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Pivcevic
Edo Pivcevic: The Reason Why. A Theory of Philosophical Explanation
Zagreb: KruZak, 2007. 298 Seiten – reason Linksreason Literatur
The Reason Why ist weit mehr als der Titel vermuten lässt. Pivcevic (die beiden "c" im Namen sind so nicht richtig; doch HTML gibt mir keine Chance, soweit ich sehe) diskutiert die Bedingungen von philosophischen Erklärungen.
Jeder der umfassend ein erkenntnistheoretisches oder wissenschafttheoretisches Thema behandelt, muss sich mit dem Skeptismus auseinandersetzen.
Pivcevic gibt dem Skeptiker insofern recht: es gibt keine ausreichende Rechtfertigung anzunehmen, dass unsere Überzeugungen, ja nicht mal unsere wissenschaftlichen Theorien, die Welt so beschreiben wie sie ist. Seine Folgerung: "The search, that is, is not for truth (in a metaphysical sense of the term) but rather for explanations that work" (S. 6).
Deshalb geht es Edo Pivcevic um die Grundlagen rationaler Überzeugungen.
Im Zuge der Analyse der Bedingungen von rationalen Überzeugungen gibt Pivcevic eine Prolegomena zur Theorie der philosophischen Erklärungen. Er gibt wertvolle Einsichten in Determinismus und Voraussagbarkeit; in die Was-, Wie- und Warum-Erklärungen; nominale, reale und ostensive Definitionen; Emergenz und Kausalität; Kontinuum; Leibniz' Satz der Identität von Ununterscheidbarem usw. Es ist fast ein Grundkurs in philosophischer Begriffsbildung und Ontologie.
Edo Pivcevic legt bei den Bedingungen für rationale Überzeugungen das Gewicht auf den Inhalt der Überzeugungen, nicht auf deren Form. Er beschreibt die einer Erklärung zugrunde liegenden fundamentalen Ideen und Prinzipien, die sich gegenseitig ergänzen und voneinander abhängen.
Wer The Reason Why durcharbeitet, legt die Grundlagen dafür, sich eingehend und fundiert mit der Problematik philosophischer Erklärungen auseinanderzusetzen. Insofern ist er Titel zuviel versprechend.
Es ist keine Hinführung oder gar Anleitung nach der Lektüre gute philosophische Erklärungen zu formulieren.
Hauptthese: Einer rationalen Erklärung unterliegen zahlreiche fundamentale Ideen und Prinzipien, die sich gegenseitig ergänzen und voneinander abhängen. Sie geben Einsicht in die aktuale Welt (S. V).
Hauptfrage: Was sind die Bedingungen die eine beliebige rationale Erklärung erfüllen muß?
Philosophische Erklärungen sind eine Art von Wie-Erklärungen Diese Wie-Erklärungen sind oder zielen auf Definitionen Die Definitionen unterscheiden sich von anderen – z.B. in der Naturwissenschaft – indem sie die Verbindung zwischen den zu definierenden Begriffen (“concepts”) und anderen Begriffen, die die Struktur der Wirklichkeit beschreiben, aufzeigen.
Nominale und reale Definitionen
• nominal, z.B. USA = United States of America;
• real, z.B. Pudel ist eine Hundeart mit ... (Kriterien der Abgrenzung). Das Unbekannte wird durch das Bekannte erklärt.
• ostentive Definitionen: „Das ist ein Pudel“, genügt nicht, sondern unterstellt ein reiches Hintergrundwissen. Andrerseits: ohne ostensive Definitionen (vgl. Bertrand Russell, siehe reason Links) kommen wir nicht aus: rein sprachliche Beschreibung führt zu nichts, wenn nicht am Anfang mal das Hinzeigen stand.
Unterschied einer philosophischen Erklärung zu einer wissenschaftlichen: sie ist nicht nur reduktionistisch (Das Unbekannte wird durch das Bekannte erklärt.), sondern sie versucht – im Rahmen der generellen Umstände der Welt – beide Fragen zu beantworten: wie? und warum? (S. 49).
Ordnung aus dem Nichts („Order from Nowhere“)
„We act on the assumption that if certain conditions are sufficient to make a particular kind of phenomenon occur once, then, other things being equal, they must in principole be sufficient to bring about its occurrence any number of times.“ Problem: „... in order to be able to specify the conditions under which a natural phenomenon might re-occur we would have to know exactly how it came about in the first instance“ (S. 178)
Naturalistisches Vorurteil
Die Welt kann umfassend beschrieben werden mit den existenten Objekten (den fundamentalen Teilen; „basic existents“), ihren Eigenschaften und Beziehungen. Das geht auf den antiken Atomismus zurück. und galt mindestens bis zur klassischen Mechanik (S. 269).
Ein alternatives Modell der Welterklärung geht davon aus: vierdimensionale Ereignisse, Prozesse: ausgefasst als Folgen kausal verbundener Ereignisse.
Ein anderes Modell geht von den Feldern aus. Sie sind die „basic existents“ (S. 270).
Die grundsätzliche Frage für jeden kausalen Naturalismus ist: wie kann – mit Hilfe der naturalistischen Prämissen – Emergenz erklärt werden, das Auftreten qualitativer neuer Formen (Eigenschaften)?
Der radikale Reduktionismus will die emergenten Eigenschaften wegerklären. Der moderate Reduktionismus beschränkt sich die ausreichenden Bedingungen für die Emergenz anzugeben. Dabei läßt er Raum für andere ausreichenden Bedingungen. Er gibt die ausreichenden Bedingungen für das Entstehen des Bewusstseins an, läßt aber offen, ob es nicht auch – entsprechende Komplexität vorausgesetzt – durch andere Konstruktionen entstehen könnte. Offen bleibt auch das Qualia-Problem. Wenn man die Rotempfindung naturalistisch beschreibt, sagt das einem Blinden noch nichts darüber, wie es ist, rot zu empfinden.
Edo Pivcevic bietet mit The Reason Why. A Theory of Philosophical Explanation eine gründliche Prolegomena zu einer Theorie der Erklärung.
Edo Pivcevic lehrte nach Studien in Zagreb, Deutschland und London an der Universität Bristol Philosophie. Er ist Gründer der Zeitschrift „Cogito" und der Cogito-Gesellschaft.
Gastprofessuren, u.a. in Oxford und Oldenburg
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