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Henry E. Kyburg, Jr., Choh Man Teng: Uncertain Inference
Cambridge: Cambridge UP, 2001. Taschenbuch, 310 Seiten – rezension Linksrezension Literatur
Fast alle unsere Folgerungen erfolgen unter Unsicherheit. Klare, deduktive Folgerungen gibt es allenfalls in Logik und Mathematik. Wenn neue Informationen hinzukommen müssen alte Befunde aufgegeben werden. Als Fan der Folgerung unter Unsicherheit erkennt man den Defekt der traditionellen Logik:
"Traditional logics suffer from the »monotonicity problem«:
new axioms never invalidate old theorems."
Einleitende Worte von Drew McDermott: "Nonmonotonic Logic II: Nonmonotonic Modal Theories", Journal of the Association for Computing Machinery, 1982.
"Menschen sind hervorragende »nichtmonotone Schlussfolgerer«, und das diesem Blickwinkel betrachtet sollten wir also eher die nicht monotonen Logiken als »normal« empfinden".
Beierle, Christoph & Kern-Isberner, Gabriele: Methoden wissensbasierter Systeme: Grundlagen - Algorithmen - Anwendungen. Wiesbaden: Vieweg, 2006. 3., erw. Aufl. S. 203
Henry E. Kyburg jr. widmete seine ganze akademische Karriere der Wahrscheinlichkeit und dem Folgern unter unsicheren Voraussetzungen. Zusammen mit Choh Man Teng erarbeitete er ein umfassendes Lehr und Arbeitsbuch zum Lebensthema. (Leider ist Kyburg inzwischen verstorben: Uncertain Inference ist sein Testament an uns.)
Zur Orientierung das Inhaltsverzeichnis:
Preface; 1. Historical background; 2. First order logic; 3. The probability calculus; 4. Interpretations of probability; 5. Nonstandard measures of support; 6. Nonmonotonic Reasoning; 7. Theory replacement; 8. Statistical inference; 9. Evidential probability; 10. Semantics; 11. Applications; 12. Scientific inference.
Nach einem historischen Rückblick geben die Autoren eine Wiederholung der Aussagen- und Prädikatenlogik und der Wahrscheinlichkeitstheorie. Beides nicht husch-husch, sondern als Lehrmaterial für den Studierenden mit Vorkenntnissen hervorragend brauchbar. Dabei spielt das Indifferenzprinzip (auch Prinzip vom unzureichenden Grund genannt) eine wichtige Rolle (rezension Links).
Als Philosophen versäumen es die beiden Autoren nicht im vierten Kapitel die verschiedenen Auffassungen / Interpretationen der Wahrscheinlichkeit zu besprechen (rezension Links).
Nach diesen Vorarbeiten geht es mit dem Kapitel "Nonstandard Measures of Support" (ab S. 98) zur eigentlichen Sache. Zur nicht-monotonen Logik behandelt das Buch die "Default Logik" (Reiter 1980) , die "Autoepistemic Logic" (Moore 1985) und die "Circumscription" (McCarthy 1980). Die Verfahren werden dargestellt, verglichen und die Lücken aufgezeigt.
Der Vorteil der Logiken gegenüber dem Probabilismus: in vielen Fällen sind sie eleganter und erlauben Techniken, die der rein nummerischen Herangehensweise nicht zur Verfügung stehen.
Zwei Kapitel gelten der Theoriekorrektur und –ersetzung und dem Statistischen Schließen.
Sehr bereichend ist das 9. Kapitel: "Evidential Probability". Die Evidenz-Vertreter sehen in der Wahrscheinlichkeit die Vorgabe an rationale Überzeugungen. Wenn die Wahrscheinlichkeit als "a guide in life" (S. 201) dienen soll, darf sie nicht subjektiv (wie bei den Bayesianer) sein, sondern muss die empirischen Häufigkeiten in der Welt widerspiegeln.
Ein semantisches Kapitel zur Interpretation fällt etwas knapp aus.
Schließlich wird das reichhaltige Werk mit Anwendungsfällen und dem wissenschaftlichen Folgern abgerundet.
Jedes Kapitel wird mit einer aussagefähigen Zusammenfassung (sie kann gut zum Nachlesen dienen), kapitelspezifischen Literaturhinweisen und Übungen abgeschlossen. Die Übungen sind freilich ohne Lösehinweise oder gar Lösungen. Zum Selbstudium sind sie nur bedingt geeignet.
Rundum ein gelungenes Lehrbuch, das man grossenteils alleine durcharbeiten kann, wenn auch manche Ausführungen und Übungen zu knapp sind und einen versierten Begleiter erfordern.
Links
inferenceTypos and Corrections (pdf)
Kyburg
Photo by courtesy of
University of Rochester
inferenceHenry E. Kyburg Jr.
inferenceHenry E. Kyburg, Jr. (Wikipedia)
inferenceProfessor of Philosophy and Computer Science Henry E. Kyburg Dies, November 7, 2007
inferenceMemorial note for Prof. Henry E. Kyburg Jr.
rezension Ian Hacking: The Emergence of Probability: A Philosophical Study of Early Ideas about Probability, Induction and Statistical Inference
rezension Ian Hacking: An Introduction to Probability and Inductive Logic
rezension Brian Skyrms: Einführung in die induktive Logik
inferenceThe Many Faces of Uncertain Reasoning
Choh Man Teng: inferenceUniversity of RochesterinferenceResearch Scientist, IHMC
inferenceAlan Hájek: Interpretations of Probability
inferenceIndifferenzprinzip
Weitere Literatur zum Thema siehe unter rezension Brian Skyrms: Einführung in die induktive Logik
rezension Links zur Logik
rezension Einführungsliteratur zur Logik
Literatur
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kyburg inferenceHenry E. Kyburg, Jr. und Choh Man Teng: Uncertain Inference. Cambridge: Cambridge UP, 2001. Taschenbuch, 310 Seiten Kyburg
Henry E. Kyburg, Jr. und Choh Man Teng: Uncertain Inference. Cambridge: Cambridge UP, 2001.Gebunden, 310 Seiten inference
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 11.4.2009