| Rudolf Carnap 1891 Ronsdorf, Rheinland 1970 Los Angeles |
![]() |
|
| "Wir können
festlegen, daß die Länge dieses bestimmten Stabes unsere Einheit
ist, gleichgültig wie seine Temperatur sich ändert, oder sein
Magnetismus und so weiter, oder wir können Korrekturfaktoren
einführen, die von solchen Änderungen abhängen. Die erste Wahl
gibt uns offensichtlich die einfachere Regel, aber sie führt doch wieder
zu seltsamen Konsequenzen. Wenn der Stab erhitzt und dann zur Messung benutzt
wird, stellen wir fest, daß alle anderen Gegenstände in der Welt
geschrumpft sind. Wenn der Stab kühler wird, dann dehnt sich die
übrige Welt wieder aus. Wir würden gezwungen sein, alle Arten von
bizarren und komplizierten Gesetzen zu formulieren, aber es gäbe keinen
logischen Widerspruch. Aus diesem Grunde können wir sagen, daß es
eine durchaus mögliche Wahl ist. Das zweite Verfahren besteht darin,
Korrekturfaktoren einzuführen. Anstatt festzulegen, daß die Strecke
zwischen zwei Markierungen immer die ausgewählte Länge lo (etwa 1 oder 100) haben soll, setzen wir nun fest, daß
sie die Normallänge lo nur dann haben soll, wenn
der Stab die Temperatur To hat, die wir als
»Normal«-Temperatur ausgewählt haben,
..." Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaft. [Philosophical Foundations of Physics] Martin Gardner, Hg. Walter Hoering, Übs. München: Nymphenburger 1974 Insofern hat der Betrunkene nicht unrecht, der um die Litfaßsäule herumtappt um schließlich zu resignieren: "Schrecklich! Eingemauert!" |
| Links |
| Vienna Circle:
|
| Rudolf Carnap (1950):
Revue Internationale de Philosophie 4. S. 20-40. Reprinted in the Supplement to Meaning and Necessity: A Study in Semantics and Modal Logic, enlarged edition (University of Chicago Press, 1956) |