| Gerald M. Edelman, Giulio Tononi: Gehirn
und Geist. Wie aus Materie Bewusstsein entsteht München: Beck, 2002. Gebunden, 380 Seiten [A Universe of Consciousness: How Matter Becomes Imagination] Susanne Kuhlmann-Krieg, Übs. |
Vorsicht vor Buchbesprechungen,
insbesondere Klappen- oder Verlagstexten. Bei der Anpreisung der englischen
Buchausgabe fand ich: "In this short non-technical text, Edelman and Tononi
reveal exactly how the vast panorama of consciousness arises." Darin ist so
ziemlich alles falsch (eine Redefloskel, die hier zutrifft).
Selbstverständlich sind Edelman und Tononi als Naturwissenschaftler keine Dualisten. Das bewusste Erleben ist für sie ein unteilbares, integriertes Ganzes, jedoch hochgradig differenziert. Das bekannte Qualia-Problem ( Ein Hauptanliegen der Autoren ist es, zu zeigen, wie das Gehirn den Überfluss an Informationen verarbeitet und verwaltet ohne dabei seine Einheit und Kohärenz zu verlieren. Das Verfahren dazu nennen Edelman / Tononi die reentranten Wechselwirkungen. Die Übersetzerin Susanne Kuhlmann-Krieg hat insgesamt sehr gut gearbeitet, die technischen Ausdrücke "reentrant", "reentry" übernahm sie. Zurecht, denke ich. Man kann sich das Verfahren trotz eingehender Bemühungen der Autoren nicht so richtig vorstellen; wie soll man sich beispielsweise die steigerungsartige "multiple reentrante" Eigenschaft vorstellen? Deutsche Worte hätten mehr verwirrt als genützt. Die einst beliebte Computer-Metapher im Zusammenhang mit Gehirn oder Bewusstsein lehnen Edelman und Tononi ab. (Ist es ein Rückfall, wenn der Begriff "reentrant" genau wieder aus der Informatik stammt?) Der Computer im heutigen Design hat immer eine zentrale Stelle, eine Art Supervisor. Das gibt es im Gehirn nicht. Ich denke, da rennen Edelman und Tononi in der Fachwelt offene Türen ein. Ein Kapitel zeigt den Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Komplexität auf. Hier vertreten sie die mir derzeit best-einleuchtende Entstehungshypothese: Erst wenn sich ein entsprechendes Niveau an Komplexität ausbildet kann bewusstes Erleben entstehen. Ich ergänze: und dann entsteht es auch. "Das Wirken Ihres Gehirns und all seiner Mechanismen von ganz unten bis nach ganz oben, von den Atomen bis hin zum Verhalten, resultiert in einem Geist, der sich mit Bedeutungen befassen kann" (S. 300). Gehirn und Geist ist ein wegweisendes Buch, ob der gewiesene Weg der richtige ist, wird sich herausstellen. |
| "Es bringt den Leser
in seinem Verständnis vom Gehirn und Bewusstsein auf den derzeitigen
Forschungsstand." schrieb ich zur ursprünglichen Rezension im Jahr 2003.
Gerald M. Edelman brachte inzwischen ein weiteres Werk heraus: Das Licht des
Geistes Wie Bewusstsein entsteht [Wider Than the Sky: The Phenomenal Gift
of Consciousness]. Seine "Theorie der neuralen Gruppenselektion" (TNGS) hat er nach der Rezension von Kerstin Beckert (Diplombiologin,
Wissenschaftsjournalistin) im
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| Autoren Gerald Maurice Edelman erhielt 1972 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin. * 1.7. 1929 in New York; seit 1960 Professor an der Rockefeller University in New York Giulio Tononi ist Neurobiologe. |
| Links |
| Literatur |
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| Gerald M. Edelman, Giulio Tononi:
Gehirn und Geist. Wie aus Materie Bewusstsein entsteht. München:
DTV, 2004. Broschiert, 368 Seiten. Susanne Kuhlmann-Krieg, Übs.
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| Gerald M. Edelman, Giulio Tononi:
Consciousness: How Matter Becomes Imagination. Penguin Press Science,
2001. Taschenbuch, 288 Seiten |
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| Gerald M. Edelman: Das Licht des
Geistes. Das Licht des Geistes Wie Bewusstsein entsteht. Walter, 2004.
Gebunden, 187 Seiten
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| Gerald M. Edelman: Wider Than
the Sky: The Phenomenal Gift of Consciousness. Yale 2005. Taschenbuch, 224
Seiten
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