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Sinfonien, Symphonien

Fritz Zobeley: Ludwig van Beethoven in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten


Reinbek: Rowohlt, 1976. rowohlts monographien #103. Broschiert, 180 Seiten
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Am Ende des Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 (= 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven) las ich endlich diese Biografie des Meisters. Dabei ist der Genitiv im Deutschen unklar: mit Meister meine ich den Komponisten, nicht den Autor Fritz Zobeley. Über den Autor kann ich wenig sagen, außer das er auch Noten herausgegeben hat.
Die Biografie ist reich an Fakten und Details. Sie hätte besser gegliedert werden können und ist nicht leicht zu lesen. Anfangs suchte ich gelegentlich nach dem Übersetzer, da mir die Sprache konstruiert vorkam, aber es ist ein Originalwerk. Nach Schott Music (Zobeley Links) starb Zobeley 1969, die Biografie erschien erstmals 1965.
Ein wichtiges Momentum in Beethovens Laufbahn war, dass er sich nach Wien aufmachte mit einem Empfehlungsschreiben seines Fürsprechers Ferdinand Ernst von Waldstein (1763-1823). und seinem prophetischen Wunsch:
„Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozarts Geist aus Haydns Händen” (S. 30).
Deshalb gefiel mir Zobeleys Gedanke gut, dass man die großen Komponisten nicht gegeneinander ausspielen darf: „wer Haydn nicht rückhaltlos bewundern und Mozarts Tonsprache nicht aufrichtig lieben kann, wird ebensowenig Beethoven verstehen, noch den »göttlichen Funken« in Schuberts Vermächtnis verspüren” (S. 43).
Ich lernte auch einiges dazu. Zwar war mir bekannt, dass einige Werke Beethovens (und das ging Mozart und Schubert u.v.a. ähnlich) nicht gut ankamen bei der Erstaufführung, aber es war krasser als ich dachte. Bei der Erstaufführung der 3. Sinfonie rief ein Galeriebesucher:
„Ich gäb noch eine Kreuzer, wenn's nur aufhört!” (S. 65)

Dabei gehörten Beethovens Werke schon bald zum ständigen Repertoire und nicht nur in Wien (S. 125).

Beethovens Stellung


Schon vor seiner zweiten Abfahrt nach Wien wurde Beethoven durch den Grafen Waldstein in eine Reihe gestellt mit Haydn und Mozart (siehe oben in dieser Besprechung). Er selbst sah sich in einer Reihe mit Händel, Bach, Gluck, Mozart und Haydn, hielt aber Luigi Cherubini (* 14. September 1760 in Florenz; † 15. März 1842 in Paris) für den größten Komponisten seiner Zeit (S. 156). Er fühlte sich von Gioachino Rossini (* 29. Februar 1792 in Pesaro, Kirchenstaat, heute Marken; † 13. November 1868 in Passy, Paris) ausgestochen und ärgerte sich über den Rossini-Rummel in Wien (S. 140).
Unter all diesen großen vergangenen und zeitgenössischen Komponisten hat Beethoven aber zwei außermusikalische Alleinstellungsmerkmale. Beethoven
  • begeisterte sich für die Französische Revolution und den von ihr (ursprünglich) vertretenen Ideen der Aufklärung: Humanität, Menschenwürde und Menschenrechte; er war ein politischer Mensch (S. 156)
  • steht für den Übergang der Kunstpflege aus den Händen des Adels in die der Bürger (S. 155).
Das alles kommt in der Zobeley-Biografie heraus, wenn man sie aufmerksam liest (was nicht immer einfach ist).
Die Biografie, #103 in der Reihe von rowohlts monographien herausgekommen, erzielte nach der Erstausgabe 1965 viele Neuauflagen. Die Leser erfahren viel über Beethovens Leben und Werke. Ich kenne nicht den Forschungsstand, doch alleine aufgrund der etwas zähen Sprache und da die Biografie zur antiquarisch erhältlich ist, würde ich eine neuere Biografie bevorzugen.

Links

BeethovenFritz  Zobeley (Schott Music)
Zobeley Ludwig van Beethoven

Literatur
derzeit (1/2021) nur antiquarisch
Zobeley BeethovenFritz Zobeley: Ludwig van Beethoven in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek: Rowohlt, 1976. rowohlts monographien #103. Broschiert, 180 Seiten



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