| Rolf Froböse:
Der Lebenscode des Universums Quantenphänomene und die Unsterblichkeit der Seele München: Lotos, 2009. Gebunden, 160 Seiten |
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| Nach dem misslungenen Die geheime
Physik des Zufalls: Quantenphänomene und Schicksal ( Kurz gesagt geht es um das Folgende. Den Autor befriedigen die derzeitigen Antworten auf die Frage nach der Entstehung der Gene nicht. Seine Lösung: die Entstehung des Lebens und der Gene und alles andere war schon vorher sogar vom Urknall an als Lebenscode des Universums vorhanden. Damit lassen sich dann nicht nur zufällige Mutationen erklären, sondern auch der vermeintliche Zusammenhang der Attentate auf John F. Kennedy und Abraham Lincoln und vieles mehr. |
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| Ungeduldige gehen
sofort zur zusammenfassenden Gesamtbewertung ( Rechtfertigungsstrategien esoterischer Texte Methodenkritik 1) Strohmann-MethodeLebenscode des Universums Mehrdeutigkeit von Wörtern Übertragung von Quantenphänomenen auf große Objekte Gleichzeitigkeit von Entdeckungen Evolution nicht verstanden Homöopathie und Geistheilung Unsterblichkeit der Seele Banales und Kryptisches Zitate und ihre Zuordnung Vorschläge an Wissenschaftler Gesamtbewertung Links Literatur |
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| Rechtfertigungsstrategien esoterischer Texte | |
| Esoterische Texte zeichnen sich u.a.
durch die folgenden Strategien aus Immunisierungsstrategie: mit "normalen" wissenschaftlichen Methoden nicht nachweisbar Angabe von Koryphäen ohne Textnachweis Angebliche Unterdrückung durch das wissenschaftliche Establishment Berufung auf Wissenschaftlichkeit Schaffen einer Eigenwelt als Gegenwelt, die in sich eine gewisse Plausibilität hat. Die Eigenwelt beansprucht einen Paradigmenwechsel im Kuhnschen Sinne gegenüber der etablierten Wissenschaftsgemeinde. Die Physik verharre in alten Positionen. Inwieweit Der Lebenscode des Universums diese Kritierien erfüllt sollte man nach aufmerksamen Lesens dieser Besprechung selbst entscheiden können. Nach Lesen des Buchs ist es zu spät Zum Punkt "Angebliche Unterdrückung durch das wissenschaftliche Establishment" gehört auch die angebliche Abschottung der "Scientific Community" gegenüber den innovativen, alle Denkverbote missachtenden Amateuren. Dazu nenne ich in paar einschlägige Stellen. "Einsteins Dogma" (S. 67): das unterstellt den Wissenschaftlern Dogmatismus "hält jedoch nichts von Tabus" (S. 70): andere Wissenschaftler hegen Tabus "mit einem Tabu belegt" (S. 84): man darf in der Wissenschaft nicht alles frei diskutieren "akademischer Selbstmord" (S. 92): Wissenschaftler dürfen die Relativitätstheorie nicht bezweifeln "In der modernen Wissenschaft darf es keine Denktabus geben" (S. 145). Die Denktabus der Wissenschaftler verhindern den Durchbruch der bahnbrechenden Ideen des Autors. Er formuliert es so:
Bevor ich einige Einzelheiten des Buches herausgreife, möchte ich fünf typische Verfahren kritisieren, die sich mit den genannten Rechtfertigungsstrategien teilweise überschneiden. Sie werden in populärwissenschaftlichen (den wissenschaftlichen Anspruch kann man dem Buch durchaus zuerkennen) und besonders in esoteriknahen Werken gerne verwendet. So auch reichlich in Der Lebenscode des Universums. |
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| Methodenkritik 1) Strohmann-Methode |
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| Man stellt eine Behauptung (die kaum jemand vertritt) auf, greift sie überzeugend an und bucht einen Erfolg. Da die Behauptung niemand oder kaum jemand vertritt ist der Erfolg nahezu wertlos. | |
| 1a) Creatio ex nihilo | |
| Die Verlagsinfo zum Buch beginnt mit
Ist das unendliche Universum aus dem Nichts entstanden? Egal ob man zur Ansicht neigt, das Universum sei unendlich oder endlich (beides wird derzeit mit guten Argumenten vertreten), wohl kaum jemand behauptet eine Entstehung aus dem Nichts. Gläubige Menschen werden immer einen Schöpfer postulieren: dieser Gott schuf das (endliche) Universum. Wissenschaftler berechnen die Zustände bis zu einer extrem kurzen Zeitspanne nach dem Urknall der Anfangssingularität und sagen: Weiter kommen wir (derzeit) mit unseren Verfahren nicht. Davor können wir nichts sagen oder Die Frage: »Was war zuvor?« ist sinnlos, da mit dem Urknall Zeit und Raum erst entstanden sind. Die meisten Physiker nehmen eine ewige Existenz des Universums an: eine unendliche Kette von Ereignissen in der Vergangenheit erscheint verständlicher als eine Ex-nihilo-Entstehung (Kanitscheider 1991, S. 240). Der physikalische ex-nihilo Entstehungsprozeß stößt auf wenig Sympathie (Kanitscheider 1991, S. 260, Halton Arp und Fred Hoyle vertreten bis heute eine Steady-State-Theorie ( Die Frage Ist das unendliche Universum aus dem Nichts entstanden? steht im Abseits. |
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| 1b) Darwinismus erklärt nicht die Entstehung des ersten Lebens | |
| Oft wird Charles Darwin (und seiner Theorie) vorgeworfen:
Den Kern der Evolution kann der Darwinismus nicht erklären (S.
40). Mit Kern der Evolution ist hier der eigentliche Beginn des Lebens auf der
Erde gemeint. Darüber machte Darwins Theorie tatsächlich keine
Aussage. Sie ist eine Theorie über die Entstehung der Arten, der Vielfalt
unseres Lebens aus einer Quelle; siehe dazu: "Die Kernthesen der
Evolutionstheorie und die häufigsten Missverständnisse" ( Da überfordert er Darwin ungemein. Den Begriff des Gens gab es noch nicht einmal. Der dänische Botaniker Wilhelm Johannsen prägte 1909 den Begriff Gen als ziemlich vages Konzept. Da kann man von Darwin, dessen Hauptwerk The Origin of Species [Die Entstehung der Arten]1859 erschien, kaum verlangen, dass seine Theore etwas zur Erklärung der Entwickung des ersten Gens beiträgt. Froböse hat allerdings zweifelsohne darin recht, dass die Entstehung des Lebens eine wichtige Frage ist, auf die es einige Antworten gibt, aber soweit ich sehe, keine völlig befriedigende. Siehe beispielhaft für viele Erklärungsversuche: "Wie das Leben auf der Erde entstanden sein könnte" ( Antony Flew, damals Atheist, nahm die fehlende naturalistische Theorie für die Entwicklung des Lebens (er meint sogar: Unmöglichkeit so eine Theorie vorzulegen) zum Anlass seine Position zu wechseln. Er ist nun Deist (nicht Theist). Allerdings gibt es eine Kontroverse um seinen Grund ( |
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| 2) Position jonglieren oder glatte Widersprüche | |
| Froböse hat durchaus profunde
Sachkenntnis. So kennt er die gängige Auffassung verschränkter Teile
als ein einziges Objekt (S. 11, S. 53). Das hat zur Folge, dass weder Kraft-
noch Informationsübertragung zwischen den Teilchen stattfindet, die
Lichtgeschwindigkeit wird nie überschritten, die Relativitätstheorie
bleibt unangefochten. Die gegenteilige Auffassung der Verschränktheit
schluckt die Kröte der Nicht-Lokalität (gleichzeitige Geschehnisse an
zwei Orten) nicht, muss dafür aber eine mysteriöse Wechselwirkung mit
Überlichtgeschwindigkeit in Kauf nehmen. Außer einer dieser beiden Positionen kann man als Autor beanspruchen, dass hier das letzte Wort noch nicht entschieden ist: man läßt die eigene Position offen. Froböse wählt einen vierten Weg: er mischt beide Positionen in seinem Text, je nachdem womit er den Leser gerade beeindrucken will. Dies freilich führt zu ständigen Widersprüchen, von denen ich einige auch aus anderen Bereichen tabellarisch, aber unvollständig, erfasst habe. |
| einmal so ... | dann ganz anders ... | Kommentar |
| als Gesamtsystem zu betrachten (S. 11) | ein Teilchen A reagiert auf ein Teilchen B (S. 11) | Bei einem Gesamtsystem ist eine Reaktion völlig verfehlt. Die Zinken der bewegten Gabel (=Gesamtsystem) reagieren nicht aufeinander und sie kommunizieren nicht miteinander. |
| ohne zeitliche Verzögerung (S. 11) | sie kommunizieren (S. 11; S. 48) | |
| zwischen verschränkten Teilchen
fließt keine Information (S. 92) mit unendlich hoher Geschwindigkeit (S. 11; S. 48) |
der Informationsaustausch mit mindestens einhunderttausendfacher Lichtgeschwindigkeit (S. 11; S. 48) | unendlich hohe Geschwindigkeit scheint mir ein fragwürdiger Begriff, jedenfalls widersprüchlich zu 100.000 x Lichtgeschwindigkeit |
| denkst du immer das Gleiche (S. 18) | zwei Menschen sind manchmal gedanklich gleichgeschaltet (S. 18) | Hier wird mit einem kleinen Trick (immer manchmal) aus einer seltenen Gedankengleichheit (die wohl jeder Leser bestätigen wird) eine Dauereinrichtung |
| eine Übernatur gibt es nicht bzw. kann es nicht geben (S. 29) | ein Akt Gottes (S. 40) | Der eigenen Behauptung, es gäbe nichts Übernatürliches, widerspricht der Autor an vielen Stellen |
| Ähnlich schwankt Froböse auch
zwischen reduktionistischen Materialismus: das Gehirn besteht nur aus Atomen; demzufolge können auch geistige Prozesse mit den Gesetzen der Physik (hier: Quantenphysik) beschrieben werden (S. 12). Reduktion auf reinen Geist Dualismus: Dualismus von Teilchen und Welle / Dualismus von Körper und Seele (S. 13). Allerdings scheint der Autor John Archibald Wheelers reduktionistischen Materialismus (siehe dazu auch unter Mehrdeutigkeit von Wörtern) nicht ganz erfasst haben, sonst könnte er nicht anschließend bemerken: In ein ähnliches Horn stossen andere Wissenschaftler, die es als Fehler ansehen, den Geist aus der Natur zu verbannen (Dualismus, S. 12). |
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| 3) Non sequitur / es folgt nicht | ||
| Eine der bösartigsten aber auch häufigsten Mechanismen der oberflächlichen Sachliteratur ist es Folgebeziehung zu konstatieren, die weder bestehen noch überhaupt erläutert wurden. Diese Mechanismen kommen oft nur dem Vorverständis des Lesers entgegen, bestärken dessen Vorurteile und punkten damit. Dafür gibt es Signalwörter, die den Leser solcher Werke in Alarm versetzen sollten. Diese Signalwörter finden sich im hier besprochenen Buch: | ||
| zwingend | ||
| Froböse: führt in letzter Konsequenz zwingend auch zu einem universellen Quantencode, ... (S. 13). An dieser Stelle kann man dem Autor noch zugute halten, dass dies die Einleitung ist. Leider wird die zwingende Folgerung auch später nie ausgeführt, sondern nur wiederholt. | ||
| demzufolge | ||
Froböse: Einige
Wissenschaftler behaupten, die Evolution und die Entstehung des Lebens auf der
Erde seien einem reinen Zufall zu verdanken. Demzufolge wäre die
Erde im gesamten Universum vermutlich der einzige bewohnte Planet (S.
39).
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| folgerichtig / offenbar | ||
| Mit einer
Wahrscheinlichkeitsüberlegung, die schon William
Paley 1802 in Natural Theology ( Dabei ist schon falsch, dass wohl niemand die zielgerichtete Entstehung des Makromoleküls DNS behauptet (Strohmann-Methode, siehe oben). Die Evolution hat kein Ziel. Diese Thematik greife ich nochmals unter Evolution nicht verstanden auf. Die Entstehung des Lebens geschah evolutiv. Doch selbst wenn man die Überlegungen teilt, folgt daraus keineswegs als einzige Option offenbar ein Akt Gottes (S. 40). |
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| also | ||
| Keinesfalls hat der Autor nachgewiesen,
dass das Bewusstsein den Regeln der Wellenmechanik gehorcht. Er
verweist zuvor auf die Anekdote des schwedischen Mystikers Emanuel Swedenborg (S. 35). Froböse behauptet
nun keck, dass niemand ernsthaft zweifelt, dass die Swedenborg
Anekdote sich so zugetragen habe (S. 104). Wie zuverlässig die
Berichte Swedenborgs sind, erkennt man an seinen zwei Christus-Visionen in den
Jahren 1744/45. Er behauptete zudem, mit Engeln in direktem Kontakt zu stehen.
Bei solch gehäuften Visionen wird selbst die katholische Kirche skeptisch.
Ich stelle darum die umgekehrte Behauptung auf: kein vernünftiger Mensch schenkt den Flunkeleien Swedenborgs ernsthaftes Vertrauen. Doch wenden wir wieder das Verfahren an: wir glauben's um des Arguments willen. Dann landete Swedenborg mit seiner Ahnung des Feuers von Stockholm einen bemerkenswerten Treffer; mehr aber auch nicht. Damit kann man weder Hellsehen bestätigen (erste Überschrift S. 104), auch wenn man es etwas vornehmer Fernwahrnehmung nennt, noch gar etwas mit der Quantenphysik erklären (S. 104). Das also im folgenden Abschnitt ist also völlig unberechtigt. |
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| Nicht immer sind Signalwörter gesetzt, ... | ||
| ... manchmal vollzieht sich ein Non sequitur / es folgt nicht Übergang sozusagen lautlos. Dazu ein Beispiel. Der Verschränkung sind soweit man derzeit weiß keine prinzipiellen zeitlichen Schranken gesetzt. Dazu überlegt Froböse weiter: Also wäre [Konjunktiv] es durchaus denkbar [damit möglich?], dass seit dem Urknall [jetzt wird es zeitlich schon sehr lang] große Teile [aus kleinsten verschränkten Teilen von denen man bisher weiß, geht der Gedanke gleich ins Universum] miteinander verschränkt seien (S. 73). Aus dem Fehlen einer zeitlichen Schranke ist man binnen eines Satzes bei der Verschränkung großer Teile des Universums seit Anbeginn. Eine wahrlich atemberaubende Folgerung, die durch nichts begründet wird. Doch wenn man aufmerksam weiter liest setzt der Autor wieder eine Signalmarke. | ||
| offenbar | ||
| Die Denkmöglichkeit der
Verschränkung zwischen makrokosmischen Objekten wurde inzwischen zur
Gewissheit (wenn man's oft behauptet, so stimmt's; siehe Proofs that
p unter |
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| auf dieser Erkenntnis aufbauend | ||
| Der Autor behauptet, er habe die spukhafte Fernwirkung von Teilchen erklärt und warum auf dieser Erkenntnis aufbauend ein kosmischer Code existieren muss (S. 87). Beide Erklärungen vermisse ich. Wie schon oben erwähnt ist eine mögliche Erklärung der spukhaften Fernwirkung, dass es sich um ein einziges Objekt handle. Das nennt der Autor auch mehrmals (z.B. S. 92), widerspricht dem aber immer wieder (siehe Tabelle oben). Daraus folgt aber keineswegs, dass ein kosmischer Code existieren muss. Es bleibt eine rein persönliche Überlegung des Autors (S. 78). | ||
| unstrittig ist | ||
| Wenn ein Autor dies betont, so
behauptet er oft etwas aus dem Blauen: wenn er es zuvor erklärt und belegt
hätte, so dass es nicht mehr bestreitbar ist, bräuchte er es nicht zu
betonen. So auch hier. Das Gehirn ist nicht die Kommandozentrale, die über
sämtliche Körperfunktionen regiert (S. 96). Vieles im Körper
geschieht ohne dem Hirn. Dazu empfehle ich als Lektüre (obwohl es
Einschlägigeres geben mag): Antonio R. Damasio: Descartes' Error.
Emotion, Reason and the Human Brain [Descartes' Irrtum. Fühlen, Denken
und das menschliche Gehirn] ( |
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| folglich | ||
| Aufgrund der fragwürdigen Wahrscheinlichkeitsüberlegung (siehe oben) verwarf der Autor die Entstehung des Lebens auf der Erde durch puren Zufall. Er hat also angenommen die Wahrscheinlichkeitsüberlegung trifft zu eine Möglichkeit ausgeschlossen. Für ihn gibt es dann nur eine zweite Möglichkeit: Folglich muss eine treibende Kraft ... für den gesamten Evolutionsprozess ... (S. 123), Mitnichten: es gäbe noch viele andere Möglichkeiten. | ||
| Fazit | ||
| Der Abschnitt über
Schwarmverhalten beginnt mit der Frage: Sind beim
Schwarmverhalten kleiner Tiere etwa Quanteneffekte im Spiel? (S. 118).
Dann folgt ein Ausflug in die Biologie. Man kann wie Jürgen Tautz, Leiter der BEEgroup am Biozentrum der Universität Würzburg, ein Bienenvolk als Bien und einen Superorganismus ansehen. Warum da schon wieder die Metapher des Computers herhalten muss: Das Bienenvolk ist wie ein Supercomputer (S. 118), entgeht mir. Ich meine, ein Bienenvolk ist schlecht mit einem Computer, der immer irgendwo eine Central Processing Unit (CPU) hat, die dem Bienenvolk erstaunlicherweise fehlt, vergleichbar. Das Zitat, das mit dem unglücklichen Vergleich beginnt, fand ich bei Magnus Heier ( Auch einen Gletscher kann man als Gesamtorganismus betrachten und beschreiben und sogar den Schnee, von dem man sagt: Erstaunlich, woher der Schnee weiß, wo die schattigen Stellen sind. Von den sonnigen hat er sich schon lange zurückgezogen, aber im Schatten der Hütte harrt er aus. Freilich folgt aus dieser Betrachtungsweise keinesfalls: Fazit: Die einzige plausible Erklärung für die Schwarmintelligenz liefert das Verschränkungsprinzip der Quantenphysik (S. 119). Zwischen der oben zitierten Frage und dem Fazit war keine Rede mehr von Quanten! |
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| 4) Anekdoten | ||
| Eine beliebte Methode den Leser geneigt
zu stimmen ist es Geschichten aus dem Alltag, die jedem schon mal passiert sein
könnten, zu erzählen. Das ist gemässigt kaum zu tadeln; man kann
es aber auch übertreiben. Seitenweise bringt der Autor Zufallsanekdoten , die mich stark an sein vorheriges Buch Die geheime Physik des Zufalls ( Die Zufälligkeit vieler dieser Erlebnisse habe ich schon in der Besprechung von Die geheime Physik des Zufalls bestritten. Hier nur eine Ergänzung. Froböse führte schon im Vorbuch und auch hier wieder Übereinstimmungen zwischen den Schicksalen John F. Kennedys und Abraham Lincolns an. Die meisten sind an den Haaren herbeigezogen oder sind schlicht keine. Oder was stimmt daran außer dem Attentat selbst und einer nötigen Flucht überein: Booth erschoss Lincoln in einem Theater und flüchtete in ein Lagerhaus. Oswald erschoss Kennedy aus einem Lagerhaus auf offener Strasse und flüchtete in ein Kino (S. 32-33). Bevor man hier völlig verärgert ist: das war es dann mal für längere Zeit im Buch an Anekdoten. Die nächsten Anekdoten, deren Zusammenhang und Sinn mir nicht klar wurde, folgen auf S. 110-112 und S. 135-142. |
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| 5) Berufung auf Experten | ||
| Es ist löblich, wenn man seine
Quellen nennt. Froböse beruft sich zu oft auf Außenseiter, manchmal
streicht der Autor zu sehr heraus, dass er mit allen mögliche
Korypäen im (telefonischen) Kontakt steht. Roman Schnabel, Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik und Institut für Gravitationsphysik, Leibniz Universität Hannover: mit ihm führte der Autor ein längeres Telefonat (S. 70; Friedbert Karger rief den Autor an, um mit ihm über Quantenphänomene zu diskutieren (S. 79-80). Karger ist bei der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) kein Unbekannter. Karger: Basierend auf vorläufigen Untersuchungen an Uri [Uri Geller], kann ich keinen Betrug feststellen. Die Kräfte dieses Mannes sind ein Phänomen, das die theoretische Physik noch nicht erklären kann (zitiert nach: Ernst Meckelburg: Der Geller-Effekt Bewusstsein beeinflusst Materie). Dabei lassen sich die Effekte Uri Gellers ausnahmslos mit gängiger Tricktechnik nachvollziehen oder ohne Rückgriff auf übersinnliche Kräfte erklären ( Die Berufung auf Experten kann eigentlich kein Kritikpunkt sein. Oder doch? Ich meine ja, dann, wenn einerseits nur eine sehr begrenzte Anzahl von Experten zur Sprache kommt und die Heranziehung von Experten oder vermeintlichen Experten kaum oder nicht überprüfbar ist. |
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| Nach dieser
ausführlichen Methodenkritik gehe ich auf einige Fehlleistungen des Textes
ein. Lebenscode des Universums |
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Die einzige Erklärung für die
These eines Lebenscodes des Universums las ich auf Seite 41. (Am Ende dieses
Abschnitts zitiere ich eine zweite Stelle im Buch, die man aber selbst bei
bestem Willen nicht als Erklärung auffassen kann). Das Argument dafür
rekonstruiere ich so:
(1) Es ist völlig unwahrscheinlich, dass das Leben nach einer (verqueren) Evolutionsauffassung entstand (S. 39).Die Prämisse (1) wurde schon vielfach zerfetzt; siehe dazu auch oben 3) Non sequitur / es folgt nicht unter demzufolge und unter folgerichtig. Die Folgerung (2) wird dann ohne jegliche Begründung einfach postuliert. Die Folgerung (3) wird dann ebenfalls auf (2) aufbauend nur so hingeschrieben. Der Gedanke scheint zu sein, dass wegen der mit (1) festgestellten Unwahrscheinlichkeit die Erklärung für die Entstehung des Lebens offen ist. Doch dann würde (2) schon ausreichen, die Folgerung (3) erübrigt sich. Der Schöpfungsakt fungiert dann als science stopper! Den Lebenscode des Universums braucht's nicht mehr. Noch krasser wird es in den folgenden Absätzen. Da muss der Lebenscode des Universums, der man erinnere sich aus der Unwahrscheinlichkeit der Lebensentstehung gefolgert wurde, gar für die Entstehung der Galaxien herhalten (S. 41). Eine weitere Untermauerung des Lebenscodes des Universums kann man bei Wohlwollen auf Seite 44 herauslesen. Froböse wiederholt die Unwahrscheinlichkeit beim Übergang von der chemischen zur biologischen Evolution. Wieder einmal kann man das zugestehen und kommt doch nicht weiter. Denn was setzt der Autor statt des unwahrscheinlichen Übergangs von selbst von der chemischen zur biologischen Evolution? Einen wohl hochkomplexen Code oder ein Ordnungsprinzip mit gespeicherten Informationen. Statt eines zugegeben unwahrscheinlichen Vorgangs (nicht ganz so von selbst wie der Autor meint; immerhin wirkt die Selektion und ab einem gewissen späteren Punkt die Vererbung) postuliert der Autor etwas noch Unwahrscheinlicheres! Um den Leser zu beschwichtigen (immerhin spürt der Autor, dass er dem Leser da viel zumutet) bittet er um Geduld (S. 44). Es folgt noch eine Stelle im Buch, die den Lebenscode des Universums mehr postuliert als belegt. Darwins Thesen reflektieren die Auswirkungen eines fundamentalen Codes (S. 123). Welche der Thesen Darwins dies reflektieren bleibt dem Leser verborgen. Es wird noch toller: Der Code gleicht einer geheimnisvollen Software und schuf (!) die ersten Gene (S. 123). Da staunt der Leser. |
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| Mehrdeutigkeit von Wörtern, (könnte auch oben unter Methodenkritik stehen) | ||
| Viele Unstimmigkeiten im Alltag aber
auch in der Wissenschaft entstehen durch die mehrfache Verwendung eines Wortes
mit unterschiedlicher Bedeutung. Dieser Fehler unterläuft jedem mal, so
auch dem Autor Froböse. Da kommunizieren Moleküle (wozu man rein mechanistisch gedacht mit dem Kopf nickt; man denke nur an kommunizierende Röhren oder daran wie der Tankinhalt mit dem Anzeiger kommuniziert), doch flugs wird daraus ein geistiger Funke geschlagen. Das zugrunde liegende Argument (in Anlehnung an das Argument von John Archibald Wheeler, S. 12; oben nach der Tabelle) wird dadurch keinesfalls schlüssig (S. 96). (1) Das menschliche Gehirn besteht aus Molekülen, Atomen, Elektronen und Kernen.Jetzt kommt der Purzelbaum: hinter dem Gehirn verbirgt sich wiederum der Geist. Ganz abgesehen von der unglücklichen Vorstellung, hinter dem Gehirn verberge sich etwas (mein Geist im Hirn braucht sich nicht zu verbergen; wie's bei anderen ist, weiß ich nicht), wurde die Grundlage für die Zustimmung zum Geist im Hirn durch das doppeldeutige kommunizieren gelegt. Wenn man dem aber zustimmt, dann ist die Folgerung (2) nicht mehr korrekt. Wer eine dualistische Geistvorstellung hegt muss erst zeigen, dass sich auf den Geist die physikalischen Gesetze anwenden lassen. Gemeinhin zeichnet sich der Geist gerade dadurch aus, dass für ihn die physikalischen Gesetze nicht gelten. Eine Idee pflanzt sich durch alle Jahrhunderte hinweg fort. In Gedanken kann ich vom Berggipfel aus ins Tal schweben usw. Also entweder physikalistisches Weltbild wie im Argument, dann sind Gedanken irgendwie ein Produkt des Hirns, aber keine res cogitans, oder der Geist ist nicht materiell, sondern eine völlig andere Entität, etwa eine res cogitans im Sinne René Descartes, dann ist wohl nichts mit Quantenphysik bezüglich des Geistes. Zu diesem Thema ist besonders Bernhard Lauth: Descartes im Rückspiegel. Der Leib-Seele-Dualismus und das naturwissenschaftliche Weltbild lesenswert ( Die Schlussfrage des Abschnitts: Wer würde allen Ernstes behaupten, dass er [der Geist] materiell ist? (S. 96) ist suggestiv, da Geist ein extrem vielseitig aufzufassender Begriff ist. Dazu wurden Tausende von Bücher geschrieben. Zudem verwendet der Autor die Begriffe Hirn, Geist, Gedanken und Bewusstsein recht locker, mir scheint oft austauschbar. Nur so ist es erklärbar, dass er nach fragwürdigen Ausführungen zu Hirn, Geist und Gedanken plötzlich all dies aufs Bewusstsein projeziert. Ich erinnere an das gerade diskutierte Argument (S. 96, siehe weiter oben): (1) Das menschliche Gehirn besteht aus Molekülen, Atomen, Elektronen und Kernen.Ich kritisierte schon, dass die Sprünge vom physikalistisch aufgefassten Gehirn in (1) zum Geist unzulässig ist, zumal der Autor ausdrückliche eine Identitätsposition (Hirnzustände, -prozesse = Geist) ablehnt. Im weiteren Text schreibt er dann wahlweise vom Hirn und Geist und erwähnt einmal das Bewusstsein, dass laut John Eccles vom Gehirn beeinflusst wird (S. 100). Und dann stellt er ohne weitere Umstände fest, dass das Bewusstsein also (Signalwort für es-folgt-nicht) den Regeln der Wellenmechanik gehorcht. Das Tückische daran ist, dass der Autor dies in einem Wenn-Satz formuliert, dann aber diesen Antezedens als gegeben hernimmt und nun kühn folgert:
Wie sehr Froböse mit seiner Generalthese der Verschränkung seit dem Urknall von allem mit allem (oder wie soll man's sonst verstehen?) auf dem Holzweg ist, zeigt diese Bemerkung: Verschränkung ist die zentrale neue Ressource. Sie muss theoretisch noch besser verstanden werden, damit sie gezielt genutzt werden kann. [...] Warum ist Verschränkung dennoch nicht das Normale? (Audretsch 2004, S. 151). |
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| Übertragung von Quantenphänomenen auf große Objekte | ||
| Die Beschreibung eines geplanten
Experiments von Roman Schnabel (S. 69ff) wird mit der beliebten
Veranschaulichung der Verschränktheit mit zwei Würfeln eingeleitet.
Hier vergisst Froboese zu erwähnen, dass es zwischen verschränkten
Würfeln weder Kräfte gibt noch wird Information ausgetauscht.
Aber nichts von alledem ist bei Verschränkung der Fall. Während
die Würfel rollen, gibt es weder eine das Ergebnis beeinflussende Kraft,
noch einen Informationsaustausch. ... Die beiden sind keine
unabhängigen, individuellen Würfel mehr, sondern formen eine Einheit,
ein verschränktes Objekt (Schnabel u.a. 2008, S. 235). Wichtig ist, dass Schnabel mit seinem geplanten Experiment erst nachweisen will, dass die Paradoxien der Quantenphysik sich auch auf den Mesokosmos des Alltags auswirken und nachweisen lassen. Froböse setzt ständig voraus: die Verschränkung gibt es auch im Mesokosmos, sie hält an und sie gilt zwischen allen Objekten im Universum. |
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| Gleichzeitigkeit von Entdeckungen | ||
| In der Wissenschaftsgeschichte gibt es
viele Fälle gleichzeitiger Entdeckungen. Berühmt ist die
unabhängige Entdeckung der Abstammung der Arten durch Charles Darwin und Alfred Russel Wallace. Doch was
bedeutet unabhängig, wenn jeder Entdecker auf seine Vordenker aufbaut?
Noch verwickelter scheint es bei der Aufstellung des Periodensystems der
Elemente zu sein. Froböse führt es als Paradebeispiel für
eine Synchronizität in der Wissenschaft an (S. 103). Der Psychologe
Carl Gustav Jung veröffentlichte 1952
den Aufsatz "Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge".
Bei all den genannten Entdeckungen kann man aber nicht von Akausalität
reden, da sie immer mit ihren Vorgängern verbunden waren, ohne jene
wären die Entdeckungen kaum möglich gewesen. Lothar Meyer hat sein Periodensystem vor 1868 entwickelt, wahrscheinlich schon 1865. Allerdings hat sich die zweite Auflage seines Buches Die modernen Theorien der Chemie verzögert, für die Meyer eine erweiterte Tabelle vorgesehen hatte. Noch ehe diese Tabelle endlich erschienen war, hatte Dimitri Mendeleev seinen Aufsatz publiziert. 1870 zog Meyer mit seinem Ende 1869 verfassten Aufsatz "Die Natur der chemischen Elemente als Funktion ihrer Atomgewichte nach. Da man Periodensysteme nicht exakt definieren kann, gibt es natürlich keine Möglichkeit ihre Entdeckung exakt zu terminieren. Die Gleichzeitigkeit verschwindet. Zudem gibt es noch zahlreiche andere Entdecker, wie z. B. Gustav Tschermak 1860, John Newlands 1864, William Odling 1865, Gustavus Detlef Hinrichs 1867. Diese erhellenden Hinweise verdanke ich dem Münchner Wissenschaftler Ralph Cahn, der dazu publizierte ( Geradezu peinlich ist es, da von einem geheimen Band zu fabulieren, das die Gehirne der Forscher unsichtbar miteinander verschränkt, auch wenn es Froböse nicht behauptet, sondern nur für möglich hält (S. 103). |
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| Evolution nicht verstanden | ||
| Des öfteren kann man sich nur
wundern, dass der Autor die Mechanismen der Evolution nicht verstanden hat oder
zumindest unrichtig anführt. So wenn er sie auf den reinen Zufall
reduziert (S. 39) und die unabdingbaren Komponenten Vererbung und Selektion
unterschlägt. Er hat sich auch nicht von der Zielrichtung der Evolution verabschiedet (S. 123). Es gibt sie nicht! Zehnmal abschreiben! An der angeblichen Zielgerichtetheit der Evolution kann man das gedankliche Durcheinander des Textes zeigen. Dazu formuliere ich das Argument, das ich schon oben unter Lebenscode des Universums rekonstruierte, etwas anders um, aber immer streng am vorliegenden Buch. (1) Zielgerichtete Entstehung der DNS ist auszuschließen (S. 39).Dieses Argument wurde schon unter folgerichtig / offenbar unter der Überschrift Non sequitur / es folgt nicht behandelt. Der Autor gibt nun ein weiteres Argument, das von der Zielgerichtetheit der Evolution ausgeht (S. 123). (1) Die Zielgerichtetheit der Evolution liefert das Überleben der bestangepassten Individuen.Die Zielgerichtetheit der Evolution bei der Lebensentstehung wurde aber auf den Seiten 39-40 als extrem unwahrscheinlich ad acta gelegt! Jetzt zieht sie der Autor als Prämisse (1) heran. Jeder sieht zudem, dass (3) selbst bei äußerstem Wohlwollen nicht aus (1) und (2) folgt. Nochmals: Ziel ist in der Evolution keines zu sehen. Man kann eine erhöhte Komplexität der Lebensformen im Laufe der Evolution feststellen. Sie betrifft aber sowohl bezogen auf die Biomasse als auch auf die Arten- oder Individuenzahl nur einen kleinen Teil des Lebens auf der Erde. Klimaveränderung, atomarer Religionskrieg oder eine andere Katastrophe können die Komplexität schnell zunichte machen. Vielleicht gibt es in hundert Jahren nur noch Bakterien. Auch der Vorwurf an Darwin (siehe ganz oben) oder die vermeintliche Abgrenzung von Darwin (hier beruft sich der Autor auf Lothar Schäfer, University of Arkansas, siehe Noch eine Stelle, die zeigt, dass der Autor Darwin und die biologische Evolution nicht verstanden hat. Der Autor setzt dem Prinzip der natürlichen Selektion "ein Quantenprinzip der chemischen und biologischen Evolution" entgegen (S. 40). Unklar bleibt, ob damit die Selektion ersetzt wird oder ob das »Quantenprinzip« additiv hinzu kommt was das »Quantenprinzip« in diesem Zusammenhang genau ist. Vom Zufall (die zufälligen Mutationen sind eine der unabdingbaren Haupttthesen Darwins) ist keine Rede. Doch er kommt im nächsten Satz: "Mit anderen Worten" (leitet üblicherweise eine Umformulierung und Klarstellung des Vorangegangen ein), die Evolution ist kein Zufall, sondern "die Folge eines kosmischen Quantenphänomens" (S. 40). Die Selektion wurde ersetzt oder ergänzt und damit fällt der Zufall weg!? Das ist arg erklärungsbedürftig. Zum wiederholten Male: die Evolution ist kein Zufall, sondern ein Zusammenspiel von zufälliger Mutationen, Vererbung und Selektion. Keine dieser drei Komponenten darf fehlen. Mit anderen Worten: die drei Komponenten sind notwendige Bedingung für die Evolution. |
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| Selbst wenn man der Ansicht ist, die Mechanismen der Evolution reichen nicht hin um den komplexen Evolutionsvorgang befriedigend zu erklären, dann ist die Alternative, die Froböse gibt, völlig unzureichend. Er nimmt an, die Komplexität wäre schon vorher (seit dem Urknall!) im Lebenscode des Universums festgelegt. Er verschiebt die Komplexität also um einige Milliarden Jahre zurück und meint, das wäre dann eine angemessene Lösung. | ||
| Homöopathie und Geistheilung (S. 131 ff) | ||
| Zur Homöopathie kann ich als Laie wenig sagen. Ich meine, ein Prinzip der Homöopathie ist: je weniger, desto besser! Damit bin ich einverstanden. Was der Autor mit Geistheilung meint ist mir unklar. Ist es die Heilung des Geistes oder die Heilung durch einen Geist oder nur Heilung ohne Eingriff oder Medikamente? Daher: kein Kommentar. | ||
| Unsterblichkeit der Seele (S. 135 ff) | ||
| Der Autor geht vermeintlichen Hinweisen
zur Unsterblichkeit der Seele, die er auch Tieren zuspricht (S. 113), nach. Da
die Übergänge Tiere-Pflanzen und Lebewesenunbelebte Materie
fließend sind, ist die Seelenzusprechung wohl universell, so wie
wir mit jedem Punkt des Universums verbunden sind (S. 104).
Bevor man Hinweisen für die Unsterblichkeit der Seele nachgeht, sollte man Hinweise für die Existenz einer Seele präsentieren oder für einen Dualismus Seele Materie. Zuvor vertrat der Autor schon die Ansicht, Übernatürliches gibt es nicht (S. 29), an anderer Stelle las ich gar eine Art von Geistmonismus. Mehr als ein paar Anekdoten (S. 135-142) kann der Autor für seine weitreichende These der Unsterblichkeit der Seele nicht anführen. |
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| Banales und Kryptisches | ||
| Der Autor schreibt: Obwohl
wir uns fast ausschließlich durch Sprache verständigen, hat auch der
Mensch die Möglichkeit, molekulare Duftbotschaften zu empfangen (S.
114). Daran ist schon der erste Teilsatz falsch. Zwar ist die Sprache ein extrem wichtiges Medium der Verständigung, aber z.B. im Straßenverkehr ist die visuelle Verständigung (mittels Verkehrszeichen, visueller Erfassung des Verkehrsgeschehen) fast die einzige; im südliche Europa mag es für Motorrollerfahrer anders sein. Der Autor referiert eine Folgerung der Autoren Menas Kafatos und Robert Nadeau aus The Conscious Universe ( Ähnlich banal ist die Feststellung auf derselben Seite (S. 89), diesmal nach Thomas Görnitz, dass Gedanken so real wie Atome sind. Ich kenne niemand, der abstreitet, dass es Gedanken gibt und zwar ganz real. Wird damit zusätzlich gemeint, Gedanken seien so material wie Atome, dann entspricht diese These einem eliminativen Materialismus, wie ihn z.B. Patricia und Paul Churchland vertreten. Gedanken sind dabei ganz real mit Prozessen und Zuständen des Hirns identisch. Dass jemand dann Materie als kondensierte Quanteninformation (S. 90) versteht, bleibt ihm unbelassen. Wer Materie mit Geistigem gleichsetzt reduziert Materie auf Geist oder umgekehrt: identisch ist reflexiv. Damit wird Geist nur zu einem anderen Namen für Materie. Mir soll's recht sein. In ein ähnliches Horn stößt die Auffassung des menschlichen Hirns als gigantischen Quantencomputer (S. 90), tierische Hirne sind dann wohl kleinere Quantencomputer. Die Metapher des Computers (Froböse redet auch von Hard- und Software des Universums) für alle möglichen lebendigen oder sozialen Organismen wurde schon lange als zu vereinfachend abgelegt. Lothar Schäfer ( Eine letzte köstliche These:
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| Zitate und ihre Zuordnung | ||
| Froböse nennt zwar die zitierten
Wissenschaftler mit Herkunft und vollem Namen, eine genaue Quellenangabe fehlt
meist (ist bei populärwissenschaftlichen Werken nicht immer üblich).
Die Quelle ist auch oft nicht über das Literaturverzeichnis auffindbar, da
beispielsweise die zitierten Autoren Schrödinger und Moravec dort nicht
auftauchen. Das burleske Gedankenexperiment (S. 59-60) stammt aus dem ersten Teil des Aufsatzes von Erwin Schrödinger, S. 812 ( Das Hans Moravec Zitat (S. 63-64) konnte ich bei Moravec nicht orten. In Moravecs Bibliografie im Internet ist 1987 einiges zu Robotern und AI verzeichnet, aber nichts in Richtung Quantenphysik oder multiple Universen. Das Zitat könnte aus seinem Buch: Mind Children: The Future of Robot and Human Intelligence, Harvard 1988 sein. Der Untertitel läßt auch dies bezweifeln. Es geht um die Ausweitung des Gedankenexperiments Schrödingers auf eine Viele-Welten-Interpretation. Das wird in Wikipedia und vielen Abschreiber-Webauftritten Hans Moravec, 1987, zugeschrieben. Das Zitat ist im vorliegenden Buch Froböses wörtlich dem Wikipedia-Artikel Quantenselbstmord entnommen ( |
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| Vorschläge an Wissenschaftler (S. 145ff) | ||
| Die letzte Platitüde bringt Froböse als Vorschlag an die Wissenschaftler. Sie sollen sich mit dem weitgehend unentdeckten Teil der Natur beschäftigen (S. 145). Ich dachte bisher (ausgenommen Bürokratie und Publikation ihrer Ergebnisse), die Naturwissenschaftler tun nichts anderes: sie wollen Neues, also bisher Unentdecktes in der Natur entdecken. | ||
| Bei aller Kritik des Buchs gestehe ich dem Autor zu, dass er seinen Kapitel immer hervorragende Motti voranstellt (ich habe sie allerdings nicht überprüft). Der Textabschnitt Die Reise in den Mikrokosmos (S. 47-78) ist am gelungsten. | ||
| Die
Zumutungen der Quantenphänomene rufen zahlreiche
populärwissenschaftliche Autoren auf den Buchmarkt. Manche wollen den
quantenmechanischen Zufall nutzen um endgültig die Willensfreiheit zu
ermöglichen, andere bauen seltsame Weltbilder (siehe
beispielweise: Volker Junghanss: Unterwegs zur absoluten Dimension,
Das alles misslingt gründlich. An einer Stelle bezeichnet der Autor seine Hauptthese, dass eine kosmische Regel, die als zentrale Information bereits im Urknall enthalten war, als eine rein persönliche Überlegung (S. 78). Das gilt wohl dann fürs ganze Buch. |
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| Links | ||
| Links zu Leben und Wahrscheinlichkeit | |
| Andrew Watson (2008) siehe unter Literatur | |
| Literatur |
| Aspect, Alain (2007): Quantum mechanics: To be or not to be local. Nature 446, S. 866-867. |
| Audretsch, Jürgen (2004): "Schöne neue Quantenwelt". Physik unserer Zeit 35:4, S. 151. |
| Baas, Augustin, Cyril Branciard, Nicolas Gisin, Hugo Zbinden, Daniel Salart (2008): Testing the speed of spooky action at a distance. Nature 454, S. 861-864. |
| Blume-Kohout, Robin, Wojciech H. Zurek (2006): Quantum Darwinism: Entanglement, branches, and the emergent classicality of redundantly stored quantum information. Physical Review A 73. |
| Blume-Kohout, Robin, Wojciech H. Zurek (2008): Quantum Darwinism in Quantum Brownian Motion. Physical Review Letters 101. |
| Brunner, R, R. Akis, D. K. Ferry, F. Kuchar, R. Meisels (2008): Coupling-Induced Bipartite Pointer States in Arrays of Electron Billiards: Quantum Darwinism in Action? Physical Review Letters 101. |
| Cahn, Ralph M. (2002):
Philosophische und historische Aspekte des Periodensystems der chemischen
Elemente. Karlsruhe: Hyle. Hyle Studies in History and Philosophy of
Chemistry 1. |
| Esfeld, Michael (2002): "Quantentheorie: Herausforderung an die Philosophie!". In: Jürgen Audretsch, Hg.: Verschränkte Welt. Berlin: Wiley, S. 197-217. |
| Fink, Helmut (2004): Interpretation verschränkter Zustände: Die Quantenwelt unbestimmt und nichtlokal? Physik in unserer Zeit 35:4, S. 168173. |
| Grosse, Nicolai B., Syed Assad, & u.a. (2008): "Observation of Entanglement between Two Light Beams Spanning an Octave in Optical Frequency". Physical Review Letters 100. |
| Rudolph, Terence G. (2008): Quantum mechanics: The speed of instantly. Nature 454, S. 831-832. |
| Schiermeier, Quirin (2005): Quantum physics: The philosopher of photons. Nature 434, S. 1066-1066. |
| Schnabel, Roman, Helge Müller-Ebhardt, Henning Rehbein (2008): "Ein realisierbares Gedankenexperiment. Verschränkte Spiegel". Physik unserer Zeit 39:5, S. 234-240. |
| Schnabel, Roman (2008): Verschränkung zweier Spiegel. Spektrum der Wissenschaft 6, S. 14-16. |
| Schrödinger, Erwin (1935):
Die gegenwärtige Situation in der Quantenmechanik.
Die Naturwissenschaften 23:48, S. 807-812; 23:49, S. 823-828; 23:50, S. 844-849. |
| Sherson, Jacob F., Hanna Krauter, Rasmus K. Olsson, Brian Julsgaard, Klemens Hammerer, Ignacio Cirac, Eugene S. Polzik (2006): Quantum teleportation between light and matter. Nature 443, S. 557-560. |
| Watson, Andrew J. (2008): "Implications of an anthropic model for the evolution of complex life and intelligence". Astrobiology Journal 8, 175-185. |
| Zeilinger, Anton (2005): The message of the quantum. Nature 438, S. 743-743. |
| Yuan, Zhen-Sheng, Bo Zhao, Shuai Chen, Jörg Schmiedmayer, Yu-Ao Chen, Jian-Wei Pan (2008): Experimental demonstration of a BDCZ quantum repeater node. Nature 454, S. 1098-1101. |
| Zurek, Wojciech Hubert (2007): Quantum origin of quantum jumps: Breaking of unitary symmetry induced by information transfer in the transition from quantum to classical. Physical Review A 76 |
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| Jürgen Audretsch: Die
sonderbare Welt der Quanten: Eine Einführung. München: Beck,
2008. Broschiert, 192 Seiten
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| Jürgen Audretsch:
Verschränkte Welt. Faszination der Quanten. Berlin: Wiley, 2002.
Taschenbuch, 300 Seiten
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| Martin Bojowald: Zurück vor
den Urknall: Die ganze Geschichte des Universums. Frankfurt am Main:
Fischer, 2009. Gebunden, 352 Seiten |
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| Andreas Buchleitner, Carlos
Viviescas, Markus Tiersch, Hg.: Entanglement and Decoherence
Foundations and Modern Trends. Berlin: Springer, 2009. Lecture Notes in
Physics. Gebunden, 320 Seiten
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| Bernulf Kanitscheider:
Kosmologie. Geschichte und Systematik in philosophischer Perspektive.
Stuttgart: Reclam, 1991. Taschenbuch, 519 Seiten. |
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| Bernhard Lauth, Jamel Sareiter,
Hg.: Wissenschaftliche Erkenntnis. Eine ideengeschichtliche Einführung
in die Wissenschaftstheorie. Paderborn: Mentis, 2005. 298 S.
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| Heinz R. Pagels: The Cosmic
Code: Quantum Physics as the Language of Nature. London: Penguin, 1984.
Taschenbuch: 352 Seiten |
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| Lothar Schäfer: Versteckte
Wirklichkeit: Wie uns die Quantenphysik zur Transzendenz führt.
Stuttgart: Hirzel, 2004. Broschiert, 320 Seiten |
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| Charles M. Wynn, Arthur W. Wiggins:
Quantum Leaps in the Wrong Direction: Where Real Science Ends ... and
Pseudoscience Begins. Washington, DC: Joseph Henry, 2001. 226 Seiten
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| Anton Zeilinger: Einsteins Spuk
Teleportation und weitere Mysterien der Quantenphysik. München:
Goldmann, 2007. Broschiert, 352 Seiten
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