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Vernunft
Herbert Schnädelbach: Vernunft
Ditzingen: Reclam, 2007. 155 Seiten. Grundwissen Philosophie – vernunft Linksvernunft Literatur
Vernunft ist nicht wie Eisen oder Mond ein feststehender Naturbegriff sondern ein Kulturbegriff, der sich mit der Zeit wandelte (S. 9). Demzufolge begibt sich der Autor in drei großen Abschnitten:
  1. "Kritik der Alltagsvernunft",
  2. "Kritik der spekulativen Vernunft"
  3. "Die Kritik der kritischen Vernunft"
in die Geschichte. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Kritik der Vernunft durch die jeweiligen Philosophen, gemäß der These von Herbert Schnädelbach, dass die Geschichte der Vernunft zugleich eine Geschichte ihrer immanenten Kritik ist (S. 77-78).
schnädelbach
© Herbert Schnädelbach
Mit freundlicher Genehmigung
Am Übergang vom Mythos zum Logos entsteht bei den Griechen die spekulative Vernunft und die Trennung zwischen theoretischer und praktischer Vernunft. Mit Francis Bacon (1521-1626) keimt dann die modernen Naturwissenschaft und mit ihr beginnt der Siegeszug (?) der instrumentellen Vernunft (S. 59). Über Kant und Hegel (für beide gilt Schnädelbach als Spezialist) führt der Autor den Leser bis zu den Rationalitätslücken in den Wissenschaften im Sinne von Thomas Kuhn und Paul Feyerabend (S. 136).
So aufschlussreich der Gang durch die Geschichte ist, die eigentliche Begriffsbestimmung und Einordnung der Vernunft nimmt Schnädelbach in der Einleitung und dem letzten Abschnitt "»Die eine Vernunft und die vielen Rationalitäten«" vor.
Vernünftigkeit ist ganz allgemein die Fähigkeit auf eine bestimmte Art und Weise zu denken und zu handeln. Die Rationalität wird oft mit Vernünftigkeit gleichgesetzt (S. 7). Rationalität klingt besser und wissenschaftlicher (S. 131). Die Differenzierung in funktionale Vernunft (S. 116ff), sprachliche Vernunft (S. 122ff), historisch-hermeneutische Vernunft (S. 125), in Zweck- und Wertrationalität (Max Weber, S. 131-132), dann auch in instrumentelle, strategische und kommunikative Rationalität bei Jürgen Habermas (S. 134) belegt, dass Vernunft die Familienähnlichkeit menschlicher Fähigkeiten umfasst.
Heute verbindet man mit Rationalität meist die Handlungsrationalität (nicht die theoretische und nicht die wissenschaftliche, die sich durch die Standards und Regeln der Wissenschaftlichkeit ergibt). Und man verbindet mit Rationalität fast immer die Zweckrationalität.
Dieser Abschnitt kam mir am Ende des Buches etwas zu kurz. Zu den Rationalitätstypen verweist Schnädelbach (S. 139) auf sein eigenes Werk Philosophie in der modernen Kultur (siehe vernunft Literatur).
Vernunft erschien in der Reihe Grundwissen Philosophie. Es ist knapp gehalten und preiswert. Unter diesen drei Gesichtspunkten ist es ein vernünftiger und daher empfehlenswerter Einstieg in das Thema. Insbesondere der geschichtlich Interessierte wird bestens bedient.
Links
VernunftProf. Dr. Herbert Schnädelbach
vernunft Geert Keil, Herbert Schnädelbach, Hg. Naturalismus. Philosophische Beiträge
vernunft Herbert Schnädelbach: Was Philosophen wissen: und was man von ihnen lernen kann
vernunft Black, Max: Critical Thinking. An Introduction to Logic and Scientific Method
vernunft Critical Thinking: Links
vernunft Rezensionen zur Erkenntnistheorie
vernunft Hauptli, Bruce W.: The Reasonableness of Reason: Explaining Rationality Naturalistically
VernunftGunnar Skirbekk: "Rationality – universal and plural? A Narrative" (pdf)
VernunftWolfgang Spohn: The Many Facets of the Theory of Rationality (pdf)
vernunft Steinvorth, Ulrich: Was ist Vernunft? Eine philosophische Einführunggute Ergänzung!
vernunft Hans-Peter Müller, Steffen Sigmund, Hg.: Max Weber-Handbuch: Leben - Werk - Wirkung
Herbert Schnädelbach Zitate
Literatur
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vernunft VernunftHerbert Schnädelbach: Vernunft. Ditzingen: Reclam, 2007. 155 Seiten. Grundwissen Philosophie vernunft
Herbert Schnädelbach: Philosophie in der modernen Kultur. Vorträge und Abhandlungen. Frankfurt: Suhrkamp, 2000. Broschiert, 283 Seiten Vernunft
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