Wer Jazz mag will auch etwas über
die Interpreten wissen. Dazu gibt der Rough Guide Jazz beste
Gelegenheit. Auf über 800 zweispaltigen Seiten bringt er Biografien und
mehr zu 1800 Künstlern (diese Zahl habe ich ungeprüft
übernommen). Er genügt den Ansprüchen selbst eingefleischter
Experten und ist aktuell. Die Länge der Einträge entspricht der
Bedeutung der Jazzer. Was macht dieses Lexikon dann gegenüber
ähnlichen empfehlenswert?
- Es waren keine Puristen am Werk: Frank Sinatra ist beispielsweise mit einem eigenen
Eintrag vertreten.
- Zu allen Interpreten werden wenige diskografische Angaben
gemacht; diese sind kommentiert.
- Die Einträge werden durch schwarz/weiß Fotos
aufgelockert. Dabei wird zwischen Künstlerfotos und Albumcovers
abgewechselt. Beide Arten sind nicht ganzseitig und nicht zu üppig; sie
lassen so mehr Raum für den Text.
- Der Hauptteil enthält nur Personeneinträge; die
Fachausdrücke sind im Anhang (35 Seiten). Das genügt völlig, da
diese nicht so dem Wandel unterworfen sind. Die "West Coast" bleibt auch in der
nächsten Auflage die "West Coast".
Bluessänger fehlen. Das mag mancher bedauern, ich finde,
dafür gibt es eigene Nachschlagewerke. Die englische Ausgabe ist schon bei
der 3. Folge. Sie bildet die Grundlage für die 2. Auflage in deutscher
Übersetzung. Ich kann nicht untersuchen, ob die deutsche Ausgabe speziell
bearbeitet wurde; ich vermute: nein. Einige deutsche Künstler wie Barbara Dennerlein, Kurt Edelhagen und Johannes Faber sind aufgeführt, Johannes Enders fehlt dagegen. Dieses Manko wird
durch die genannten Vorzüge, dem lobenswerten Umfang und die
Aktualität mehr als aufgewogen. Die gefällige Aufmachung hebt den
Rough Guide Jazz über ein Lexikon hinaus: er ladet zum Blättern und
Lesen ein. Hervorragend: ich kenne nichts Besseres in seiner Art. |