Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Skrjabin
Friedrich Gorenstein: Skrjabin. Poem der Ekstase
Hartmut Herboth, Übs. Berlin, Weimar: Aufbau, 1994. Gebunden, 188 Seiten – Skrjabin LinksSkrjabin Literatur
Wem die Biografie Alexander Nikolajewitsch Skrjabin von Igor Fjodorowitsch Belsa zu wenig auf den Menschen  Skrjabin eingegangen ist (wie beiospielsweise mir), findet in Skrjabin. Poem der Ekstase das Gegengewicht. Autor Friedrich Gorenstein beschreibt in zahlreichen (fiktiven) Szenen das Leben des Komponisten. Er bezeichnet sein Werk als "Roman", die Fiktivität betonend.
Die Leser sollten das Prinzip der Gutgläubigkeit walten lassen und dem Autor zugestehen, dass all dies so oder so ähnlich hätte stattfinden können. Dann ergibt sich ein umfassendes Bild der Person Skrjabins. Der Schwerpunkt liegt auf seinem persönlichen Umfeld und seiner geistigen Entwicklung. Genau dies vermisste ich in Belsas Biografie, deshalb ist der "Roman" eine gute Ergänzung. 
Skrjabin über sich und Anderes
Beispielhaft für Skrjabins Geisteshaltung hier einige Bemerkungen des Komponisten im "Roman".
Über Beethoven & Berlioz
„Kunst ist Bewegung. Von Beethoven und vor allem von Berlioz zu lernen ist heute nicht mehr angebracht. Ihnen fehlt das Messianische.” (S. 95)
Über das Ballett
„Ballett ist reine Virtuosität, keine Kunst. Die klassische Musik bietet überhaupt nur wenig choreographische Möglichkeiten” (S. 150).
Ich kann mit Ballett nichts anfangen: diese Bemekrung Skrjabins kommt mir entgegen.
Eine merkwürdige Hierarchie der Individuen
„Eine objektive Wahrheit gibt es nicht! Die Wahrheit ist immer subjektiv. Wir bilden sie uns. Sie wird von schöpferischen Individuen geschaffen und ist um so unabhängiger, je höher das jeweilige Individuum steht.” (S. 95)
Ontologie: Anti-Realismus – Konstruktivismus !?
„Die gesamte Welt ist in uns. ... Denn wir haben die Sonne und das Sonnensystem geschaffen und erschaffen es ständig aufs neue. Sobald wir aufhören das zu tun, existiert es nicht mehr.” (S. 95)
Über die Rezeption seines Werks
„Es wird eine Zeit kommen, [...] in der die Leute von einem Pol zum anderen springen werden, nur um eine Pause aus meinen Werken zu hören.” (S. 100)
Über Karl Marx
Skrjabin richtet die Auffassung Belsas in Alexander Nikolajewitsch Skrjabin, der (bisweilen) Skrjabin als waschechten Marxisten sieht, zurecht:
„Ich habe Marx ebenfalls gelesen ... Höchst bewundernswert. Das ist mal kein Nihilismus, keine Negation. Das ist tasächlich etwas Neues. Aber natürlich in den Grenzen des Materialismus." (S. 125)
Ontologie: Anti-Realismus – Konstruktivismus !?
„Die gesamte Welt ist in uns. ... Denn wir haben die Sonne und das Sonnensystem geschaffen und erschaffen es ständig aufs neue. Sobald wir aufhören das zu tun, existiert es nicht mehr.” (S. 95)
Sergei I. Tanejew, (1856 – 1915), russischer Komponist, über Skrjabin
„... er neigt zu der modischen Leidenschaft nach Originalität, nichts soll vernünftig sein und nichts unkompliziert. Alles mit den Füßen nach oben” (S. 47)
Skrjabin und Schach
Bei zwei Gelegenheiten spielte Skrjabin Schach (S. 149, S. 175). Mein Weltbild über die Russen ist gerettet.

Das oben genannte Prinzip der Gutgläubigkeit wurde während der Lektüre etwas getrübt. Zumindest Sergei Rachmaninow läßt Gorenstein stereotypisiert auftreten. Er sitzt meist mit düsterer, dämonischer Miene abseits (z.B. S. 60), genau wie man es von einigen Fotos her kennt. Wer Rachmaninow stereotypisiert macht dies vielleicht auch bei anderen Personen im "Roman".
Mit der Lektüre von Skrjabin. Poem der Ekstase lernt man Skrjabins Person und seine Gedankenwelt besser verstehen. Insbesondere die Vorüberlegungen zum geplanten großen Mysterium nehmen breiten Raum ein. Friedrich Gorenstein vermag es die Leser in den Bannkreis des russischen Meisters zu ziehen. Insgesamt lohnenswert für alle, die über die Musik hinaus mehr von Skrjabin erfahren wollen.
Links
SkrjabinFriedrich Naumowitsch Gorenstein
SkrjabinUlrich M.Schmid: "Späte Anerkennung für einen Spätgeborenen. Friedrich Gorensteins Skrjabin-Roman". NZZ 134, 11.6.1994, S. 96 (pdf)
Skrjabin Gisela Reller: ...nichts anderes als ein genialer russischer Komponist?
Skrjabin Alexander Nikolajewitsch Skrjabin
Skrjabin Igor Fjodorowitsch Belsa: Alexander Nikolajewitsch Skrjabin
Skrjabin Andreas Wehrmeyer: Sergej Rachmaninow
Skrjabin Zu Werken, Büchern und Verschiedenem der Klassischen Musik
Skrjabin Kunterbuntes zur klassischen Musik, ihren Genies, Interpreten und Fans
Skrjabin Schach und Musik
Literatur
Bei Amazon nachschauen  
Gorenstein SkrjabinFriedrich Gorenstein: Skrjabin. Poem der Ekstase. Hartmut Herboth, Übs. Berlin, Weimar: Aufbau, 1994. Gebunden, 188 Seiten
Skrjabin Anfang

Skrjabin
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 29.10.2016