| A. C. Grayling: Russell: A Very
Short Introduction Oxford: Oxford UP, 2002. Taschenbuch, 168 Seiten |
| In der kleinen feinen Reihe "Very Short
Introduction" (weitere besprochene Werke daraus siehe unter
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| Leben und Werk Russells Schwerpunkt Werk werden gedrängt, aber gekonnt geboten. Dem Leser wird klar, wieviel die Philosophie insgesamt dem Giganten Russell verdankt. Oft wird er ja auf seine in Zusammenarbeit mit Alfred North Whitehead entstandene Principia Mathematica beschränkt. Dieses Werk allein würde genügen um ihn in die Ruhmeshalle aufzunehmen. Nach dem Studium dieser Einführung erkennt man aber, zu wieviel Disziplinen Russell Hervorragendes beigetragen hat. Neben der Logik und Philosophie der Mathematik sind dies vor allem Wissenschaftstheorie, Philosophie des Geistes, Sprachphilosophie, Erkenntnistheorie, Religionsphilosophie, politische Philosophie und Ethik. |
| Die Schwierigkeit, vor der Grayling
stand, kann man daran ermessen, welch immensen Zeitraum Russells philosophische
Bücher (ohne die Mathematik und Logik) umspannte: von The Problems of
Philosophy (1912) bis Human Knowledge (1948) und dann noch My
Philosophical Development (1959). Als Mensch entsprach er durchaus seinem hohen philosophischen Standard. Er hat Fehler in allen Bereichen gemacht und später korrigiert. Er hat aber auch seine Einstellungen weiterentwickelt, so war er kein bedingungsloser Pazifist, sondern sprach sich zum 2. Weltkrieg durchaus dafür aus, Nazi-Deutschland auszuschalten. Zeitlebens kämpfte er gegen Kriege und die Atombewaffnung. Auch seine Erziehungsansichten hat er revidiert. Entgegen missliebigen Kritikern war er aber nie für völlige Freiheit. Das streicht Grayling gut heraus. Wie in der Politik plädierte er auch in der Pädagogik für eine Lenkung. In der Politik setzte er sich schon früh ansonsten mehr für die (individuelle Freiheit) für eine Weltregierung aus. Das Klassensystem im United Kingdom lehnte er ab. Kein Wunder, dass seine politische Einstellung und ihre öffentliche unabweichliche Vertretung aneckte: nicht umsonst wurde er von manchen Regierungen verfolgt und zweimal ins Gefängnis gesteckt. Manches kommt zwangsläufig zu kurz: so scheint mir Russells Paradox für jemand, der es noch nie hörte, zu flüchtig behandelt. |
| Fazit: Auf 147 Seiten kann man niemals mehr über Bertrand Russells Werk erfahren. Alle von Russell behandelten Gebiete werden ausführlich diskutiert. Verblüffend selbst für Kenner Russells ist, in wie vielen verschiedenen philosophischen Disziplinen er fundierte Beiträge brachte. Dazu seine politischen Schriften, die bei Grayling nicht zu kurz kommen. Einzig Russells rein literatische Werke kommen nicht vor. Das kann man verschmerzen, da sie trotz Literaturnobelpreis (er bekam ihn nicht für die belletristischen Werke) nicht so bedeutend sind. Einziges Wasser im Öl: der Text ist anspruchsvoll, weil Russell teils recht anspruchsvoll ist. Ich kann also nicht beurteilen, wie er sich für jemand liest, der noch recht wenig von Russell kennt. Ansonsten: hohes Lob für Grayling und höchstes Lob für Russell. |
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