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Wissenschaftstheorie
Jürgen Mittelstraß, Hg.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie
Gesamtwerk in acht Bänden
Stuttgart: Metzler, 2010. 2., neubearbeitete und wesentlich ergänzte Auflage. Gebunden
rezension Linksrezension Literatur
Mitte der siebziger Jahre – als in den Büros gerade die ersten Bildschirme auf den Schreibtischen landeten – kam die Rede vom papierlosen Büro auf. Vor wenigen Jahren erklärte man Enzyklopädien und Lexika in Buchform für Auslaufmodelle. All diese Prophezeiungen erwiesen sich als falsch. Trotz Enzyklopädien auf CD und DVD erleben vor allem die Speziallexika auf Papier immer neue Auflagen, so auch die bewährte Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Seit einigen Jahren wird sie als achtbändiges Werk konzipiert und fünf Bände davon sind schon lieferbar.
Editionsplan:
Band 1: A-B (lieferbar)
Band 2: C-F (lieferbar)
Band 3: G-Inn (lieferbar)
Band 4: Ins - Loc (lieferbar)
Band 5: Log-N (lieferbar)
Band 6: O-Ra (lieferbar)
Band 7: Re-Te (?)
Band 8: Th-Z (?)
Kaum jemand wird sich nur einen Band der Enzyklopädie zulegen, wenn doch, so wäre Band 6 O–Ra die richtige Wahl.
Sehr viele verheißungsvolle Artikel liegen im Bereich „O–Ra”. Denken wir nur an „Paradigma”, „Philosophie” mit Teildisziplinen, „Quantentheorie” und „Rationalität”. Bevor ich ins Schwärmen gerate, einige nüchterne Tatsachen.
Auf 616 Seiten werden Themen aus Philosophie, Wissenschaftstheorie und Wissenschaft aufbereitet. Der enzyklopädische Charakter hat gegenüber lexikalischen Einträgen den Vorteil, dass jeder Artikel eine fundierte und umfangreiche Einführung in das jeweilige Stichwort liefert. Ein Beispiel: der Artikel „Rationalität” umfasst 14 Seiten, fürs „Rationalitätskritierium” folgt ein eigener Artikel.
Beim andauernden Mammutprojekt, der auf acht Bände angelegten  Enzyklopädie (es wird knapp für „Re” bis „Zy”) bleibt es nicht aus, dass man das Eine oder Andere  un– oder unterbelichtet sieht (trivialer Scherz, siehe Artikal „paradox”). Ich vermißte „Pseudowissenschaft” und unter „Probabilismus” Richard C. Jeffrey als dessen vielleicht härtester Vertreter. Ich ergänze:
  • Probability and the Art of Judgment. Cambridge UP, 1992
  • Subjective Probability: The Real Thing. Cambridge UP, 2004.
(Vielen Studierenden ist Richard C. Jeffrey  wohl aus Mitherausgeber von George S. Boolos,  Richard C. Jeffrey: Computability and Logic. 4., erw. Aufl. Cambridge: Cambridge UP, 2002. bekannt.)
Reichhaltig und lehrreich präsentiert sich Band 6 der Enzyklopädie. Die Artikel eignen sich zum Studieneinstieg als auch zum Nachschlagen. Ein bestimmtes Basiswissen wird allerdings vorausgesetzt. Höchst empfehlenswert (gilt für alle bisherigen Bände).
Im Juni 2013 erschien etwas verzögert Band 5 Log-N der Enzyklopädie. Die sorgfältige Bearbeitung aller Einträge auf den neuesten Stand und die Ergänzung durch neue Stichworte erfordert viel Zeit. Viele bedeutende Wortfelder werden in diesem Band – wie immer gründlich und kompetent –beandelt. Ich nenne: „Logik“, „Materialismus“, „Menge“, „Meta–“ und „Natur“.
Im Dezember 2010 kam Band 4 Ins-Loc auf den Markt. Unter der bewährten Herausgeberschaft von Jürgen Mittelstraß haben eine Reihe kompetenter Autoren die Artikel wesentlich erweitert, bearbeitet und ergänzt. Der Verlag meldet für die Neuausgabe von Ins bis Loc über 60 neue Artikel. Mir fielen unter den zusätzlichen Einträgen besonders „Kalkül des natürlichen Schließens“ und „Kognitionswissenschaft“ positiv auf. Einige Artikel wurden erheblich erweitert, man schaue sich nur mal „Konjunktion“, „Konjunktor“ und das „Leib-Seele-Problem“ an.
Gegenüber der 4-bändigen Vorgängerausgabe wurden die Texte und Bibliografien durchgesehen und ergänzt. Unter der Literatur zu „Kausalität“ findet man nun Judea Pearl: Causality, die Literaturhinweise zum Leib-Seele-Problem haben sich nahezu vervierfacht. Merkwürdigerweise fehlt z. B. der aktuelle „Kontextualismus“ aus der Erkenntnistheorie.
Auch die vorherigen drei Einzelbände wurden gründlich überarbeitet. So wurde beispielsweise der ursprünglich von H.R. Ganslandt verantwortete Artikel „Fallibilismus“ von Martin Carrier, Universität Bielefeld, behutsam erweitert. Die in der alten Ausgabe knappen Literaturangaben wurden erheblich ergänzt.
Es stellen sich zwei Fragen:
• Lohnt sich die Neuanschaffung für denjenigen, der schon die vierbändige alte Ausgabe im Regal hat?
• Und für denjenigen, der sich ganz neu ein Philosophielexikon zulegen will?
Die Antwort lautet auf beide Fragen: Ja.
Im zweiten Fall kann man prüfen, ob nicht auch die dreibändige Enzyklopädie Philosophie, herausgegeben von Hans Jörg Sandkühler, Hamburg: Meiner, 2010 (siehe rezension Literatur) genügt. Allerdings sollte man beachten, dass in der achtbändigen Enzklopädie ein Schwerpunkt auf der Wissenschaftstheorie liegt (was ich als Vorteil ansehe). Neben einem Eintrag zu „Kleene“ findet man aber selbstverständlich auch „Lenin“.
Wer auf dem Gebiet der Philosophie und Wissenschaftstheorie forscht, sei es vom Fach oder als Historiker, Geistes- oder Naturwissenschaftler oder als ernsthafter Amateur, wird sich für die achtbändige Enzyklopädie entscheiden.
Einziger Wermutstropfen: der Editionsplan (siehe rezension oben) geht noch bis September 2014.
Links
WissenschaftstheorieJürgen Mittelstraß (Hrsg.) Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie Gesamtwerk in acht Bänden (Metzler Verlag)
WissenschaftstheorieZentrum Philosophie und Wissenschaftstheorie, Uni Konstanz
Prof. Dr. Jürgen Mittelstraß: WissenschaftstheorieUniversität KonstanzWissenschaftstheorieWikipedia
Wissenschaftstheorie Wolfgang Balzer: Die Wissenschaft und ihre Methoden: Grundsätze der Wissenschaftstheorie. Ein Lehrbuch
Wissenschaftstheorie Bernhard Lauth, Jamel Sareiter: Wissenschaftliche Erkenntnis. Eine ideengeschichtliche Einführung in die Wissenschaftstheorie
Wissenschaftstheorie Jürgen Mittelstraß, Hg.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, 4 Bde
Literatur
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Mittelstrass MittelstrassJürgen Mittelstraß, Hg.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Gesamtwerk in acht Bänden. Stuttgart: Metzler, 2005-14. 2., neubearbeitete und wesentlich ergänzte Auflage. Gebunden, ca. 4750 Seiten
Mittelstrass MittelstrassJürgen Mittelstraß, Hg.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Gesamtwerk in acht Bänden. Bd. 1: A – B. Stuttgart: Metzler, 2005. Gebunden, 560 Seiten Mittelstrass
Jürgen Mittelstraß, Hg.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Gesamtwerk in acht Bänden. Bd. 2: C – F. Stuttgart: Metzler, 2005. Gebunden, 600 SeitenMittelstrass
Mittelstrass Mittelstrass Jürgen Mittelstraß, Hg.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Gesamtwerk in acht Bänden. Bd. 3: G – Inn. Stuttgart: Metzler, 2008. Gebunden, 620 Seiten Mittelstrass
Jürgen Mittelstraß, Hg.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Gesamtwerk in acht Bänden. Bd. 4: Ins – Loc. Stuttgart: Metzler, 2010. Gebunden, 595 SeitenMittelstrass
Mittelstrass Mittelstrass Jürgen Mittelstraß, Hg.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Gesamtwerk in acht Bänden. Bd. 5 Log-N. Stuttgart: Metzler, 2013. Gebunden, 629 Seiten Mittelstrass
Jürgen Mittelstraß, Hg.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Gesamtwerk in acht Bänden. Bd. 6 O-Ra. Stuttgart: Metzler, 2015. Gebunden, 618 SeitenMittelstrass
sandkuehler
Hans Jörg Sandkühler: Enzyklopädie Philosophie. Hamburg: Meiner, 2010. 3 Bände. Gebunden, 3000 Seiten.Mittelstrass
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Wissenschaftstheorie
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