| Wolfgang Sandberger, Hg.:
Brahms-Handbuch Stuttgart, Kassel: Metzler & Bärenreiter, 2009. Gebunden, 632 Seiten |
| Der Musikhistoriker Dr. Wolfgang Sandberger hat in Zusammenarbeit mit vielen Musikwissenschaftlern den neuesten Stand der Brahmsforschung im Brahms-Handbuch herausgegeben. Sowohl der Wissenschaftler, als auch der Musiker, wie der interessierte Laie findet darin reiches Studienmaterial. |
| Das umfangreiche
Handbuch ist auf den ersten 200 Seiten wie folgt gegegliedert: Einleitung Lebenswelt Ästetische Positionen Kompositorische Arbeit. Dann geht es ausführlich (fast 400 Seiten) um die Werke in den Abteilungen Vokalmusik Klaviermusik Kammermusik Orchstermusik Interpretation und Rezeption. Im Anhang findet man Werkverzeichnisse und die üblichen Indizes. |
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| Es ist unmöglich auf alle
Beiträge einzugehen ohne ein noch umfangreicheres Werk vorzulegen. Einige
Splitter müssen genügen. Für mich als Literaturfreund war beispielsweise der Aufsatz von Jan Brachmann: Brahms in seinen Beziehung zu Literaten und Bildenden Künstlern (S. 134-141) recht aufschlussreich. Man erfährt, was Brahms bevorzugt gelesen hat (u.a. Marie von Ebner-Eschenbach, Wilhelm Raabe, Peter Rosegger, Jean Paul, Joseph von Eichendorff, Friedrich Schiller, E.T.A. Hoffmann, Friedrich Hebbel, Gottfried Keller, Gustav Freytag), dazu all die Lyriker, deren Gedichte er vertonte. Und man erfährt zu welchen zeitgenössischen Künstlern Brahms persönlichen Kontakt hatte. Nicht bekannt war mir, dass Brahms erst im Jahre 2000 in die Walhalla aufgenommen wurde (S. 14). Norddeutsche Protestanten haben es nicht leicht in Bayern, auch wenn es einer der bedeutendsten Komponisten des 19. Jahrhunderts ist. Wer von Brahms mehr als drei Zeilen schreibt, bringt unweigerlich seine Bezugnahme auf Beethoven. Ich verkneife mir das Zitat und verweise für Brahms' musikalische Bezugnahme auf seine Vorgänger in Peter Gülke: "Produktiv verschränktes Gester und Morgen Brahms und die musikalische Vergangenheit", S. 154-170. (Peter Gülke: Auftakte Nachspiele. Studien zur musikalischen Interpretation, siehe Der Werksteil beherrscht zurecht das Handbuch. Für die meisten Werke Brahms' findet man Geschichte und eine gründliche Analyse, die auch einem Laien wie mir, etwas bringt. Angeblich soll jedes der über 300 Lieder von Brahms drankommen. Die Werksanalysen lassen das Wiederhören so manchen Stückes zum besonderen Genuss werden. Dazu sollte man nicht den Aufsatz von Volker Scherliess: Aufführungspraktische und interpretationsgeschichtliche Aspekte (S. 552-565 ) übersehen. Amüsant der Beitrag von Harry Joelson-Strohbach: Aimez-vous Brahms? Brahms im Film. Der Aufsatztitel zitiert den Roman von Françoise Sagan: Aimez-vous Brahms? (1959), der mit Ingrid Bergman, Anthony Perkins und Yves Montand verfilmt wurde und 1961 unter Lieben Sie Brahms? in die deutschen Kinos kam. Ergänzt sei hier, dass auch der Radiosender Bayern 4 in einem genialen Werbefilm für das eigene Programm den 3. Satz (Poco Allegretto) der 3. Sinfonie von Brahms in einer Aufnahme des Symphonieorchester des BR unter der Leitung von Lorin Maazel effektvoll einsetzte. Sehr hilfreich für den Leser sind die ausführlichen Literaturverweise nach jedem Aufsatz. Ich vermisste ein Diskografie mit epochalen und empfehlenswerten Aufnahmen. Doch dafür gibt es andere Quellen und vieles daran wäre schnell überholt. |
| Den Winter mag ich
nicht: bei Schnee und Eis ist Radfahren sehr erschwert. Doch mit dem
Brahms-Handbuch, einer passenden CD (oder auf Vinyl) und dem auch von Brahms
geschätzten Bier (S. 7) läßt sich so mancher Winterabend gut
aushalten. Höchstes Lob für ein umfassendes Handbuch, das sowohl den Verstand des Experten, als auch das Herz des Musikliebhabers höher schlagen lässt. |
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