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Peter Achinstein: The Book of Evidence
New York: OUP, 2003. Broschiert, 290 Seiten – Achinstein LinksAchinstein Literatur
Peter Achinstein ist mit einigen Positionen zur Beziehung zwischen Beleg („evidence”) und Hypothese (Theorie) unzufrieden. Er arbeitet seine Position detailliert aus. Ihr liegt eine objektive epistemische Wahrscheinlichkeit zu Grunde. Zuerst Vorbemerkungen und Abkürzungen:
Vorbemerkungen
  • Für den zentralen Begriff „evidence” verwende ich „Beleg” oder „Grund”, da Evidenz im Deutschen etwas anderes meint: das unmittelbar Einsichtige.
  • Peter Achinstein = PA
  • p(x): Wahrscheinlichkeit für x
  • Während im Englischen eine feine Unterscheidung zwischen "belief" und "faith" möglich ist (um diese Unterschiedung klar zu machen muss im Deutschen der Glaube ergänzend qualifiziert werden), fehlt eine Unterscheidung zwischen "glauben" und "meinen" auf der einen Seite und "fest überzeugt sein" auf der anderen. PA verwendet "belief" im Sinne von fester Überzeugung und kommt dadurch in Diskrepanz mit Positionen, die unter "belief" die ganze Palette der Glaubensgrade (Wahrscheinlichkeiten) von > 0 bis < 1 (Wissen) einbeziehen.
PA wendet sich gegen die Bayesianische Position und die hypothetisch-deduktive Auffassung von Beleg.
Bayesianische Position
Damit e ein Beleg für die Hypothese h ist, ist es notwendig und ausreichend, wenn e die Wahrscheinlichkeit für h gegenüber der Wahrscheinlichkeit ohne e erhöht.
Hypothetisch-deduktive Position
Damit e ein Beleg für die Hypothese h ist, genügt es, wenn e von h deduktiv abgeleitet werden kann.
Demgegenüber verteidigt PA für den Beleg e für eine Hypothese h ein Schwellenkonzept, bezogen auf eine objektive epistemische Wahrscheinlichkeit.
p(h | e) > 1/2
Der Beleg e muss einen guten Grund („good reason”) für die Überzeugung darstellen. Das ist nur dann der Fall, wenn e kein ebenso starker (guter) Grund für nicht-h oder für eine zu h inkompatible Proposition ist. Daher muss k = 1/2 sein, d. h.  p(h | e) > 1/2. (S. 116).
Im 7. Kapitel ergänzt PA: damit e ein Beleg für h ist, muss zwischen e und h eine erklärende Verbindung bestehen.
PA erläutert seine Position Schritt für Schritt und unterwirft sie der Prüfung durch die wissenschaftliche Praxis und der bekannten Paradoxien und Probleme:
  • Lotterieparadox
  • Raben Paradox
  • Grue-Paradox (Nelson Goodman)
  • „old evidence”
PA schreibt ausführlich, genau und verständlich. Der Ausführlichkeit und Genauigkeit sind gelegentlich komplizierte Sätze geschuldet, wie beispielsweise dieser: „When different studies yield conflicting results strategies 2–5 may generate the claim that, despite these conflicting results, the evidence, considered as a whole, does support (or disconfirm) a certain hypothesis.” (S. 124) Er belegt seine Ausführungen mit zahlreichen Beispielen aus der Geschichte der Wissenschaften.
Dem vorherrschenden Bayesianismus (z.B. Mark Kaplan: Decision Theory as Philosophy) setzt PA eine objektive Wahrscheinlichkeitsauffassung entgegeben. Seine umfassende Darstellung zur Frage, was als eine angemessene Begründung von Hypothesen gelten kann, macht The Book of Evidence für alle Wissenschaftler lesenswert; selbstverständlich auch für alle Philosophen und Wissenschaftstheoretiker.
Links
Peter Achinstein: AchinsteinJohns Hopkins University – Wikipedia: AchinsteindeutschAchinsteinenglisch
AchinsteinEvidence [Internet Encyclopedia of Philosophy]
AchinsteinEvidence (Stanford Encyclopedia of Philosophy)
AchinsteinRottschaefer, Bill: „Is Analytic Philosophy of Science Any Help to Science? The Case of Peter Achinstein’s Book of Evidence”
Achinstein Bibliografie zum Lotterie-Paradox und Vorwort Paradox
Achinstein Hempels Paradox oder Das Raben Paradox oder Bestätigungsparadox
Achinstein Mark Kaplan: Decision Theory as Philosophy
Achinstein Literatur zu Hempels Paradox
Achinstein Lotterie-Paradox und Vorwort-Paradox
Literatur
Hudson, Robert G. (2004): „Review: The Book of Evidence. Peter Achinstein”. Dialogue 43:1, S. 184-186.
Hunter, Daniel (1996): „On the Relation Between Categorical and Probabilistic Belief”. Noûs 30:1, S. 75-98.
Levi, Isaac (1973): Gambling with Truth: An Essay on Induction and the Aims of Science. Cambridge, Mass., London: MIT.
Maher, Patrick (1996): „Subjective and Objective Confirmation”. Philosophy of Science 63.2, S. 149-174.
Plantinga, Alvin (1993): Warrant and Proper Function. Oxford: Oxford UP.
Psillos, Stathis (2004): „Review: The Book of Evidence by Peter Achinstein”. Philosophy and Phenomenological Research 68:3, S. 740-743.
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Achinstein AchinsteinPeter Achinstein: The Book of Evidence. New York: Oxford UP, 2003. Broschiert, 290 Seiten
Morgan AchinsteinGregory J. Morgan, Hg.: Philosophy of Science Matters: The Philosophy of Peter Achinstein. New York: Oxford UP, 2011. Gebunden, 300 Seiten achinstein
Peter Achinstein: Evidence, Explanation, and Realism: Essays in Philosophy of Science. Oxford UP, 2010. Gebunden, 310 Seiten Achinstein
Achinstein AchinsteinPeter Achinstein, Hg.: Science Rules: A Historical Introduction to Scientific Methods. Johns Hopkins UP, 2004. Taschenbuch: 440 Seiten achinstein
Peter Achinstein: Scientific Evidence: Philosophical Theories and Applications. John Hopkins UP, 2005. Gebunden, 304 Seiten Achinstein
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