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Ottmann
Henning Ottmann: Geschichte des politischen Denkens 4/1: Das 20. Jahrhundert. Der Totalitarismus und seine Überwindung
Stuttgart: Metzler, 2010. Broschiert, 540 Seiten – Ottmann LinksOttmann Literatur
Das Opus Magnum des emeritierten Professor für Politische Theorie und Philosophie am Geschwister-Scholl-Institut an der Ludwig-Maximilians- Universität München Henning Ottmann ist die mehrbändige „Geschichte des politischen Denkens“. Davon liegt nun Band IV/1: Das 20. Jahrhundert. Der Totalitarismus und seine Überwindung vor, Band IV/2 folgt noch.
Der Band IV/1 legt den Schwerpunkt auf die erste Hälfte des 20. Jhdts. Er gliedert sich im Wesentlichen in acht Teile:
I. Dystopien (Wells, Capek, Samjatin, Huxley, Orwell)
II. Max Weber (1864–1920) oder Standhalten im »Gehäuse der Hörigkeit«
III. Politisches Denken in Rußland vor, während und nach der Oktoberrevolution
IV. Die Konservative Revolution (Arthur Moeller van den Bruck, Thomas Mann, Oswald Spengler, Ernst Jünger)
V. Carl Schmitt (1888–1995) oder Politisches Denken für alle Fälle
VI. Faschismus und Nationalsozialismus
VII. Politisches Denken in China vor und nach der Revolution (KangYouwei, SunYat-sen, Mao, die ältere chinesische Philosophie und ihre aktuelle Bedeutung)
VIII. Neoklassische politische Philosophie (Arendt, Voegelin, Strauss)
Zunächst überrascht, dass der Autor das breite Spektrum alleine beacktert. Das war auch bereits ein Vorzug der vorangehenden Bände. Es entsteht ein Werk aus einem Guss.
Der Beginn mit einem ausführlichen Teil zu den literarischen Dystopien ist einerseits ungewöhnlich, andrerseits signalgebend für die kommenden totalitären Regime. Max Weber veranlasst zur Erörterung einer der vielen Kontroversen, die das gesamte Jahrhundert durchzogen: den Streit um die Wertfreiheitsthese. Der Schwerpunkt liegt dann auf den totalitären Regimen in Russland, Deutschland, Italien und China. Der achte Teil behandelt die große Intellektuelle Hannah Arendt, den Politologen Eric Voegelin und den politischen Philosoph Leo Strauss. Unter deren Schirm werden zahlreiche Themen, wie Zionismus und Naturrecht abgehandelt. Von großer Sachkenntnis getragen ergeben sich zahlreiche Rückbezüge in frühere Jahrhunderte, so dass ein enges Gewebe entsteht.
Dabei versucht Ottmann immer ein differenziertes Urteil abzugeben. Die grossen Verbrecher der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, allen voran Hitler, Mao und Stalin (alphabetisch) werden ausführlich diskutiert. Aufschlussreich ist beispielsweise die Diskussion, in wie weit die Totalitarismen als politische Religionen einzustufen sind oder warum die westliche Doktrin des Marxismus gerade in Russland und China auf so grosse Resonanz stieß.
Vieles aus dem 20. Jahrhundert fehlt, jedoch (hoffentlich) nur, weil es im Band 4/2 behandelt werden wird.
Nach den Unterkapiteln werden die wichtigsten Personendaten in Kästen zusammengefasst. Das ist vorteilhaft für späteres rasches Nachschlagen.
Die Literaturangaben sind dazu aber zu fein gegliedert und im Fließtext etwas unübersichtlich. Dies beeinträchtigt jedoch die Nützlichkeit des Werks nicht.
Durch den Detail- und Bezugsreichtum und den verständlichen Stil eignet sich dieser Band sowohl für den Experten als auch die Studierenden der einschlägigen Richtungen als auch für alle an der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts interessierten Laien. Man wartet schon auf den Folgeband, damit sich das Bild abrundet. Das Preis/Leistungsverhältnis ist günstig für den Käufer. Das ist wichtig, weil, wer einmal Lunte gerochen hat, auch die anderen Bände lesen will. Das bisher vorliegende Gesamtwerk (acht Bände, der neunte Band 4/2 ist für 2012 angekündigt) gibt es zusammen zu einem noch günstigeren Preis. Zuschlagen!
Links
Henning Ottmann, * 1944 in Wien, war von 1995 bis 2009 Professor für Politische Theorie und Philosophie am Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München. OttmannLehrstuhlOttmannWikipedia
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Ottmann OttmannHenning Ottmann: Geschichte des politischen Denkens 4/1: Das 20. Jahrhundert. Der Totalitarismus und seine Überwindung. Stuttgart: Metzler, 2010. Broschiert, 540 Seiten

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Crouch LüddeckeColin Crouch: Postdemokratie. Frankfurt: Suhrkamp, 2008. Taschenbuch, 159 Seiten. Nikolaus Gramm, Übs.
Lüddecke LüddeckeDirk Lüddecke, Felicia Englmann, Hg.: Zur Geschichte des politischen Denkens: Denkweisen von der Antike bis zur Gegenwart. Stuttgart: Metzler, 2014. Broschiert, 274 Seiten – Rezension
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