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Bruckner
Sammelbesprechung von vier Biografien zu Anton Bruckner
Josef Laßl – Karl Laux – Richard Wetz – Wilhelm Zentner – Bruckner LinksBruckner Literatur
Bruckner
Besprochen werden: Keines der vier Bücher ist eine taufrische Bruckner-Biografie. Trotzdem sind sie für Freunde von Anton Bruckner und seiner Musik in der einen oder anderen Weise lesenswert.

Josef Laßl: Das kleine Brucknerbuch
Josef Laßl gliedert Das kleine Brucknerbuch in sechs Abschnitte
  • Non confundar in aeternum
  • Menschliche und göttliche Landschaft
  • Begegnung mit Richard Wagner
  • Anton Bruckner und die Frauen
  • Zeitgenossenschaft als Abgeschiedenheit
  • Die Welt am siebten Tag
Daraus erkennt man schon einige Schwerpunkte der Streifzüge durch Bruckners Leben: Bruckner & Wagner und Bruckner & die Frauen.
Autor Laßl sieht in Bruckner einen Dreiklang aus Natur, Religion und Musik (S. 22). In der Person Bruckners betont er Weltfremdheit, Außenseitertum und dessen Spätblüte. Dazu kommt eine nahezu kindliche Naivität, die sich beispielsweise in seiner Verehrung für Richard Wagner zeigt. Bruckner schrieb an Hans von Wolzogen (1848–1938, deutscher Schriftsteller und Redakteur) über seine Begegnung mit dem Maestro:
„Weil mich Hochselber bei der Hand hielt, ließ ich mich auf die Knie, Hochseine Hand an meinen Mund drückend und küssend, und sagte: »Oh, Meister, ich bete Sie an!!!« Der Meister sagte darauf: »Nur ruhig – Bruckner –  gute Nacht!!!« Das war das letzte Wort des Meisters zu mir.” (S. 57-58).
Eine Tragik in Bruckners Leben sieht Laßl darin, dass sich Bruckner durch den Publikumsgeschmack gezwungen sah seine Symphonien mehrfach zu überarbeiten: diese Zeit fehlte ihm für andere Werke und besonders zur Vollendung seiner neunten Symphonie (S. 9).
Die Symphonien wurden zu seinen Lebzeiten kontrovers aufgenommen. Laßl kehrt den Spieß um: „Aber konnte der Meister erwarten, daß sein Werk verständnisvoll aufgenommen würde? Dann wäre es für den Tag geschrieben gewesen und mit dem Tag vergangen” (S. 25). Das ist nett argumentiert, stimmt aber in zweierlei Hinsicht nicht.
  • Die Messen und Motetten wurden verständnisvoll aufgenommen. Sie sind nicht vergangen.
  • Viele musikalischen Werke anderer Komponisten wurden verständnisvoll aufgenommen und sind trotzdem zeitlose Meisterwerke.
Grundsätzlich ist aber richtig, dass Bruckner zu Lebzeiten vielen Irrtümern und Mißdeutungen ausgesetzt war und dass dies gerade den Besten oft passiert.
Josef Laßl charakterisiert Bruckners Musik treffenderweise so:
„Anton Bruckner ist kein tönender Poet. Seine Musik hat nur sich allein zum Inhalt. Das fordert vom Hörer Aktivität; er kann sich keinem passiven Aufnehmen überlassen.” (S. 89-90)
Das letzte Konzert mit einem eigenen Werk hörte Bruckner am 5. Januar 1896. Hans Richter bot mit den Wiener Philharmonikern ein umfangreiches Programm:
  • Wolfgang Mozart: Prager Symphonie
  • Richard Strauß: Till Eulenspiegels lustige Streiche
  • Felix Mendelssohn-Bartholdy: Hebriden-Ouvertüre
  • Anton Bruckner: Vierte Symphonie, „die Romantische” (S. 83-84)
Bruckners Vorbilder nach Josef Laßl:
  • Johann Sebastian Bach
  • Ludwig van Beethoven
  • Franz Schubert
(S. 59) Diese Vorbilder differieren etwas – aber nicht wesentlich – von den unten bei Wilhelm Zentner genannten.
Josef Laßl (1915 in Nöstlbach-St. Marien; – 1977 in Linz), österreichischer Journalist, Musik- und Literaturkritiker sowie Lyriker und Schriftsteller (Bruckner Links).
Das ansprechende Büchlein bietet viel zu Anton Bruckner und seiner Stellung in seiner Zeit.
Es ist reichlich bebildert. Im Anhang:
  • umfangreiche Zeittafel,
  • sehr knappes Werkverzeichnis,
  • kurze, natürlich nicht mehr aktuelle Literaturauswahl
  • Nachwort.


  • Karl Laux: Anton Bruckner. Leben und Werk
    Der Musikkritiker Karl Laux legt hier eine Lebensbeschreibung Bruckners vor, die im Wesentlichen chronologisch vorgeht und in dem die Werke und ihre Analyse eine hohen Stellenwert besitzen. Ähnlich wie Wilhelm Zentner (siehe unten) ist Laux ein Bruckner-Fan, der den Komponisten oft ehrfurchtsvoll als „Meister” anspricht.
    Gleich zu Beginn macht Laux auf einen merkwürdigen Umstand aufmerksam. Zahlreiche bedeutende Komponisten des 19. Jhdts. gehören einer Generation an:
    • 1809 Felix Mendelssohn Bartholdy
    • 1810 Robert Schumann
    • 1811 Franz Liszt
    • 1813 Richard Wagner
    • 1813 Giuseppe Verdi
    • 1824 Anton Bruckner
    • 1833 Johannes Brahms
    Laux stellt Leben und Werk in einem Fluß dar. Das gelingt gut, da die Sinfonien und andere Werke mit je einem eigenen Abschnitt getrennt werden. Die Werkanalyse ist ausführlich, für mich als Laien zu ausführlich. Als einzige der hier besprochenen vier Biografien Bruckners untermauert Laux seine Ausführungen mit Notenbeispielen.
    Anscheinend wird Bruckner vorgeworfen, seine Musik sei eine Verlängerung der Musik von Richard Wagner. Das weist Laux – ich meine völlig zu Recht – energisch zurück. In der Wissenschaft gilt, dass die aktuellen Wissenschaftler ihre Leistung nur erbringen können, weil sie auf den Erkenntnissen ihrer Riesen–Vorfahren aufbauen können (siehe Bruckner Links). Ähnlich ist es in der Kunst. Doch selbst wo Bruckner Stilelemente oder gar Zitate Wagners verwendet, bleibt er immer Brucknerisch (S. 19, S. 36).
    Bestaunenswert ist, dass Bruckner oft mehrere Werke gleichzeitig unter seiner Feder hatte (und waren es auch „nur” Bearbeitungen eines bereits abgeschlossenenen Werks) oder ein Werk unmittelbar dem nächsten folgte. Zwei Beispiele:
    • An Silvester 1873 beendete er die 3. Sinfonie.am 2. Januar 1874 begann er mit der Skizze an der 4. (S. 35)
    • Die 8. Sinfonie wird am 10. August 1887 abgeschlossen, zwei Tage später beginnt er mit der 9. (S. 75).
    Im Anhang bietet Laux – außer dem erwartbaren Werkverzeichnis, Literatur und Notiz zum Verfasser Laux – zwei willkommen Schmankerl:
    • Auszug aus Bruckners Stammbaum (S. 86)
    • Die Sinfonien und ihr Schicksal (S. 87)
    Die letzte Übersicht nennt für jede der 9 Sinfonien Entstehungszeit, Umarbeitungen, Uraufführung und weitere wichtige Aufführungen.
    Laux streicht eindrucksvoll Bruckners suchtartigen Wunsch nach Anerkennung heraus. Andrerseits wird den Lesern – bei aller zeitweiligen Verkennung des Meisters – klar, dass Bruckner auch schon zu Lebzeiten eindrucksvolle Erfolge feiern durfte und reichlich Anerkennung erhielt.
    Insbesondere die des Notenlesens Kundigen werden die Werkanalysen zu würdigen wissen.

    Richard Wetz: Anton Bruckner. Sein Leben und Schaffen
    Das vergriffene Reclambüchlein gliedert sich nach einem kurzen Vorwort in drei Abschnitte:
    • Anton Bruckners Lebensgang
    • Der Mensch und der Künstler
    • Die Werke Anton Bruckners
    Nur im Groben hält sich der Autor auch daran, in allen drei Abschnitten wird viel zum Schaffensprozess Bruckners gesagt und das Lob auf seine Werke gesungen.
    Dabei hat Wetz eine Klarstellung im Auge und eine Mission.
    Er will (Fehl)Urteile über Bruckner unter die Lupe nehmen:
    • Vorwurf der mangelnden Intelligenz
    • Formlosigkeit seiner Werke
    • inneres Verhältnis zur Kunst von Ludwig van Beethoven und Richard Wagner.
    Die Mission ist es die gottergebene Kunst des Meisters den Lesern nahe zu bringen.
    Wetz beendet sein kleines Büchlein mit einer Zeile aus dem Gedicht „Aus dem hohen Liede” von Peter Cornelius, Bruckners Kunst charakterisierend: „ein Gottesstrahl, dem kein Erlöschen droht”. Dabei muss man davon absehen, dass das Gedicht von Cornelius die Liebe zu einem Freund poetisiert.
    In seiner Mission uns Lesern Bruckner nahe zu bringen lobt Wetz den Meister in höchsten Tönen und schwelgt über seine Kunst. Die Entwicklung zur Meisterschaft sieht er als immanentes Gesetz in Bruckners Leben: „in hellseherischer Kindlichkeit ging Bruckner diesem Ziel entgegen, bis die Stunde kam, da der reife Mann die Tore aufreißen konnte, um ein Reich zu betreten, in dem das Ewige thront, dessen Herrlichkeit zu schauen die Natur nur wenigen vergönnt.” (S. 9) Oder über die f-Moll Messe aus dem Jahre 1868: „Besäßen wir von Bruckner nichts weiter wie das Gloria und Benediktus dieser Messe, und wüßten wir gar nichts von ihm, wir müßten die Ahnung daraus gewinnen, daß ein himmlischer Gast unter uns geweilt und  uns diese Gabe als Zeugniß und Gruß einer höheren Welt hinterlassen habe.” (S. 33-34)
    Ähnlich äußerte sich Bruckner selbst zu seinem „Te Deum”, das er  als „Stolz meines Lebens“ bezeichnete und ausführte: „Wenn mich der liebe Gott einst zu sich ruft und fragt: ‚Wo hast du die Talente, die ich dir gegeben habe?‘, dann halte ich ihm die Notenrolle mit meinem Te Deum hin, und er wird mir ein gnädiger Richter sein.“ (siehe „Te Deum”, Bruckner Links).
    Wetz sagt (im Jahre 1922) zu Bruckners Musik voraus: „Bruckners Orchester wird in seiner makellosen, edlen Schönheit leuchten, denn seine Farben sind geisterzeugte, der musikalische Gedanke hat sie geschaffen und nicht die Sucht, etwas Nochniedagewesenes auszusinnen” (S. 95). Im letzten Nebensatz klingt schon des Autors Missfallen an der fortschrittliche Musik an, über das weiter unten mehr zu sagen ist.
    Klarstellung der Fehlurteile
    Die beabsichtigte Klarstellung der Fehlurteile gelingt Wetz.

    Den Vorwurf der mangelnden Intelligenz weist Wetz zurück. Modern gesprochen: hier wird fehlende Bildung mit Mangel an Intelligenz gleichgesetzt oder zumindest korreliert. Das ist falsch.

    Über die angebliche Formlosigkeit geht Wetz im Abschnitt „Die Werke Anton Bruckners” zu Gericht. Sie entspringt der Unzulänglichkeit des Hörers (S. 110).

    Wetz behandelt zur Klarstellung des dritten Urteils (Verhältnis Wagner und Beethoven zu Bruckner) auch
    • Richard Wagners Behauptung, nach der Neunten Beethovens gäbe es keine Instrumentalmusik mehr
    • die „fortschrittlichen” Komponisten (er nennt nur wenige Namen), die sich seiner Meinung nach auf einem Irrweg befinden.
    Beethoven setzte im letzten Satz seiner letzten Symphonie auch Vokalstimmen ein. Das nahm Richard Wagner als Beweis des Endes der Instrumentalmusik. Er urteilte 1849:
    »Die letzte Symphonie Beethovens ist die Erlösung der Musik aus ihrem eigensten Elemente heraus zur allgemeinsamen Kunst. Sie ist das menschliche Evangelium der Kunst der Zukunft. Auf sie ist kein Fortschritt möglich, denn auf sie unmittelbar kann nur das vollendete Kunstwerk der Zukunft, das allgemeinsame Drama folgen, zu dem Beethoven uns den künstlerischen Schlüssel geschmiedet hat.«
    S. 94, Richard Wagner: Das Kunstwerk der Zukunft. Leipzig: Otto Wigand, 1850.
    Doch wie sich herausstellte war Wagners Befund falsch. Es gab und gibt Instrumentalmusik und großartige Symphonien ohne Vokalstimmen, wie sie gerade Bruckner eindrucksvoll komponierte.
    In der Beziehung der beiden Zeitgenossen stellt der Autor heraus, wie ergeben Bruckner gegenüber Wagner war. Wetz stellt Bruckner als Musiker – „ich sage das trotz Tristan und Meistersinger!” (S. 40) – über Wagner.
    Wetz sieht in deren Beziehung Wagner gönnerhaft, Bruckner dagegen in „uneingeschränkter Verehrung” (S. 53). Bei allem Lobpreis für Bruckner nimmt Wetz aber dennoch Wagner in Schutz, der sein Versprechen, die Werke Bruckners aufzuführen, nicht wahr machte (S. 54).
    Wetz erweist sich als Kind seiner Zeit und Mann der alten Schule. Neben Bruckner lobt er Franz Liszt und Johann Sebastian Bach. Die modernen Entwicklungen (S. 27), der „Fortschritt” (meist in Apostrophen, S. 30) gefallen ihm nicht – um es milde auszudrücken.
    „Harmonik, Metrik, Tonalität wurden für hinderlich erklärt, und um aus der eigenen schwindsüchtigen Not eine strotzende Tugend zu machen, erfand man das Wort von der Überflüssigkeit der Melodie. Soweit ist der Fortschrittsgedanke heute gelangt.” (S 27).
    Es lohnt sich, sich auf seine Überlegungen einzulassen. Er kommt zu erhellenden Erkenntnissen, so: „Das Schöpferische ist nicht in der begrifflich arbeitenden Vernunft verankert; es fließt rätselhaft und geheimnisvoll aus dem Born des Unbewußten” (S. 28).
    Das Kind seiner Zeit und der Mann der alten Schule zeigt sich auch in Vorurteilen: die englische Volksseele ist eingetrocknet und versandet, die Philosophie  nach Kant, Fichte und Schopenhauer zur „bloßen Erfahrungs– und Nützlichkeitslehre” abgefallen (S. 48). Beide Bemerkungen haben zudem in einer Musikerbiografie kaum etwas zu suchen. Wetz findet es wissenswert, wieviele Aufführungen von Werken Bruckners in Deutschland und Österreich zwischen seinem Tod und dem Beginn des Weltkriegs festzustellen wären. Jetzt kommt der Seitenhieb: „Manche Sündenliste dürfte da zum Vorschein kommen, manche geistige Schlafsucht und wieviel Schielen nach dem Auslande!” (S. 53) Wetz liegt hier schon deshalb falsch, weil man aus einer zahlenmäßigen Aufstellung all das Erwähnte (außer vielleicht der geistigen Schlafsucht) nicht ableiten könnte.
    Ein weiterer Schwerpunkt der Auffassung des Autors ist die deutsche Musik. Er ist der Meinung, dass zu wenig Bruckner und insgesamt zu wenig deutsche Musik aufgeführt wird. Der Deutsche neigt „in seinem verstiegenen Gerechtigkeitssinne” dazu die deutsche Musik zu vernachlässigen. Wie so oft wird diese Art von Argumentation eingeleitet mit „Nichts liegt mir ferner als einer einseitig gerichteten Musikpflege das Wort zu reden”. Dann folgt eine Ausführung zu: der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Wetz versteigt sich zur Behauptung, dass die Bevorzugung „nichtdeutscher Musik” zielbewusst, plan– und absichtsvoll erfolgt.  Er hält es für die schlichte Wahrheit, dass die deutsche Tonkunst zu einer Höhe gelangt ist, die keine andere Musik aufzuweisen hat. Zuletzt erkennt Wetz bei den Deutschen einen unausrottbaren Hang „das Ausländische dem Eigenen vorzuziehen” (S. 61-63).

    Der Mensch und der Künstler
    In diesem Abschnitt läßt sich Wetz weiter über die verflachende Posie und Musik aus. Entgegen ähnlichen Bemerkungen zuvor wird er hier mehrmals konkret und nennt Beispiele:.
    • „Mignon”: damit ist wohl die Oper „Mignon” von Ambroise Thomas (1811–1896) gemeint.
    • „Margarete”: deutscher Titel der Oper „Faust” von Charles Gounod (1818–1893).
    • "Der Trompeter von Säckingen": vermutlich meint Wetz die Oper von Victor Ernst Nessler (1841–1890)
    Dass Wetz nur die drei Titel ohne Komponistennamen nennt, zeigt, dass sie damals (1922) sehr geläufig waren und jeder Leser gleich das gemeinte Werk assoziierte. Nur die letztgenannte Oper ist heute vergessen.
    Im Zuge des Verismo – Wetz nennt Pietro Mascagni (1863–1945) und Ruggero Leoncavallo (1857–1919) – entstanden nach Wetz Werke, „die mit Kunst überhaupt nichts zu tun hatten, die höchstens eine gleißende, glitzernde Mache zeigten”, mit „dichterischer Öde” und in „erschreckender Dürftigkeit” (S. 84).
    Den genannten Komponisten setzt Wetz entgegen: Peter Cornelius, Hugo Wolf, Ludwig Thuille, Hans Pfitzner. Auch hier täuschte sich Wetz: Ludwig Thuille (1861–1907) ist heute nur Kennern bekannt (obwohl einige seiner Werke auf Tonträgern verfügbar sind; vielleicht wäre er wieder zu entdecken).
    Letzter konkret genannter Komponist, den Wetz für überbewertet hält, ist Camille Saint-Saens (1835-1921).
    Man kann Wetz Kritik zugute halten, dass er die genannten Komponisten im Vergleich mit Bruckner sieht. Für ihn steht Bruckner weit über den anderen und kommt im Vergleich zu kurz.

    Die Werke Anton Bruckners
    Seine Werkbetrachtungen gliedert Wetz in
    • Geistliche Chorwerke
    • Weltliche Chorwerke
    • Die Symphonien
    Die wenigen Kompositionen außerhalb dieser Einteilung kommen kaum vor. Besonders bezüglich des Streichquintetts ist das unausgewogen.
    Vor seinen neun Symphonien schuf Bruckner bereits zwei Symphonien, die er später nicht mitzählte. Im Kopfsatz dieser Nullten Symphonie in f-moll ist für mich der typische Bruckner zu hören. Wenn man dem nicht zustimmt, so doch, dass Bruckner mit der 1. Symphonie in c-moll voll da ist. Bruckner selbst sagte darüber:
    „So kühn und keck bin ich nie mehr gewesen, ich komponierte eben wie ein verliebter Narr, der ganzen Welt warf ich den Fehdehandschuh hin …“ (zitiert nach Franz Gräflinger: Anton Bruckner - Sein Leben und seine Werke. Regensburg: Bosse, 1921.  S. 48).
    Den Urheber des Bonmots, dass Bruckner nur eine einzige Sinfonie geschrieben habe, aber die in neun Teilen, konnte ich nicht ausfindig machen.
    Auf dern Webseiten des Brucknerorchesters Linz (Gedanken zu Bruckner, Bruckner Links). findet sich:
    „Polemisch ausgedrückt: Bruckner hat eigentlich nur eine einzige Sinfonie geschrieben, alle seien lediglich Variationen eines einzigen Themas.”
    Wetz stellt jede Symphonie ausführlich vor und versucht sie geistig zu durchdringen und aufzuschlüsseln. Spätestens wenn man das liest und dazu Bruckners Symphonien aufmerksam hört, wird das obige Bonmot als Hör-Missverständnis entlarvt.
    Gelegentlich schweift Wetz ab und gerät ins Sinnieren, so beispielsweise was geschehen wäre, wenn der Dirigent Hans Bülow Bruckner ebenso unterstützt hätte, wie er es mit Richard Wagner getan hat (S. 23). Es folgt – im biografischen Teil (!) – eine ausführliche Betrachtung zum Unterschied von Oper und Instrumentalmusik.
    Autor Richard Wetz
    Richard Wetz (1875 Gleiwitz, Schlesien – 1935 Erfurt) war Komponist, Dirigent, Musikpädagoge und Musikschriftsteller. Neben dem hier besprochenen Werk zu Bruckner aus dem Jahre 1922 schrieb er noch Franz Liszt (1925) und Beethoven. Die geistigen Grundlagen seines Schaffens (1927). Einige seiner Werke sind heute noch auf CD erhältlich.
    Wie ich hoffe zeigt die Besprechung, dass Anton Bruckner. Sein Leben und Schaffen lesenswert ist. Manches an Wetz Ausführungen mag heute stören, aber seine Betrachtungen zum Wesen Bruckners und seine Analysen der Werke (ohne Noten, wie gut für Amateure, wie mich) sind überaus erhellend.

    Wilhelm Zentner: Anton Bruckner. Leben und Werk. 1824 – 1896
    Das kleine, seit langem vergriffene Büchlein über Anton Bruckner teilt sich gemäß dem Titel in zwei Hauptteile: Leben und Werk. Beide Teile bieten dem Bruckner-Enthusiasten wertvolle Informationen und Einsichten, die wenig durch die vergangenen Jahrzehnte (Zentner beruft sich noch auf die heute nur Eingeweihten bekannte Bruckner-Deuter Siegmund von Hausegger und Oswald Kabasta, S. 5) an Gültigkeit verloren haben.
    1 Leben
    In die Lebensbeschreibnung fließt bereits viel zur Deutung und Auffassung der Brucknerschen Musik ein. Das Herz des Biografen quillt über. So sollte man Bruckners Musik „unter dem Gesichtswinkel des Ewigen, ihrer Verwurzelung im Metaphysischen” ergründen. Zentner räumt aber gleich ein, dass „auch eine rein musikalische Betrachtungsweise statthaft” ist (S. 8). Dieser Ansatz durchzieht die gesamte Biografie. Zentner betont Bruckners Geisteshaltung, die viel zum Verständnis seiner Werke beiträgt, betont aber immer, dass sie auch denjenigen zugänglich ist, die Bruckners Geisteshaltung nicht teilen. Vielleicht aber nicht ganz, wie Zentner gleich eine Seite weiter schreibt: „das Phänomen Anton Bruckner, seine »anima naturaliter christiana«, erschließt sich bis zu den letzten Tiefen und Höhen einzig dem von verwandtem religiösen Ethos durchloderten Herzen” (S. 9).
    Adolf Exner (1841 – 1894; 1891/92 war Exner Rektor der Universität Wien) anläßlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Wien an Bruckner:
    „Wo die Wissenschaft Halt machen muß, wo ihr unübersteigliche Schranken gesetzt sind, dort beginnt das Reich der Kunst, welche das auszudrücken vermag, was allem Wissen verschlossen bleibt. Ich, der Rector magnificus der Wiener Universität, beuge mich vor dem ehemaligen Unterlehrer in Windhaag” (S. 53)
    Bruckners Vorbilder nach Wilhelm Zentner:
    • Johann Sebastian Bach
    • Joseph Haydn
    • Wolfgang Amadeus Mozart
    • Franz Schubert
    (S. 27). Diese Vorbilder differieren etwas – aber nicht wesentlich – von den oben bei Josef Laßl genannten.
    2 Werk
    Zu Beginn des ausführlichen zweiten Teils über das Werk geht Zentner auf die zahlreichen Änderungen und „Korrekturen” an Bruckners Symphonien ein. Er steht ihnen ablehnend gegenüber:
    „Bei dem organischen Formaufbau der Brucknerschen Tonarchitekturen bedeutet ein solches Verfahren einen Schnitt in lebendiges Gewebe, der nicht ohne ernste Gefahren für den Gesamtorganismus vollzogen werden kann” (S. 58). Gleich darauf sieht Zentner bei einer Korrektur gar das Blut fließen und kommt zu dem vernichtenden Fazit: „Wer nicht imstande ist, der Brucknerschen Symphonie durch die Formmaße ihrer monumentalen Weiträumigkeit zu folgen, hat ihr Wesen nie begriffen” (S. 58-59).
    Neben den Symphonien bespricht Zentner ausführlich die Kirchenmusik und die Chorwerke. Zur (spärlichen) Kammermusik Bruckners verliert er leider kein Wort. Halt, das stimmt nicht ganz. Aus der Zeittafel: „1879 Entstehung des Streichquintetts F-dur” (S. 120). Aber das war's dann auch.
    Die Lektüre der vor Jahrzehnten erschienenen Biografie lohnt sich auch heute unbedingt, weil hier ein Brucknerenthusiast sein reiches Wissen und sein tiefes Eindringen in Bruckners Geisteshaltung und Werk in schöner, mitreißender Sprache weitergibt.
    Links
    BrucknerAnton Bruckner – Wikipedia
    BrucknerAnton Bruckner (1824 - 1896) – die Informationsquelle zu Bruckner im Web
    BrucknerAusgewählte Literatur zu Anton Bruckner
    BrucknerAdolf Exner (1841 – 1894; 1891/92 war Exner Rektor der Universität Wien)
    BrucknerGedanken zu Bruckner, 1.9.2009
    BrucknerJosef Laßl
    BrucknerTe Deum (Bruckner)
    BrucknerDr. Wilhelm Zentner (1893 Pforzheim – 1982 München) Musikkritiker
    Bruckner Hans-Joachim Hinrichsen Hg.: Bruckner-Handbuch. Stuttgart: Metzler, 2010. Gebunden, 399 Seiten
    Bruckner Zu Werken, Büchern und Verschiedenem der Klassischen Musik
    Bruckner Kunterbuntes zur klassischen Musik, ihren Genies, Interpreten und Fans
    Hinrichsen Rezensionen von Sachbüchern allgemein
    Hinrichsen Richard Wetz: Franz Liszt
    BrucknerZwerge auf den Schultern von Riesen
    Literatur
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    Lassl Bruckner Josef Laßl: Das kleine Brucknerbuch. Salzburg: Residenz, 1965. Gebunden, 111 Seiten Lassl
    Josef Laßl: Das kleine Brucknerbuch. Reinbek: Rowohlt, 1980. Broschiert Bruckner
    Laux Bruckner Karl Laux: Anton Bruckner. Leben und Werk. Leipzig, Wiesbaden: Breitkopf & Härtel, 1947. Broschiert, 89 Seiten
    Richard Wetz: Anton Bruckner - Sein Leben und Schaffen. Leipzig: Reclam, 1922. Broschiert, 142 Seiten
    – derzeit (11/2016) nur antiquarisch


    Zentner
    Wilhelm Zentner: Anton Bruckner. Leben und Werk 1824-1896. München: Schnell & Steiner, 1946. Broschiert, 119 Seiten Bruckner
    Bruckner Anfang

    Bruckner
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    © by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.11.2016