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Aristoteles
Christoph Rapp, Klaus Corcilius, Hg.: Aristoteles-Handbuch: Leben - Werk - Wirkung
Stuttgart: Metzler. 2011. Gebunden, 542 Seiten – Aristoteles LinksAristoteles Literatur
Sokrates, Platon, Aristoteles: am Anfang der abendländischen Philosophie stehen drei recht unterschiedliche Giganten. Zum vielseitigsten der drei Denker, Aristoteles, gibt es zwar einige Einführungen, ein aktuelles umfassendes Werk fehlte bislang.
In der bewährten Handbuchreihe wurde diese Lücke nunmehr geschlossen.
Das Werk gliedert sich in
I. Leben
II. Vorgänger
III. Werk
IV. Themen
V. Wirkung
VI. Anhang
Im IV. Abschnitt werden 44 Themen vorgestellt, mit denen sich Aristoteles besonders auseinandersetzte, von „Akt und Potenz“ bis „Zeit“.
Aristoteles Einfluss auf Philosophie und die Wissenschaften war immens. Der Wirkungsgeschichte wird daher zurecht breiter Raum gegeben (V. Abschnitt). Sie ist teilweise kurios.
Im 6. bis ins 11. Jhdt. war Aristoteles Grundlage, ohne dass man über seine Schriften verfügte. Erst dann wurden die Schriften mittels mehrmaliger Übersetzung durch den Kontakt mit den Arabern wieder zugänglich. Als die Werke dann in Latein vorlagen, von Averroes wirkungsmächtig kommentiert, wurden viele der Aristotelischen Thesen von Bischof Étienne Tempier 1270 und 1270 öffentlicht verurteilt (siehe Pariser Verurteilungen, Aristoteles Links). Trotzdem galt bis weit in die Renaissance der Aristotelismus als Schulphilosophie. Das ging so weit, dass man nur das gelten ließ, was bei Aristoteles nachzulesen war.
Galileo Galilei zählte sich zu Aristoteles' Anhänger (S. 437). Das hinderte ihn nicht seinen Simplicio über die Aristotelesgläubigkeit spotthaft äußern zu lassen: 
„Es ist kein Zweifel, dass, wer diese Kunst versteht, aus seinen Büchern die Beweise für alles Erkennbare schöpfen kann; denn in ihnen ist alles enthalten“.
Galileo Galilei: „Dialog über die beiden hauptsächlichen Weltsystem, das ptolemäische und das kopernikanische“. In: Mudry 1987, Bd. I, S. 207
Aristoteles prägte die Literatur- und Theaterwissenschaft, Linguistik, Politik, Recht, Biologie und die Gesellschaftwissenschaften. In der Wissenschaftstheorie begründete er die Definitionslehre und die Auffassung von Theorien als Menge von Aussagen. Dieser Auffassung wurde erst in der zweiten Hälfte  des 20. Jhdts. die strukturalistische Auffassung wissenschaftlicher Theorien entgegengesetzt. Argumentationsweisen und die Grundlagen der Logik gehen ebenfalls auf Aristoteles zurück. In der Logik wurde er erst im späten 19. Jhdt. von Gottlob Frege und anderen abgelöst. Das geschah dann so radikal, dass Bertrand Russell befand: „Any person in the present day who wishes to learn logic, will be wasting his time if he reads Aristotle or any of his disciples“ (Russell 2008 S. 194; Rapp & Corcilius S. 481).
Aristoteles formulierte den Satz vom Widerspruch (S. 192, u.a.) und den Satz vom ausgeschlossenen Dritten (S. 48). Beide hielt er für fundamental und nicht hinterfragbar. Er formulierte als Erster die Korrespondenztheorie der Wahrheit (S. 481). Der sehr ausführliche Sachindex läßt diese noch immer plausible Wahrheitauffassung nur schlecht finden. Bischof Tempier taucht dort überhaupt nicht auf. Ansonsten ist der Index vorbildlich.
Jeder einzelne Beitrag hat ein aktuelles Literaturverzeichnis. Der Anhang enthält eine  gegliederte Auswahlbibliographie die weitere Sachliteratur erschließt.
Die beiden Ziele des Handbuchs: Darstellung des Stands der Forschung zu Aristoteles und Aristotelismus und Erleichterung des Zugangs zu den Gedanken des bedeutenden Philosophen und Wissenschaftlers, werden voll erfüllt. Für Wissenschaftler und Studierende haben die Herausgeber und zahlreichen Autoren ein hoch willkommenes Werk vorgelegt.
Links
AristotelesAristoteles
AristotelesDas Aristoteles Projekt
AristotelesPariser Verurteilungen
Aristoteles Anmerkungen zur Rhetorik und informalen Argumentationstheorie
Aristoteles Simon Grynaeus
Aristoteles Stevenson, Leslie, David Haberman, David: Zehn Theorien zur Natur des Menschen: Konfuzianismus, Hinduismus, Bibel, Platon, Aristoteles, Kant, Marx, Freud, Sartre, Evolutionstheorien
Aristoteles "Was ist Wahrheit?"- Überblick zu aktuellen Wahrheitstheorien
Aristoteles Zitate von Aristoteles
Literatur
Mudry, Anna, Hg. (1987): Schriften, Briefe, Dokumente. 2 Bände. Berlin: Rütten & Loening.
Russell, Bertrand (2008): History of Western Philosophy. London: Routledge. [1946]
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Rapp AristotelesChristoph Rapp, Klaus Corcilius, Hg.: Aristoteles-Handbuch: Leben - Werk - Wirkung. Stuttgart: Metzler. 2011. Gebunden, 542 Seiten
Buchheim Aristoteles Thomas Buchheim: Meisterdenker: Aristoteles. Wiesbaden: Panorama, 2004. Broschiert, 208 Seiten Corcilius
Klaus Corcilius: Aristoteles: Einführung und Texte. Stuttgart: UTB, 2012. Broschiert. 160 Seiten Aristoteles
Detel AristotelesWolfgang Detel: Aristoteles: Grundwissen Philosophie. Stuttgart: Reclam, 2011. Taschenbuch, 162 Seiten Höffe
Otfried Höffe: Aristoteles. München: Beck, 2006. Broschiert, 327 Seiten Aristoteles
Höffe AristotelesOtfried Höffe: Aristoteles: Die Hauptwerke: Ein Lesebuch. Francke, 2009. Gebunden, 560 Seiten Aristoteles
Christian Mueller-Goldingen: Aristoteles - Eine Einführung in sein philosophisches Werk. Olms, 2003. Taschenbuch, 180 Seiten Aristoteles
Aristoteles Anfang

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