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Popper
Thesen und Exzerpte aus Karl R. Popper: Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf
AbgrenzungsproblemAnti-EssentialismusGleichförmigkeit der NaturIndeterminismusInduktionsproblemInduktionsprinzipInfinitismus der ErklärungKorrespondenztheorie der WahrheitLeben als emergente EigenschaftNo Miracles ArgumentRealismusSinneswahrnehmungTheorie der natürlichen AusleseTheorienfolgeVermutungswissenpopper Sir Karl Raimund Popper
Das Humesche Induktionsproblem
"Läßt sich die Behauptung, eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr, mit »empirischen Gründen« rechtfertigen, das heißt dadurch, daß man bestimmte Prüfaussagen oder Beobachtungssätze (die sozusagen »auf der Erfahrung beruhen«) als wahr annimmt?"
Popper stimmt David Hume zu: nein; Prüfaussagen oder Beobachtungssätze – und seien es auch noch soviele – rechtfertigen nicht die Behauptung, die erklärende allgemeine Theorie sei wahr. (S. 7)
Verallgemeinerung
"Läßt sich die Behauptung, eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr oder sei falsch, mit »empirischen Gründen« rechtfertigen? Das heißt, kann die Annahme, bestimmte Prüfaussagen seien wahr, entweder die Behauptung rechtfertigen, eine allgemeine Theorie sei wahr, oder die Behauptung, sie sei falsch?"
Poppers Antwort: ja; die Annahme, bestimmte Prüfaussagen seien wahr, rechtfertigt manchmal die Behauptung, eine erklärende allgemeine Theorie sei falsch. (S. 7-8)
»Induktionsprinzip«
Mit dem Induktionsprinzip kann man allgemeine Gesetze aus singulären Aussagen ableiten. Nach Popper gibt es kein gültiges Induktionsprinzip. (S. 9)
Vermutungswissen
Alle Gesetze oder Theorien müssen als Hypothesen oder Vermutungen betrachtet werden. (S. 9)
Abgrenzungsproblem
Unter dem »Abgrenzungsproblem« versteht Popper das Problem eines Kriteriums zur Unterscheidung zwischen Aussagen der empirischen Wissenschaft und anderen Aussagen.
Seine Lösung : Eine Aussage ist empirisch, wenn es (endliche) Konjunktionen singulärer empirischer Aussagen (»Basissätze« oder »Prüfaussagen«) gibt, die ihr widersprechen. "Aus diesem »Abgrenzungsprinzip« folgt, daß eine isolierte, reine Existenzaussage (wie: »irgendwann und irgendwo gibt es eine Seeschlange«) keine empirische Aussage ist, obwohl sie natürlich für die empirische Problemsituation relevant sein kann." (S. 12)
Theorienfolge
"Die Methode der Wissenschaft ist die Methode der kühnen Vermutungen und der erfinderischen und ernsthaften Versuche, sie zu widerlegen." Eine kühne Vermutung ist eine Theorie mit größerem Gehalt als die Theorie, die damit überwunden werden soll.
Wenn eine Theorie alle Prüfungen besteht, dann kann man berechtigt vermuten, daß sie – die (wie wir wissen) größeren Wahrheitsgehalt hat als ihr Vorgänger – wohl keinen größeren Falschheitsgehalt hat. Wenn man die neue Theorie auf den Gebieten, auf denen ihre Vorgängerin scheiterte, nicht widerlegen kann, dann kann man das als einen objektiven Grund für die Vermutung anführen, daß die neue Theorie eine bessere Annäherung an die Wahrheit ist als die alte. (S. 82-83)
Gleichförmigkeit der Natur
"Zugegeben, wir alle – ob Humeaner oder nicht – hoffen, daß die Sonne weiter aufgehen wird. Zugegeben, diese Hoffnung ist notwendig – für das Handeln, das Leben. Aber auch eine notwendige Hoffnung ist kein objektives Wissen, obwohl sie uns zum Glauben veranlassen kann."
Jene Regeln, die Philosophen als Standardbeispiele für induktive Regeln (und für deren Zuverlässigkeit) anführen, sind alle falsch, wenn auch gute Annäherungen an die Wahrheit. (S. 100)
Die scheinbare »Gleichförmigkeit der Natur« ist ganz unzuverlässig; man kann zwar sagen, die Naturgesetze änderten sich nicht, doch das kommt der Behauptung gefährlich nahe, es gebe in unserer Welt einige abstrakte Verknüpfungen, die sich nicht ändern (was ganz trivial ist, wenn wir zugeben, daß wir nicht wissen und bestenfalls vermuten, worin sie bestehen), und die wir »Naturgesetze« nennen. (S. 101)
No Miracles Argument
"Es kann kaum ein Zufall sein, daß die Theorie diese äußerst unwahrscheinlichen Voraussagen macht, wenn sie nicht wahr ist. Daraus wird geschlossen, ihre Wahrheit sei so wahrscheinlich, wie diese Erfolge als bloße Anhäufung reiner Zufälle – das heißt als Zufall – unwahrscheinlich sind."
Popper hält dieses Argument nicht für völlig richtig, aber er gesteht zu, "daß etwas daran ist" (S. 104).
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Sinneswahrnehmung
Die klassische Erkenntnistheorie, die unsere Sinneswahrnehmungen als »gegeben« nimmt, als »Daten«, aus denen unsere Theorien durch einen Induktionsvorgang zu konstruieren sind, kennzeichnet Popper als vordarwinistisch. Sie übersieht nach Popper, "daß die angeblichen Daten in Wirklichkeit Anpassungsreaktionen und daher Interpretationen sind, die Theorien und Vorurteile einschließen und, wie Theorien, mit vermuteten Erwartungen durchsetzt sind; sie übersieht, daß es keine reine Wahrnehmung, keine reinen Daten geben kann; ebensowenig wie es eine reine Beobachtungssprache geben kann, da alle Sprachen von Theorien und Mythen durchsetzt sind." (S. 150).
Infinitismus der Erklärung
Popper behauptet, "daß jede Erklärung weiter erklärt werden kann durch eine Theorie oder Vermutung von höherer Universalität; und es kann keine Erklärung geben, die nicht einer weiteren Erklärung bedarf, denn keine kann eine sich selbst erklärende Beschreibung einer wesentlichen Eigenschaft sein (etwa eine essentialistische Definition des Wesens eines Körpers, wie sie von Descartes vorgeschlagen wurde)." (S. 203)
Anti-Essentialismus
Nach Popper müssen »Was ist?«-Fragen aufgegeben werden. Das sind Fragen, die danach fragen, was ein Ding ist, was seine wesentliche Eigenschaft oder Beschaffenheit ist. Die folgende, für den Essentialismus charakteristische Ansicht muss aufgegeben werden: In jedem Ding gibt es einen wesentlichen Bestandteil, eine inhärente Beschaffenheit oder ein innewohnendes Prinzip, die »Natur« des Dinges, die es begründet oder erklärt. "Diese animistische Anschauung erklärt nichts; aber sie hat Essentialisten (wie Newton) dazu geführt, relationalen Eigenschaften, wie der Schwerkraft, zu mißtrauen und aus als a priori gültig angenommenen Gründen zu glauben, daß es eine befriedigende Erklärung in Form inhärenter Eigenschaften (im Gegensatz zu relationalen Eigenschaften) geben müsse." (S. 203)
Indeterminismus
Der physikalische Indeterminismus ist die Lehre, daß nicht alle Ereignisse in der physikalischen Welt völlig genau in allen ihren kleinsten Einzelheiten vorherbestimmt sind. (S. 229)
Theorie der natürlichen Auslese
Darwins Theorie der natürlichen Auslese zeigte, daß es grundsätzlich möglich ist, die Teleologie auf die Kausalität zurückzuführen, indem das (scheinbare) Vorhandensein von Plan und Zweck in der Welt rein physikalisch erklärt wird. (S. 280)
Realismus
Das regulative Ideal, Theorien zu finden, die den Tatsachen entsprechen, macht die wissenschaftliche Tradition zu einer realistischen: Sie unterscheidet zwischen der Welt der Theorien und der Welt der Tatsachen, auf die sich diese Theorien beziehen. (S. 303)
Leben als emergente Eigenschaft
Falls einerseits lebende Organismen durch einen natürlichen Vorgang aus unbelebten Systemen entstehen können, und falls andererseits keine vollständige physikalische Analyse des Lebens möglich ist, dann könnte man das Leben eine emergente Eigenschaft physikalischer Körper oder der Materie nennen. (S. 305)
Korrespondenztheorie der Wahrheit
Zur Rehabilitation der Korrespondenztheorie der Wahrheit von Alfred Tarski:
Will man über die Übereinstimmung zwischen einer Aussage A und einer Tatsache T sprechen, so braucht man eine Sprache, in der man sowohl über Aussagen wie A als auch Tatsachen wie T sprechen kann. Das bedeutet, daß die Sprache, in der man die Übereinstimmung erklären will, die Mittel besitzen muß, um über Aussagen zu sprechen und Tatsachen zu beschreiben. In einer solchen Sprache – der Metasprache – kann man ohne jede Schwierigkeit über die Übereinstimmung zwischen Aussagen und Tatsachen sprechen. (S. 327)
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 2.7.2005