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Diogenes aus Sinope
Diogenes aus Sinope
ca. 400-412 – 324/323 v. Chr. – Diogenes LinksDiogenes Literatur
Nicht mit Diogenes aus Apollonia (5.Jhdt. v.Chr.), Diogenes aus Babylon, Diogenes Laertius (300-350 n.Chr.) und Diogenes von Oenoanda (2.Jhdt. n.Chr.) verwechseln!
Diogenes aus Sinope erregte durch seine Originalität Aufsehen.
Er wird zum Bettler und wohnt in einem Faß. Als er bei einem Knaben (Bettler?) sieht, daß man auch aus der hohlen Hand trinken kann, wirft er seinen Becher weg.
Christoph Martin Wieland schreibt: "Er hat seinen hölzernen Becher weggeworfen, da er einen Bettler sah, der aus der hohlen Hand trank." Nachlaß des Diogenes von Sinope, Diogenes Links
Andere Quellen erzählen diese Szene mit einem Hund, der ohne ein Gefäß Wasser trank. Diogenes erhielt den Spottnamen "Hund" (kyon, griech.) und seine späteren Nachahmer wurden zu den Kynikern (z.B. Hans Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Frankfurt am Main 1997, S. 189).
Diogenes inszenierte sein Leben als ein fortwährendes öffentliches Ärgernis. Er war gewohnt alles auf offener Strasse zu verrichten, sowohl was die Korngöttin Demeter als auch was die Liebesgöttin Aphrodite betraf. Er trieb die sokratische Selbstgenügsamkeit auf die Spitze.
Als man den Diogenes fragte, wo er nach seinem Tode begraben sein wolle? antwortete er: »mitten auf das Feld.« Was, versetzte jemand, willst du von den Vögeln und wilden Tieren gefressen werden? »So lege man meinen Stab neben mich«, antwortete er, »damit ich sie wegjagen könne.« Wegjagen! rief der andere; wenn du tot bist, hast du ja keine Empfindung! »Nun denn, was liegt mir daran«, erwiderte er, »ob mich die Vögel fressen oder nicht?«
Bearbeitung der Anekdote durch Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe. Zweiter Band. München: Hanser, 1964. Seite 284-285. Es ist nicht sicher, ob damit Diogenes aus Sinope gemeint war.
Diogenes geht am hellichten Tag mit einer Laterne in der Hand über den Markt von Athen. Er leuchtet hier einem, dort einem ins Gesicht, schüttelt den Kopf, geht weiter, so lange, bis ihn einer frägt, was er am helllichten Tag, mit seiner Laterne wolle.
"Ich suche", sagt Diogenes, "einen Menschen."
Gefragt nach seinem Heimatort, antwortete der Kyniker Diogenes: "Ich bin ein Weltbürger". Mit der Antwort "Sinope" hätte Diogenes seine provinzielle Herkunft in der Weltstadt Athen preisgegeben.
Derber war Diogenes, und das, obwohl er dasselbe dachte, aber er sprach eben bissiger, weil er ja ein Kyniker war: Er befahl, man solle ihn unbeerdigt einfach hinwerfen. Da fragten seine Freunde: "Den Vögeln und den wilden Tieren?" Er antwortet: "Keineswegs, sondern legt neben mich einen Stock, mit dem ich sie vertreiben kann." "Wie wirst du das können?" sagten darauf jene, "denn du wirst keine Empfindung mehr haben." "Was also wird es mir ausmachen, von wilden Tieren zerfleischt zu werden, wenn ich keine Empfindung mehr habe?" Cicero. Tusculanae disputationes. I, 104.
Freimütiger dagegen, da er ja ein Kyniker war, antwortete Diogenes dem Alexander, als er ihn bat zu sagen, ob er etwas nötig habe: "Jetzt geh mir ein wenig aus der Sonne!" Offenbar war Alexander ihm, als er sich sonnte, vor das Sonnenlicht getreten. Cicero. Tusculanae disputationes. V, 92.
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Links
Diogenes SinopeDiogenes von Sinope: Wikipedia
Diogenes SinopeKlaus Bartels: "Der Alternative: Diogenes von Sinope, der «Hund»", Neue Zürcher Zeitung, Lebensart, 21.10.2000
Diogenes Sinope
Diogenes SinopeMichael Schefczyk: "Der Erfolg und sein Schatten. Diogenes, der Anti-Projektemacher - Auslegung einer Philosophen-Anekdote", Neue Zürcher Zeitung, Zeitfragen, 26.1.2002, Nr.21, S. 95
Diogenes SinopeKurt Steinmann: "Falschmünzer oder Umpräger? Diogenes, der philosophische Clown", Neue Zürcher Zeitung, 27.03.1999 Nr. 72, S. 78
Diogenes SinopeChristoph Martin Wieland: Nachlaß des Diogenes von Sinope
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Literatur
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laertius diogenes Diogenes Laertius: Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Hamburg: Meiner, 1998. Taschenbuch laertius
Diogenes Laertius: Leben und Lehre der Philosophen. Ditzingen: Reclam,1998. Taschenbuch, 580 Seiten diogenes
diogenes diogenes Heinrich Niehues-Pröbsting. Der Kynismus des Diogenes und der Begriff des Zynismus. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1996. 389 Seiten onfray
Michel Onfray: Der Rebell. Ein Plädoyer für Widerstand und Lebenslust. Klett-Cotta 2001. Gebunden, 336 Seiten diogenes
steinmann diogenes Kurt Steinmann: Das Leben des Diogenes von Sinope. Zürich: Diogenes, 1999. Taschenbuch, 89 Seiten weeber
Karl-Wilhelm Weeber: Diogenes. Nymphenburger 2004. 240 Seiten diogenes
weeber diogenes Karl-Wilhelm Weeber: Humor in der Antike. Ditzingen: Reclam, 2006. Broschiert, 134 Seiten  
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