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Faulhaber
Michael Faulhaber und der Nationalsozialismus
Keine erschöpfende Ausarbeitung sondern eine Betrachtung anhand verschiedener Lektüren, da dieses Thema immer wieder zu Leserbriefschlachten in der Presse führt.
faulhaber Treffen Michael Faulhabers mit Adolf Hitler und Rudolf Heßfaulhaber Linksfaulhaber Literaturfaulhaber Pfarrer für Hitler
Das Motto des Bischofs Michael Faulhaber "Vox Dei, Vox Temporis", also "Die Stimme Gottes, die Stimme der Zeit" oder "Die Stimme Gottes ist die Stimme der Zeit" oder "Die Stimme Gottes durch die Stimme der Zeit" zeugt von Ironie, da Herrn Faulhaber jede Resonanz für die Stimmen und Ideologien seiner Zeit fehlten. (Gallin 1970, S. 385)
* 5.3.1869 Heidenfeld, gehört heute zu Röthlein bei Schweinfurt – 12.6.1952 München
Schon früh entwickelte Faulhaber seine Vorliebe fürs Militärische. Nach dem Abitur meldete er sich (um später das Studium nicht unterbrechen zu müssen) als Freiwilliger zum Militär. "Faulhaber war gerne beim Militär. Diese positive Einstellung gegenüber dem Militärischen und Soldatischen sollte er sein ganzes Leben lang beibehalten" (Hecker S.20). Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam Faulhaber in die vorherrschende euphorische Stimmung. Der Krieg brachte ihm als Militärbischof eine neue Aufgabe. Der Münchner Kardinal Bettinger war zwar nominell Militärbischof, Feldprobst genannt, doch übernahm Michael Faulhaber als sein Stellvertreter das Amt geschäftsführend. Das kam seiner Wertschätzung des Militärischen sehr gelegen. Auch seine zeitlebens stark ausgeprägte Loyalität gegenüber dem Staat als der gottgesetzten Obrigkeit zeigte sich.
Faulhaber: "Für die Seelsorge war es zu allen Zeiten ein inneres Gebot, auch für die staatliche Ordnung sich einzusetzen." Volk S. LIII, zitiert nach Hecker S. 21
Faulhaber predigte im März 1915 bei einem Frontbesuch in der Gegend von Metz, daß Deutschland den Krieg nicht verursacht habe: "als es aber dann sein mußte, als die heiligen Rechte des Vaterlandes nicht preisgegeben werden durften, da haben wir uns unter die Fahnen des obersten Kriegsherrn geschart" (Klier S. 97, zitiert nach Hecker S. 21). Für Faulhaber war dieser Krieg für Deutschland ein gerechter Krieg im Sinne der von der katholischen Moraltheologie (Bellum Justum Bellum Justum – Der Gerechte Krieg). Seine Blut- und Bodenhaftung zeigte Faulhaber durch eine von ihm zusammengestellte Sammlung von Predigten und Betrachtungen unter dem Titel Waffen des Lichts, Freiburg im Breisgau 1915.
Faulhaber: "Nach meiner Überzeugung wird dieser Feldzug in der Kriegsthematik für uns das Schulbeispiel eines gerechten Krieges werden." ... "Es geht um eine heilige, gerechte Sache, die diesen furchtbaren Einsatz an Blut und Gut wert ist, und jeder einzelne muß jetzt die Sorge des Vaterlandes zu seiner Hauptsorge machen." Klier S. 177, zitiert nach Hecker S. 21
fahnentreue 24.9.1916. Feldpredigt: "Die heilige Fahnentreue"
Bezeichnend – auch für die spätere Haltung Faulhabers, die dem Schulgebet und Religionsunterricht galt, weniger den bedrohten und gemordeten Menschen – ist sein Trost eines sterbenden Soldaten in einem Lazarett in Douai, ca. 1916. Dieser fragte ihn: "Ach Gott, meine Frau und meine Kinder daheim. Was wird aus meinen Kindern werden?" Faulhaber: "Bruder sei zufrieden! Für deine Familie muß das Vaterland sorgen. Und deine Kinder werden die gleiche religiöse Erziehung erhalten, die der Vater ihnen gegeben hätte." (Michael Kardinal Faulhaber. 25 Bischofsjahre, S. 29)
1917 wurde Michael Faulhaber Erzbischof von München und Freising, damit auch Feldprobst.
Faulhabers merkwürdige Sicht auf die Kirche betreffende Vorgänge und ihre extreme Überbewertung zeigte sich im Januar 1919, als die bayerische Regierung den Religionsunterricht als Pflichtfach abschaffte. Faulhaber wertete diese bayerische Verordnung als schwerer als den Blutbefehl des Herodes (Ziegler S. 66).
Herodes I., der Große (ca. 72 bis 4 vor Christus)
Die Grausamkeit des Herodes war sprichwörtlich. 29 vor Christus ließ er seine Frau Marianne hinrichten. 7 v.Chr. ihre beiden Söhne und 4 v.Chr. seinen eigenen ältesten Sohn. Von der von ihm befohlenen Ermordung aller Knaben in Bethlehem (vermutlich der von Faulhaber gemeinte "Blutbefehl des Herodes") wird in der Bibel berichtet.
Ab 1921 Kardinal.
Zur Demokratie meinte Faulhaber: "Kein Staat ist schlechter regiert als der, in dem alle mitregieren wollen" (Hecker S. 22). "Könige von Volkes Gnaden sind keine Gnade für das Volk, und wo das Volk sein eigener König ist, wird es über kurz oder lang auch sein eigener Totengräber" (Volk S. LXI, zitiert nach Hecker S. 23). Zur Revolution, die schließlich zur Weimarer Republik führte, in einer Ansprache auf dem Münchner Königsplatz: "Die Revolution war Meineid und Hochverrat und bleibt in der Geschichte erblich belastet und mit dem Kainsmal gezeichnet" (Hecker S. 23).
Diese und ähnliche Äußerungen muß man im Zusammenhang mit der späteren Rechtfertigung des Nicht-Einmischens in die Politik sehen. Faulhaber hat sich eingemischt, nur eben nicht gegen die Judenverfolgung.
faulhaber Michael von Faulhaber am Katholikentag 1922 in München
Konrad Adenauer, der spätere erste Bundeskanzler Deutschlands, meinte im November 1922 in einer Denkschrift: "Die Haltung des Kardinals Faulhaber ist unverträglich mit den Interessen des deutschen Katholizismus ... Der nach außen am meisten in die Erscheinung tretende Exponent der reichsfeindlichen Strömungen ist Kardinal Faulhaber" (Hecker S. 23).
In der Weimarer Republik wandelte sich Faulhabers Einstellung zum Krieg. Hans-Joachim Hecker stellt allerdings fest, daß sich nicht Faulhabers Einstellung wandelte, sondern die Kriegsführung. Die neue Form des Krieges, wie sie Faulhaber als Militärbischof kennengelernt hatte, machte die Lehre vom gerechten Krieg änderungsbedürftig (Hecker S. 24-25).
Dies formulierte Faulhaber in einer faulhaber Antwort auf eine Anfrage des Divisionspfarrers B. Meier.
Seine anfängliche Skepsis gegenüber dem Völkerbund änderte sich ebenfalls in Zustimmung.
Silvesterpredigt 1928: "Jeder Krieg ist ein Unglück, eine Wunde in der christlichen Weltordnung, weil er nicht dem Geiste Christi entspricht; nicht jeder Krieg aber ist ein Unrecht, da er eine gerechte Sache – Abwehr von Unrecht – haben kann. Die moderne Kriegsführung ist nicht mehr menschlich. Je mehr die Bevölkerung betroffen wird desto mehr ist sie auch an den Entscheidungen über Krieg und Frieden zu beteiligen." Hecker S. 25
In der Allerseelenpredigt 1923, wenige Tage vor dem Hitlerputsch, wandte sich Faulhaber öffentlich gegen den wachsenden Antisemitismus und die willkürliche Ausweisungen polnischer Juden (Hecker 25). Dies zeigt vor allem, daß beides Michael Faulhaber lange bekannt und bewußt war.
1925 verweigerte Faulhaber beim Tod des Reichspräsidenten Ebert das Trauergeläut, da Ebert Mitglied der SPD und nicht katholisch getraut war (Ziegler S. 74). Er ließ aber zumindest 1936 sonntäglich für den Führer im Dom zu München beten und sandte Hitler ein Dank-Telegramm zur Errettung vom Elser-Attentat 1939 (Ziegler 75).
Faulhaber, November 1930: "Der Nationalsozialismus ist eine Häresie und mit der christlichen Weltanschauung nicht in Einklang zu bringen." Hecker S. 25
Im selben Jahr erklärte Faulhaber am 7. September, Katholikentag in Münster, Menschen ohne Gott zu Unmenschen; eine Vokabel des Nationalsozialismus: "... die Menschen ohne Gott entarten zu Unmenschen" (Michael Kardinal Faulhaber. 25 Bischofsjahre, S. 53). Anschließend rief er dazu auf alles aufzubieten um die christliche Kultur des Abendlandes zu retten und krönte es mit: "Nun hat die Tat das Wort!" (Michael Kardinal Faulhaber. 25 Bischofsjahre, S. 53) .
In einem Hirtenwort an den Klerus vom 7. September 1932 erklärten die bayerischen Bischöfe: "Klassenhaß und Rassenhaß sind unchristlich und unheilvoll" (Hecker S. 25).
Faulhabers Loyalität zu staatlichen Autoritäten vereitelte eine entscheidende Opposition gegenüber der nationalsozialistischen Obrigkeit und Regierung. Er befürchtete sich als Verhandlungspartner mit den Nazis durch allzu laute Opposition zu diskreditieren. Immer standen bei seinen zahmen Protesten kirchliche Belange im Vordergrund. So lehnte er 1933 eine Stellungnahme zum Judenboykott ab. Er betrachtete das Reichskonkordat (Faulhaber 20. Juli 1933 Reichskonkordat) und die katholischen Vereine als wichtiger. Faulhaber erhob seine Stimme öffentlich nur, wenn es um grundsätzliche Glaubensfragen ging. Doch selbst dabei mangelte es ihm an Standhaftigkeit gegenüber dem Klerus. Für den zweimal verhafteten Münchner Stadtpfarrer Emil Muhler (1892-1963) setzte er sich nicht ein; dem Jesuitenpater Rupert Mayer (1876 – 1945) erteilte er ein Predigtverbot; Kontakte zum Priester-Journalisten Georg Moenius (1890 – 1953) wies er lautstark von sich (Ziegler S. 77-78).
Michael Faulhaber, Aufforderung an den Bayerischen Episkopat, 24.3.1933, trotz allem "mehr Toleranz gegen die neue Regierung zu üben, die heute nicht bloß im Besitz der Macht ist, was unsere Grundsätze nicht umstoßen könnte, sondern rechtmäßig wie noch keine Revolutionspartei in den Besitz der Macht gelangte." Zitiert nach Ziegler, S. 75
Die Machtergreifung Hitlers (hitler Ermächtigungsgesetz) so zu glorifizieren zeugt von wenig politischem Durchblick. Oder wie soll man Faulhabers Aufforderung verstehen?
Faulhaber verteidigte das Alte Testament in seinen berühmten Adventspredigten des Jahre 1933-39, nicht aber die Juden. Seine Predigten wurden aber doch als Protest gegen die Diskriminierungen verstanden: sowohl bei den Nazis als auch in jüdischen Kreisen. Andrerseits zeigte Faulhaber immer wieder seine Staatstreue durch vorschriftsmäßigem Hitlergruß. Am 5. April 1933 wandte sich der katholische Geistliche (!) Alois Wurm, Herausgeber der Monatszeitschrift "Seele" an Michael Faulhaber mit der Bitte in der katholischen Presse gegen den Judenboykott zu argumentieren. Faulhaber wies die Bitte schroff zurück (Pfister S. 336-337).
Gefragt, warum die deutschen Bischöfe nicht unternähmen, antwortete Faulhaber, daß Proteste wirklungslos wären. Kein einziger deutscher Bischof verurteilte öffentlich die Deportationen der Juden, obwohl sie alle davon wußten (Pfister S. 338). Stattdessen verurteilten sie 1941 in einem Hirtenbrief scharf die Angriffe auf die Kirche. Und Faulhaber wandte sich am 26. Juli 1941 gegen die Entfernung der Schulkreuze: kreuz Verbot des Schulgebetes und des Kreuzbildes in der Schule
Am 12. September 1943 verurteilte Faulhaber freilich im "Dekaloghirtenbrief" allgemein die Tötung von Menschen fremder Rassen und Abstammung (Pfister 339).
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Treffen Michael Faulhabers mit Adolf Hitler und Rudolf Heß auf dem Obersalzberg im November 1936 (Pfister S. 541-547)
Die Aussprache dauerte drei Stunden. Eine Stunde redete Hitler, die zweite Faulhaber, letzte Stunde: Dialog mit anschließendem Mittagsessen.
Hitler bezeichnete den Bolschewismus als Todfeind der Kirche und des Faschismus. Faulhaber lobte die Rede des Führers in Nürnberg ("in Ihrer großen Rede auf dem Parteitag") als eindrucksvoll. Er bestätigte die Einschätzung der Gefahr. Der Bolschewismus sei von Juden geführt. Seine Wurzel ist der Atheismus. Faulhaber schreibt in seinem Obersalzbergprotokoll:
"Herr Reichskanzler, ich bin erschüttert, dass Sie von einem „Kampf" der Kirche gegen den Nat[ional]soz[ialismus] und von einer „unversöhnlichen" Haltung der Kirche sprechen. Die deutschen Bischöfe haben auf Ihre erste Reichstagsrede hin, in der Sie vom Konkordatsfrieden mit der Kirche sprachen, ihre früheren Bedenken zurückgenommen und in einer gemeinsamen feierlichen Erklärung (Datum war mir nicht gegenwärtig) sich zur friedlichen Mitarbeit mit dem Neuen Reich bereit erklärt, und immer wieder haben die deutschen Bischöfe ihren Klerus ermahnt, in den Predigten alle politischen Seitensprünge zu unterlassen und auch in Privatgesprächen die Zunge zu beherrschen" ...
"Für uns gibt es in dieser Frage nicht taktische, sondern dogmatisch sittliche Erwägungen: Sie sind als das Oberhaupt des Deutschen Reiches für uns gottgesetzte Autorität, rechtmässige Obrigkeit, der wir im Gewissen Ehrfurcht und Gehorsam schulden. Herr Reichskanzler haben so klar gesagt, Mißachtung der staatlichen Autorität erschüttere die Achtung vor jeder Autorität. Ich glaube, daß der Autoritätsgedanke in keiner Religionsgesellschaft so stark betont wird wie in der katholischen Kirche. Wenn freilich Ihre Behörden oder Gesetze gegen Dogma oder gegen das Sittengesetz, also gegen unser Gewissen verstossen, müssen wir das als die verantwortlichen Verkünder des Sittengesetzes aussprechen dürfen." ...
"Meine Antwort: Von kirchlicher Seite, Herr Reichskanzler, wird dem Staat nicht verwehrt, im Rahmen des Sittengesetzes in gerechter Notwehr diese Schädlinge von der Volksgemeinschaft fernzuhalten. In diesem Obersatz sind wir einig. Wir gehen aber auseinander in der Frage, wie sich der Staat gegen das Verderbnis der Rasse wehren kann. Schon vor der Machtübernahme habe ich mit Professor Hermann Muckermann [siehe Anmerkung darunter; H.H] vom Kaiser-Wilhelm-Institut stundenlang gesprochen. Muckermann war der eigentliche Herold, der in seinen Wandervorträgen und in seinen Büchern „Mutter und Kind” weiteste Volkskreise auf die erbbiologischen Pflichten gegenüber der Rasse aufmerksam machte. Ich habe Muckermann erklärt: Ihre Ziele sind, sozial gesehen, überaus schön und hoch, aber statt der körperlichen Verstümmelung müssen andere Abwehrmittel versucht werden, und es gibt noch ein solches Mittel: die erbkranken Menschen internieren. " ...
"So wird sich auch in anderen Fragen, in denen die Kirche ihren dogmatisch sittlichen Standpunkt nicht verlassen kann, trotzdem ein modus vivendi finden, ohne dass man von einem Kampf der Kirche gegen den Staat sprechen muß." ...
"Ich dankte dem Führer durch eine Verneigung."
Hermann Muckermann, Jesuit, Anthropologe am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik; Vorstandsmitglied der Berliner Ortsgruppe der "Gesellschaft für Rassenhygiene". Setzte sich für die Eugenik als "familienfreundliche Wissenschaft" ein; "Erbgesunden" sollten staatlich gefördert, "Erbkranke" in Anstalten ausgesondert werden.
Die dringenden Themen wie Konzentrationslager und die Judenverfolgung sprach Faulhaber anscheinend nicht an.
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Faulhaber sprach sich auch in der Folge immer wieder hochachtungsvoll über die Nazi und die Nazi-Doktrin aus. Entwurf Faulhabers zu einer päpstlichen Enzyklika, die am Palmsonntag 1937 in den Kirchen verlesen wurde:
"Habet acht, daß nicht die Rasse oder andere Werte der Volksgemeinschaft, die wohl in der Ordnung der irdischen Werte einen Ehrenplatz beanspruchen können, überschätzt und mit Götzenkult vergöttert werden" (Zitiert nach Hecker, S. 30)
Michael Faulhaber, Predigt bei der Münchner Elternwallfahrt nach Tuntenhausen, 1937:
"Der Religionsunterricht in der Gemeinschaftsschule ist nicht mehr der gleiche. In der Bekenntnisschule war der Lehrer gleichen Glaubens wie die Kinder. Da hat er aufgebaut auf dem, was das Elternhaus grundgelegt hatte. In der Gemeinschaftsschule kann der Lehrer anderen Glaubens sein, katholikenfeindlich sein, ein Deutschgläubiger sein, der vor den Kindern seinen Hass gegen alles Katholische ausläßt, der über Christus lästern kann, der die biblische Geschichte lächerlich machen kann. Einem Lehrer, der alles niederreißen kann, was die Eltern und was der Religionsunterricht aufbauen wollte. Es ist bereits vorgekommen, daß in einer Gemeinschaftsschule der Lehrer den Kindern sagt, der Mensch stamme vom Affen ab, und im Religionsunterricht gibt der Geistliche die biblische Geschichte. Es ist vorgekommen, daß eine Lehrerin die Kinder an die Päpstin Johanna erinnerte, an dieses längst überwundene Lügenmärchen der Kirchengeschichte, und der Religionsunterricht gleichzeitig will den neunten Glaubensartikel den Kindern beibringen. "
In: Pfister: S. 549-553; Zitat von S. 551.
Kardinal Michael Faulhaber sagte in einer Predigt 3. Dezember 1933 in St. Michael zu München zum Thema "Das Alte Testament und seine Erfüllung im Christentum":
»Wir müssen unterscheiden zwischen dem Volke Israel vor dem Tode Christi und nach dem Tode Christi. Vor dem Tode Christi, die Jahre zwischen der Berufung Abrahams und der Fülle der Zeiten, war das Volk Israel Träger der Offenbarung [...] Nach dem Tode Christi wurde Israel aus dem Dienst der Offenbarung entlassen. Sie hatten die Stunde der Heimsuchung nicht erkannt. Sie hatten den Gesalbten des Herrn verleugnet und verworfen, zur Stadt hinausgeführt und ans Kreuz geschlagen. Damals zerriss der Vorhang im Tempel auf Sion und damit der Bund zwischen dem Herrn und seinem Volk. Die Tochter Sion erhielt den Scheidebrief, und seitdem wandert der ewige Ahasver ruhelos über die Erde.«
Zitiert nach: schoaErich Zenger: "Erneuerung der christlichen Liturgie nach der Schoa"Ahasver, der Ewige Jude Ahasver, der Ewige Jude
Erst im November 1940 protestiert Faulhaber in einem Schreiben an den Justizminister Franz Gürtner gegen die Euthanasie-Morde (Hecker S. 31), allerdings wieder nicht gegen all die anderen millionenfachen Morde der Nazis.
Franz Gürtner, 26.8.1881 Regensburg – 29.1.1941 Berlin
1922-32 Justizminister Bayerns, 1932-41 des Deutschen Reiches
Gegen die Diskriminierung der Juden hat sich Faulhaber öffentlich nie direkt geäußert (Hecker S. 31).
In einer nicht veröffentlichten Erklärung zum Attentat vom 20. Juli 1944 verteidigte Faulhaber das Leben Hitlers, das unter den Schutz des 5. Gebots falle. Er verurteilte das Attentat. Am Ende bat er aber auch, daß man in jedem Einzelfall prüfen möge, ob ein todeswürdiges Verbrechen vorliege (Hecker S. 31-32).
Meine These, daß Michael Faulhaber sich wenn überhaupt, dann für Belange der katholischen Kirche einsetzte (faulhaber Zusammenfassung), wird dadurch bestätigt, daß ihm für dieses Ziel Erstaunliches gelang. So ließ er für eine Priesterweihe im KZ Dachau Öle und Ritualbücher einschmuggeln (faulhaber Nico Rost: Goethe in Dachau). Das zeigt: sofern Faulhaber wollte, konnte er einiges erreichen.
Faulhaber wurde in Bayern, Deutschland und im Ausland zur bekanntesten Gestalt des kirchlichen Widerstands (Ziegler S. 85). Dieser Umstand spricht nicht so sehr für Faulhaber, sondern gegen den kirchlichen Widerstand: er war so mickrig, daß schon eine ambivalente Person wie Michael Faulhaber zum Widerständler wurde.
Kommentare über Faulhaber, die vom katholischen Klerus verfasst wurden, sind mit besonderer Sorgfalt zu lesen. Man sollte vom Benediktiner-Pater Anselm Reichhold oder vom Benediktiner-Abt Hugo Lang (1892-1967) keine Objektivität erwarten. Trotzdem kann der aufmerksame Leser auch bei klerikalen Autoren feststellen: ernsthaften Widerstand übte Faulhaber nicht aus. "Er wollte nur treuester Sohn der Kirche sein und treuester Gefolgsmann des Papstes" (Lang S. 247). Faulhabers Sorge galt nicht den Nazi-Verfolgten, sondern "unter keinen Umständen Dispositionen Roms zu stören, ebenso der peinlichsten Gewissenhaftigkeit, die Kirche als konkordatstreu zu erweisen" (Lang S. 249). Ein beliebtes Scheinargument zur Abwehr des Vorwurfs nazi-freundlicher Tendenz des katholischen Klerus ist: Diese Sachverhalte sind längst bekannt (z. B. Reichhold: "Faulhaber - k e i n Schutzpatron Hitlers", S. 164, siehe faulhaber Links). Richtig, doch dadurch wird der Vorwurf nicht entkräftet.
Auch nach dem Krieg blieb Faulhabers Rolle zwielichtig, wie dieser unscheinbare Vorfall belegt:
"The Americans, assuming a close connection between German antisemitism and the Holocaust, promoted church-sponsored reconciliation between Christians and Jews. Thus, in 1947 when the new Munich synagogue, replacing the one destroyed during the Night of Broken Glass in 1938, was consecrated, the highest American authorities, U.S. Military Governor General Lucius D. Clay and Foreign Service Officer Robert Murphy, took part in the ceremony. Clay was miffed that Munich's Michael Cardinal Faulhaber did not attend as did his Protestant counterpart. The popular Bavarian churchman replied that he had no choice in the matter since the Church forbade it. But there were many other incidents when Catholic refusal to cooperate was discretionary." (Phayer 1998)
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Zusammenfassung
Insgesamt ist die Stellung Faulhabers zum Nationalsozialismus und seinen Verbrechen ambivalent. Wenn er seine Stimme für katholische Belange wie Schulunterricht oder Konkordatseinhaltung erhebt, zeigt das vor allem, daß Protest von seiner Seite möglich war. Die Kirchen waren durch die Gefahr des Bolschewismus verblendet gegenüber der Gefahr im Innern des deutschen Staates. Faulhaber hat – wenn überhaupt – hauptsächlich dort eingegriffen, wo es um seine "Schafe" ging. Seine Autoritätshörigkeit machten ihn blind, seine grundsätzlich positive Einstellung zum Militär verhinderten einen Einspruch gegen die allgemeinen Menschenrechtsverletzungen oder gegen die Judenverfolgung.
Zitate des Gröfaz und Katholiken Adolf Hitler zu Glaube und Soldatentum
Ohne Gottesglauben können die Menschen nicht sein. Der Soldat, der 3 und 4 Tage im Trommelfeuer liegt; braucht einen religiösen Halt. Gottlosigkeit ist Leerheit".
Michael Faulhaber: Obersalzberg-Protokoll 1936, in Pfister S. 541-547
"Von uns als Staatsvertreter aus gesehen müssen wir gläubige Menschen haben. Es droht eine schwarze Wolke mit Polen. Wir haben Soldaten notwendig, gläubige Soldaten. Gläubige Soldaten sind die wertvollsten. Die setzen alles ein." Mader, S. 83
Fahneneid auf Adolf Hitler, von Millionen Katholiken (und nicht nur Katholiken) geleistet
„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler,. dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.”
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Pfarrer für Hitler: Der christliche Widerstand in der Zeit des Nationalsozialismus
ist gut dokumentiert (siehe beispielsweise jägerstätterFranz Jägerstätter). Dabei wurde die taktierende Rolle der beiden großen Kirchen im Dritten Reich, die auch Faulhaber pflegte, klarer. Es gab aber auch viele katholische und evangelische Geistliche, die sich voller Begeisterung der nationalsozialistischen Bewegung folgten und als Parteigenossen oder vorbehaltlose Parteigänger auftraten. Jutta Neupert nannte in ihrer Dokumentation hitlerPfarrer für Hitler (BR) Kirchenmänner unter dem Hakenkreuz, ARD, Mittwoch, 13. Oktober 2004, 23.00 Uhr: Pfarrer Friedrich Drexel (schloss sich halbherzig der "Bewegung" an, reflektiert heute selbstkritisch darüber); den Augsburger Weihbischof und Generalvikar Franz-Xaver Eberle; Bischof Michael Faulhaber; Dr. Philipp Haeuser; Bischof Alois Hudal, Rektor des deutschsprachigen Studienkollegs "Anima" in Rom; den Münchner Kaplan und Religionslehrer Josef Roth.
Links
FaulhaberKardinal Michael von Faulhaber (1869-1952), Erzbistum München Freising
FaulhaberKardinal Faulhaber, städtisches Louise-Schroeder-Gymnasium in München
FaulhaberFaulhaber, Michael von, BBKL
FaulhaberFaulhaber: Historisches Lexikon Bayern
FaulhaberKardinal Faulhaber: Vom Wert repräsentativer Nachschlagewerke
BreuerThomas Breuer: Die Haltung der katholischen Kirche zur Judenverfolgung im Dritten Reich und
Breueralternativ
FaulhaberEmil Muhler (1892-1963)
Faulhaber"Im Glauben stark sein". Der Kirchenkampf
Faulhaber"Mein Herr ist Christus". Die katholischen Priester
FaulhaberReichhold, Anselm: "Faulhaber - k e i n Schutzpatron Hitlers"
FaulhaberReichhold, Anselm: "Der Widerstand der katholischen Kirche gegen den Nationalsozialismus"
FaulhaberDie Katholiken und das Dritte Reich
Rezensionen:
  faulhaber Bucher, Rainer: Hitlers Theologie. Würzburg: Echter, 2008. Gebunden, 228 Seiten
  faulhaber Hartmann, Gerhard: Kirche und Nationalsozialismus. Kevelaer: Topos Plus, 2007
  faulhaber Mader, Ernst T.; Knab, Jakob: Das Lächeln des Esels. Das Leben und die Hinrichtung des Allgäuer Bauernsohnes Michael Lerpscher (1905 - 1940). Blöcktach: Verlag an der Säge, 1987
  faulhaber Reichhold, Anselm: Kardinal Faulhaber. Erzbischof von München prägende Gestalt des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Scheyern: Benediktinerabtei Scheyern, 2000
  Hitler Theophil Veritas: Katholik Hitler: Über eine der Wurzeln von Adolf Hitlers Wahnsystem

Faulhaber Antwort auf eine Anfrage des Divisionspfarrers B. Meier in Gleiwitz
Faulhaber 24. September 1916. Feldpredigt: "Die heilige Fahnentreue"
PredigtPredigt Kardinal Faulhabers, 6. Nov. 1938, (pdf) Predigt
PiusPapst Pius XII., Kirche und Holocaust, Shoa (Klaus Kuehlwein)
Faulhaber 20. Juli 1933 Reichskonkordat
TheologieLucia Scherzberg: "Theologie und Vergangenheitsbewältigung im interdisziplinären Vergleich". Bericht von der Tagung, Trier, 14.-16. Januar 2005
Faulhaber Verbot des Schulgebetes und des Kreuzbildes in der Schule
FaulhaberJakob Wetzel: Auf welcher Seite stand Kardinal von Faulhaber? SZ-Online 15.10.2013
Faulhaber Zitate von Michael Faulhaber
Freie dichterische Bearbeitung des Lebens Faulhabers durch Josef Martin Bauer (faulhaber Autor) in Kranich mit dem Stein (faulhaber Rezension).
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Literatur
Weitere Literatur siehe bei faulhaber Gerhard Hartmann: Kirche und Nationalsozialismus
Dietrich, Donald J. (1988): Catholic Citizens in the Third Reich: Psycho-social Principles and Moral. Transaction Publishers
Gallin, Mary Alice (1970): "The Cardinal and the State: Faulhaber and the Third Reich". Journal of Church and State 12. S. 385-404.
Hecker, Hans-Joachim (2002): "Kardinal Faulhaber und seine Stellung im Wandel der politischen Verhältnisse". In: Pfister S. 19-36
Klier, Johann (1991): Von der Kriegspredigt zum Friedensappell. Erzbischof Michael von Faulhaber und der Erste Weltkrieg. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen katholischen Militärseelsorge. München: Uni-Druck. 297 Seiten. Miscellanea Bavarica Monacensia 154. Diss. Univ. der Bundeswehr, 1990
Lang, Hugo (1975): "Kardinal Michael von Faulhaber". In: Unbekanntes Bayern. Porträts aus acht Jahrhunderten 3. München. Süddeutscher [1959]. S. 245-253
Mader, Ernst T.; Knab, Jakob (1987): Das Lächeln des Esels. Das Leben und die Hinrichtung des Allgäuer Bauernsohnes Michael Lerpscher (1905 - 1940). Blöcktach: Verlag an der Säge.
Pfister, Peter, Susanne Kornacker, Volker Laube, Hg. (2002): Kardinal Michael von Faulhaber 1869-1952. Eine Ausstellung des Archivs des Erzbistums München und Freising, des Bayerischen Hauptstaatarchivs und des Stadtarchivs München zum 50. Todestag. München: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns .... Gebunden, 635 S.
Phayer, Michael (1998): "Pope Pius XII, the Holocaust, and the Cold War". Holocaust and Genocide Studies 12:2. S. 233-256
Priesterverein der Erzdiözese München- Freising, Hg. (1936): Michael Kardinal Faulhaber. 25 Bischofsjahre. München: Huber.
Reichhold, Anselm (1992): Die deutsche katholische Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus(1933-1945). Unter besonderer Berücksichtigung der Hirtenbriefe, Denkschriften, Predigten und sonstigen Kundgebungen der deutschen katholischen Bischöfe. St. Ottilien: EOS.
Reichhold, Anselm (2000): Kardinal Faulhaber. Erzbischof von München prägende Gestalt des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Scheyern: Benediktinerabtei Scheyern. 32 S.
Schulze, Thies (2012): "Antikommunismus als politischer Leitfaden des Vatikans? Affinitäten und Konflikte zwischen Heiligem Stuhl und NS-Regime Jahr 1933". Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 60:3, S. 353-379.
Volk, Ludwig (1965): Der bayerische Episkopat und der Nationalsozialismus. Mainz: Grunewald.
Volk, Ludwig (1966): "Kardinal Faulhabers Stellung zur Weimarer Republik und zum NS-Staat" Stimmen der Zeit 177.
Volk, Ludwig, Hg. (1975-78): Akten Kardinal Michael v. Faulhabers, 1917-1945. Mainz: Matthias-Grünewald. Enthaltend: Faulhaber, Michael v.: [Briefe, dt.] - Bd. 1. 1917-1934. München: (1975). 952 S. – Bd. 2. 1935-1945. 1170 S.
Wetzel, Jakob: "Der Kardinal und die Juden Eine Auswertung seiner Tagebücher entlarvt Michael von Faulhaber als heimlichen Antisemiten". SZ 1.12.2013, S. 61
Wolf, Hubert (2012): "Reichskonkordat für Ermächtigungsgesetz? Zur Historisierung der Scholder-Repgen-Kontroverse über das Verhältnis des Vatikans zum Nationalsozialismus". Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 60:2, S. 169-200.
Ziegler, Walter (2002): "Kardinal Faulhaber im Meinungsstreit. Vorwürfe, Kritik, Verehrung, Bewunderung". In: Pfister S. 64-93.
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Goldhagen nazisDaniel Jonah Goldhagen: Die katholische Kirche und der Holocaust: Eine Untersuchung über Schuld und Sühne. Siedler, 2002. Gebunden, 473 Seiten hartmann
Gerhard Hartmann: Kirche und Nationalsozialismus. Kevelaer: Topos, 2007. 96 Seiten – faulhaber Rezension  lewy
Kösters nazis Christoph Kösters, Mark Edward Ruff, Hg.: Die katholische Kirche im Dritten Reich: Eine Einführung. Freiburg: Herder, 2011. Gebunden, 220 Seiten Kurz
Helmut Kurz: Katholische Kirche im Nationalsozialismus: Ein Lese- und Arbeitsbuch für den Religionsunterricht. Lit, 2007. Broschiert, 408 Seiten lewy
Leugers LeugersAntonia Leugers, Hg.: Zwischen Revolutionsschock und Schulddebatte: Münchner Katholizismus und Protestantismus im 20. Jahrhundert. Saarbrücken: universaar, 2013. Taschenbuch, 314 Seiten
lewy nazisGuenter Lewy: The Catholic Church and Nazi Germany. Cambridge, MA: Da Capo, 2000. Taschenbuch: 448 Seiten möller
Horst Möller, Andreas Wirsching, Walter Ziegler: Nationalsozialismus in der Region. Beiträge zur regionalen und lokalen Forschung und zum internationalen Vergleich. München: Oldenbourg 1996. 350 S. Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Sondernummerlewy
phayer Michael Michael Phayer: The Catholic Church and the Holocaust, 1930-1965. Indiana UP, 2001. Taschenbuch: 328 Seiten phayer
Michael Phayer: Pius XII, the Holocaust, and the Cold War Combined Academic, 2008. Gebunden, 333 Seiten Michael
pfister MichaelPfister, Peter: Schriften des Archivs des Erzbistums München und Freising, Bd.5: Michael Kardinal von Faulhaber (1869-1952). Schnell & Steiner 2003. Taschenbuch 176 Seiten reiser
Reiser, Rudolf: Kardinal Michael von Faulhaber. Des Kaisers und des Führers Schutzpatron. München: Buchendorfer, 2000. 104 Seiten Michael
Strohm MichaelChristoph Strohm: Die Kirchen im Dritten Reich. München: Beck, 2011. Broschiert, 128 Seiten Verhofstadt
Dirk Verhofstadt: Pius XII. und die Vernichtung der Juden. Rudy Mondelaers, Übs. Aschaffenburg: Alibri. Broschiert, 450 Seiten Verhofstadt
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Michael Faulhaber Nationalsozialismus
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 3.12.2013