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Michael Walzer
Michael Walzer. Erklärte Kriege - Kriegserklärungen
Christina Goldmann und Karin Wördemann, Übs. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 2003. Broschiert, 195 Seiten
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Otto Kallscheuer – krieg Ergänzende Literaturkrieg Zitate
In Erklärte Kriege - Kriegserklärungen fasste der deutsche Herausgeber Otto Kallscheuer in verschiedenen Büchern und Zeitschriften von Michael Walzer veröffentlichte Aufsätze zusammen. Die hohe Qualität Walzers Überlegungen zeigt sich in der unverminderten Aktualität aller Aufsätze, erschienen zwischen 1999 und 2002.
Walzer geht der Frage nach, wann und unter welchen Umständen Kriege heutzutage noch möglich oder gar notwendig sind. Nicht immer stimme ich mit dem Ergebnis seiner Analysen überein. Obwohl er durchaus amerika-kritisch denke, ist er doch zu sehr US-Amerikaner. Aber: Walzers Analysen sind von einem hohen Verantwortungsbewußtsein getragen; er macht es sich nirgends einfach; die Resultate sind stimmig.
So hat Walzer ein gespaltenes Verhältnis zum britischen Bombardement deutscher Städte. Die Absicht, die deutsche Zivilbevölkerung zu treffen und dadurch zu demoralisieren, war für Walzer unrecht. Wenn es jedoch die einzige Möglichkeit war, die 1940-41 drohende Nazi-Herrschaft über Europa abzuwehren, so waren die Bombardements moralisch gerechtfertigt (S. 62-64). Nachdem sich die Niederlage Deutschlands abzeichnete, war eine Fortsetzung der Bombardierung ziviler Ziele nicht mehr gerechtfertigt (S. 76).
Einer Weltregierung traut Walzer nicht. Er hat auch kein Vertrauen in die Effizienz der UN. Deshalb tritt er für den Eingriff einzelner Staaten (z.B. der USA) im äußersten Notfall ein. Insbesondere sanktioniert, ja fordert er geradezu, die humanitäre Intervention gegen Massaker, Vergewaltigung, ethnische Säuberung und Staatsterrorismus (S. 83). Hier liegt in seiner Argumentation eine große Gefahr. Wenn man diese weitreichende Entscheidung einem einzelnen Staat zubilligt. Wieviele Vergewaltigungen dürfen "stattfinden", damit eine Bombardierung Berlins gerechtfertigt erscheint? Deshalb ist seine Regionalisierungsforderung zwar nachzuvollziehen, kann aber auch eine Multiplikation der Gefahrenherde und Staatsterroristen bedeuten: "Wir brauchen viele Handlungssubjekte, viele Schauplätze für Engagement und Entscheidungen" (S. 27).
Zu sehr traut Walzer – denke ich – dem göttliche und natürlichen Recht (S. 54). Das kann leider jeder nahezu beliebig auslegen.
Zu wenig geht Walzer (zugegeben: es ist keine systematische Abhandlung) auf die Konfliktvermeidung statt Anschürung durch die westlichen Demokratien mittels Waffenverkäufe (Waffenhandel Der Waffenhandel blüht) und Geheimdienste (Geheimdienst Von den Geheimdiensten Deutschlands) ein.
Ich meinte oben, Walzers Resultate sind stimmig. Die heiklen ethischen Probleme führen ihn doch zu kaum merklichen Inkonsistenzen. Er hält den Kreig gegen Afghanistan für gerecht, da er das Netzwerk der Terroristen zerstört (S. 165), bekennt aber sehr vage: "Vermutlich haben wir dafür die nötigen Beweise" (S. 166). Wenn Beweise vorliegen, gibt es kein "vermutlich" mehr. Nur auf Verdacht ist ein Krieg keineswegs gerechtfertigt. Andrerseits zerpflückt Walzer die Entschuldigungen für den Terror als fadenscheinig. Kallscheuer fasst dies (S. 183-184) gut zusammen.
Ein sehr lesenswertes Buch für jeden Menschen, den die politische Lage nicht kalt lässt.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.8.2004