| Richard Dawkins: The God
Delusion [deutsch: Der Gotteswahn] London: Bantam, 2006. 406 Seiten |
| Richard Dawkins versucht in The God Delusion zu zeigen, dass "Gott" eine Fiktion ist, von der man aus Gründen der Erziehung, Sozialisation und Gruppendruck trotz anderer Einsicht nur ungern lässt. Er widerlegt zahlreiche Argumente, die für Gott vorgebracht werden. Insbesondere greift er das weit verbreitete Vorurteil an, die Religion garantiere und begründe eine moralische Haltung. Da Dawkins auf einige wenige Argumente zurückgreift, hat man die Eindruck er wiederhole sich und schlage immer wieder mit demselben Hammer. Dieser Eindruck stimmt: doch was ist falsch daran, wenn der Hammer den Nagel einwandfrei ins Brett schlägt? Andrerseits beantwortet Dawkins ein Fülle von Fragen (z.B. angebliche Abstammung Jesus von David, obwohl Josef nicht sein Vater ist) und widerlegt zahlreiche Argumente (z.B. Kreationismus und ID). Beim Durchsehen des Buchs für diese Rezension muß ich mich fast revidieren: The God Delusion schäumt über von Argumenten, Gedanken und Denkkanstössen. |
| "Ich benötige
diese Hypothese nicht", meinte schon Pierre
Laplace zu Napoleon ( Der Gotteshypothese (Glaube an ein oder mehrere übernatürliche Wesen) stellt Dawkins entgegen: kreative Intelligenz ist das Produkt eines langen evolutiven Prozesses. Dawkins begnügt sich nicht damit, den Mythos übernatürlicher Wesen zu zertrümmern, er führt auch zahlreiche Beispiele an, wo dieser Mythos negative Auswirkungen hat (dabei führe ich die verheerenden Folgen fundamentalistischer Kreuzzüge oder Terroranschläge nicht an; Dawkins geht auf den Schaden durch Religion bis zum Kindermißbrauch ein).
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Argumente
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Warum ist es so schwierig, die Religionsfesseln zu
sprengen?
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| Auswahl von
Zitaten aus The God Delusion ... von Richard Dawkins "All religious beliefs seem weird to those not brought up in them" (S. 177) "Children are native teleologists, and many never grow out of it" (S. 181) "The Bible may be an arresting and poetic work of fiction, but it is not the sort of book you should give your children to form their morals." (S. 247) "Even if religion did no other harm in itself, its wanton and carefully nurtured divisiveness ... would be enough to make it a significant force for evil in the world." (S. 262) von anderen "God and Country are an unbeatable team: they break all records for oppresion and bloodshed." (S. 233), Luis Buñuel "The religion of one age is the literary entertainment of the next." (S. 29), Ralph Waldo Emerson "There is in every village a torch the teacher: and an extinguisher the clergyman." (S. 309), Victor Hugo "When one person suffers from a delusion, it is called insanity. When many people suffer from a delusion it is called Religion." (S. 5), Robert M. Pirsig (* 6. November 1928 Minneapolis), US-amerikanischer Autor "Religion is an insult to human dignity." (S. 249), Steven Weinberg; |
| The God
Delusion ist ein informatives Buch, das viele Fragen zu "Warum ohne Gott?"
und "Wie geht es ohne Gott?" beantwortet und eine Fülle von Anregungen zum
Weiterdenken und - lesen gibt. Für jeden Menschen sollte die Lektüre von The God Delusion und die Diskussion darüber angenehme, erhellende Pflicht sein. |
| Nachtrag zur deutschen Ausgabe, 10. September 2007 |
| Bei den Bestsellern Sachbuch
Verkäufe Kalenderwoche 37/07 schlug Dawkins: Der Gotteswahn sofort
ein ( 10 Richard Dawkins: Der Gotteswahn 11 Joseph Ratzinger aka Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth |
| Delusion Wahn Illusion |
| Kritiker mockieren sich oft schon
über den Titel The God Delusion, im Deutschen: Der
Gotteswahn. meist folgt der Vorwurf: Alles schon dagewesen (was kein
ernsthaftes Argument sein kann). Zumindest der Religionswahn wurde schon oft
scharf als solcher kritisiert. Sigmund
Freud schreibt: Wenden wir uns nach dieser Orientierung wieder zu den religiösen Lehren, so dürfen wir wiederholend sagen: Sie sind sämtlich Illusionen, unbeweisbar, niemand darf gezwungen werden, sie für wahr zu halten, an sie zu glauben. Einige von ihnen sind so unwahrscheinlich, so sehr im Widerspruch zu allem, was wir mühselig über die Realität der Welt erfahren haben, daß man sie mit entsprechender Berücksichtigung der psychologischen Unterschiede den Wahnideen vergleichen kann. Die Zukunft einer Illusion. Psychoanalyse, Religionskritik |
| Militante Atheisten |
| Sam Harris, Richard Dawkins und
Christopher Hitchens werden von Theisten zu militanten Atheisten gemacht:
"Militant atheists such as Harris, Dawkins, and Hitchens ..." (Fiala 2009, S.
139). Oder sie werden zu: "aggressive New Atheists" ( Eine Begründung fehlt meist, manchmal wird der missionarische Eifer angeführt. Ein anderer Vorwurf lautet, dass sie oft dogmatisch ihre kognitive Überlegenheit betonen. Es sei dahingestellt, ob die beiden Aussagen "missionarischer Eifer" und "dogmatisch" auf die drei Atheisten zutreffen: auf die Christen passen sie schon zwei Jahrtausende lang. Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen! |
| Trittbrettfahrer |
| Trittbrettfahrer Alister McGrath nutzte den Erfolg Dawkins und
schluderte Gegenentwürfe auf den Markt; nach einigen Besprechungen auf
teils niedrigem Niveau: |
| Besprechung durch
Friedrich Wilhelm Graf, evangelischer
Theologe: "Atheisten aller Länder, vereinigt euch. Richard Dawkins und
Christopher Hitchens - ein biologistischer Hassprediger und ein liberaler
Skeptiker greifen die Religion an", SZ 11.9.2007, S.
16 |
| Leider hat der hochgeschätzte
Rezensent zumindest zu Dawkins' Werk wenig außer
Diffamierung ("Hassprediger", "Dawkins kennt keinen einzigen Klassiker der
Kultur- und Religionswissenschaften") und Worthülsen ("langweilig", "krude
Analogien") zu bieten. Er hat die Päpste als Star der Massen und Medien anscheinend nicht wahrgenommen, denn er schreibt: "Vulgärer Hardcore-Glaube feiert auf globalisierten Religionsmärkten derzeit deutlich größere Erfolge". Oder ist es sogar ein versteckter Hieb gegen diesen Personenkult oder meint der Rezensent das neueste Buch des Papstes Joseph Ratzinger: Jesus von Nazareth das auf den globalisierten Buchmärkten große Erfolge feierte? Da scheint mir "vulgär" und "Hardcore" doch übertrieben Der Rezensent hat das Buch nicht aufmerksam gelesen, denn Dawkins erhebt keinesfalls den Anspruch die Evolutionstheorie gebe "einen alles erklärenden Deutungsschlüssel". Wenn man einen Autor heutzutage ohne weiteren Beleg diskreditieren will, gelingt das am besten mit der Antisemitismus-Keule, die daher auch Graf schleudert. Dawkins' Glaubenskritik sei von antijüdischen Begleittönen nicht frei. Wenn er damit das Judentum als Religion meint, so hat Graf recht: sie steht genauso auf dem Prüfstand Dawkins' wie die vielen christlichen Gruppierungen. Doch dafür hat er diesen Vorwurf wohl nicht eingebracht. Graf weiter: "Religionskritik muss die starke Bindungskraft des Religiösen erklären können". Falls dies Dawkins nicht leistet (ich las das Buch vor mehr als 6 Monaten und erinnere mich nicht detailliert) trage ich es nach:
Wer sich allein durch Grafs Kritik ein Bild über Richard Dawkins: Der Gotteswahn machen will, geht mit dieser Besprechung ziemlich fehl. |
| Lehre aus den Besprechungen |
| In einer anderen Besprechung warf der
Rezensent Richard Dawkins vor "mitunter zu wenig zu differenzieren". In
einschlägigen Pro-Dawkins-Foren wurde diese Kritik (von mir vorgetragen)
vehement zurückgewiesen. Jemand verstieg sich sogar zur Behauptung, diese
Kritik sei "sinnlos". Der harmlose Vorwurf, dass ein Sachbuchautor mitunter zu
wenig differenziere, kann fast bei jedem Sachbuch zutreffenderweise erhoben
werden. Die harsche Rückweisung der Kritik zeigt, dass diese Foren-Diskussions-Teilnehmer zu dem Kreis von Zeitgenossen gehören, vor denen Dawkins so eindringlich warnt. Sie berufen sich auf ein Buch (The God Delusion - Der Gotteswahn) und haben den kritischen Blick abgeschaltet. |
| Die
Staatsanwaltschaft der Türkei prüft, ob Richard Dawkins und sein
türkischer Verleger Erol Karaaslan
wegen Aufrufs zu religiösen Hass verklagt werden. SZ,
30.11.2007, S. 15 Anscheinend haben die türkischen Juristen das Buch nicht gelesen: es wendet sich genau gegen jenen, die religiösen Hass vertreten und verbreiten. |
| Links |
| Literatur |
| Fiala, Andrew (2009): "Militant atheism, pragmatism, and the God-shaped hole". International Journal for Philosophy of Religion 65, S. 139-151. |
| Gopal Kripalani (2008): "Richard Dawkins, Der Gotteswahn". Aufklärung und Kritik 1. S. 264-267 |
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| Richard Dawkins: Der
Gotteswahn. Ullstein 2007. Sebastian Vogel (Übersetzer). Gebunden, 560
Seiten
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| Trittbrettfahrer nutzen den Erfolg Dawkins und schludern Gegenentwürfe auf den Markt: | ||
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| John F. Haught: God and the New
Atheism: A Critical Response to Dawkins, Harris, and Hitchens. Louisville,
Kentucky: Westminster, 2007. Broschiert, 124 Seiten |
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| Alister E. McGrath: The Twilight
of Atheism: The Rise and Fall of Disbelief in the Modern World. Galilee
2006. Taschenbuch, 320 Seiten (schon vor The God Delusion erschienen)
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| Alister McGrath, Joanna Collicutt
McGrath: The Dawkins Delusion? SPCK 2007. Taschenbuch, 96 Seiten
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