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konkordat
20. Juli 1933 Reichskonkordat
Keine umfassende Information (siehe dafür konkordat Links), aber einige Schlaglichter – KonkordatLiteratur
Reichskonkordat: "Todesstoß für den Politischen Katholizismus",
konkordat Gerhard Hartmann: Kirche und Nationalsozialismus, S. 32
Reichtagsrede 23. März 1933. Adolf Hitler beteuert in einer Reichstagsrede:
„Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen wichtigste Faktoren der Erhaltung unseres Volkstums. Sie wird die zwischen ihnen und den Ländern abgeschlossenen Verträge respektieren, ihre Rechte sollen nicht angetastet werden. Sie erwartet aber und hofft, dass die Arbeit an der nationalen und sittlichen Erhebung unseres Volkes, wie sie die Regierung zur Aufgabe gestellt hat, umgekehrt die gleiche Würdigung erfährt.”
Damit war vor den Konkordatsverhandlungen klar: die beiden christlichen Konfessionen sollten las "Preis" für das Konkordat die Regierung unterstützen. Hitler fuhr fort:
„Die nationale Regierung wird in Schule und Erziehung den christlichen Konfessionen den ihnen zukommenden Einfluß einräumen und sicherstellen. Ebenso legt die Reichsregierung, die im Christentum die unerschütterlichen Fundamente des sittlichen und moralischen Lebens unseres Volkes sieht, den größten Wert darauf, die freundschaftlichen Beziehungen zum Heiligen Stuhl weiter zu pflegen und auszugestalten.”
Die Katholischen Bischöfe ändern darauf ihre Ansichten! Vor der Reichstagswahl am 5. März 1933 hatten sie die Nationalsozialistische Lehre verurteilt. Sie ermahnten die Gläubigen, die katholischen Parteien zu wählen. Ende März machen sie eine Kehrtwende und ziehen alle Warnungen vor der NSDAP zurück. Michael Faulhaber:
„Der Reichskanzler ist für die Amtskirche. Er ist die von Gott gesetzte Autorität.”
Mit der Unterzeichnung des Reichskonkordats wird für Adolf Hitler und die Nationalsozialisten geworben (KonkordatPlakat zur Unterzeichnung des Reichskonkordats). Hitlers Kampf gegen den Kommunismus wird sowohl von den Bischöfen wie auch von Papst Pius XI. ausdrücklich begrüßt. Im Frühjahr 1933 bietet die NS-Regierung dem Vatikan ein Konkordat an. Im Gegenzug verlangt Hitler Abstinenz in allen politischen Fragen. Der Papst hofft, durch den Vertrag die Kirche im Deutschen Reich vor Übergriffen zu schützen.
20. Juli 1933 Rom:
Unterzeichnung des Reichskonkordats, im wesentlichen das Werk von Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII.
Bezeichnenderweise enthielt das Konkordat ein Zusatzprotokoll. Darin wurde die allgemeine Wehrpflicht für den Klerus aufgehoben. Es gab aber damals noch keine allgemeine Wehrpflicht! Also blieb das Zusatzprotokoll geheim; mit Zustimmung der Katholischen Kirche. Diese wußte also schon im Juli 1933 von Hitlers Plänen der allgemeinen Wehrpflicht und damit dem Ausbau der militärischen Macht.
Das Konkordat trug stark zur Reputation des NS-Regimes im Ausland bei und war damit ein wichtiger Erfolg der nationalsozialistischen Außenpolitik, ein Steigbügel für den weiteren "Aufschwung".
Die Nationalsozialisten brechen das Reichskonkordat. Die konfessionellen Jugendgruppen werden unter Druck gesetzt, die katholische Presse drastisch eingeschränkt, der Religionsunterricht behindert.
Januar 1937 Der Papst Pius XI. ruft fünf Vertreter des deutschen Episkopats nach Rom.
Kardinal Faulhaber entwirft eine päpstliche Enzyklika. Dieser Entwurf wird überarbeitet und erweitert. Enzyklika „Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten wir den Leidensweg der Kirchen seit geraumen Zeiten…” wird am Palmsonntag, den 21. März 1937 von allen Kanzeln im Reich verlesen. Nicht das Leiden der Juden und anderer in den KZs erfüllt mit Sorge, sondern die Einschränkungen beim Schulgebet, usw.
Text nach einem Referat von Dr. Thomas Brechenmacher, Tagung der Katholischen Akademie Bayern, München: "Kirchen im Krieg 1939-1945", 06.-07. Oktober 2004
Anmerkung zur Apologie des Konkordats
Verteidiger des Bündnisses Vatikan & Faschisten durch Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., führen oft ins Feld, dass man 1933 die Gräueltaten der braunen Horden noch nicht ahnen konnte.
• Das stimmt nicht. Literaten wie Lion Feuchtwanger und Oskar Maria Graf u.v.a. warnten rechtzeitig.
• Zudem, und das ist der noch stärkere Einwand: Eugenio Pacelli schloss nicht nur mit Adolf Hitler einen unterstützenden Vertrag, sondern auch mit den folgenden Verbrechern:
Benito Mussolino, Italien; Francisco Franco, Spanien; Antonio Salazar, Portugal; Ante Pavelić, Kroatien, Jozef Tiso, Slowakei (ein katholischer Priester); Philippe Pétain, Frankreich.
• Wenn man dann im Vatikan endlich gemerkt hat, mit welchen Banditen man da Verträge abgeschlossen hat, hätte man das Konkordat aufheben können. Doch das mit Deutschland besteht mit Varianten und Zusätzen bis heute!
In der Besprechung zu Hubert Wolf: Papst & Teufel. Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich beim dradio kommt Joachim Jauer zu folgenden Befund:
"Die deutschen Bischöfe, ganz überwiegend um die eigenen Schäfchen besorgt, setzten 1933 in ihrer Mehrheit auf Verhandlungen mit den neuen Machthabern und ebneten durch leichtfertiges Vertrauen auf Hitlers verlogene Zusagen den Weg für das Konkordat."
Hubert Wolf meint, dass Pius XI. und Pius XII. als »obersten Hirten aller Katholiken auf der ganzen Welt« die Hände gebunden gewesen seien. Wolf: "Der Papst war zur politischen Neutralität verpflichtet. Deshalb konnte er nicht selbst den Bannstrahl gegen die Nationalsozialisten schleudern. Er musste – so sah es Eugenio Pacelli 1941 wenigstens selbst – den offenen Kampf mit dem Teufel den Bischöfen überlassen."
Dazu ist anzumerken:
• das Konkordat von 1933 zeigt, dass die Hände nicht gebunden waren;
• gegen den Bolschewismus wurde allzeit der päpstliche Bannstrahl entsandt;
“Pius XII. war kein Antisemit, nur ein römischer Aristokrat, der zwar die Nazis wegen ihres kirchenfeindlichen Heidentums ablehnte, sie aber trotzdem als Bundesgenossen im Kampf gegen die noch gottloseren Kommunisten sah.” Willi Winkler: "Drei Mal heilig", SZ, 10.7.2010, S. 21
Dieser Befund deckt sich in etwa mit den Anmerkungen hier. Er trifft prinzipiell auf fürs deutsche Episkopat zu: wenn es ums Schulgebet ging, dann kämpfte man, wenn Juden oder Kommunisten entfernt, ins KZ geworfen oder ermordet wurden, hatte diplomatisches Schweigen Vorrang.
• der Kampf der Bischöfen gegen den “hitlerischen Teufel” wurde durch das Konkordat torpediert: wenn der Papst gemeinsame Sache mit den Nazis macht, wie können dann die Bischöfe dagegen kämpfen?
Trotz allem schwieg der Papst zu den Untaten der Nazis. Erst vier Jahre später, in 1937, verfasste Pius XI. die Enzyklika "Mit brennender Sorge". Ein Rundbrief wurde von allen katholischen Kanzeln in Deutschland verlesen.
Konkordat"Die Geschichte des Eugenio Pacelli". Lesart dradio 31.8.2008; siehe Konkordat Literatur.
Papst Pius XII. schwieg ebenfalls zu den Judenverschleppungen und dem Holocaust. Seit Rolf Hochhuth: "Der Stellvertreter" wird seine laxe Haltung während der Nazizeit diskutiert.
KonkordatRolf HochhuthKonkordatDer StellvertreterKonkordatPapst Pius XII.
Im Januar ging ein Raunen durch die Tagespresse. Eine Ausstellung im Schloss Charlottenburg, Berlin, "zeigte", dass Papst Pius XII. nicht geschwiegen haben (KonkordatGustav Seibt: "Er hat nicht geschwiegen", SZ 29.1.2009, S. 11). Zweimal in all den Kriegsjahren äußerte sich die päpstliche Kurie zur Judenvernichtung (Übersetzung Jesuitenpaters Pierre Blet):
Weihnachtsbotschaft 1942: "Dieses Gelöbnis schuldet die Menschheit den Hunderttausenden, die persönlich schuldlos bisweilen nur um ihrer Volkszugehörigkeit oder Abstammung willen dem Tode geweiht oder einer fortschreitenden Verelendung preisgegeben sind."
Rede des Papstes an die Kardinäle, 2. Juni 1943: ""Seid nicht erstaunt, Ehrwürdige Brüder und liebe Söhne, wenn Wir mit besonders eiliger Fürsorge auf die Bitten derjenigen antworten, die sich an Uns wenden, die Augen voll von ängstlichem Flehen, diejenigen, die aufgrund ihrer Nationalität oder ihrer Rasse zur Zielscheibe für noch größere Katastrophen und noch heftigere Schmerzen geworden sind, und die manchmal sogar, ohne eigenes Verschulden, zur Ausrottung bestimmt sind."
Die Presse jubelt: Der Papst hat also nicht geschwiegen! Zwei Sätze in 12 Jahren?
Siehe auch: KonkordatS. Ulrich: "War Schweigen Gold?" SZ 8.10.2008.
Das Gesetz zur Durchführung des Reichskonkordats vom 12. September 1933 ist durch den Art.123 Abs. 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland weiterhin geltendes Recht. Das wird von einigen Bundesländer bestritten, vom Vatikan, der Bundesregierung und besonders vom CSU-Land Bayern anerkannt. Kurioserweise stimmt die CSU 1949 gegen das Grundgesetz: Grundgesetz Fakten zur Abstimmung über das Grundgesetz 1949.
Das Konkordat wird von der CSU weiter gepflegt
Am 19. Januar 2007 vereinbarten Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber, CSU, und der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Erwin Josef Ender ein Zusatzprotokoll zum Bayerischen Konkordat. Der katholischen Kirche wird darin weiterhin eine “angemessene” Präsenz mit den Katholisch-Theologischen Fakultäten an den staatlichen Hochschulen in Bayern zugesichert. Weitere Teilnehmer: Kultusminister Siegfried Schneider und Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel, beide CSU; Kardinal Friedrich Wetter, Prof. Peter Beer, Leiter des Katholischen Büros Bayern, und sein Vorgänger Prälat Valentin Doering. – PM 14 der Staatskanzlei, 19. Jan. 2007
Links
KonkordatKonkordat zw. Hitler und der katholischen Kirche
KonkordatDas Reichskonkordat
KonkordatReichskonkordat: wikipedia
KonkordatDie Katholiken und das Dritte Reich
KonkordatGesetz zur Durchführung des Reichskonkordats vom 12. September 1933
konkordatKurt Pätzold: Kreuz und Hakenkreuz Vor 75 Jahren wurde das Reichskonkordat geschlossen, junge Welt 19.07.2008
Konkordat60 Jahre Reichskonkordat
HolocaustDie katholische Kirche und der Holocaust
KonkordatVertrag mit dem Vatikan – Hitlers erster Triumph, Die Welt Online, 8. Juli 2008
Konkordat Rainer Bucher: Hitlers Theologie
Konkordat Peter Godman: Die geheime Inquisition. Aus den verbotenen Archiven des Vatikan
Konkordat Theophil Veritas: Katholik Hitler: Über eine der Wurzeln von Adolf Hitlers Wahnsystem
Literatur
Weitere Literatur siehe bei faulhaber Gerhard Hartmann: Kirche und Nationalsozialismus
Aretin, Karl Otmar Frhr. v. (1966): "Prälat Kaas, Franz von Papen und das Reichskonkordat von 1933. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 14:3, S. 252-279.
Repgen, Konrad (1978): "Über die Entstehung der Reichskonkordats- Offerte im Frühjahr 1933 und die Bedeutung des Reichskonkordats. Kritische Bemerkungen zu einem neuen Buch". Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 26:4, S. 499-534.
Repgen, Konrad, Klaus Scholder (1979): "Nachwort zu einer Kontroverse". Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 27:1, S. 159-161.
Repgen, Konrad (1983): „Zur vatikanischen Strategie beim Reichskonkordat”. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 31:3, S. 506-535.
Scholder, Klaus (1978): "Altes und Neues zur Vorgeschichte des Reichskonkordats. Erwiderung auf Konrad Repgen". Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 26:4, S. 535-570.
Vollnhals, Clemens (1987): "Das Reichskonkordat von 1933 als Konfliktfall im Alliierten Kontrollrat". Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 35:4, S. 677-706
Wolf, Hubert (2012): „Reichskonkordat für Ermächtigungsgesetz? Zur Historisierung der Scholder-Repgen-Kontroverse über das Verhältnis des Vatikans zum Nationalsozialismus”. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 60:2, S. 169-200.
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blet Konkordat Pierre Blet: Papst Pius XII. und der Zweite Weltkrieg: Aus den Akten des Vatikans. Schöningh 2000. Birgit Martens-Schöne, Übs. Taschenbuch, 313 Seiten brechenmacher
Thomas Brechenmacher, Hg.: Das Reichskonkordat 1933. Forschungstand, Kontroversen, Dokumente. Paderborn: Schöningh, 2007. 309 Seiten Brechenmacher
cornwell John Cornwell: Pius XII: Der Papst, der geschwiegen hat. List 2001. Klaus Kochmann, Übs. Taschenbuch, 558 Seiten Gotto
Klaus Gotto, Konrad Repgen, Hg.: Die Katholiken und das Dritte Reich. Mainz : Matthias-Grünewald, 1990. Broschiert, 151 Seiten pius
Hummel HartmannKarl-Joseph Hummel, Michael Kißener, Hg.: Die Katholiken und das Dritte Reich: Kontroversen und Debatten. Schöningh, 2009. Gebunden, 317 Seiten
hartmann HartmannGerhard Hartmann: Kirche und Nationalsozialismus. Kevelaer: Topos Plus, 2007. Broschiert, 96 Seiten
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Ernst Klee: Persilscheine und falsche Pässe. Wie die Kirchen den Nazis halfen. Frankfurt am Main: Fischer, 2005. Broschiert,191 Seitenpius
morsey Konkordat Rudolf Morsey: Der Untergang des politischen Katholizismus. Die Zentrumspartei zwischen christlichem Selbstverständnis und »Nationaler Erhebung« 1932/33. Stuttgart: Belser, 1977. Gebunden, 279 Seiten sanchez
Jose M. Sanchez: Pius XII. und der Holocaust: Anatomie einer Debatte. Schöningh 2002. Taschenbuch, 162 Seiten pius
scholder Konkordat Klaus Scholder: Die Kirchen und das Dritte Reich. Band 1: Vorgeschichte und Zeit der Illusionen 1918-1934. Econ 2000. Taschenbuch

Wolf Wolf Hubert Wolf: Papst und Teufel: Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich. München: Beck, 2012. Taschenbuch, 360 Seiten
WolfMichael Eschmann: Eine Leiche im Keller, literaturkritik.de, 21.06.2012
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Hubert Wolf: Papst und Teufel: Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich. München: Beck, 2008. Gebunden, 360 Seiten – Rezensionen: PapstGerhard Hartmann, Borromäusverein
PapstUrsula Homann: "Pius XII. - Schweiger oder Wohltäter?", literaturkritik.de, 1.9.2008
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.8..2012