| Holm Tetens: Philosophisches
Argumentieren: Eine Einführung München: Beck, 2004. Taschenbuch, 311 Seiten |
| Philosophieren beruht hauptsächlich auf dem Austausch von Argumenten. Manche Leser von Pseudo-Philosophiebüchern über das gelingende Leben überrascht dies, andere reduzieren das Philosophieren auf formale Argumente. Wieder andere werfen den Philosophen ihre argumentative Art sogar vor. Sie wollen lieber schwadronieren, wobei so ziemlich alles zulässig ist. Diesen allen tritt Holm Tetens entgegen. |
| Er zeigt an
zahlreichen Beispielen aus der Philosophiegeschichte, wie argumentiert wurde
und wie richtig argumentiert wird. So macht er klar, das außer formal
korrekten Argumenten vieles wichtig ist: Sprachkritik, Begriffsklärung,
versteckte und verschwiegene Prämissen, Zusammenhänge, Pragmatik und
die wichtigen Grundannahmen. Der Formalismus kommt hier fast zu kurz: das Formale eignet man sich möglichst vor der Lektüre dieses Buchs an. Dafür liest man eine Liste der wichtigsten zwölf Fragen der Philosophie (in einige hat Tetens mehrere Fragen verpackt; S. 16). Der Laie wird dabei staunen. Die vielen Glücks- Sinn- und Erfolgsbücher treten erst in Frage 12 auf. Fast nebenbei wird der aufmerksame Leser mit vielen Argumenten zu diesen Fragen vertraut. Man liest also eine kleine Philosophiegeschichte und Zustandsbeschreibung der Philosophie gleich mit. Tetens bringt häufig Beispiele aus der philosophischen Diskussion. Damit bleibt der Text nicht an den Standardbeispielen Wenn es regnet, wird die Strasse nass oder Alle Menschen sind sterblich hängen. Die Widerlegung des Physikalismus in Franz von Kutschera: Jenseits des Materialismus, 2003, nutzt Tetens u.a. dafür, die begrenzte Reichweite der Argumentation mit der Lügnerantinomie zu zeigen. Er weiß nur zu gut, dass Franz von Kutschera christlich geprägt ist. Kurz darauf weist er ein ähnliches Argument gegen die Möglichkeit eines allwissenden Wesens zurück. Er beruft sich wieder auf die begrenzte Reichweite der Argumentation mit der Lügnerantinomie. Wenn nun Franz von Kutschera die Argumentation gegen seine Materialismuswiderlegung (mit der begrenzten Reichweite der Argumentation der Lügnerantinomie durch Tetens) zurückweist, hat er ein hartes Problem mit dem Argument gegen ein allwissendes Wesen. |
| Sehr hilfreich ist der Teil 3 über
die Argumentationsmuster der Philosophie. Zu loben ist, dass Tetens nicht
müde wird nach Diskussion oder kleinen Veränderungen
die Argumente zu wiederholen und dass wichtige Merksätze oder Aussagen
eingerahmt sind. Nicht ganz sorgfältig aufbereitet ist das Literaturverzeichnis (Wolf 1996 aus Fussnote 83 fehlt beispielsweise) und das Stichwortverzeichnis: das sollte man sich im Laufe der Lektüre selbst ergänzen. |
| Wer die Aussagenlogik
einigermassen kennt (der Teil 5, Kapitel 20 ist dafür zu knapp; siehe aber
"Einführungsliteratur zur Logik" unter |
| Links |
| Holm Tetens ist
Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin |
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