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Zoglauer
Thomas Zoglauer: Geist und Gehirn. Das Leib-Seele-Problem in der aktuellen Diskussion
Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1998. Broschiert, 243 Seiten. UTB 2066 – zoglauer Autor
Der Anspruch des Buches, einen Überblick über die verschiedenen Positionen im Leib-Seele-Problem zu geben und in die philosophische Problemstellung einzuführen (S. 7) wird erfüllt. In drei Kapiteln werden Dualismus, Epiphänomenalismus, Identitätstheorien, eliminativer Materialismus und Funktionalismus problemorientiert dargestellt. In zwei weiteren Kapiteln werden die beiden zentralen Probleme der gegenwärtigen Diskussion: Qualia und Mentale Verursachung erläutert. Die Vorzüge von Zoglauers Geist und Gehirn sind klare Darstellung der einzelnen Theorien, Herausarbeitung ihrer Stärken und Schwächen und schwerpunktmässige Berücksichtung der neuesten Diskussion; obgleich er mir zu sehr auf Davidson losgeht, dagegen Philosophen wie Chalmers, die Churchlands und Dennett zu kurz kommen. Zoglauer bezieht Position für den Dualismus. Ein wichtiges Argument dafür liefert das Möglichkeitsargument. Der Autor diskutiert es speziell im Anhang.
Wenn ein Autor in einem Einführungsbuch die neutrale Sicht verlässt gibt es jedoch allerlei Probleme.
  1. Bei Zoglauer wurde mir nicht immer klar, wo er eine Position schildert und Schwachpunkte aufzeigt und wo er diese Position aus seiner dualistischen Einstellung her kritisiert. So zum Epiphänomenalismus: "Aber dieser Selektionsvorteil kann nur dann wirksam werden, wenn der Geist auf seine materialle Basis zurückwirken kann" (S. 82). Oder kurz darauf: "Wenn kein Bewußtsein entstanden wäre, so wäre die Evolution genauso weitergegangen, wie wir sie kennen, es hätte sich nichts an der Geschichte geändert" (S. 82). Ist das nun der Standpunkt des Epiphänomenalismus oder die Sichtweise Zoglauers oder der Stand der allgemeinen Diskussion? Dies auseinander zu halten fiel mir oft schwer.
  2. Die eigene Stellung verleitet zu voreingenommener emotionaler Wortwahl. Da werden andere Positionen zum "Rätsel" (Identitätstheorie, S. 105) oder die andere Vorstellung "krankt daran" (S. 191).
  3. Die eigene Stellung verleitet zu fragwürdigen Argumenten. Beispiel: "Würde man ihnen folgen, so würde die Philosophie um vieles ärmer werden" (S. 126). Der Natur ist völlig egal, ob der Philosophie irgendwelche Teilgebiete wegbrechen. Meine Welt wurde ebenfalls ärmer, als ich erkannte, daß der Nikolaus nur mein verkleideter Nachbar ist. Aber was half's.
  4. Die anderen Positionen werden zu schnell und zu rigoros abgewertet. So führt nach Zoglauer das Searlesche Gedankenexperiment des chinesischen Zimmer die funktionalistische Vorstellung ad absurdum. Dazu gibt es verschiedene Sichtweisen. Die funktionalistische Vorstellung wird durch das Gedankenexperiment angegriffen und allenfalls erschüttert. Sie gleich in die Absurdität abzudrängen halte ich nicht für angemessen.
Einmal sitzt Zoglauer wohl einem gängigen Übersetzungsfehler auf. Das übliche Material in Computern oder Robotern ist Silizium. Das Silikon (S. 133) wird für andere Objekte verwendet.
Insgesamt ein sehr gutes Einführungsbuch, bei dem jedoch die Gefahr besteht, daß man Zoglauers Bevorzugung der eigenen Sichtweise erliegt. Deshalb ist es angebracht vorher
Ansgar Beckermann: Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes durchzuarbeiten.
Autor
* 30.11.1960 Remseck-Neckarrems
Studium der Mathematik, Physik und Philosophie; Promotion und Habilitation in Philosophie
seit 1993 Studienrat im Hochschuldienst an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus 2002-03 Vertretung des Lehrstuhls für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Erfurt
Thomas ZoglauerThomas Zoglauer
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 30.9.2003