Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Musik
Fritz Hug: Franz Schubert. Tragik eines Begnadeten
München: Heyne, 1976. Broschiert, 498 Seiten – Schubert LinksSchubert Literatur
Unter den Musikern gibt es zahlreiche tragische Persönlichkeiten, die Komponisten tragen dazu reichlich bei. Unter diesen wiederum weist Franz Schubert vielleicht den tragischsten Lebenslauf auf. Die Biografie von Fritz Hug: Franz Schubert. Tragik eines Begnadeten schildert sein Leben und Werk eindrücklich.
Der umfangreiche Hauptteil geht chronologisch vor. Hug gelingt es sowohl das Leben Schuberts als auch seine Werke ausführlich und gut lesbar darzustellen. Die Werkanalysen sind so ausführlich, dass ich sie meist übersprang und für später vorbehielt.
Der Biografie kommt zugute, dass Hug ein Schubertverehrer ist, so sehr, dass das Buch fast zu einer Hagiografie gerät.
Der Musiker und Komponist Franz Schubert quillt über vor musikalischen Gedanken, verfügt über einen schier unglaublichen Reichtum an Klängen. Das drückt Schubert selbst so aus: 
„Wie‘s in mir ist, so geb‘ ich‘s heraus, und damit punktum” (S. 23)
„Wenn ich ein Stück fertig habe, fange ich ein anderes an” (S. 266).
Leider blieb ihm zeitlebens der Erfolg und die breite Anerkennung versagt. Nur ein kleines Detail: Schuberts frühe Messen wurden im katholischen Gottesdienst nicht eingesetzt, weil der Komponist auf das Credo an die „einige, heilige, katholischer und apostolische Kirche” verzichtet hatte. (S. 81-82)
Schubert litt nicht nur an einer Syphilis und wurde oft von Kopfweh und anderen Leiden geplagt, sondern starb auch zu jung an Typhus.
Der Mensch Franz Schubert kommt nicht zu kurz. Hug schildert ihn als bescheiden, schüchtern und scheu, besonders in eleganten Kreisen, er war aufrichtig, offen, gab sich, wie er war, sprach aus, was er fühlte und dachte (S. 270-271)
So enthusiastisch Hug über Schubert und die Wiener Klassik berichtet, so streng urteilt er über spätere Musikgenres, z.B. dem Jazz. Hug über den Walzer und den Jazz: „... bis ihn (den Walzer) nach dem aufwühlenden Erlebnis des Ersten Weltkriegs 1914 bis 1918 die von Amerika herüberbrandende Welle des lauten und grellen Jazz etas in die Ecke drängte.” (S. 199)
Schubertiaden (S. 258ff)
Über die berühmten Schubertiaden berichtet Hug als lockere Abendgesellschaften (ab 1821), zu denen fast immer Franz Schubert gehörte. Oft liest man, dass sie erst posthum „Schubertiaden” genannt wurden. Das stimmt nicht. Schon Franz von Hartmann, ein ab Ende 1826 Beteiligter, notierte am 15. Dezember 1826 in sein Tagebuch:
„Ich gehe zu Spaun, wo eine große Schubertiade ist ...” (Hug S. 285)
Zu den Gästen gehörten der Maler Moritz von Schwind, Josef Kupelwieser, Ludwig Schnorr, die Dichter Johann Senn, Eduard von Bauernfeld, der Beamte Josef Hüttenbrenner, der Klavierspieler Josef de Szalay, die drei Schwestern Anna, Barbara und Josefine Fröhlich u.v.a.
Hug wird nicht müde Zusammenhänge zu vermuten, zu konstruieren oder zumindest vorzuschlagen, wo keine sind, z.B. als Schuberts erstes Konzert mit ausschließlich seinen Werken genau am Jahrestag des Todes von Beethoven stattfand: „Hatte dieses unbeabsichtigte Zusammentreffen eine besondere Bedeutung, einen tiefen Sinn?” (Hug 329).
Die Biografie wird durch 16 Ganzseitenphotos aufgelockert und mit zahlreichen Notenbeispielen für den Musikkenner angereichtert.
Der Anhang läßt kaum Wünsche offen und macht das Buch auch zum Nachschlagewerk:
  • Zeitliche Lebens– und Werkschau
  • Werkverzeichnis nach Gattungen
  • Werkverzeichnis nach Opuszahlen
  • Sachregister
  • Personenregister
  • Stammtafel
  • Bibliographie
Die Bibliographie ist natürlich veraltet aber immer noch hilfreich. Mir fehlten nur ein paar Sätze zum Autor Fritz Hug über den ich erstaunlicherweise nichts fand.
Für manche wird Fritz Hug: Franz Schubert. Tragik eines Begnadeten zu ausführlich sein, für andere zu wenig wissenschaftlich fundiert, da im lockeren Plauderton gehalten. Für mich waren die nahezu 500 Seiten gerade richtig. Sowohl Leben als auch Werk des wirklich begnadeten (bezüglich seiner Musik) Franz Schubert werden ausführlich behandelt.
Sehr zu empfehlen.
Links
SchubertFranz Schubert (31. Januar 1797 - 19. November 1828)
SchubertDeutsche Schubert-Gesellschaft
Schubert Franz Schubert: Drei Klavierstücke, D 946
Schubert Franz Schubert: Winterreise D 911
Schubert Paul Stefan: Franz Schubert. Berlin: Wegweiser, 1928. Gebunden, 254 Seiten
Schubert Zu Werken, Büchern und Verschiedenem der Klassischen Musik
Schubert Kunterbuntes zur klassischen Musik, ihren Genies, Interpreten und Fans
Literatur
Schubert Frank Kämpfer: "Genußliebe und Unkenntnis der Welt - Bekannte und neue Facetten des Schubertbildes im Jubliäumsjahr". (nmz) Neue Musikzeitung - 11/1997
Bei Amazon nachschauen  
Hug SchubertFritz Hug: Franz Schubert. Tragik eines Begnadeten. München: Heyne, 1976. Broschiert, 498 Seiten
Schubert Anfang

Musik
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.12.2015