatum ante sit et indictum"(de
officiis I, 36). Und aus diesem kann man ersehen, dass kein Krieg gerecht ist, wenn er nicht entweder nachdem ein Ultimatum gestellt wurde [eine Genugtuung gefordert wurde] oder nachdem er feierlich angedroht und erklärt wurde, geführt wird. (Übersetzung H.H.). Bezeichnenderweise beginnen manche Übersetzungen ungenau mit: "daß nur der Krieg gerecht ist ..." (Heinz Gunermann, Stuttgart 1976) und unterstützen damit die jahrtausendlange Kriegsrechtfertigung. Eigentlich ist die Bellum-Justum-Theorie aber eine ethische Anleitung zur Kriegsvermeidung. Besonders über das "aut ... aut" scheiden sich die Übersetzungen. |
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| Augustinus (354
430) gilt als großer Kirchenlehrer und mit Hilfe der
antiken Philosophie als Urheber der bellum justum Lehre. Er hält unter folgenden Bedingungen Krieg für erlaubt; der Krieg muß
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| Ich bin der Überzeugung, daß ein Soldat,
der den Feind tötet, wie auch ein Richter und ein Henker, die einen
Verbrecher richten, keine Sünde begehen; indem sie so handeln, befolgen
sie das Gesetz. de libero arbitrioi I,5,12 |
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| Tötungen, die keine Mordverbrechen sind. Der gleiche göttliche Wille, der nicht erlaubt, den Menschen zu töten, hat allerdings gewisse Ausnahmen zugelassen. In solchen Fällen befiehlt Gott zu töten, sei es durch ein gegebenes Gesetz, sei es in bezug auf eine bestimmte Person zu gegebener Zeit durch ausdrücklichen Befehl. ... Daher haben die, die auf Gottes Anraten hin Kriege führten oder als Träger der öffentlichen Gewalt gemäß göttlichen Gesetzes, das heißt im Auftrag der gerechtesten Vernunft, Verbrecher mit dem Tode bestraften, keinesfalls gegen das Gebot "Du sollst nicht töten" gehandelt. Der Gottesstaat [de civitate dei] I, 21, Carl Johann Perl, Übs. Die Ungerechtigkeit des Gegners zwingt nämlich den Weisen zu gerechten Kriegen und so ist sie es jedenfalls, die der Mensch beklagen muß, weil sie des Menschen Laster ist, auch wenn aus ihr kein zwang zum Kriegführen entstünde. Der Gottesstaat [de civitate dei] XIX, 7, Carl Johann Perl, Übs. |
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Augustinus' Kriterien sind nur verstreut in seinen
Schriften zu finden. Sie wurden in die kirchliche Gesetzessammlung Decretum
Gratiani, 1140, aufgenommen, die im wesentlichen bis 1917 für die
römisch katholische Kirche (zumindest auf dem Papier) maßgeblich
war.
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Kaum ein Krieg kann die geforderten Kriterien
einhalten oder anders: jeder Kriegführende reklamiert die Kriterien eines
gerechten Krieges zu erfüllen.
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| Dagegen schreibt der Chinese
Sun Wu (Sun Zi) ca. 500 v.Chr. "Am allerbesten ist es, das Heer des Gegners ohne Waffengewalt zu bezwingen." Seine Skala der Kreigskunst nennt:
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| Franziskus Maria Stratmann
entlarvte die Angreiferproblematik: Wer ist der Angreifer: der, der den Krieg erklärt, oder der, der das Ultimatum gestellt oder der, der den Anlaß zu diesem Ultimatum gegeben hat?. Weltkirche und Weltfriede. Katholische Gedanken zum Kriegs- und Friedensproblem. Augsburg: Haas & Grabherr, 1924. S. 79. Leider hielt sich die katholische Kirche nach 1924 nicht an F. M. Stratmann. |
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| Reinhold Schmücker: "Gibt es einen gerechten Krieg?" Deutsche Zeitschrift für Philosophie, April
2000 Sieben zentrale Kriterien, die alle erfüllt sein müssen (für Logiker: und-Verbindung)
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| Herlinde Pauer-Studer, Prof.
für Philosophie, Universität Wien: "Ethik des gerechten Krieges",
4. Philosophicum Lech, 14.-17.9.2000, Lech am Arlberg. Es gibt keinen gerechten Krieg; allenfalls einen zulässigen. |
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| SPIEGEL Interview mit Jean Baudrillard, französischer Philosoph und
Soziologe Spiegel: Es gibt keinen gerechten Krieg? Baudrillard: Nein, dafür gibt es zu viele Ambivalenzen. Kriege werden oft aus dem Drang nach Gerechtigkeit heraus begonnen, das ist sogar fast immer die offiziele Begründung. Aber selbst wenn sie gerechtfertigt sein mögen und in bester Absicht geführt werden, enden sie in der Regel nicht so, wie ihre Urheber sich das vorstellen. Der Spiegel, 14.1.2002 |
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| Auszüge aus der Kritik deutscher
Intellektueller am gerechten Krieg der USA,
SZ 25.9.2002, S.15 Zu Anfang Ihre Briefes werfen Sie die Frage auf: Ist Gewaltanwendung jemals moralisch gerechtfertigt? ... Wegen seines Potentials zum overkill, zur Massenvernichtung ist der moderne Krieg mit seinen gewaltigen Waffen gänzlich irrational geworden, weil er die Konflikte, die er lösen soll, nicht mehr lösen kann, ... Beim Begriff gerechter Krieg müsste jedenfalls grundsätzlich unterschieden werden, ob das Wort gerecht sich auf den Anlass bezieht (der gerechtfertigt sein kann) oder auf die Durchführung, die eventuell in schweren Verbrechen besteht, welche durch das Wort gerechter Krieg zugedeckt und letztlich legitimiert werden... Die Definitionsmacht darüber, ob ein Krieg gerecht ist, kann doch nicht der Willkür der Krieg führenden Parteien überlassen werden... Die Vereinten Nationen und das Völkerrecht, an dessen Entstehung die Vereinigten Staaten konstruktiv mitgewirkt haben, haben den Dschungel der Willkür der selbst ernannten Richter über Krieg und Frieden abgelöst... Unterzeichner des Briefes u.a. Hans-Peter Dürr, Träger des Alternativen Nobelpreises; Frank Uhe, Geschäftsführer der Ärzte gegen den Atomkrieg; Walter Jens; Carl Amery; Uwe Timm; Konstantin Wecker |
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| Der heilige
Krieger ist keine Erfindung fundamentalistischer Terroristen,
sondern kommt aus der Bibel: Ich selbst habe meine heiligen Krieger
aufgeboten, ich habe sie alle zusammengerufen, meine hochgemuten, jauchzenden Helden, damit sie meinen Zorn vollstrecken. Jes 13,3 |
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| Bertrand Russell über
Nach-Kriegs-Traumata Of those who survive many will be brutalized and morally degraded by the fierce business of killing, which, however much it may be the soldier's duty, must shock and often destroy the more humane instincts. As every truthful record of war shows, fear and hate let loose the wild beast in a not inconsiderable proportion of combatants, leading to strange cruelties, which must be faced, but not dwelt upon if sanity is to be preserved. Russell, Bertrand (1915): "The Ethics of War". International Journal of Ethics 25:2, S. 127-142. |
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| Links | ||||||||||
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| Just War Theory in
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