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Galileo
Galilei 15. Februar 1564 Pisa – 8. Januar 1642 Arcetri bei Florenz – |
| 1473 * Nikolaus Kopernikus
(† 1543) 1546 * Tycho de Brahe († 1601) 15.2. 1564 Galilei wird in Pisa geboren 1571 * Johannes Kepler († 1630). 1572 Gregor XIII. wird Papst († 1585). 1574 Familie Galilei zieht nach Florenz 1575-79 Schüler im Kloster von Vallombrosa 1581-85 Student in Pisa |
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| 1583 erste
Beobachtungen zum Pendel; Studium der Geometrie 1585 Galilei kehrt nach Florenz zurück 1586 Galilei erfindet eine Waage für spezifisches Gewicht 1587 erste Reise nach Rom, Bekanntschaft mit Christoph Clavius, »Euklid seines Jahrhunderts« 1589 Galilei wird zum Professor in Pisa ernannt; 12. November Antrittsvorlesung 1590-91 Experimente am Turm von Pisa; Schrift De motu 1590 Wahl der Päpste Urban VII. und Gregor XIV. († 1591) 1591 † Galileis Vater Vincenzo; —— Galilei zieht nach Florenz – Innozenz IX. Papst († 1592) 1592 Galilei wird zum Professor in Padua ernannt; 7. Dezember Antrittsvorlesung —— Clemens VIII. Papst († 1605) 1593 Schriften: Traktat über Befestigungen – Traktat über Mechanik 1596 * René Descartes († 1650) 1597 Schrift: Traktat über die Himmelskugel oder Kosmographie 1600 * Galileis Tochter Virginia 1601 * Galileis Tochter Livia 1604 Galilei entdeckt die Gesetze der natürlichen Bewegungsbeschleunigung 1605 Päpste: Leo XI. und Paul V. († 1621) 1606 konstruiert ein Thermometer; —— im Eigenverlag erscheint: Die Operationen des geometrisch-militärischen Zirkels —— Lehramt in Padua wird verlängert; * Galileis Sohn Vincenzio 1609 Konstruktion eines Fernrohrs mit sechsfacher Vergrösserung, das er später bis auf 30-fache Vergrösserung steigerte; erste Himmelsbeobachtungen —— Cosimo II. Großherzog von Toscana († 1621) —— Lehramt in Padua wird auf Lebenszeit verlängert; 1610 entdeckt vier Jupiter-Monde—— Sidereus nuncius, deutsch: Nachricht von neuen Sternen —— Galilei wird zum Ersten Mathematiker und Philosophen des Großherzogs von Toscana ernannt (er verzichtet auf seine Lebensstellung in Padua) —— Übersiedlung nach Florenz —— Entdeckung des Saturn, der Sonnenflecken und der Venusphasen ab 1610 tritt Galilei öffentlich für das heliozentrische Weltsystem ein 1611 zweite Reise nach Rom; Clavius, den Galilei beim ersten Rombesuch 1587 kennen gelernt hatte, hatte inzwischen alle Beobachtungen Galileis aus dem Sidereus nuncius bestätigt und dies Kardinal Bellarmino mitgeteilt
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| 1612 Schrift: Diskurs
über die Dinge, die sich auf dem Wasser befinden 1613 Briefe über die Sonnenflecken —— entwickelte die Vorstellungen über das Verhältnis der Bibel zur Naturerkenntnis und vor allem zum heliozentrischen System ab 1613 publizierte Galilei in der Volkssprache Italienisch 1614 Kanzelrede des Dominikaners Caccini gegen Galilei 1616 dritte Reise nach Rom 1616 Verurteilung des Kopernikus durch die Inquisition und Verbot, den Heliozentrismus zu lehren |
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| “Die
erste Proposition [dass die Sonne das Zentrum des Planetensystems ist]
wurde einstimmig für philosophisch töricht und absurd und formal
häretisch erklärt, insofern sie ausdrücklich den Lehren der Heiligen
Schrift in mehreren Passagen widerspricht, sowohl ihrer buchstäblichen
Bedeutung nach als auch gemäß der allgemeinen Auslegung durch die
Kirchenväter und Gelehrten.” Das Heilige Ofiizium im ersten Urteil über Galileo Galilei |
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| 1617
Konstruktion eines binokularen Fernrohrs zur Längenbestimmung auf See
durch Galilei 1618 Erscheinen von drei Kometen – Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1620 † Mutter Galileis 1621 Ferdinand II. Großherzog von Toscana († 1670) bis 1627 vor- mundschaftliche Regierung durch die Großherzogin-Mutter Christina – Gregor XV. Papst († 1623) —— † Kardinal Bellarmino (* 1542) 1623 Urban VIII. Papst († 1643) —— Schrift: Saggiatore, ist Papst Urban VIII. gewidmet —— Galilei beginnt mit dem Dialogo —— * Blaise Pascal († 1662) 1624 vierte Reise nach Rom 1630 fünfte Reise nach Rom um die Druckgenehmigung für Dialogo dei Massimi Sistemi zu erhalten 1632 Dialogo sopra i due massimi sistemi, deutsch: Dialog über die beiden hauptsächlichen Weltsysteme —— erneute Vorladung Galileis vor die Inquisition; er muß reisen, obwohl ihm die Ärzte einen lebensgefährlichen Zustand bescheinigen 1633 Prozeß gegen Galilei 22.6. 1633 Galilei muss »seinem Irrtum« abschwören und wurde zu Hausarrest in seinem Landhaus in Arcetri verurteilt —— Aufenthalt in Siena; Rückkehr nach Arcetri 1634 Tod von Galileis Tochter Virginia (Suor Maria Celeste) in Arcetri 1635 Abschriften des verbotenen Dialogo kommen nach Deutschland; er wird ins Latein übersetzt und in Leiden gedruckt 1636 Thomas Hobbes besucht Galilei 1637 Galilei erblindet 1638 Discorsi e dimostrazioni matematiche (Leiden, Holland), deutsch: Unterredung und mathematische Demonstration über zwei neue Wissenszweige die Mechanik und die Fallgesetze betreffend —— John Milton besucht Galilei 1639 Vincenzo Viviani Hausgenosse Galileis 1641 Evangelista Torfcelli († 1647) Hausgenosse Galileis 1642 † Galilei 8. Januar in Arcetri bei Florenz 1643 * Isaac Newton († 1727) |
| 1835 Dialogo
wird vom Index gestrichen 1938 Bertolt Brecht: Leben des Galilei; Uraufführung Zürich 1943 1948 Max Brod: Galilei in Gefangenschaft; 1954 Gertrud von Le Fort: Am Tor des Himmels 1992 wurde Galilei von Papst Johannes Paul II. rehabilitiert |
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| Grabmal in der Domkirche Santa Croce in Florenz |
| Galileis bahnbrechende Erkenntnisse |
| Die Bedeutung Galileis kann kaum überschätzt werden. Nur wenige Themen angetippt: |
| Das Buch
der Natur ist in der Sprache der Mathematik
geschrieben „Die Philosophie ist in jenem großen Buch geschrieben, das ständig offen vor unseren Augen liegt (ich meine das Universum), das man aber nur verstehen kann, wenn man vorher die Sprache und die Buchstaben gelernt hat, in denen es geschrieben ist. Es ist in mathematischer Sprache geschrieben, und die Buchstaben sind Dreiecke, Kreise und andere geometrische Figuren, und ohne diese Hilfsmittel ist es unmöglich, auch nur ein Wort davon zu begreifen“ (G. Galilei: Opere. Edizione Nazionale Bd. VI, S. 232, hier zitiert nach: Lauth, Bernhard, Jamel Sareiter (2002): Wissenschaftliche Erkenntnis. Eine ideengeschichtliche Einführung in die Wissenschaftstheorie. Paderborn: Mentis, S. 45) |
| Daraus
folgt Galileis
Prinzip: Physikalische Phänomene sind durch mathematische Modelle zu beschreiben. (Lauth & Sareiter 2002, S. 46). |
| Befragung
der Natur Wenn die Natur nicht freiwillig auf unsere Fragen (z.B. durch unmittelbare Wahrnehmung) antwortet, dann wird man ihr mit einem Experiment die Geheimnisse entreißen. Das Experiment übernimmt in den empirischen Disziplinen der Wissenschaft die "Richterrolle" über verschiedene Theorien. Ein gutes Jahrhundert später stellt Immanuel Kant die Vernunft vor den „Gerichtshof der Vernunft“ (Kritik der reinen Vernunft, B779). Die Vernunft ist dort zugleich Richter und Angeklagte. Das Experiment stellt die Frage an die Natur, die Natur selbst antwortet. Aristoteles setzte zwar auch schon die Erfahrung in den Mittelpunkt seiner Überlegungen, doch seine Anhänger praktizierten es jahrtausendelang anders. Auf dem Höhepunkten des starren, dogmatischen Aristotelimus schaute man – um Erkenntnis zu gewinnen – bei Aristoteles nach. Anstelle der Bücher des Aristoteles setzte Galilei die Natur als unmittelbare Quelle. Galilei begründet damit die exakten Erfahrungswissenschaften neu. |
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