| John Brockman, Hg.: Die neuen Humanisten. Wissenschaft an
der Grenze Berlin: Ullstein, 2004. Gebunden, 424 Seiten. Übs.: Doris Gerstner, Klaus-Dieter Schmidt, Hans-Ulrich Seebohm |
| John Brockman, New Yorker
Literaturagent und Wissenschaftsjournalist, stellte ein typisches
amerikanisches Wissenschaftsbuch zusammen. Bedeutende Wissenschaftler
äußern sich zu einem Thema, dazu gibt es Gelegenheit, auf die
Beiträge zu antworten. Hier zeigen 22 angelsächsische Wissenschaftler
aus vielerlei Fachdisziplinen (Biologie, Kognitions- und
Computerwissenschaften, Physiker, Pilosophen, Psychologen und Anthropologen)
etwas aus ihrem Fachgebiet und sie bleiben fast durchweg verständlich.
Brockman teilt es in drei Abschnitte: Homo Sapiens Machina Sapiens?
Entstehende Universen; ihnen grob zuzuordnen sind: Biologie -
Informatik - Kosmologie. In Die neuen Humanisten äußern sich im vierten Teil Wissenschaftler (nicht nur die 22, die selbst einen Essay beigetragen haben) zu einzelnen Beiträgen und zum provokanten Vorwort des Herausgebers (Vorwort, Beiträge Im Vorwort teilt Brockman dem Leser seine einseitige Sicht der Wissenschaft und Geistesgeschichte mit. Er meint, daß es heutzutage vor allem die Naturwissenschaftler sind, die die Schlüsselfragen des Lebens stellen. Dabei übersieht er u.a. Philosophie, Politische Wissenschaft und Soziologie. Er plädiert für eine dritte Kultur, eine Art von neuen Intellektuellen. Ich habe den Verdacht, daß Brockman damit wieder die Vertreter der empirischen Wissenschaften meint. Daß Brockman die Geisteswissenschaftler mit literarischen Intellektuellen gleichsetzt, die nichts zur Erhellung der Bedeutung des Lebens beitragen, wird ihm im genannten vierten Teil zu recht von einigen Autoren um die Ohren gehauen. Joseph LeDoux, Neurowissenschaftler, widerspricht verhalten, indem er den meisten Kulturleuten zubilligt, daß sie gegenüber der Naturwissenschaft aufgeschlossen sind (S. 384). John Horgan, selbst Wissenschaftsjournalist ( Im Hauptteil liest man teils Statusberichte aus dem Labor, teils Visionen für die kommenden Jahrzehnte. Die Beiträge sind überwiegend optimistisch; besonders euphorisch: Ray Kurzweil; kritisch: Jaron Lanier. Weitere Autoren im Hauptteil sind unter anderem Jared Diamond, Steven Pinker, Daniel Dennett, Hans Moravec, Paul Steinhardt und Lee Smolin. Der Leser erhält phantastische und allgemeinverständliche Einblicke in den Stand und die Visionen der Naturwissenschaften, Kosmologie und Computerwissenschaft. Das Vorwort John Brockmans sollte man sehr kritisch lesen. |
| Links Auf Brockmans Webseiten kann man sich vorinformieren oder nachlesen: Zitate aus Die neuen Humanisten: |
| Noch spekulativer,
fantasiereicher und subjektiver sind die Zukunftsvorausschauen in John Brockman: What We Believe But Cannot Prove: Today's Leading Thinkers on Science in the Age of Certainty. Harper Perennial 2006. Taschenbuch, 252 Seiten |