Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Hauptli
Bruce W. Hauptli: The Reasonableness of Reason: Explaining Rationality Naturalistically
Chicago: Open Court, 1995. 276 Seiten – hauptli Linkshauptli Literatur
Bruce W. Hauptli geht es in The Reasonableness of Reason darum nachzuweisen, dass die Forderung nach Rationalität (sowohl für Überzeugungen als auch Handlungen) nicht willkürlich geschieht. Sie kann naturalistisch untermauert werden.
An die Forderung nach Rationalität, – dass wir nur die Theorien und Überzeugungen annehmen und nur das tun, was wir rational rechtfertigen können, d.h. all das muss unserem rationalen Standard entsprechen – kann verschieden herangegangen werden. Hauptli unterscheidet
  • die Skeptiker. Sie behaupten, dass die Forderung nach Rationalität willkürlich sei. Sie läuft letzt lich in Agrippas Trilemma (hauptli Agrippas Trilemma, Münchhausen Trilemma).
  • die Rechtfertiger. Sie wollen die geforderte Methode der ausreichenden Begründung auch für die Wahl der Methode selbst anwenden oder halten diese für evident. Man soll keine Theorien oder Überzeugungen annehmen, die nicht gerechtfertigt sind—mit Ausnahme dieser Forderung nach Rechtfertigung.
  • die Gläubigen im epistemologischen Sinne; Hauptli nennt sie "fideists", sie sind wohl Fundamentalisten: sie haben ein nicht weiter begründbares Vertrauen, dass die rationale Methode die anzuwendende ist.
  • die Kerygmatiker: im wesentlichen Karl Popper (Alle Theorien und Überzeugungen sind vorläufig, auch das Bekenntnis zum kritischen Rationalismus. Rationalität wird identisch mit: offen für Kritik. S. 21) und William W. Bartley III.(1934-1990), behaupten (ohne Glaubensanspruch), dass man eben rational sein muss. Punkt.
  • die Naturalisten. Der Naturalis weist die Frage: „Was rechtfertigt den Rechtfertigungsstandard?“ als inkohärent zurück (S. 61). Wer fragt: "warum rational sein?" wendet eben diesen Rationalitätsstandard selbst an. Der Skeptiker muss also feiner vorgehen und nicht plum diese Frage stellen, sondern so forumlieren, dass das gesamte Rationalitätsprojekt in Frage gestellt wirr (ohne eine Rechtfertigung dafür zu verlangen).
Hauptli hält nur die naturalistische Postion für haltbar. Die naturalistischen qualifizierte Rationalisten berufen sich letztlich auf den „common-sense“. Die Letztbegründungen sind nicht unbegründet, sondern sie benötigen keine Begründung. Die Standards sind der Hintergrund aller Rechtfertigungsunternehmen und können daher nicht denselben Anforderungen unterworfen werden (S. 69). Die Naturalisten reklamieren, dass die Standards die Rechtfertigung erst ermöglichen; die Frage nach Rechtfertigung der Rationalität ist deplatziert. Ein Standard kann nicht auf sich selbst angewendet werden. Wittgensteins Beispiel: man kann nicht den Standardmeter als Standard nachweisen, indem man ihn misst.
Anmerkung: die Festlegung des Meters ist willkürlich; doch die Frage bei der Rationalität ist gerade, ob man bei den Standards für Überzeugungen auch willkürlich, gutgläubig oder wie immer vorgehen kann.
Mit denjenigen, die den Standard nicht annehmen kann man nicht einmal diskutieren. Um den Standard zu rechtfertigen oder zu bewerten müsste man ausserhalb des Standards stehen. Gemäss den Naturalisten haben wir keine Chance als den Rationalitätsstandard zu akzeptieren. Sie dürfen also nicht den Fehler begehen, zu versuchen, den Standard zu rechtfertigen, sondern ihn einfach als naürlich erklären (S. 80). Sie können dabei auf die Evolution verweisen um zu zeigen, dass der durchgesetzte Standard nicht willkürlich ist (S. 82).
Anmerkung:
das scheint mir nahe am naturalistischen Fehlschluss: was ist, wird zum Soll erklärt (hauptli Naturalistischer Fehlschluss).
Hauptlis Resultat ist »der Hypothetische Imperativ der Rationalität«
In Theorieänderung und - beibehaltung sollen wir rationale Standards anwenden. Wenn wir bestimmte Probleme haben, Überzeugungen und Theorien und wenn wir unsere Ziele bestmöglich erreichen wollen und die Probleme lösen wollen, dann sollten wir rationale Standards anwenden. Der Naturalist ist überzeugt, wer sich nicht an den Hypothetischen Imperativ der Rationalität hält hat früher oder später arge Probleme bei der Durchsetzung seiner Ziele.
Hauptli formuliert die Argumente meist gut aus, manchmal sind sie wiederholend. Etwas graphische Aufbereitung wäre für die Textaufnahme sicher hilfreich gewesen. Manchmal war mir unklar: referiert der Autor eine Theorie von Goldman oder Alston oder stellt er seinen eigenen Argumentationsgang zur Diskussion. Sehr empfehlenswert, vor allem, weil ich zu diesem Thema nichts Gleichwertiges kenne.
Links
hauptliBruce W. Hauptli, Professor of Philosophy, Florida International University
Literatur
Bei Amazon nachschauen  
hauptli HauptliBruce W. Hauptli: The Reasonableness of Reason: Explaining Rationality Naturalistically. Chicago: Open Court, 1995. 276 Seiten ISBN:
hauptli Anfang

Hauptli
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 2.4.2007