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Herbert Huber Feedback
Holger Gertz. "Kein schöner Land"
Süddeutsche Zeitung Magazin, 8.6.2001
Süddeutsche Zeitung Magazin, 8.6.2001
Herbert Huber versucht diesem anderen, dem dreckigen, düsteren, deprimierenden Bayern eine Stimme zu verschaffen. »Nicht blind werden«, lautet seine Mission. jeden Tag liest er die Zeitung und stellt ins Netz, was er über das andere Bayern findet: über Landshut und Schweinfurt und Nürnberg, über das viele Geld für die Technologie-Offensive und das wenige für die Familienpolitik. Über die Gehörlosenschule in München, in der der Putz bröckelt und sich die Farbe von der Wand schält. Über die Penner am Ostbahnhof. Huber, 57 Jahre, aus Wasserburg, EDV Fachmann in Altersteilzeit, ein schmaler Mann mit kantigem Gesicht, sitzt im »Lunis«, einer Kneipe in München direkt gegenüber der Universität. Der Treffpunkt sei günstig für ihn, hatte er gesagt, auf seine alten Tage hat er noch ein Studium begonnen: Philosophie, Nebenfach Amerikanische Literatur.
Er hat einen Hang zu wichtigen Worten manchmal, Herbert Huber, aber ein Revolutionär sei er nun gerade nicht. Sie revoluzzen eh selten in Bayern; wenn es um das alljährlich aufkommende Thema der Öffnungszeiten für Biergärten geht, vielleicht, aber sonst eher nicht. Huber ist ein Archivar, der Ausrufezeichen sammelt, sozusagen. Manchmal rufen ihn Leute an und schimpfen: Ein »Nestbeschmutzer« sei er, der Bayern in den Dreck ziehe. Huber versucht dann ein Gespräch. Aber es hat keinen Zweck. »Sie sind so verblendet «, sagt er, von denen da oben, und sein Finger zeigt zur Decke, wo Gott sitzt oder Stoiber oder Strauß oder wahrscheinlich alle zusammen.
Huber sagt, die Bayern seien ein Phänomen, Meister im Blenden: »Wissen Sie, wenn die “Mir san mir”knurren, dann bedeutet das ja nichts anderes, als dass sie sagen: “Wir sind die Besten.” Und irgendwann werden sie blind für das Schlechte.«
Holger Gertz. "Kein schöner Land". Süddeutsche Zeitung Magazin, 8.6.2001. 32–37

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