| Michael Faulhaber und der
Nationalsozialismus Keine erschöpfende Ausarbeitung sondern eine Betrachtung anhand verschiedener Lektüren, da dieses Thema immer wieder zu Leserbriefschlachten in der Presse führt. |
| Das Motto des Bischofs Michael Faulhaber "Vox Dei, Vox Temporis", also "Die Stimme Gottes, die Stimme der Zeit" oder "Die Stimme Gottes ist die Stimme der Zeit" oder "Die Stimme Gottes durch die Stimme der Zeit" zeugt von Ironie, da Herrn Faulhaber jede Resonanz für die Stimmen und Ideologien seiner Zeit fehlten. (Gallin 1970, S. 385) |
| * 5.3.1869 Heidenfeld, gehört heute zu Röthlein bei Schweinfurt 12.6.1952 München | |||
Schon früh entwickelte Faulhaber
seine Vorliebe fürs Militärische. Nach dem Abitur meldete er sich (um
später das Studium nicht unterbrechen zu müssen) als Freiwilliger zum
Militär. "Faulhaber war gerne beim Militär. Diese positive
Einstellung gegenüber dem Militärischen und Soldatischen sollte er
sein ganzes Leben lang beibehalten" (Hecker S.20). Beim Ausbruch des Ersten
Weltkrieges kam Faulhaber in die vorherrschende euphorische Stimmung. Der Krieg
brachte ihm als Militärbischof eine neue Aufgabe. Der Münchner
Kardinal Bettinger war zwar nominell
Militärbischof, Feldprobst genannt, doch übernahm Michael Faulhaber
als sein Stellvertreter das Amt geschäftsführend. Das kam seiner
Wertschätzung des Militärischen sehr gelegen. Auch seine zeitlebens
stark ausgeprägte Loyalität gegenüber dem Staat als der
gottgesetzten Obrigkeit zeigte sich.
Bezeichnend auch für die spätere Haltung Faulhabers, die dem Schulgebet und Religionsunterricht galt, weniger den bedrohten und gemordeten Menschen ist sein Trost eines sterbenden Soldaten in einem Lazarett in Douai, ca. 1916. Dieser fragte ihn: "Ach Gott, meine Frau und meine Kinder daheim. Was wird aus meinen Kindern werden?" Faulhaber: "Bruder sei zufrieden! Für deine Familie muß das Vaterland sorgen. Und deine Kinder werden die gleiche religiöse Erziehung erhalten, die der Vater ihnen gegeben hätte." (Michael Kardinal Faulhaber. 25 Bischofsjahre, S. 29) 1917 wurde Michael Faulhaber Erzbischof von München und Freising, damit auch Feldprobst. Faulhabers merkwürdige Sicht auf die Kirche betreffende Vorgänge und ihre extreme Überbewertung zeigte sich im Januar 1919, als die bayerische Regierung den Religionsunterricht als Pflichtfach abschaffte. Faulhaber wertete diese bayerische Verordnung als schwerer als den Blutbefehl des Herodes (Ziegler S. 66).
Zur Demokratie meinte Faulhaber: "Kein Staat ist schlechter regiert als der, in dem alle mitregieren wollen" (Hecker S. 22). "Könige von Volkes Gnaden sind keine Gnade für das Volk, und wo das Volk sein eigener König ist, wird es über kurz oder lang auch sein eigener Totengräber" (Volk S. LXI, zitiert nach Hecker S. 23). Zur Revolution, die schließlich zur Weimarer Republik führte, in einer Ansprache auf dem Münchner Königsplatz: "Die Revolution war Meineid und Hochverrat und bleibt in der Geschichte erblich belastet und mit dem Kainsmal gezeichnet" (Hecker S. 23). Diese und ähnliche Äußerungen muß man im Zusammenhang mit der späteren Rechtfertigung des Nicht-Einmischens in die Politik sehen. Faulhaber hat sich eingemischt, nur eben nicht gegen die Judenverfolgung. |
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| Konrad
Adenauer, der spätere erste Bundeskanzler Deutschlands, meinte
im November 1922 in einer Denkschrift: "Die Haltung des Kardinals Faulhaber ist
unverträglich mit den Interessen des deutschen Katholizismus ... Der nach
außen am meisten in die Erscheinung tretende Exponent der
reichsfeindlichen Strömungen ist Kardinal Faulhaber" (Hecker S. 23).
In der Weimarer Republik wandelte sich Faulhabers Einstellung zum Krieg. Hans-Joachim Hecker stellt allerdings fest, daß sich nicht Faulhabers Einstellung wandelte, sondern die Kriegsführung. Die neue Form des Krieges, wie sie Faulhaber als Militärbischof kennengelernt hatte, machte die Lehre vom gerechten Krieg änderungsbedürftig (Hecker S. 24-25). Dies formulierte Faulhaber in einer Seine anfängliche Skepsis gegenüber dem Völkerbund änderte sich ebenfalls in Zustimmung.
1925 verweigerte Faulhaber beim Tod des Reichspräsidenten Ebert das Trauergeläut, da Ebert Mitglied der SPD und nicht katholisch getraut war (Ziegler S. 74). Er ließ aber zumindest 1936 sonntäglich für den Führer im Dom zu München beten und sandte Hitler ein Dank-Telegramm zur Errettung vom Elser-Attentat 1939 (Ziegler 75).
In einem Hirtenwort an den Klerus vom 7. September 1932 erklärten die bayerischen Bischöfe: "Klassenhaß und Rassenhaß sind unchristlich und unheilvoll" (Hecker S. 25). Faulhabers Loyalität zu staatlichen Autoritäten vereitelte eine entscheidende Opposition gegenüber der nationalsozialistischen Obrigkeit und Regierung. Er befürchtete sich als Verhandlungspartner mit den Nazis durch allzu laute Opposition zu diskreditieren. Immer standen bei seinen zahmen Protesten kirchliche Belange im Vordergrund. So lehnte er 1933 eine Stellungnahme zum Judenboykott ab. Er betrachtete das Reichskonkordat (
Faulhaber verteidigte das Alte Testament in seinen berühmten Adventspredigten des Jahre 1933-39, nicht aber die Juden. Seine Predigten wurden aber doch als Protest gegen die Diskriminierungen verstanden: sowohl bei den Nazis als auch in jüdischen Kreisen. Andrerseits zeigte Faulhaber immer wieder seine Staatstreue durch vorschriftsmäßigem Hitlergruß. Am 5. April 1933 wandte sich der katholische Geistliche (!) Alois Wurm, Herausgeber der Monatszeitschrift "Seele" an Michael Faulhaber mit der Bitte in der katholischen Presse gegen den Judenboykott zu argumentieren. Faulhaber wies die Bitte schroff zurück (Pfister S. 336-337). Gefragt, warum die deutschen Bischöfe nicht unternähmen, antwortete Faulhaber, daß Proteste wirklungslos wären. Kein einziger deutscher Bischof verurteilte öffentlich die Deportationen der Juden, obwohl sie alle davon wußten (Pfister S. 338). Stattdessen verurteilten sie 1941 in einem Hirtenbrief scharf die Angriffe auf die Kirche. Und Faulhaber wandte sich am 26. Juli 1941 gegen die Entfernung der Schulkreuze: Am 12. September 1943 verurteilte Faulhaber freilich im "Dekaloghirtenbrief" allgemein die Tötung von Menschen fremder Rassen und Abstammung (Pfister 339). |
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| Treffen Michael Faulhabers mit
Adolf Hitler und Rudolf Heß auf dem Obersalzberg im November
1936 (Pfister S. 541-547) Die Aussprache dauerte drei Stunden. Eine Stunde redete Hitler, die zweite Faulhaber, letzte Stunde: Dialog mit anschließendem Mittagsessen. Hitler bezeichnete den Bolschewismus als Todfeind der Kirche und des Faschismus. Faulhaber lobte die Rede des Führers in Nürnberg ("in Ihrer großen Rede auf dem Parteitag") als eindrucksvoll. Er bestätigte die Einschätzung der Gefahr. Der Bolschewismus sei von Juden geführt. Seine Wurzel ist der Atheismus. Faulhaber schreibt in seinem Obersalzbergprotokoll:
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Faulhaber sprach sich auch in der Folge
immer wieder hochachtungsvoll über die Nazi und die Nazi-Doktrin aus.
Entwurf Faulhabers zu einer päpstlichen Enzyklika, die am Palmsonntag 1937
in den Kirchen verlesen wurde:
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| Kardinal Michael Faulhaber sagte in einer Predigt 3.
Dezember 1933 in St. Michael zu München zum Thema "Das Alte Testament und
seine Erfüllung im Christentum": »Wir müssen unterscheiden zwischen dem Volke Israel vor dem Tode Christi und nach dem Tode Christi. Vor dem Tode Christi, die Jahre zwischen der Berufung Abrahams und der Fülle der Zeiten, war das Volk Israel Träger der Offenbarung [...] Nach dem Tode Christi wurde Israel aus dem Dienst der Offenbarung entlassen. Sie hatten die Stunde der Heimsuchung nicht erkannt. Sie hatten den Gesalbten des Herrn verleugnet und verworfen, zur Stadt hinausgeführt und ans Kreuz geschlagen. Damals zerriss der Vorhang im Tempel auf Sion und damit der Bund zwischen dem Herrn und seinem Volk. Die Tochter Sion erhielt den Scheidebrief, und seitdem wandert der ewige Ahasver ruhelos über die Erde.« Zitiert nach: |
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Erst im November 1940 protestiert
Faulhaber in einem Schreiben an den Justizminister Franz Gürtner gegen die
Euthanasie-Morde (Hecker S. 31), allerdings wieder nicht gegen all die anderen
millionenfachen Morde der Nazis.
In einer nicht veröffentlichten Erklärung zum Attentat vom 20. Juli 1944 verteidigte Faulhaber das Leben Hitlers, das unter den Schutz des 5. Gebots falle. Er verurteilte das Attentat. Am Ende bat er aber auch, daß man in jedem Einzelfall prüfen möge, ob ein todeswürdiges Verbrechen vorliege (Hecker S. 31-32). Meine These, daß Michael Faulhaber sich wenn überhaupt, dann für Belange der katholischen Kirche einsetzte ( Faulhaber wurde in Bayern, Deutschland und im Ausland zur bekanntesten Gestalt des kirchlichen Widerstands (Ziegler S. 85). Dieser Umstand spricht nicht so sehr für Faulhaber, sondern gegen den kirchlichen Widerstand: er war so mickrig, daß schon eine ambivalente Person wie Michael Faulhaber zum Widerständler wurde. Kommentare über Faulhaber, die vom katholischen Klerus verfasst wurden, sind mit besonderer Sorgfalt zu lesen. Man sollte vom Benediktiner-Pater Anselm Reichhold oder vom Benediktiner-Abt Hugo Lang (1892-1967) keine Objektivität erwarten. Trotzdem kann der aufmerksame Leser auch bei klerikalen Autoren feststellen: ernsthaften Widerstand übte Faulhaber nicht aus. "Er wollte nur treuester Sohn der Kirche sein und treuester Gefolgsmann des Papstes" (Lang S. 247). Faulhabers Sorge galt nicht den Nazi-Verfolgten, sondern "unter keinen Umständen Dispositionen Roms zu stören, ebenso der peinlichsten Gewissenhaftigkeit, die Kirche als konkordatstreu zu erweisen" (Lang S. 249). Ein beliebtes Scheinargument zur Abwehr des Vorwurfs nazi-freundlicher Tendenz des katholischen Klerus ist: Diese Sachverhalte sind längst bekannt (z. B. Reichhold: "Faulhaber - k e i n Schutzpatron Hitlers", S. 164, siehe |
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| Auch nach dem Krieg
blieb Faulhabers Rolle zwielichtig, wie dieser unscheinbare Vorfall
belegt: "The Americans, assuming a close connection between German antisemitism and the Holocaust, promoted church-sponsored reconciliation between Christians and Jews. Thus, in 1947 when the new Munich synagogue, replacing the one destroyed during the Night of Broken Glass in 1938, was consecrated, the highest American authorities, U.S. Military Governor General Lucius D. Clay and Foreign Service Officer Robert Murphy, took part in the ceremony. Clay was miffed that Munich's Michael Cardinal Faulhaber did not attend as did his Protestant counterpart. The popular Bavarian churchman replied that he had no choice in the matter since the Church forbade it. But there were many other incidents when Catholic refusal to cooperate was discretionary." (Phayer 1998) |
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Zitate des Gröfaz und Katholiken
Adolf Hitler zu Glaube und Soldatentum
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| Pfarrer für Hitler: Der christliche
Widerstand in der Zeit des Nationalsozialismus ist gut dokumentiert (siehe beispielsweise |
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| Links | |||
| Rezensionen: | |
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| Freie dichterische Bearbeitung des
Lebens Faulhabers von Josef Martin Bauer
( |
| Literatur |
| Dietrich, Donald J. (1988):
Catholic Citizens in the Third Reich: Psycho-social Principles and
Moral. Transaction Publishers Gallin, Mary Alice (1970): "The Cardinal and the State: Faulhaber and the Third Reich". Journal of Church and State 12. S. 385-404. Hecker, Hans-Joachim (2002): "Kardinal Faulhaber und seine Stellung im Wandel der politischen Verhältnisse". In: Pfister S. 19-36 Klier, Johann (1991): Von der Kriegspredigt zum Friedensappell. Erzbischof Michael von Faulhaber und der Erste Weltkrieg. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen katholischen Militärseelsorge. München: Uni-Druck. 297 Seiten. Miscellanea Bavarica Monacensia 154. Diss. Univ. der Bundeswehr, 1990 Lang, Hugo (1975): "Kardinal Michael von Faulhaber". In: Unbekanntes Bayern. Porträts aus acht Jahrhunderten 3. München. Süddeutscher [1959]. S. 245-253 Mader, Ernst T.; Knab, Jakob (1987): Das Lächeln des Esels. Das Leben und die Hinrichtung des Allgäuer Bauernsohnes Michael Lerpscher (1905 - 1940). Blöcktach: Verlag an der Säge. Pfister, Peter, Susanne Kornacker, Volker Laube, Hg. (2002): Kardinal Michael von Faulhaber 1869-1952. Eine Ausstellung des Archivs des Erzbistums München und Freising, des Bayerischen Hauptstaatarchivs und des Stadtarchivs München zum 50. Todestag. München: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns .... Gebunden, 635 S. Phayer, Michael (1998): "Pope Pius XII, the Holocaust, and the Cold War". Holocaust and Genocide Studies 12:2. S. 233-256 Priesterverein der Erzdiözese München- Freising, Hg. (1936): Michael Kardinal Faulhaber. 25 Bischofsjahre. München: Huber. Reichhold, Anselm (1992): Die deutsche katholische Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus(1933-1945). Unter besonderer Berücksichtigung der Hirtenbriefe, Denkschriften, Predigten und sonstigen Kundgebungen der deutschen katholischen Bischöfe. St. Ottilien: EOS. Reichhold, Anselm (2000): Kardinal Faulhaber. Erzbischof von München prägende Gestalt des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Scheyern: Benediktinerabtei Scheyern. 32 S. Volk, Ludwig (1965): Der bayerische Episkopat und der Nationalsozialismus. Mainz: Grunewald. Volk, Ludwig (1966): "Kardinal Faulhabers Stellung zur Weimarer Republik und zum NS-Staat" Stimmen der Zeit 177. Volk, Ludwig, Hg. (1975-78): Akten Kardinal Michael v. Faulhabers, 1917-1945. Mainz: Matthias-Grünewald. Enthaltend: Faulhaber, Michael v.: [Briefe, dt.] - Bd. 1. 1917-1934. München: (1975). 952 S. Bd. 2. 1935-1945. 1170 S. Ziegler, Walter (2002): "Kardinal Faulhaber im Meinungsstreit. Vorwürfe, Kritik, Verehrung, Bewunderung". In: Pfister S. 64-93. |
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| Guenter Lewy: The Catholic
Church and Nazi Germany. Cambridge, MA: Da Capo, 2000. Taschenbuch: 448
Seiten
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| Michael Phayer: Pius XII, the
Holocaust, and the Cold War Combined Academic, 2008. Gebunden, 333 Seiten
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|
| Reiser, Rudolf: Kardinal Michael
von Faulhaber. Des Kaisers und des Führers Schutzpatron. München:
Buchendorfer, 2000. 104 Seiten
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