Rupert Sheldrake ist Biologe.
*1942, Studium der Biochemie, Botanik, Philosophie und Wissenschaftsgeschicht
an der Harvard University und in Cambridge; derzeit ist er freier
Wissenschaftler. Seine These lautet, "daß ein formbildender Einfluß
in der Natur am Werk ist, der die Eigenschaft hat, sich entwickelnde
Organismen, Gesellschaften, die geistige Tätigkeit und so weiter zu
gestalten, und daß er ein immanentes Gedächtnis hat" (309). Dazu
postuliert er die Existenz morphogenetischer Felder, die Raum und Zeit kausal
überbrücken: "Sie enthalten ein eingebautes Gedächtnis, das
durch Selbstresonanz mit der Vergangenheit einer morphischen Einheit und durch
morphische Resonanz mit allen vorherigen ähnlichen Systemen gegeben ist.
Diese Gedächtnis ist kumulativ" (20-21). Starker Tobak, fürwahr! Doch
neuartige Hypothesen sollte man nicht nur deswegen verwerfen, weil sie zu
bizarr sind. Sheldrake erhält im ersten Abschnitt des Buches Gelegenheit,
seine Thesen zu erläutern und zu untermauern. Es zeigt sich: winzige,
unerklärliche Alltagsbegebenheiten veranlassten Sheldrake zu seiner
Theorie.
- Da sind die Hunde, die zur Tiere gehen, wenn Herrchen
irgendwo entfernt sich auf den Nachhauseweg macht. Es zeigt sich,
daß dieses Phänomen keineswegs empirisch gesichert ist. Ich frage
mich, warum der Hund schon zur Türe rennt, wenn Herrchen 30 km entfernt
zum Mittelklassewagen geht.
- Da ist das Phänomen, das man angeblich merkt, wenn man
(unbemerkt) angestarrt wird. Unter wissenschaftlichen Bedingungen konnte
dieser Effekt noch nicht nachgewiesen werden (Sheldrakes Beteuerungen zum
Trotz).
Anschliessend zu Sheldrakes Einführung in seine
Theorienwelt erhalten dreizehn Wissenschaftler Gelegenheit, sich damit
auseinanderzusetzen. Die Beiträge sind fundiert, wenn auch meist zu
Sheldrake-freundlich; aber das mag an meiner subjektiven Einstellung liegen.
Fundiert heißt: seine Thesen werden nicht einfach vom Tisch gewischt,
sondern hinterfragt. Dabei stellt sich heraus,
- daß sie auf dünnem Boden stehen und
- daß sie zur Erklärung der meisten angeführten
Phänomene nicht nötig sind.
Hervorzuheben sind die Kurzbiografien der Autoren, die man
aufgrund ihres Werdeganges doch einordnen kann und das zehnseitige
Literaturverzeichnis. Das Buch ist gut geeignet, sich mit Sheldrakes Position
auseinanderzusetzen. Eine weitere Rezension im Skeptiker. Zeitschrift
für Wissenschaft und kritisches Denken. 1/00 (2000). S. 58. |