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Gigerenzer
Gerd Gigerenzer: Das Einmaleins der Skepsis.
Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken
[Calculated Risks: How to Know When Numbers Deceive You] Michael Zillgitt, Übs.
Berlin: Btv, 2004. Broschiert, 406 Seiten
Statistik und Wahrscheinlichkeit, kenne ich sehr gut; also lese ich Das Einmaleins der Skepsis mal rein zum Vergnügen über das Unverständnis der anderen. Pfeifendeckel, auch ich fand neue und überraschende Erkenntnis.
Gigerenzer zeigt, daß man im Umgang mit Zahlen, vor allem mit Prozenten und Wahrscheinlichkeiten, zu schnellgläubig ist. Anhand zahlreicher Beispiele leuchtet das jedem Leser ein. Dabei hat Gigernzer zwei Anwendungsschwerpunkte: Gesundheit / Medizin und Straftaten / Kriminalität. Mit Fehldiagnosen und trügerische Sicherheiten räumt der Autor gründlich auf. Dabei schüttet er nicht das Kind mit dem Bade aus, sondern macht auf versteckte Denkfallen aufmerksam und ermuntert zur Überprüfung von Zahlen der (vermeintlichen) Experten.
Man merkt, daß der Autor lange Zeit in den USA gelehrt hat. Er
  • vermittelt die manchmal schwierigen Sachverhalte scheinbar spielerisch an vielen Beispielen und in einer Sprache, die jeder versteht;
  • nennt die Sachverhalte ohne wenn und aber; er zeigt keine Angst vor Medizinern, Politikern oder Juristen;
  • stellt am Ende jedes Kapitels die Frage: "Wie lässt sich diese Situation verbessern?" und er gibt darauf eine Antwort.
Ein Beispiel:
Gigerenzer bescheinigt dem bayerischen Innenminister bezüglich Marihuana vernebeltes Denken.
Auch politische Entscheidungsträger leiden zuweilen an Zahlenblindheit, das heißt an mangelndem Zahlenverständnis. Beispielsweise äußerte sich ein bayerischer Innenminister einmal über die Gefahren des Drogenmissbrauchs und erklärte, weil die meisten Heroinabhängigen Marihuana geraucht hätten, würden die meisten Marihuanaraucher auch zu Heroinsüchtigen. ... In der Tat haben die meisten Heroinsüchtigen Marihuana geraucht; ... Aber das bedeutet nicht, dass die meisten Marihuanaraucher auch heroinsüchtig sind [oder es werden; H.H], denn der eben erwähnte Hauptanteil der Heroinsüchtigen umfasst ja nur einen kleinen Anteil der Marihuanaraucher. Ausgehend von seiner falschen Schlussfolgerung forderte der Innenminister, Marihuana müsse daher verboten bleiben. Wie immer man zur Frage der Legalisierung von Marihuana steht - die Folgerung des Minister rührte von »vernebeltem Denken« her. – S. 41-42
Ein Nebellüfter für mich war insbesondere das Kapitel 10 "Der genetische Fingerabdruck" und der Kategorie-Effekt (S. 265ff). Didaktisch sehr gut schildert Gigerenzer das Monty-Hall-Problem, auch als Drei-Kasten-Problem, Gefangenenproblem oder Drei-Türen-Problem bekannt (Monty-Hall-Problem Monty-Hall-Problem) ab Seite 292.
Pflichtlektüre für alle Mediziner, Juristen und Politiker und alle, die mit Statistiken und Risiken (Börse!) umzugehen haben. Sehr zu empfehlen.
Gerd Gigerenzer
Nach Lehrtätigkeiten in Konstanz, Salzburg und Chicago ist Gigerenzer derzeit Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Für seine Arbeiten hat er zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten, so den Preis für Verhaltenswissenschaften der American Association for the Advancement of Science (AAAS).
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Gerd Gigerenzer GigerenzerGerd Gigerenzer: Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken. Berlin: Btv, 2004. Broschiert, 406 Seiten Gigerenzer
Gerd Gigerenzer: Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken. Berlin: Berlin, 2002. Gebunden, 406 Seiten Gigerenzer
Zur Ergänzung
brafman SchmittOri Brafman & Rom Brafman: Sway: The Irresistible Pull of Irrational Behaviour. Random 2009. Taschenbuch, 224 Seiten brafman
Ori und Rom Brafman: Kopflos. Wie unser Bauchgefühl uns in die Irre führt – und was wir dagegen tun können. Frankfurt am Main: Campus, 2008. Jürgen Neubauer, Übs. Gebunden, 216 Seiten Schmitt
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 24.11.2008