| Georges Charpak, Henri Broch: Was macht der Fakir auf dem
Nagelbrett? Erklärungen für unerklärliche Phänomene
[Devenez sorciers devenez savants]. Thorsten Schmidt, Übs. München: Piper, 2003. Gebunden, 288 Seiten |
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| Ausgehend von Hexern, Hohepriestern und
Astrologen erklären die beiden Physiker-Autoren viele "unerklärliche"
Phänomene, die auch heute Leute und Medien für übersinnlich
halten: Telepathie, Gehen über Glut, Psychokinese, Pendel und immer noch:
Astrologie. Im lockeren Plauderton zeigen Charpak und Broch die physikalischen Gesetze oder die Wahrscheinlichkeiten auf, die dazu führen, dass praktisch jeder über TV Glühbirnen bersten lassen kann. Das Übersinnliche wird auf den Boden der Erde geholt, doch ich befürchte: die allzu Leichtgläubigen werden nicht überzeugt. Sie lesen dieses Buch erstmal nicht, und wenn, dann folgt das Argument, das ich von Esoterikern oft höre: "Ja, diese Taschenspielertricks sind Humbug; ganz klar, dahinter stecken Scharlatane. Aber wenn man Sternenkunde richtig betreibt (Unterton: so wie selbstverständlich ich), dann ... " Die abschliessenden Kapiteln zeigen, daß der Glaube an Handlesen, Tischerücken und Astrologie noch weit verbreitet ist, ja, sogar ansteigt. Was die Autoren für Frankreich nachweisen ist in Deutschland nicht anders. Sie geben dafür einen (für mich neuen) Erklärungsansatz. Die Information wird zunehmend durch kurze Bildfolgen übermittelt, die detaillierte, reflektierte, kritische und über einen längeren Zeitraum verfügbare schriftliche Analyse kommt zu kurz (S. 216-17). Wie kann man den Aberglauben eindämmen und bekämpfen?
(1) Viele "unerklärlichen" Phänomene sind einfach erklärbar. (2) Wer sie dennoch als magisch verkauft, treibt Humbug (3) Alle noch unerklärlichen Phänomene beruhen auf Humbug. Dem beugen Charpak und Broch vor, indem sie gleich zu Beginn für Zweifel, Skepsis und Neugierde plädieren (S. 17). Man soll keinesfalls alles in Bausch und Bogen als Aberglaube wegwischen, sondern genauer hinschauen und vorher die Vernunft einschalten. Insgesamt erscheinen Charpak und Broch zu wissenschaftsgläubig; manchmal muß man schon aufmerksam lesen, um Schwachstellen in der Genforschung und Atomindustrie zu registrieren. So geben sie mehrmals zu, daß die Entsorgung des radioaktiven Mülls ungelöst ist, berichten aber seitenweise, daß die künstliche Radioaktivität weit unter der natürlichen liegt. Die Fortschrittsgläubigkeit der Autoren zeigt sich auch darin, daß sie den menschlichen Gene den höchsten Entwicklungsstand zuschreiben (S. 14). Es gibt andere Arten, die weitaus länger die Erde bevölkern als der homo sapiens. Wie lange dieser überlebt nein, es steht nicht in den Sternen wird sich erst erweisen. Einige Diagramme (S.206-09) lassen die nötige Klarheit vermissen. Überraschende Einsichten, kurzweilige Lektüre; sehr empfehlenswert. |
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| Im Kapitel "Die Wahrnehmung des Risikos" gibt es anhand des Rauchens ein aufschlußreiches Beispiel zur irrationalen Wahrnehmung von Risiken. Aus Copyright-Gründen kann ich die beiden Seiten hier nicht online bringen. | |
| Georges
Charpak * 1. August 1924 Dabrovica/Polen, 1992 Nobelpreis für Physik. Henri Broch * 8. November 1950 Nizza; seit 1974 Forschungen im Bereich der molekularen Biophysik an der Universität Nizza; spezialisiert auf die Erforschung paranormaler Phänomene. |
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