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Liszt
Richard Wetz: Franz Liszt
Leipzig: Reclam, 1925. Broschiert, 116 Seiten – Liszt LinksLiszt Literatur
Der Komponist, Dirigent, Musikpädagoge und Musikschriftsteller Richard Wetz hat zwei Hausgötter: Anton Bruckner und Franz Liszt. Über beide schrieb er kurze Biografien für Reclams Universalbibliothek. Die zu Liszt stammt aus 1925 und ist wie folgt gegliedert:
  • Vorwort
  • Jugend und Werden
  • Wanderjahre
  • Liszt, der Tondichter
  • Enttäuschungen und Ausklang
  • Namensverzeichnis
Richard Wetz beginnt etwas großspurig, wenn er Liszts Lebensbeschreibung fast mit einer Geistesgeschichte des 19. Jhdts. gleichsetzt (S. 4). Nach der Lektüre seiner Biografie könnte man es fast meinen: sie ist ein durchgängiges Loblied auf den Meister. Seine zweite durchgängige These ist, dass die Komponisten, die die Ketten der Überlieferung sprengen, im Vergleich zu den Traditionalisten nicht viel taugen. Dabei wurde mir allerdings nicht ganz klar, ob er dabei nur den (vermeintlichen?) Alleinvertretungsanspruch der Neutöner geißelt oder ob er sie durchwegs für maßlos überschätzt oder gar abartig hält.
Wetz lobt und verteidigt Liszt nicht nur als Klaviervirtuosen und Komponisten, sondern auch als Mensch. Andere Biografien benennen charakterliche Mängel wie seine Ruhmsucht. Mit 32 Jahren beauftragte er seine eigene Biografie, die dann 1844 erschienen ist.
Gegenüber Liszt werden von Wetz andere Komponisten klein geredet. Zwar erkennt er in Hector Berlioz den Vater der Programmsymphonie und den bedeutendsten Komponisten Frankreichs, aber Berlioz verliert sich – so Wetz – in „Rausch und Getöse” (S. 24). Liszt bezog von Berlioz Anregungen und vollendete die Programmmusik.
Liszts fehlende Bildung beruht darauf, dass er früh als Wunderkind die musikalische Laufbahn einschlug und nie einen Schulabschluss machte. Wetz führt sie darauf zurück, dass Liszt sich als Jüngling in die „Gedankenwelt des Wischiwaschis der französischen Philosophen” eindrang. Hätte er zu dieser Zeit in Deutschland gelebt, was wäre nicht Großes aus ihm geworden (S. 82). Da ihn Wetz jederzeit als einen der Größten hinstellt, wäre es wirklich spannend, was dann aus ihm geworden wäre.
Da kommt ein gewisser deutschtümelnder Dünkel gegenüber andere, hier besonders Franzosen, heraus.
Zu den inhaltlichen Mängeln kommt ein blumiger Stil, wie etwa in: „Freiwillig, höherer Einsicht folgend verließ er [Liszt] die breite Prachtstraße des überall mit glühender Begeisterung überschütteten ausübenden Künstlers und betrat den dornigen, steilen, mühevollen Weg des Schaffenden” (S. 55). Im Kapitel „Liszt, der Tondichter” schreibt Wetz seitenweise über Liszts Werke, sein Schaffen und die (ablehnende) Aufnahme. Man muss mit Gedankenflügen wie diesem rechnen: „dieses Übergewicht der Werdekraft über die überlegende Tätigkeit” (S. 88). Boshaft könnte man da mangelnden Tiefgang in Liszts Werken herauslesen.
Die Liszt-Biografie von Richard Wetz erscheint mir allenfalls für Liszt-Enthusiasten lesenswert.
Links
LisztFranz Liszt
Richard Wetz: LisztRathay-BiographienLisztWikipedia
Liszt Richard Wetz: Anton Bruckner. Sein Leben und Schaffen
Bruckner Zu Werken, Büchern und Verschiedenem der Klassischen Musik
Bruckner Kunterbuntes zur klassischen Musik, ihren Genies, Interpreten und Fans
Hinrichsen Rezensionen von Sachbüchern allgemein
Literatur
Richard Wetz: Franz Liszt. Leipzig: Reclam, 1925. Broschiert, 116 Seiten – derzeit (1/2017) nur antiquarisch
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