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John
Cook, Stephan Lewandowsky: The
Debunking Handbook
St. Lucia, Australia: University of Queensland, 2011. 9 Seiten – Links
– Literatur
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Wenn man im
Internet (oder sonstwo) diskutiert trifft man sehr schnell auf
Dogmatiker, Anhänger von Mythen und Verschwörungstheorien. Man selbst
glaubt an die Überzeugungskraft von Argumenten und läuft gegen eine
Wand oder kommt vom Hundersten ins Tausendste. Soll man also den
folgenden Rat
(unbekannten Ursprungs, siehe Zitate)
befolgen?„Don't argue with idiots. They drag you down to their level and beat you because they're playing on home ground.“ |
| Die Psychologen haben ein kurzes, aber sehr wertvolles Handbuch erstellt um Mythen zu entlarven: The Debunking Handbook. Um das Zerstören oder Widerlegen von Mythen ranken sich ebenfalls Mythen. Mit diesen räumen die beiden Autoren gestützt auf zahlreiche Untersuchungen auf. Auch ich hing bis zum Lesen dieses Handbuchs dem falschen Modell des Informationsdefizits an. |
| Schuss nach hinten – Bumerang-Effekt – »backfire effect« |
| Die Diskussion gegen Vorurteile ist nicht so einfach wie man denkt (und ich dachte). Wenn man die Ergebnisse psychologischer Forschung missachtet erreicht man oft das Gegenteil, einen Schuss nach hinten, einen Bumerang-Effekt (»backfire effect«). |
| Informationsdefizitmodell – »information deficit model«, oder nur »backfire effect« |
| Die
weitverbreitete Annahme ist: derjenige, der unberechtigte Vorurteile
hat oder einer Verschwörungstheorie anhängt ist uninformiert, es fehlt
ihm nur die richtige Information. Daraus folgert man: wenn man diese
Information gibt, wird derjenige sein Vorurteil aufgeben, er wird – ja
muss – sich überzeugen lassen. Falsch Es ist viel schwieriger Leute zur Aufgabe ihrer Vorurteile zu bewegen. |
| Wiederholungsfehler – »familiarity backfire effect« |
| Wenn man
ein Vorurteil oder einen Mythos entlarven will, wiederholt man es
thesenartig und fährt dann fort, es durch korrekte Information (nach
dem
Informationsdefizitmodell, siehe oben) und argumentativ zu widerlegen.
Die Annahme des Informationsdefizitmodells ist dann schon der
zweite Schuss, der nach hinten los geht. Bereits die thesenartige
Benennnung des Vorurteils kann das Vorteil oder den Mythos verstärken.
Das wäre genau der gegenteilige Effekt zu dem, den man beabsichtigt. Besser: Vermeide es den Mythos zu wiederholen. Konzentriere dich dagegen auf die Fakten, die dagegen sprechen. Craig Silverman gibt ein Beispiel. Es gibt den Mythos, dass Barack Obama muslimisch ist. Nun wäre es für Obama, um dem entgegen zu treten, nicht so gut zu verkünden: “I am not a Muslim”, sondern besser gleich zu betonen: “I am a Christian”. Wenn man es nicht vermeiden kann, das Vorurteil selbst zu nennen, dann beginne man mit einer vorausgehenden Warnung, die extra betont, dass das, was jetzt kommt, falsch ist. |
| Weniger ist mehr – »overkill backfire effect« |
| Um ein
Vorurteil zu widerlegen führte ich bisher immer möglichst viele
gegenteilige Fakten und Argumente an, in der Annahme, eines müßte dem
anderen doch einleuchten und dann wäre der Tag gerettet. Falsch Studien zeigen, dass dabei weniger mehr sein kann. Ein einfaches Vorurteil ist attraktiver als eine Fülle von Tatsachen und Argumente. Daher der Rat: man benutze einfache Spache, kurze, verständliche Sätze und wenige Kerntatsachen. Wenn man schriftlich vorgeht, dann empfehlen sich Zwischenüberschriften und gut gegliederter Text. Vor allem vermeide man überzogene Ausdrücke und herabwürdigende Spache. |
| Grafik statt Worte |
| Vorteilhafter als viele Worte ist eine Grafik. Wenn es geht, sagt oder schreibt man nicht, dass 95 % der Experten der These A zustimmen, sondern man legt eine Grafik auf, in der von 100 Leuten 95 farblich hervorgehoben sind. |
| Weltsicht ist schwer erschütterbar – »worldview backfire effect« |
| Die höchste
Hürde in Diskussionen dieser Art ist die Weltsicht des
Diskussionspartners, besonders, wenn sie seine Identität (national,
regional, religiös, beruflich, usw.) begründet. Da ist zum einen das Bestätigungsvorurteil – »confirmation bias«. Man nimmt bevorzugt Informationen auf, die die eigenen Vorurteile bestätigen, diejenigen, die sie widerlegen oder zweifelhat erscheinen lassen, werden ignoriert oder entkräftet (nicht relevant, unbedeutend, laienhaft, usw.) Das wird als »disconfirmation bias« bezeichnet. Wenn beispielsweise Mediziner Argumente für das Impfen vorbringen (meist tappen sie zuerst ins Informationsdefizitmodell und wollen die Thesen der Impfgegner durch Fakten erschüttern; das ist – wie oben gezeigt wurde – problematisch), dann werden diese Mediziner als Zöglinge der Pharmaindustrie desavouiert. Ihr Argumentation für das Impfen bekräftigt geradezu, dass Impfen nur für die Pharmaindustrie vorteilhaft ist. |
| Der Rat der
beiden Autoren des Debunking
Handbook ist hier, dass man den Selbstbestätigungseffekt
ausnutzt, den »self-affirmation
effect«. Man sucht Sachverhalte, die
dem Diskussionspartner genehm sind, beruft sich auf Werte, die dem
anderen wichtig erscheinen und bereitet so den Boden für die folgende
Erschütterung seiner Weltsicht. Schon eine andere Wortwahl kann helfen. Man spricht nicht von Steuer sondern von einer Abgabe. Diese Methode beherrschen Politiker oft ausgezeichnet. Sie sprechen nicht von der Steuer, sondern vom Solidaritätszuschlag (wer will schon unsolidarisch sein?) oder von einer Pkw-Maut für Ausländer, obwohl diese von allen erhoben wird und damit einer Steuererhörung für Autofahrer gleichkommt. |
| Lückenfüller – »filling the gap« |
| Wenn man des anderen Weltsicht erschüttert oder ihm – bescheidener – ein Vorurteil nimmt, ist es vorteilhaft dafür eine Alternative zu geben. US-Untersuchungen zeigten, dass eine Jury weniger oft einen Schuldspruch erläßt, wenn man statt des Angeklagten eine andere Person als möglichen Täter in die Verhandlung einbringt. |
| Infragestellung der Quelle des Vorurteils |
| Als letzten Punkt führen die beiden Psychologen an, es kann vorteilhaft sein, den Verdacht auf die Quelle des Vorurteils zu lenken. Das erscheint mir schwer umsetzbar, da man diese Quelle meist nicht kennt; ein Vorurteil sich aus vielen Quellen über viele Jahre speist und oft schon in der Jugend entsteht. Die Quellen sind diffus oder nicht mehr feststellbar. Zuletzt kollidiert dieser Rat wieder mit dem oben diskutierten Wiederholungsfehler. |
| Die
Autoren fassen ihre Ratschäge zum wirksamen
Widerlegen von Mythen zusammen: • Schwerpunkt auf wenige Tatsachen und nicht auf den Mythos • Bevor man den Mythos wiederholt: expliziter Hinweis auf seine Falschheit • Alternative Erklärung um die Lücke zu füllen • Grafik wo immer möglich. |
| Zuerst
glaubte ich nur einen Teil des Downloads zu haben. Die 9 Seiten sind
aber alles. Sie bringen wertvolle Tipps für die Diskussion mit Leuten,
die sich gerne rational geben aber gegenüber schlüssigen Argumente
immun sind. Die Tipps von Cook & Lewandowsky sind mehr als Gold wert. |
| Links |
| Debunking
Handbook: |
| backfire effect |
| Hubert Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zum subversiven Denken |
| Verschwörungstheorie:
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| Literatur |
| Diethelm, Pascal, Martin McKee (2009): “Denialism: what is it and how should scientists respond?”. European Journal of Public Health 19:1, S. 2-4. |
| Herrmann, Sebastian (2012): „Wie man Starrköpfe überzeugt. Nur mit Fakten lassen sich Mythen und Irrtümer kaum aus der Welt schaffen – aber Psychotricks können helfen“. SZ, 1.2., S. 16 |
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John Cook,
Stephan
Lewandowsky: The
Debunking Handbook. St. Lucia, Australia: University of
Queensland, 2011. 9 Seiten Online verfügbar: |
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