| Ronald de Sousa: Why Think? The
Evolution of the Rational Mind New York: Oxford University Press, 2007. Gebunden, 187 Seiten |
| Die Titelfrage Why Think?
ist mehrdeutig. Sie kann fragen, warum in alles in der Welt kam die Evolution dazu ein denkendes Lebewesen zu erfinden? Und sie kann fragen: warum sollte man denken? Dass die denkende Vernunft ohne einen Überdenker (dessen Vernunft dann noch stärker (da sicher leistungsfähiger als unsere) nach Erklärung heischen würde) zustande kam liegt für de Sousa außer Zweifel. Vor Beginn des Lebens vor etwa 4 Milliarden Jahren gab es wohl nichts, dass man rational oder irrational kategorisieren könnte (S. 8). Jede Zeugung und Menschwerdung bringt es wieder zustande: aus Ei- und Samenzelle (die sicher nicht denken können) entwicklet sich ein vernünftiges menschliches Individuum (S. 9). Die zweite Lesart wirft der Why Think?-Frage wirft de Sousa in einem Beispiel gleich zu Beginn auf. Mit obskuren Methoden ist Jack erfolgreicher als die rationale Jill. Er folgert: "Rationalität wird überbewertet". Auch manche Leser der Bauchentscheidungsbücher, deren Welle wohl durch Gerd Gigerenzer (der selbst keine so platten Schlüße zieht, siehe Sie fragen: Ist es vernünftig (manchmal, oft, immer) unvernünftig zu sein? Sie stellen an das anders geleitete Denken und Handeln also Vernunftmassstäbe. Sie messen den Erfolg der Bauchentscheidung oder obskuren Methoden am Vernunftmassstab. Wie anders könnte man beurteilen, ob sie erfolgreich seien? Wenn sie den Wert der Rationalität bezweifeln tun sie dies wieder durch rationalen Vergleich der verschiedenen Methoden. Ein Dilemma der Rationalität (S. 16) ist es, dass manchmal eine schnelle, ungefähre Reaktion (»quick and dirty«) effektiver ist als eine lang berechnende. Ein weiteres Poblem sind (scheinbare) Fehlgriffe der Rationalität, man denke nur an intuitive Wahrscheinlichkeitsüberlegungen, bei denen bekanntlich der Mensch oft schwach abschneidet. Sie müssen evolutiv erklärt werden. Rationalität dient in der Evolution der Verbesserung unserer Chancen auf lange Sicht. Da sind kurzfristige Fehlschläge mit einkalkuliert. |
| Auf dem Weg der
Überlegungen behandelt de Sousa knifflige Fragen und Themen, so die
Teleologie in der Biologie, Pascals Wette, die kollektive Rationalität und
Inkohärenz des Denken und Handelns. Die Frage, wie der Altruismus und die
Tugenden sich evolutiv durchgesetzt haben, hält de Sousa für nicht
einfach zu beantworten. Er vergleicht dieses Problem der Evolutionsbiologie mit
der Theodizee für die Theologie. (S. 108-114; siehe dazu den Essay von
George Monbiot, Das Lotterieparadox (S. 126-127, |
| Zwei der vielen anregenden Themen
greife ich noch heraus. Die vielfach fragwürdigen Überlegungen zur Wahrscheinlichkeit der Naturkonstanten (Anthropisches Prinzip, siehe Links) oder der Entstehung von Leben greift de Sousa mit einem Beispiel des Autors Stanislaw Lem auf und an (S. 38, In Texas wurde 2002 eine Mutter, die fünf ihrer Kinder ertränkt hatte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Verteidigung führte an, dass die Frau aufgrund göttlicher Eingebung gehandelt habe und deshalb nicht zurechnungsfähig gewesen sei. Das Gericht verwarf dies, da die Frau rationales Vorgehen zeigte. De Sousa fragt es wie es um Agamemnon und Abraham, dem Stammvater der drei großen monotheistischen Religionen, stehe (S. 31-32). Agamemnon tötete sein Kind und Abraham folgte ebenfalls der göttlichen Eingebung und wurde von dieser (nicht aufgrund eigener Einsicht) vom Kindesmord abgehalten. De Sousa folgert resigniert: When enough people share a delusion, it loses its status as a psychosis and gets a religious tax exemption instead (S. 32). Siehe dazu Richard Dawkins: The God Delusion ( |
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| Links |
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| Gerd Gigerenzer:
Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der
Intuition. München: Goldmann, 2008. Hainer Kober, Übs.
Taschenbuch, 288 Seiten
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