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Lenk Hans Roth Gerhard
Lenk, Hans. Kleine Philosophie des Gehirns
Darmstadt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: 2001
Roth, Gerhard. Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen
Frankfurt am Main: Suhrkamp 1995

Nach einem Überblick über Struktur und Funktionen des Gehirns im 1. Kapitel geht Hans Lenk auf weiteren 80 Seiten auf die Innereien des Gehirns ein. Dabei werden ausgiebig zahlreiche neurologische Versuche beschrieben. Bei insgesamt nur 160 Seiten ist dies ein zu großer Anteil. Das hätte man unbedingt straffen, vieles weglassen müssen. Die Gliederung des Stiffs ist undurchsichtig. So kommt es, daß Lenk z.B. auf die Versuche von Benjamni Libet zweimal eingeht (S.85 und S.121f) und Daniel Dennetts "multiple draft theory" zweimal kurz streift (S.85 und S.122f). Im 5. Kapitel "Gehirn und Bewusstsein in neurophilosophischer Sicht" wird's dann spannend. Lenk geht insbesondere auf Roths Buch Das Gehirn und seine Wirklichkeit und den darin beschriebenen Konstruktivismus ein. Er rückt zurecht Roths Konstruktwirklichkeit nahe an Kants Dinge an sich. Er kritisiert berechtigt, daß Roth seine "Wirklichkeit" und "Realität" gelegentlich nicht scharf genug trennt (S.121). Doch auch hier läßt der Text eine straffe Argumentation vermissen. So erörtert Lenk auf S.126 unten erneut den Vorwurf, daß Roth seine Sprechweise zu leichtfertigt handhabt. Das hatten wir schon auf S.121.
Hinter dem elementaren Titel Kleine Philosophie des Gehirns erwartet man sich eine breitere Auseinandersetzung. Kaum empfehlenswert.
Gerhard Roth gelingt mit dem inzwischen sehr bekannten Werk ein guter Wurf. Er gibt einen guten Überblick über den derzeitigen Forschungsstand und versucht eine eigene Darstellung der philosophischen Konsequenzen. Dabei scheut er nicht vor der Beantwortung schieriger Fragen z.B. nach Willensfreiheit oder dem Zusammenhang neuronaler und mentaler Prozesse zurück. Seine Unterscheidung in Wirklichkeit und Realität überzeugt und beantwortet einige offene Fragen. Die Wirklichkeit ist für Roth ein Konstrukt des Gehirns. Die Realität – in etwa wohl das, was Kant das Ding an sich bezeichnet – wird für uns unerkennbar bleiben.
Auf meine verständnislose Email-Rückfrage wegen eines Vexierbildes im Buch erhielt ich sofort eine kurze aber ausreichende Hilfestellung durch den Autor selbst.
Wer sich mit dieser Thematik auseinandersetzt, kommt um Roths Buch nicht herum. Wie ich las, legte Gerhard Roth 2001 ein erweitertes Werk ähnlichen Inhalts vor. Mir ist nicht bekannt, wie weit es sich mit dem Suhrkamp-Taschenbuch überschneitet.
Sehr zu empfehlen; verständlich geschrieben.
Hans Lenk. Kleine Philosophie des Gehirns. Darmstadt: Primus, 2001. Gebunden, 160 Seiten Gerhard Roth. Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2000. Taschenbuch, 383 Seiten
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  Zur Ergänzung:
Wolfgang Lenzen: "Realität und »Wirklichkeit«. Kritische Bemerkungen zu Gerhard Roths »neurobiologischem Konstruktivismus«". In: Carlos Ulises Moulines, Karl-Georg Niebergall, Hg.: Argument und Analyse. Paderborn: Mentis, 2002. S. 33-54
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 4.2.2005