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Rosenthal
Jeffrey S. Rosenthal: Struck By Lightning: The Curious World of Probabilities
London: Granta Books 2008. Taschenbuch, 288 Seite [Vom Blitz getroffen. Die seltsame Welt der Wahrscheinlichkeiten] Carl Freytag, Übs. – zufall Linkszufall Literatur
Wer sich mit dem Zufall, Wahrscheinlichkeit oder Statistik auseinandersetzt, hat mit Struck by Lightning einen kurzweiligen, verständlichen Einstieg. Der Mathematiker Jeffrey S. Rosenthal erklärt den Zufall in vielen Ausprägungen und anhand zahlreicher Beispiele ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen.
Rosenthal erklärt, warum man nur über eine kurze Kette mit fast allen Erdenbewohnern bekannt ist und warum Kettenbriefe (besonders fatal die mit Geldeinsatz) nicht funktionieren können.
Viele vermuten hinter komischen Zufälligkeiten gleich universale Gesetze, Verschwörungen oder „geheime Physik“ (siehe zufall Vergleichsliteratur: Froböse). Rosenthal zeigt, dass es oft nur unsere Ignoranz ist, oder erwartbare (gleichzeitige Geburtstage; man sehe zu meinem: zufall 26. Oktober), gemeinsame Ursachen oder nicht aufgedeckte Vorurteile.
Köstlich ist dagegen, dass Statistiker und selbst der Autor auf Wahrscheinlichkeiten hereinfallen. Rosenthal berichtet von einem Statistikerkongress, der wegen Bombengefahr von Israel nach Spanien verlegt wurde. Statistisch unbegründet! Doch er berichtet auch von einer Anti-Raucher-Kampagne. Zur Veranschaulichung der extremen geringen Gefahr durch Blitzschlag stellt sich einen Frau während eines Gewitters mit einem Metallstab auf einen Berg. Verrückt? Sie wollte damit zeigen, dass die Raucher noch viel verrückter sind, wenn sie ihre Sucht nicht aufgeben (S. 117-118). Allerdings erwähnt Rosenthal nicht, dass die geringe Todeszahl durch Blitzschlag über das gesamte Land und während eines Jahres ermittelt wird und daraus ergibt sich eine extrem niedrige Wahrscheinlichkeit durch Blitzschlag zu sterben (entgegen der hohen Wahrscheinlichkeit als Raucher früher zu sterben als ein Nichtraucher). Die Gefahr des Blitzschlags im Gewitter und auf einem Berg ist jedoch um Potenzen höher als der statistische Landesdurchschnitt. Insofern war die Aktion der Frau unüberlegt.
Im Kapitel 12 weist Rosenthal schön nach, dass der Zufall die angesagte Strategie in manchen Spielen oder Wettsituationen sein kann. Das zeigt vor allem, dass eine Strategie, die eine zufällige Wahl erfordert oder nahelegt, durchaus rational sein kann.
Im gesamten Buch geht es hauptsächlich um den Zufall aufgrund unserer Unwissenheit, den man den subjektiven Zufall nennt: „For the most part, the randomness we experience is based on our own ignorance“ (S. 234). Dazu gehört auch der Zufall der Chaostheorie (S. 235-240).
Davon unterscheidet Rosenthal aber den objektiven Zufall: „According to quantum mechanics, the universe works, on the most fundamental level, in terms not of fixed scientific certainties, but of probabilities and uncertainties“ (S. 241). Er zieht den Total-Deterministen den Zahn der verborgenen Parameter, auf die einige Leute hoffen. John Bell wies nach, dass die experimentell festgestellten Eigenschaften nicht zuträfen, wenn verborgene lokale Variable im Spiel wären (S. 245).
Und schließlich zeigt Rosenthal, warum wir in der Meso-Ebene nichts vom quantenmechanischen Zufall merken (S. 242). Das geht wieder gegen diejenigen, die mit dem quantenmechanischen Zufall die Willensfreiheit retten wollen. Damit wird das letzte Sachkapitel, das 16. Kapitel, noch zu einem großartigen Abschluß eines amüsanten und lehrreichen Buchs.
Monty-Hall-Problem
Eine nette Variante zum Monty-Hall-Problem behandelt Rosenthal ab S. 210. Zum eigentlichen Monty-Hall-Problem (siehe zufall Links) gibt er zahlreiche Überlegungen, vor allem auch die oft nicht erwähnten, da still schweigend vorausgesetzten, Bedingungen (S. 214).
Struck by Lightning eignet sich gut für einen Einsteig oder eine schnelle Wiederholung einiger Zusammenhänge um den Zufall. Gerade für Laien, die meiner Erfahrung nach, absonderliche Vorstellungen zum Zufall haben oder zu manchen scheinbaren Zufällen abstruse Verschwörungstheorien entwickeln, wäre es geeignet. Es ist zu befürchten, dass die es kaum lesen und wenn, sich davon nicht beeindrucken lassen. So lege ich das Buch allen Unvoreingenommen auf deren Lesestapel ganz obenauf.
Anmerkungen
• Sergeant Joe Friday: „Just the facts, ma'am“ zitiert Rosenthal aus der TV-Serie Dragnet (S. 77).
Stan Freberg hat es in seiner berühmten, exzellenten Parodie "St. George and the Dragonet" verwendet:
St. George: „Would you try and remember sir, just for the record. We just want to get the facts sir.“
ZufallThe most official unofficial Stan Freberg WebauftrittZufall"St. George and the Dragonet"
• Die „Bell Curve“ (S. 167-169) ist die Gaußsche Glockenkurve. Anscheinend trägt sie bei den Anglosachsen nicht den Namen des großen Mathematikers Carl Friedrich Gauß.
Man lese dazu: Mania Hubert Mania: Gauß. Eine Biographie
• Beim Nash-Gleichgewicht (S. 180) verweist Rosenthal auf John Nash.
Man lese dazu: nasar Sylvia Nasar: A Beautiful Mind
Vergleichsliteratur
zufall Rolf Froböse: Die geheime Physik des Zufalls: Quantenphänomene und Schicksal
zufall Gerd Gigerenzer: Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken
zufall Paul Mooser: Gott, Zufall oder Geist?: Die Analyse eines Spekulanten
zufall Gero von Randow: Das Ziegenproblem: Denken in Wahrscheinlichkeiten
zufall Verfügbare (Juli 2008) Literatur zum Zufall (Auswahl)
Links
PfohlmannOliver Pfohlmann: "Tyche oder Kairos? Warum man sich mehr vor Angehörigen als vor Terroristen fürchten muss: Jeffrey S. Rosenthal und Klaus Mainzer führen in die seltsame Welt des Zufalls ein", literaturkritik.de, 12.11.2009
zufall Monty-Hall-Problem
zufall Werner Heisenberg über den statistischen Charakter der Quantentheorie
zufall Über den Zufall
zufall Verfügbare (Juli 2008) Literatur zum Zufall (Auswahl)
Literatur
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rosenthal ZufallJeffrey S. Rosenthal: Struck By Lightning: The Curious World of Probabilities. London: Granta Books 2008. Taschenbuch, 288 Seiten rosenthal
Jeffrey S. Rosenthal: Vom Blitz getroffen. Die seltsame Welt des Zufalls. Eichborn 2007. Gebunden, 315 Seiten. Carl Freytag, Übs. Zufall
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 21.11.2009