| Giovanni Pico della Mirandola |
| Oratio de hominis dignitate. Rede
über die Würde des Menschen Übersetzt von Gerd von der Gönna (Reclam) |
| Gerade die Philosophie hat mich gelehrt, mehr meinem eigenen
Gewissen als fremden Urteilen zu folgen und immer nicht so sehr daran zu
denken, ich könnte in üblem Rufe stehen, als vielmehr daran, nichts
Schlechtes selbst zu sagen oder selbst zu tun. |
| Aus diesem Grunde wollte ich die Lehren nicht nur einer Richtung
(wie einige für gut befanden), sondern jeder Schule vorführen, damit
nach diesem Vergleich mehrerer Schulen und nach der Untersuchung
vielfältiger philosophischer Strömungen jener Wahrheitsfunke, von dem
Platon in seinen Briefen spricht, für unseren geist noch heller strahle,
so wie die Sonne bei ihrem Aufgang aus dem Meer. |
| Origenes behauptet, Jesus Christus, der Lehrmeister des Lebens,
habe den Jüngern vieles offenbart, was jene nicht hätten
niederschreiben wollen, damit es nicht Gemeingut der breiten Masse
werde. |
| Jacob Burckhardt schrieb dazu
in Die Kultur der Renaissance in Italien, [Hervorhebungen von
H.H].: Im nächsten Abschnitt wird es sich zeigen, daß in Italien damals die Geburtsunterschiede zwischen den Menschenklassen ihre Geltung verloren. Gewiß trug hiezu viel bei, daß man hier zuerst die Menschen und die Menschheit in ihrem tiefern Wesen vollständig erkannt hatte. Schon dieses eine Resultat der Renaissance darf uns mit ewigem Dankgefühl erfüllen. Den logischen Begriff der Menschheit hatt man von jeher gehabt, aber sie kannte die Sache. Die höchsten Ahnung auf diesem Gebiet spricht Pico della Mirandola aus in seiner Rede von der Würde des Menschen, welche wohl einer der edelsten Vermächtnisse jener Kulturepoche heißen darf. |