| Erika von Borries: Wilhelm Müller:
Der Dichter der Winterreise. Eine Biographie München: Beck, 2007. Gebunden, 319 Seiten. Mit 2 Audio-CDs |
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| Klar, man weiß: "Winterreise" von
Schubert: genial. Der Texter wie heißt er doch gleich? kann
von Glück reden, dass Schubert ... Wenn man aufpasst, muß man die Texte, nicht nur der "Winterreise", sondern auch "Die schöne Müllerin" für außerordentlich gelungen halten. Und zwar sui generis. Wer war eigentlich dieser Wilhelm Müller, der Texte schuf, die es in ihrer Modernität mit Georg Büchners "Woyzeck"(auch dieser genial vertont) aufnehmen können? |
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| Da kommt es gelegen, dass nun (2007)
mit der Biografie Wilhelm Müller, vorgelegt von der
Literaturwissenschaftlerin Erika von Borries, ein kompetentes Werk über
Leben und Werk aufklärt. Die vorliegenden Daten dazu sind anscheinend nicht überwältigend, doch die Verfasserin beschreibt packend und ausreichend. Wilhelm Müller (1794-1827) ist der Dichter der Winterreise, aber auch weit mehr. Er stand in engen Kontakt mit seinem Verleger Brockhaus und den Zeitgenossen Ludwig Tieck, Gustav Schwab, Friedrich Fouqué u.a. Er engagierte sich leidenschaftlich für den Freiheitskampf der Griechen gegen die Türken, so daß er schon zu Lebzeiten "Griechen-Müller" genannt wurde. Er griff das Thema des "Ewigen Juden" auf (S. 125; siehe Er war Übersetzer, Essayist und arbeitete an Enzyklopädien mit. Er beschäftigte sich mit Walter Scott ( Sein literarisches Schaffen ging also weit über "Die Winterreise" und "Die schöne Müllerin" hinaus; die beiden Gedichtzyklen werden aber die kommenden Jahrhunderte überdauern (behaupte ich mal). |
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Neben dem Leben Müllers las ich
viel Neues und Aufregendes über die gesamte Epoche, literarisch und
politisch. In einer Zeit, in der jedes Fürstentum seine eigenen
Zensurvorschriften hatte, war die Verlegung von politisch kritischen Gedichten
oder Essays oft problematisch. Müller nahm sich einiges heraus, passte
sich aber auch an: schließlich wollte er im Schuldienst aufsteigen.
Borries charakterisiert seine religiöse Einstellung so: "Zwischen
Rebellion, deistischen Vorstellungen und religiöser Anpassung suchte er
seinen Weg zu Gott, ohne jemals eine klare Position im christlichen Glauben zu
beziehen" (S. 136). In seiner Jugend war er noch aufsässig, wie der
folgenden Gedichtauszug (S. 38) belegt:
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| Halt, fast
hätte ich es vergessen: Das Buch ist extrem liebevoll gesetzt: schöne Überschriften, sauberer Satz der Gedichte usw. Ungemein angenehm lesbar allein vom Layout her. Dazu sind im Anhang alle Texte der beiden Liederzyklen, Literaturverzeichnis etc. Als ob das alles noch nicht genüge liegen 2 CDs bei: Gert Westphal liest die beiden Gedichtzyklen und Florian Prey (Sohn vom Hermann) singt mit Wolfgang Leibnitz am Klavier: "Winterreise". Einer der wenigen Patzer: CD und CD-Beschreibung S. 320 schreiben "Die Winterreise". Schubert verallgemeinerte zu "Winterreise"; beim Liederzyklus gehört der Artikel weg |
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| Für die Liebhaber der Winterreise oder der Schönen Müllerin ist diese Biografie ungemein reizvoll, zumal die Autorin auch einige der Gedichte analysiert. Wer nur über die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts aufgeklärt werden will, wird hier ebenfalls fündig. Starke Leseempfehlung! | |
| Links | |
| Literatur | |
| Haradl Eggebrecht: "Ohne Ruh, und suche Ruh". Süddeutsche Zeitung, 19.12.2007, S. 14 |
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| Wilhelm Müller: Gedichte
Von Wilhelm Müller: Mit Einleitung Und Anmerkungen. University of
Michigan Library, 2009. Taschenbuch, 440 Seiten
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| Wilhelm Müller: Die
Winterreise und Die schöne Müllerin. Zürich: Diogenes, 2005.
Broschiert, 92 Seiten
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