| Krieg in Afghanistan
seit 7. Oktober 2001 |
| Bundespräsident Horst
Köhler sprach es frei aus: deutsche Kriegsbeteiligung in Afghanistan aus
wirtschaftlichem Interesse: Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Die Hervorhebungen sind von mir, das schlechte Deutsch nicht. "Das Originalzitat. Aus dem Deutschlandradio-Interview", SZ, 29. Mai 2010, S. 2 |
| Stimmen zur deutschen
Beteiligung im Krieg in Afghanistan Angela Merkel, CDU, ist bestürzt, dass sich die bösen Einheimischen wehren: "Mit großer Bestürzung habe ich von dem verabscheuungswürdigen und hinterhältigen Angriff auf unsere Soldaten in Afghanistan gehört." Angela Merkel, CDU, im Bundestag: "Ja, der Einsatz fordert Menschenleben." Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe, CDU: "Das Abenteuer Afghanistan muss beendet werden." Nikolaus Schneider, Vorsitzende des Evangelischen Kirchenrats: "Der Konflikt in Afghanistan ist aus dem Ruder gelaufen." Wie seine Vorgängerin Margot Käßmann nannte auch Schneider den Konflikt beim Namen: "Was in Afghanistan passiert, ist Krieg." |
| Bundestag
stimmte dem neuem Mandat zur Verlängerung und Aufstockung der deutschen
Kreigsbeteiligung in Afghanistan mit großer Mehrheit
zu Die Zahl der deutschen Soldaten in Afghanistan steigt in den kommenden zwölf Monaten um bis zu 850 auf maximal 5.350 Soldaten. Das entschied der Bundestag am 26. Februar mit großer Mehrheit in namentlicher Abstimmung. Für den entsprechenden Antrag der Bundesregierung (17/654) stimmten insgesamt 429 der 586 anwesenden Abgeordneten. 111 Parlamentarier, davon 16 Abgeordnete der SPD und 21 von Bündnis 90/Die Grünen, votierten dagegen. Auch drei Abgeordnete der Koalitionsfraktionen lehnten das Mandat ab. Von insgesamt 46 Enthaltungen entfielen 35 auf die Grünen, acht auf die SPD und drei auf die FDP. Johanna Metz: "Bis zu 850 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch". In: Das Parlament. Aus Politik und Zeitgeschichte 9 / 1.3.2010 |
| Deutschland plant seine
Truppen im Krieg in Afghanistan aufzustocken Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, bestätigte, dass die Bundesregierung diskutiert, die bisher 4.500 Soldaten in Afghanistan aufzustocken. Vor der Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London wirdaber offiziell noch keine Zahl genannt. "Regierung erwägt Truppenverstärkung", SZ, 23.1.2010, S. 1 |
| Bayerische Polizisten nach Afghanistan In einer für die CSU typischen 180-Grad-Wende ( Schon im Januar 2009 sagte Innenminister Joachim Herrmann, CSU: "Dieser Einsatz ist mit Gefahren verbunden, die man nicht unterschätzen darf. Da darf man sich nichts vormachen. Es ist ein gefährlicher Einsatz. Aber wir dürfen hier nicht länger abseits stehen." Getreu dem Motto: Kein Krieg ohne uns! "Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) plant eine 180-Grad- Wende in der Afghanistan-Politik", in: Unter Günter Beckstein, CSU, war die Partei immer gegen eine Beteiligung bayerischer Polizisten in Afghanistan. |
| The US-led post 9/11 'intervention' in
Afghanistan was, by definition, not a humanitarian intervention. The
intervention in Afghanistan was defined as an act of self-defence by the US and
it was one of the first steps in the 'war on terror' by the US and its allies:
it had no intention or clear strategies for long-term stabilization, state-
building or development. Fatima Ayub: "Righting the course? Humanitarian intervention, the war on terror and the future of Afghanistan". International Affairs 84:4 (2008). |
| Angesichts vieler gefallener Soldaten: Zynismus
pur "Keiner der in Afghanistan kämpfenden Staat führt Krieg gegen Afghanistan, im Gegenteil, die Nato-geführte Operation soll Sicherheit für den Aufbau eines freien Afghanistan schaffen." Der innenpolitische Streit "wird meist von den von utopischen Pazifismus geleiteten Gegnern aller militärischen Einsätze geschürt". Klaus Naumann, General a. D., SZ, 1. August 2009, S. 2 Da haben wir's: die friedensliebenden Pazifisten schüren den Streit. |
| "Die Bundesregierung versagt bei der Kommunikation.
In Deutschland herrscht der Eindruck, wir leisten dort bewaffnete
Entwicklungshilfe. Tatsächlich sind wir im Krieg gegen aufständische
Taliban, und unsere Soldaten sind Kämpfer in diesem Krieg",
Volker Rühe, CDU,
Ex-Verteidigungsminister. Allerdings folgert Volker Rühe daraus, den
Kriegseinsatz in Afghanistan massiv zu verstärken. SZ, 22.8.2008, S. 6 |
| Die deutsche Bundeswehr hat die
Verantwortung für die schnelle
Eingreiftruppe im Norden Afghanistans übernommen. Die
Eingreiftruppe mit ihren rund 200 Soldaten soll in kritischen Situationen im
gesamten Norden des Landes eingesetzt werden. DLF 30. Juni
2008 |
| Deutschland will von Oktober 2008 an 1000 Soldaten
mehr in den Kriegseinsatz nach Afghanistan schicken. Die Obergrenze für
das Isaf-Kontingent wird dann bei 3500 Soldaten alleine in dieser Region
liegen. Außerdem ist die Bundeswehr ("Kein Krieg ohne uns!") auch bei der
US-geführten Operation Enduring Freedom OEF beteiligt. Da soll die
Obergrenze von 1400 auf 800 gesenkt werden. CDU, CSU, SPD signalisierten
Zustimmung, FDP und Grüne "zeigten Verständnis", ließen aber
ihr Abstimmungsverhalten offen. Nur die Linke forderte erneut die Bundeswehr
aus Afghanistan zurückzuziehen. Auch Einsätze außerhalb des
Nordens sind weiterhin vorgesehen. SZ, 25.6.2008, S. 1 +
5. Der Arzt Reinhard Erös unterhält in Afghanistan eine private Hilfsorganisation. Die Kinderhilfe Afghanistan, inzwischen vielfach ausgezeichnet, ist recht erfolgreich und effektiv. Erös berichtete im Deutschlandfunk, dass Deutschland für das deutsche Militär in Afghanistan ein Vielfaches der humanitären Hilfe investieren. Und selbst die Entwicklungshilfe ist so ineffektiv, dass ca. 70 % "versandet" bevor es den menschen zugute käme. Das Magazin für politische Literatur. DLF, 30.6.2008 |
| Entgegen dem Auftrag und den
Verlautbarungen werden eventuell Soldaten der Bundeswehr auch außerhalb
des Mandatsgebiets eingesetzt. Zum Zeitpunkt der im Buch Endstation Kabul
geschilderten Vorgänge, im Jahr 2002, war der Bundeswehreinsatz auf den
Raum Kabul beschränkt. Bis Juli 2006 stellte die Bundesrepublik Deutschland mit rund 3000 deutschen Soldaten das größte Truppenkontingent der ISAF (International Security Assistance Force). Der Afghanistan-Einsatz hat bereits mindestens 25 deutschen Soldaten das Leben gekostet. Verantwortlich dafür: Bundestag, Bundesregierung und der derzeitige Verteidigungsminister Franz Josef Jung, CDU. |
| Links |
| Literatur |
| Ayub, Fatima: "Righting the course? Humanitarian intervention, the war on terror and the future of Afghanistan". International Affairs 84:4 (2008), S. 641-657 |
| Bredow, Wilfried von: "Nicht nur Kollateralschäden. Einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan halten die meisten Beobachter für »undenkbar«; genau das ist ein Problem". Internationale Politik 64:4 (2009), S. 56-61 |
| Chauvistré, Eric Robuste: " Illusionen. Nicht schießen, wir sind Deutsche. Was einer Debatte über die Auslandseinsätze der Bundeswehr im Wege steht". Internationale Politik 64:3 (2009), S. 84-95 |
| Freimann, Michael: "Bundeswehr im Auslandseinsatz. Aktuelle Bedrohungen und Mittel, ihnen zu entgegnen". Europäische Sicherheit 58:6 (2009), S. 47-49 |
| Glatz, Rainer Lutz: "Bundeswehr in Afghanistan. Eine Lageeinschätzung". Europäische Sicherheit 58:5 (2009), S. 26-30 |
| Naumann, Klaus: "Scheitern an der ganzen Front. Das Versagen deutscher Politik torpediert die Auslandseinsätze der Bundeswehr". Internationale Politik 63:9 (2008), S. 82-89 |
| Noetzel, Timo, Benjamin Schreer: "Krieg oder Nicht-Krieg? Die deutsche Politik darf sich nicht länger um eine ernsthafte Debatte über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan drücken". Internationale Politik 62:4 (2007), S. 100-106 |
| Rose, Jürgen: "Mission impossible. Die Bundeswehr am Hindukusch". Blätter für deutsche und internationale Politik 52:10 (2007), S. 1237-1244 |
| Schmidt-Radefeldt, Roman: "Enduring freedom Antiterrorkrieg für immer? Ein Beitrag zum ius post bellum in Afghanistan". Humanitäres Völkerrecht 18:4 (2005), S. 245-253 |
| Ruffert, Matthias: "Terrorismusbekämpfung zwischen Selbstverteidigung und kollektiver Sicherheit. Die Anschläge vom 11.9.2001 und die Intervention in Afghanistan". Zeitschrift für Rechtspolitik 35:6 (2002), S. 247-252 |
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| Marc Thörner: Der falsche
Bart: Reportagen aus dem Krieg gegen den Terror. Nautilus. Broschiert, 157
Seiten
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| Stefan Kornelius: Der
unerklärte Krieg. Deutschlands Selbstbetrug in Afghanistan. Hamburg:
Edition Körber Stiftung, 2009. Broschiert, 100 Seiten |
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| Reinhard Erös: Unter
Taliban, Warlords und Drogenbaronen: Eine deutsche Familie kämpft für
Afghanistan. Hoffmann & Campe 2006. Gebunden, 272 Seiten
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| Georg Löfflmann:
Verteidigung am Hindukusch? Die Zivilmacht Deutschland und der Krieg in
Afghanistan. Hamburg: Diplomica, 2008. 88 Seiten |
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| Christoph R. Hörstel:
Sprengsatz Afghanistan. Die Bundeswehr in tödlicher Mission.
Droemer/Knaur, 2007 Broschiert: 288 Seiten
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| Die Bundesregierung plant eine weitere Ausweitung
des Einsatzes im Krieg in Afghanistan. Seit April 2007 operiert die Bundeswehr in Afghanistan mit Tornado-Flugzeugen. Jetzt soll die Einsatztruppe im Norden Afghanistans um eine 200 Mann Kampftruppe erweitert werden. Die CDU sieht alles im geplanten Rahmen, Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, nannte es eine "Selbstverständlichkeit", dass die Bundesweh "auch für militärische Stabilisierung und Befriedung sorgt". Die FDP dagegen hat zumindest Gewissensbisse und wirft der Regierung eine beschönende Informationspolitik vor. Einzig die Linken lehnen die Einsatzerweiterung ab. SZ, 18.1.2008, S. 5 |
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| Deutschland wird in den kommenden
zwölf Monaten weiterhin am Hindukusch verteidigt. Der Bundestag stimmte am
30.9.2004 für die weitere Stationierung deutscher Soldaten in Afghanistan.
Insgesamt sind derzeit etwa 2100 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert.
Der Bundeswehreinsatz kostet 310 Millionen Euro jährlich. |
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| Die Bundeswehr wird ihren Auslandseinsatz in
Afghanistan voraussichtlich ausweiten. Bis zu 1000 deutsche Soldaten sollen
nach Kundus, 200 km nördlich von Kabul, entsandt werden. SZ, 9.8.2003, S.1 |
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"Es sind jedoch um ein Vielfaches
mehr Zivilisten, vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen gestorben als
Krieger. Die folgenden Ereignisse aus dem Afghanistankrieg wurden inzwischen
bekannt:
Dr. Erika Drees: Ziviler Ungehorsam gegen Atomwaffen. Verteidigungsrede vor dem Amtsgericht Cochem am 5.11.2002. |
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| "Das Taliban-Regime wurde mit Hilfe seiner
pakistanischen Ziehväter gestürzt, wobei allerdings auch fast
dreitausend unbeteiligte Afghanen starben. Gedenksteine zu Ehren dieser
unschuldigen Opfer wird man in Kabul nicht errichten. Die Folterungen und
Massenexekutionen von Kriegsgefangenen lassen viele liberalte Befürworter
von »humanitären Kriegen« ungerührt. Aber das Hauptziel
der Militäroperation, Osama bin Laden aufzuspüren und die Al-Qaida zu
zerschlagen, ist immer noch nicht erreicht." Tariq Ali, SZ,
14.9.2002, S.17 |
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| Die oberste deutsche
Kriegsführung denkt darüber nach, das gegenwärtige Kontingent
von 1200 Soldaten in Afghanistan auf 1400 zu erhöhen. SZ,
10.8.2002, S.2 |
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| "Alibi-Krieg, mit dem der Schock des Terrors
neutralisiert werden soll". Jean
Baudrillard in einer Diskussion über Terror und Globalisierung.
SZ, 27.6.2002, S.8 |
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| Der Aachener
Friedenspreis geht in diesem Jahr an die amerikanische Kongressabgeordnete
Barbara Lee und den Siegener Lehrer Bernhard Nolz. Barbara Lee hatte am 14. September 2001 als einzige
von 421 Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses gegen
Vergeltungsermächtigungen für Präsident George W. Bush gestimmt. Der Siegener Lehrer
Bernhard Nolz hatte Ende September auf
einer Schülerdemonstration heftige Kritik am Vergeltungskrieg der USA
geübt. Daraufhin war Nolz zunächst vom Schuldienst suspendiert und
nach einer Solidarisierungsaktion zahlreicher Kollegen und pazifistischer
Gruppen schließlich an eine andere Schule versetzt worden.
SZ, 10.5.2002, S.7. Wer sich gegen Krieg ausspricht
muß in Deutschland zwar mit beruflichen Strafmaßnahmen rechnen,
kann aber auf einen Friedenspreis hoffen. Warum wird nicht Günther Beckstein strafversetzt? Er sprach sich
mehrfach für ein Totalverbot
gewaltverherlichender Spiele aus. |
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| Der Krieg in Afghanistan gegen ein paar
religiöse Fanatiker kostete bis jetzt über 4000 unbeteiligten Zivilisten das Leben.
SZ, 20.4.2002, S.19 |
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Unter dem Titel
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| Beginn der Presseerklärung des
Arbeitskreises DARMSTÄDTER SIGNAL vom 21.11.2001 Erneut lehnen die über 100 im Ak DS zusammengeschlossenen Offiziere und Unteroffiziere der Bundeswehr den militärischen Einsatz zur Terrorismusbekämpfung ab. Wir fordern die sofortige Beendigung der Kampfhandlungen in Afghanistan. Voller Text der Presseerklärung und weiterer Information unter |
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Der Bundestag billigt die
Entsendung von bis zu 1200 deutschen Soldaten nach Afghanistan.
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| Hamid Karsai,
künftiger Chef der afghanischen Regierung, stellte klar, daß es
für den Taliban-Chef Mullah Mohammed
Omar keine Amnestie gibt. Er begründete es mit: "Er hat sich
nicht vom Terrorismus losgesagt". SZ, 8.12.2001, S.1
Das galt schließlich schon zu Zeiten der Inquisition: wer sich
nicht lossagte, wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt; vergleiche |
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| Gerhard Schröder,
Bundeskanzler, SPD: "Auch in der Auseinandersetzung um Afghanistan
hat unsere Hilfe für die Menschen in der Krisenregion hohe
Priorität." Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll
14/202,16. November 2001 Der Bundestag sandte 3.900 deutsche Soldaten
nach Afghanistan. Kosten ca. 550 000 000 DM. Es wird sich zeigen, ob die
humanitäre Hilfe hohe Priorität hat, was ja wohl bedeuten würde,
dass mindestens ebensoviel Ärzte und Krankenpersonal dorthin gesandt und
mindestens ebensoviel Geld dafür ausgegeben wird. |
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| "Asymmetrisch ist das Ganze
trotzdem. Denn so genau man weiß, wer am 11. September zu Schaden kam, so
wenig Klarheit herrscht bezüglich der Identität des Aggressors.
Afghanistan wird bombardiert, aber Afghanistan hatte die Vereinigten Staaten
nicht angegriffen." Franziska Augstein, SZ, 21.11.2001,
S.15 |
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| Jakob Augstein, SZ: "Kritiker
hierzulande fordern einen Dialog der Kulturen statt Bomben." Richard Rorty, US-amerikanischer Philosoph: "Ich verspreche mir nichts von solch einem Dialog. In den zwei Jahrhunderten seit der Französischen Revolution ist in Europa und Amerika eine säkulare humanistische Kultur gewachsen, in der viele gesellschaftliche Ungleichheiten beseitigt wurden. Es gibt noch viel zu tun, aber der Westen ist grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Ich glaube nicht, dass er von anderen Kulturen etwas zu lernen hat. Unser Ziel sollte es vielmehr sein, den Planeten zu verwestlichen." SZ 20.11.2001, S15 Vergleiche die |
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| Literaturnobelpreisträger Günter Grass ist
gegen den Krieg. SZ: "In Afghanistan hatten die Militärschläge Erfolg ...." Grass: "Ja, man wird es wohl als Erfolg verbuchten, dass die Nordallianz nun weite Teile von Afghanistan besetzt hat. Aber wir hören gleichzeitig, dass es zu Vergewaltigungen, zu Hinrichtungen und zu Plünderungen gekommen ist. Es wird deutlich, mit welch einer Räuberbande der Westen verbündet ist." SZ, 15.11.2001, S.6 |
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| Deutsche Künstler forderte die Bundestagsabgeordneten auf, gegen einen Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan zu stimmen: u.a. Klaus Staeck, Günter Grass, Fred Breinersdorfer, Walter Jens, Peter Rühmkorf, Gert Heidenreich. Im offenen Brief heißt es: "Ein Land wird ausgelöscht, 12 Millionen Menschen sind bereits auf der Flucht." SZ, 14.11.2001, S.18 |
| Gerhard Schröder, SPD, sicherte den USA
mehrfach Er lehnte es ab, sich aus humanitären Gründen für eine Pause der Bombardierung einzusetzen. |
Die USA bombardierten "Ziele" (wie es euphemistisch in unseren Nachrichtensendungen verniedlicht wird) mit Streubomben (cluster bombs). Diese enthalten kleine Sprengsätze, die ähnlich wie Landminen bei Berührung explodieren. Die Sprengkörperleuchten in bunten farben und sind daher besonders für Kinder eine tödliche Gefahr. SZ, 26.10.2001, S.1, 2 und 6 |
| "Klinisch saubere Militärschläge gibt es nicht. So einen Krieg kenne ich nicht."Außenminister Joschka Fischer, Grüne im SZ-Interview, 18.10.2001, S.13, Trotzdem: Um das Elend der Zivilbevölkerung in Afghanistan wirksam zu bekämpfen sprach sich Joschka Fischer, eindeutig für die Fortsetzung der Bombardierung aus. Er widersprach damit Claudia Roth, Grüne, die für eine Feuerpause eintrat. SZ, 18.10.2001, S.1 |
| Umfrage von MDR-aktuell in Deutschland, Münchner Merkur, 10.10.2001, S.1 | ||
| pro Krieg = 59 % siehe
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contra Krieg = 28 % | Rest 13 % |
| US-Kampfjets warfen am vierten Tag hintereinander Bomben über Afghanistan ab. Der Angriff rollt rund um die Uhr. Münchner Merkur, 10.10.2001, S.2, 11.10.2001, S.2 | Die US-Armee wirft Lebensmittelpakete über Afghanistan ab. Die Pakete könnten die Bevölkerung dazu verleiten in verminte Gebiete an den Grenzen zum Iran und Pakistan zu laufen. Münchner Merkur, 11.10.2001, S.4 |
| pro Krieg | contra Krieg |
| Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich wechselte das Lager. Während er im September Vergeltungsschläge ablehnte, meinte er auf der Landessynode in Erlangen, die Kirche habe derzeit keine Veranlassung, den Einsatz deutscher Soldaten abzulehnen. Derzeit ist Deutschland "nur" an zwei Kriegsschauplätzen aktiv ist: im Balkan und in Afghanistan. SZ 29.11.2001, S.7 | Heiner Geißler, CDU, verurteilte den Krieg gegen Afghanistan aufs Schärfste. Fanatismus und Nationalismus seien dafür der Sprengstoff. "Wenn die Fahne fliegt, ist der Verstand in der Trompete." (Damit bediente er sich eines Zitats des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz) Münchner Merkur, 7.12.2001, S.35 |
| Die EU Regierungen erklärten sich auf ihrer Konferenz in Gent total solidarisch mit den Militärattacken der USA. SZ, 22.10.2001, S.5 | Deutsche Künstler: u.a. Klaus Staeck, Günter Grass, Fred Breinersdorfer, Walter Jens, Peter Rühmkorf, Gert Heidenreich. SZ, 14.11.2001, S.18 |
| Ministerpräsident Edmund Stoiber, CSU, hält die militärische Reaktion der USA für "unausweichlich". SZ, 9.10.2001, S.8 | IG Metall
sprach sich für einen Stopp des Bombardements aus und wurde von
Gerhard Schröder, SPD, schroff zurechtgewiesen: "... davon versteht ihr nichts". SZ, 2.11.2001, S.5 |
| Bundespräsident Johannes Rau rechtfertigte das militärische Vorgehen. Münchner Merkur, 10.10.2001, S.2 | Claudia Roth, Bundesvorsitzende, Grüne, war mehrfach für eine Feuerpause in Afghanistan (immerhin!). Sie erhielt nachhaltigen Beifall auf dem Landesparteitag der bayerischen Grünen. SZ, 22.10.2001, S.5 |
| Gerhard Schröder, SPD, betonte, er habe "militärische Maßnahmen ausdrücklich nicht ausgeschlossen." Die Chance, durch Geldzahlung eine direkte deutsche Kriegsbeteiligung zu vermeiden, lehnte Schröder ab: "An Ablasshandel wird Deutschland sich nicht beteiligen." SZ, 2.10.2001, S.1 Münchner Merkur, 2.10.2001, S.1 | Die Grünen, München, erwarten "ein deutliches Nein der Bundesgrünen zum Krieg als Antwort auf den Terroranschlag." SZ, 26.9.2001, S.50 |
| Camillo Ruini, Kardinal, Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz: Zustimmung zu einer schnellen Attacke der Amerikaner: Im notwendigen und gebührenden Kampf gegen den Terrorismus müsse auch der Gebrauch von Waffen erlaubt sein. SZ, 1.10.2001, S.2 | In einer erstaunlichen Wende
kämpft der Osservatore Romano,
die Hauszeitung des Vatikans gegen jeglichen Krieg. SZ,
26.9.2001, S.23 Johannes Paul, Papst: Auseinandersetzungen werden durch Verhandlungen und im Dialog gelöst, nicht mit Waffen. SZ, 1.10.2001, S.2 |
| 58% der Befragten sagten JA zu Halten Sie es für richtig, dass Deutschland an militärischen Aktionen gegen die Urheber des Terrors teilnimmt? Der Spiegel 39/2001, S.13 | Der Vorsitzende der Deutschen katholischen Bischofskonferenz Karl Lehmann hat sich gewalttätige Vergeltungsaktion ausgesprochen. "Selbst wenn das Verbrechen himmelsschreiend war, wäre es ein fataler Teufelskreis, begangenes Unrecht durch erneute Ungerechtigkeit zu begleichen." SZ, 26.9.2001, S.8 |
| Die bayerischen
katholischen Bischöfe halten einen militärischen Gegenschlag für
gerechtfertigt. Es bestehe eine "Notwehrlage" sagte der Münchner
Kardinal, Friedrich Wetter. Politische und
militärische Handlungen sind nach
Ansicht der Bischöfe dann erlaubt,
wenn es anders nicht gelingen sollte, die Terroristen zu fassen.
SZ, 21.9.2001, S.55 Vergleiche
|
Der evangelische Landesbischof für
Bayern, Johannes Friedrich, sprach sich
gegen Vergeltungsschläge aus. "Ich
denke, dass es notwendig und richtig ist, dass die Täter der
Terroranschläge bestraftwerden. Ich hoffe aber, dass alle Aktionen als
Strafaktionen durchgeführt werden, bei denen keine Unschuldigen mit
einbezogen werden." Münchner
Merkur, 22.9.2001, S.2 Allerdings: Sinneswandel |